Frage von Till87, 38

Spielt im Zen-Buddhismus das Thema Metta eigentlich auch eine Rolle?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus, 12

Metta ist ein wichtiger Faktor im Mahayana-Buddhismus und somit auch im Zen.

Zen und Mitgefühl

Der Zen-Buddhist übt seine Praxis ja nicht zu seinem eigenen Vorteil, sondern er seine Übung entspringt dem Bodhisattva-Geist.

Alles, was man also meint, durch die Zen-Praxis zu "gewinnen" dient nicht dem persönlichen Vorteil, sondern kommt allen Wesen zu.

Zen-Praxis ist also eigentlich etwas völlig selbstloses.

Weisheit und Mitgefühl

Manchmal wird kritisiert, Zen betone die Weisheit (Prajna) und vernachlässige dabei das Konzept des Mitgefühls (Metta). Tatsächlich ist beides notwendig.

Wenn man nicht über ausreichende Klarheit verfügt, droht der Drang, aus Mitgefühl zu handeln, zu blindem Aktionismus zu verkommen.

Das ist dann wie im Beispiel, dass ein Blinder sich zum Anführer aller Blinden erklärt und behauptet, er könne den richtigen Weg sehen.

Da gibt es diese Spruchweisheit "Gott schütze mich vor wohlmeinenden Idioten und schenke mir einen schlauen Feind" - denn durch letzteren kann man noch etwas lernen.

Außerdem kann die Überbetonung des Aspekts des Mitgefühls zu einer Art von Realitätsblindheit, wie bei extremen Formen des "positiven Denkens" führen.

Nachher ist man vielleicht von Mitgefühl beseelt, hat aber nicht die Einsicht, wie sich dieses tätig verwirklichen lässt. Das ist dann auch nur eine Trance.

Umgekehrt ist Weisheit ohne Mitgefühl natürlich etwas sehr hartes und deshalb halte ich es eben auch für wichtig, nicht nur eine mechanische Zen-Praxis zu vermitteln, sondern auch den Geist dahinter.

Ich war vor vielen Jahren beim Vortrag eines Zen-Lehrers und er sagt dann:

"Zen heißt: Nicht nur für uns selbst"

Das traf einen wunden Punkt bei mir, denn ich hatte lange mit einer falschen geistigen Haltung geübt, indem ich meine Praxis auf mich beschränkte.

Seit dieser Rüge, habe ich mich geöffnet und habe meine Zen-Praxis auch auf andere Wesen ausgeweitet, anstatt mich in den Mittelpunkt zu stellen.

Wenn man als Übender den Geist des Bodhisattva nicht vergisst, dann benötigt man keine Extra-Meditation zur Entwicklung von Mitgefühl, weil die gesamte Praxis selbstlos ist.

Kommentar von Enzylexikon ,

Vielen Dank für den Stern. :-)

Antwort
von Rosenblad, 2

Im Chan geht es nicht um solche Begriffe, sondern um das genaue hinsehen und hinhorchen, um das wo Dein Herz und Dein Verstand ist, um das wo der Einzelne das des Anderen mitsucht und mitfindet um das Offen sein für die "Weite" des Lebens. Wo jemand sich in Begriffen verliert sieht er nur noch die Begriffe, hört nur noch die Begriffe und verliert sich in den Begriffen.

oder

Wo ein großer Stein mitten auf dem Weg liegt versuche ihn für Dich und den der nach Dir kommt wegzuräumen oder warte bis Dir jemand hilft, nur versuche nicht den Stein mit Worten wegzubewegen.

Antwort
von AaronMose3, 21

Warum sollte es deiner Meinung nach denn keine Rolle spielen ?

So eine Frage kommt schließlich nicht aus dem Nichts.

Kommentar von Till87 ,

Weil ja keine Metta-Meditation praktiziert wird und ich hab auch das Buch von Suzuki gelesen Zen Geist - Anfänger Geist. Offen gesagt hat sich das nicht einmal buddhistisch gelesen, sondern ich hatte eher das Gefühl, dass es sich ideologisch um den Daoismus handelt. Im Unterschied jetzt zum Theravada oder Vajrayana Buddhismus.

Antwort
von NewKemroy, 8

Eine umfassende Metta-Meditations-Praxis, die auch die Jhanas zum Ziel hat gibt es, wenn ich richtig orientiert bin, nur im Theravada.

Aber ich vermute, dass eine Kurz-Besinnung in Metta-Art bei vielen Meditationsweisen gerne zur Einleitung/Einstimmung benutzt wird.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten