Frage von julika1, 45

Spielen negative Folgen im Utilitarismus eine Rolle?

Hallo liebe Community! Ich würde gerne wissen, ob der Utilitarismus zwei Handlungen, die von ihrem positiven Nutzen aus gleichwertig sind, gleichstellt, auch wenn die negativen Folgen der Handlung A größer wären, als die der Handlung B, sprich: Spielen die negativen Auswirkungen im Utilitarismus eine Rolle?

Antwort
von lkhh98, 7

Wie schon erwähnt, betrachtet die "Reinform" des Utilitarismus - der Handlungsutilitarismus - lediglich die Folgen einer Handlung. Das größte Glück der größten Zahl. Hierbei geht es um die Maximierung von Lust und das Vermeiden von Leid. Tatsächlich gibt es auch Tabellen und Schemata, mit denen man Handlungsoptionen utilitaristisch beurteilen können soll. Im Endeffekt gilt der Handlungsutilitarismus jedoch längst als gescheitert. Er ist nicht wirklich durchführbar, denn Lust und Leid sind äußerst subjektive Kategorien! Außerdem gibt der Utilitarismus vor, einen JEDEN, der von einer bestimmten Handlung betroffen wäre, mit einzukalkulieren (sprich: dessen Lustmaximierung bzw. dessen durch die Handlung womöglich entstehendes Leid).

Um nochmal auf die Frage zu kommen: Ist die durchschnittliche Lustmaximierung gleich, jedoch die durchschnittlich hervorgerufenen Leidempfindungen verschieden groß, so gilt es hier die Handlungsoption, welche das geringere Leid hervorruft zu wählen.

Ist eine total interessante Theorie, allerdings weder durchführbar, noch in jeder Situation vertretbar.

Herzliche Grüße

/L

Antwort
von guterfrager97, 4

Es gibt gute Argumente, eine Ethik mit einer Theorie des Guten vorzuziehen, die über ein bloßes und reines Nützlichkeitsprinzip hinausgeht. Als Kriterium (Maßstab/Richtschnur) für den Nutzen wird ein höheres Ziel zu benötigt, das nicht wiederum utilitaristisch aufgezeigt werden kann. Der Utilitarismus kann nicht aus sich selbst heraus ein letztes Kriterium des Nutzens begründen. Eine Ethik mit einer umfassenderen Theorie des Guten könnte einiges an utilitaristischen Gedanken als relativierten Teilbestandteil aufnehmen. Nützliches erreichen zu wollen ist nichts an sich Schlechtes.
Utilitarismus mit einem universalistischen Prinzip (wie er gewöhnlich vertreten), nach dem das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl anzustreben ist, hat ein grundsätzlich begrüßenswertes Ziel.
Ob Stärken/Vorteile/Vorzüge oder Schwächen/Nachteile überwiegen, hängt auch davon ab, mit welcher Ethik der Utilitarismus verglichen wird.
Die Wertethik einer Lebensphilosophie kann sehr verschwommen, willkürlich und anfällig für Vorurteile, Irrationales, Autoritätes und Totalitäres sein.
Es gibt keine völlig offene, gar keinen Standpunkt in der Metaethik einnehmende Beurteilung einer Ethik.
Beim Utilitarismus kann als ein Vorteil eingeschätzt werden, in der Ethik a) einen Realismus (Werte/Gutes ist etwas, das es gibt und nicht bloß subjektiv ist) und keinen Anti-Realismus und b) einen Kognitivismus (Werte/Gutes ist etwas, das dem Erkennen zugänglich ist) und keinen Non-Kognitivismus zu vertreten. Damit weist er als Vorteile auf, a) nicht subjektivistischer Beliebigkieit zu verfallen und b) rational zu sein. Diese Einschätzung ist allerdings (wie schon erwähnt) von einem Standpunkt in der Metaethik abhängig.
Vorzüge des Utilitarismus
a) rationale ethische Theorie: Der Utilitarimus ist eine rationale ethische Theorie. Der Ansatz ist gut nachvollziehbar und beruht nicht auf autoritärer Verordnung oder verschwommenen irrationalen Betrachtungen.
b) Eignung als praktische Lebenskunst: Utilitarismus ist in der Praxis in einigem Ausmaß als kluge Überlegung zu einem guten Leben anwendbar, sofern kein Anspruch auf eine restlos genaue Berechnung des Nutzens erhoben wird.
c) Berücksichtigung des Strebens nach Glück und Ziel einer Zunahme von Angenehmen (Lust/Freude): Das Streben nach Glück, das bei allen vorhanden ist, wird berücksichtigt. Eine möglichst große Menge an Angenehmen (Lust/Freude) ist Ziel, ebenso eine Vermeidung von Unangenehmen (Schmerz/Leid).
d) Ausrichtung auf ein Allgemeinwohl und dabei Verbindung von Individuum und Gemeinschaft: Der Utilitarismus zielt gewöhnlich auf das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl. Das Glück des einzelnen Individuums wird ebenso berücksichtigt wie das der Gemeinschaft, deren Wohlergehen Maßstab ist. Verbesserungen können so gefördert werden.
e) grundsätzliche Gleichberechtigung aller Betroffenen: Alle Betroffenen sind grundsätzlich gleichberechtigt. So werden Würde und Interessen aller beachtet.

LG

Antwort
von TanjaStauch, 17

Sie spielen dieselbe Rolle wie positive Folgen.

Nur sind sie selbstverständlich mit ihrem negativen Vorzeichen zu gewichten.

In deinem Fall würde B also klar gewinnen.

Liebe Grüße,

Tanja

Antwort
von bithmar, 26

Im Utilitarismus, wie der Name schon sagt, werden positive und negative Folgen miteinander abgewogen. Das heißt man würde die Möglichkeit mit den weniger schlechten Folgen bevorzugen.

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