Frage von WarpDiva, 96

Spielen mit der Blende?

Hallo!

Ich bin noch... Kamera-Neuling. Habe die Nikon zwar schon seit 2014 aber bin immer noch am ausprobieren und entdecken.

Momentan spiele ich mit der Blende... der Tiefenschärfe...

Mir wurde gesagt, dass dieses Bild https://1drv.ms/i/s!AtJxCMvA1TDghcJY_QGFmiB4yJv9Xw recht matschig aussieht, da die Blendeneinstellung nicht passt. Mein Ziel bei diesem Bild war, die Unschärfe möglichst zu eliminieren. Soweit ich das bis jetzt in diversen Handbüchern gelesen habe, hat die Tiefenschärfe mit der Blendeneinstellung zu tun. Kleine Blende - starke Tiefenschärfe / grosse Blende - kleine Tiefenschärfe (also wenig unscharf)

Da muss man dann nachher mit der Verschlusszeit entsprechend umgehen... Gut. Bei dem Motiv habe ich kein Stativ genutzt.

Meine Frage: Waren meine Überlegungen richtig? Wie würdet ihr vorgehen, um ein Bild ohne Tiefenschärfe zu fotografieren? Und mir geht es nun nicht darum, ob das nun gut aussieht oder nicht, sondern um die ganze Technik / Materie zu begreifen.

Danke für eure Tipps :-)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von uwghh, 44

Moin,

grundsätzlich bist Du auf dem richtigen Weg, größte Blendenöffnung - geringe  Schärfentiefe, je weiter die Blende geschlossen wird, desto größer die Schärfentiefe.

Die Sache hat nur einen Haken, die den bösen Namen "Beugungsunschärfe" hat.

Blendest Du zu weit ab wird das Bild, beginnend im Zentrum wieder zunehmend unschärfer.

Ab wann man in den kritischen Bereich kommt hängt von Sensorgröße, Auflösung und Objektiv ab.

Am besten mal ein Motiv auswählen, Kamera auf's Stativ, Fernauslöser verwenden, ISO min und mit Zeitautomatik das Motiv von größter bis kleinster Blendenöffung fotografieren.

Anschließend am Rechner die Fotos auswerten und Du siehst ab wann die Beugung einsetzt und die Schärfe geringer wird.

Grundsätzlich wenn die Schärfentiefe groß sein soll, die Brennweite so kurz wie möglich auswählen, abblenden bis zur kritischen Blende, nur notfalls mal darüber,

Wenn alles nicht hilft, muss zusätzliche Software helfen (Stichwort "focus stacking").

Kommentar von WarpDiva ,

Hoppla! Da hast du jetzt ein Stichwort erwähnt, was sehr wahrscheinlich auch zu meiner vorherigen Fragestellung passen würde (anderer Thread)

Ich habe nämlich das "Problem", dass ein paar Bilder auf Capture One 9 Pro nicht in volle Grösse exportiert wird, sondern ganz leicht nach unten skaliert wird. Der Support lässt sich immer sehr lange Zeit mit der Antwort, weswegen die Frage bis heute noch ungeklärt ist.

Aber ich glaube, ich begreife es jetzt. Denn das eine Bild wurde auch mit einer grossen Blendenöffnung fotografiert und wurde dann von Capture One 9 Pro 3 % geringer skaliert. Der Support erwähnte was von der Objektivkorrektur, dessen genaue Einstellung ich aber nicht gefunden habe. 

Ich nehme jetzt mal an, dass genau diese Beugungsunschärfe möglichst gering gehalten wurde? Das erklärt natürlich einiges, auch, warum das Bild mit der Mühle korrekt ist, da mit einer kleinen Blendenöffnung gearbeitet wurde. 

Ich weiss nicht... Zum Testen ist das mit der Zeitautomatik vielleicht ganz nützlich. Selber habe ich gemerkt, dass ich mit der manuellen Einstellung am weitesten komme bzw selber mit dem Ergebnis zufriedener bin. Aber ist alles auch situationsabhängig natürlich.. Hmm. Ich werde demnächst sowieso in meinem Nebenjob wieder die Gelegenheit haben, ein paar Tennisspiele aufzunehmen. Ich denke, bei Sportaufnahmen ist die Zeitautomatik am dienlichsten. Wobei ja... ich weiss nicht, ob man das falscher Stolz nennt, wenn ich gerne lieber selber alles einstelle. Dann weiss ich schlussendlich auch, dass ich es begriffen habe oder zumindest auf dem richtigen Weg bin. 

Kommentar von uwghh ,

Mit welcher Belichtungssteuerung Du arbeitest ist ja situationsbedingt. Sport wäre dann eher die Blendenautomatik / Zeitvorwahl hilfreich. Manuell ist natürlich auch völlig i.O.. Die Zeitautomatik sollte bei einem Test nur für möglichst vergleichbare Ergebnisse sorgen, vorausgesetzt dass sich vor der Linse nix bewegt.

Zur Verzeichniskorrektur bei RAW Konvertern:

Leider hat Du das Objektiv nicht verraten, aber die meisten, besonders Zoomobjektive verzeichnen schon recht heftig, meist im Weitwinkel, meist zu den Rändern zunehmend. Mein Sigma 17-50/2,8 z.B. ist nach Korrektur eher ein 19 als ein 17mm Objektiv... Da geht einiges an Information verloren.

Aber leider werden heute viele Objektive schlampig verrechnet, die Elektronik kann's ja richtigen. Die originalen Herstellerobjektive sind da (oft) auch nicht besser, nur das da schon einiges Kamera intern korrigiert wird, dann fällt es am RAW Konverter nicht so auf.

Verzeichniskorrekturen kannst Du in den Einstellungen deaktivieren, dann mußt Du aber mit Krümmungen leben, oder Du kalkulierst den Verlust vor der Aufnahme bereits ein, wählst die Brennweite etwas geringer als nötig und dann passt wieder mit der Korrektur.

Einen direkten Zusammenhang zwischen Verzeichnung und Beugung sehe ich jetzt nicht, nur fallen Verzeichnungen weniger auf wenn, bei großer Blendenöffnung, sie sich in der Unschärfe verstecken.

Kommentar von WarpDiva ,

Danke für deine Erklärung :-) Jetzt bin ich wieder ein wenig schlauer.

Ich benutze ein Nikkor Objektiv 18-200mm / 5.6G

Ist bis jetzt aber auch nur "ausgeliehen" um auch anderes als das Standardobjektiv zu nutzen. Nächstes Jahr wird dann ein eigenes dazu kommen, welches mehr meinen Bedürfnissen anpasst. Der gewünschte Preis ist für das Objektiv glaub ich (nach Tipps von anderen) auch nicht gerade gerechtfertigt, etwa 800-1000 CHF möchte er dafür haben, so war es zumindest vor drei Monaten noch so. Ja... sehr lange geliehen ;-) 

Antwort
von DerOnkelJ, 61

Hier gibt es einen sehr guten Fotolehrgang der auch dieses Thema ausführlich behandelt.

http://www.striewisch-fotodesign.de/lehrgang/lehrg.htm

Das Zusammenspiel Blende und Verschlußzeit ist wie bei einem Wasserhahn.

Drehst du den Hahn nur wenig auf, dann brauchst du sehr lange um eine Tasse zu füllen. Drehst du den Han weit auf ist die Tasse sehr schnell voll.
Bei der Kamera ist die Tasse der Sensor, der Hahn die Blende und die Zeitdei Belichtungszeit.
Also kleine Blende (große Blendenzahl) bedeutet lange Blichtungszeiit, große Beldenöffnung (kleine Blendenzahl) ergibt kurze Belichtungszeit.

Die Schärfentiefe / Tiefenschärfe (ist beides genau das Gleiche) ist schon schwieriger zu erklären. Kurz gesagt: Große Blendenöffnung ergibt eine geringe Schärfentiefe, kleine Blendenöffnung eine große Schärfentiefe.

Ein Bild komplett von ganz vorne bis nach ganz hinten komplett scharf zu kriegen geht nicht. Dazu müsste die Blendenöffnung winzig klein sein und dementsprechend die Zeit extrem lang.
Bei kleiner Blendeöffnung tritt dann noch ein Effekt auf den man "Beugungsunschärfe" nennt, und der physikalisch bedingt ist.
Ich fotografiere schon seit einigen Jahren, und kleiner als Blende 22 nutze ich eigentlich  nie. Höchstens bei starker Sonne.

Andererseits spiele ich gerne mit geringer Schärfentiefe, also großer Blendenöffnung, insbesondere bei Portraits.

Kommentar von WarpDiva ,

Hui, das hilft mir schon sehr viel weiter. Danke für deinen tollen Beitrag! Ich werde mir den Link merken :-)

Kommentar von KarlKlammer ,

"Ein Bild komplett von ganz vorne bis nach ganz hinten komplett
scharf zu kriegen geht nicht. Dazu müsste die Blendenöffnung winzig klein sein und dementsprechend die Zeit extrem lang."

Ich möchte hier einfach mal "Lochkamera" in der Raum werfen. Da ist immer alles gleich scharf, oder unscharf, je nachdem wie man das sehen möchte.

Kommentar von DerOnkelJ ,

Weil du eben eine wiiiiiinzig kleine Blende hast und die Unschärfe im nicht mehr wahrnehmbaren Bereich ist.

Und es gibt einen Trick für durchgehendd scharfe Bilder: Focus-Stacking.. aber das ist schon was für Fortgeschrittene..

Kommentar von WarpDiva ,

Focus-Stacking hört sich auf jeden Fall interessant ein... kommt sicher auf der "To-Do" Liste von Sachen, die ich mir in 6 Monaten mal anschauen werde ;-)

Kommentar von WarpDiva ,

Ahh mir fehlt gerade der Begriff dafür... Wollte mit meinem Partner eh schon lange eine kleine Lochkamera basteln :-) Hat mich gerade wieder daran erinnert.

Danke für die Tipps

Antwort
von holgerholger, 57

Um ganz sicher zu gehen : Kleine Blende meint kleine Öffnung des Objektives, aber große Zahl auf dem Blendenring. Je kleiner das Loch, desto weniger Licht kommt durch, also muss zum Ausgleich die Zeit verlängert werden. Ebenso ist die Tiefenschärfe dann höher, d.h. es ist ein größerer Bereich scharf. Im Gegenzug : kleine Zahl bedeutet grosse Öffnung, bei einem Portrait im Nahbereich kann dann Sie Nasenspitze unscharf sein, wenn auf die Augen eingestellt wurde.

Antwort
von habakuk63, 53

Keine Tiefenschärfe also nur ein sehr kleiner Bereich scharf und der Rest unscharf = Brennweite 90mm und mehr + offene Blende (also kleinste Blendenzahl, die das Objektiv bietet). 

Ich würde hier Zeitautomatik wählen, so dass die Kamera diese (Zeit)aufgabe erledigt.

Kommentar von WarpDiva ,

Danke für deinen Tipp. Ich arbeite aber lieber mit der manuellen Einstellung, so dass ich selber die Kontrolle über sämtliche Einstellungen haben. Mit den Automatik-Programmen bin ich mit meiner Kamera nicht wirklich zufrieden. Diese nutze ich nur sehr selten. 

Kommentar von habakuk63 ,

Wie ermittelst du die erforderliche Verschlusszeit?

Kommentar von WarpDiva ,

Das kommt mit dem Gefühl und der Zeit / Übung. Angefangen habe ich auch mit der Automatik, aber sobald ich mich ein wenig mit der Kamera gewöhnt habe, bin ich langsam davon weggekommen. 

Je nach Blende und Lichtverhältnis gebe ich unterschiedliche Werte ein. Habe das auch schon besser im Griff als vor einem Jahr. Da ich häufiger auch Stillobjektive fotografiere, kann ich, falls es mal nicht passt, anpassen. Und sonst einfach üben und durch Erfahrungen schlauer werden :-)

Antwort
von Ahzmandius, 11

Für mich sieht es eher so aus, als wäre der Fokus einfach falsch gesetzt und/oder dei Belichtungszeit zu lange und etwas verwackelt.


Antwort
von Healzlolrofl, 49

Du wolltest bei dem Bild die Unschärfe eliminieren... aber wieso ist das Bild völlig unscharf? :-S

Kommentar von WarpDiva ,

Ist es nicht. Wahrscheinlich musst Du nur länger warten, damit alles geladen werden kann, da die Datei mit 6016 x 4000 recht gross ist

Kommentar von migebuff ,

Ist es nicht.

Doch, das Bild ist unscharf, bedingt durch die Kombination 18-200mm Suppenzoom und Beugungsunschärfe bei f/18.

Kommentar von WarpDiva ,

Es ist vielleicht nicht das beste Bild. Aber wie bereits diskutiert, bin ich kein Profi. Und bin noch am lernen / üben. 

Aber komplett unscharf, wie du hier so übertreibst, ist es bei normaler Sicht nicht. Es hat seine Schärfe, nur nicht perfekt... Nicht unbeding bei 100 % alles scharf, aber das habe ich auch nicht behauptet. Sondern habe hier gefragt, wie man es eben besser machen kann.

Also entweder du hast auch noch konstruktive Kritik, mit der mir geholfen werden kann, oder du lässt es :-*

Kommentar von Hasibert ,

So schlimm finde ich es jetzt garnicht. Nach dem Entwickeln sieht es schon besser aus (DXO Optics). Das 18-200 und F18 sind zwar nicht optimal, dabei ist das Nikkor immer noch eines der besten Objektive mit diesem Brennweitenspektrum. Manueller Modus muss nicht immer sein, für die meisten Fotos reicht A, wo man ja gezielt die Blende verändern kann, worauf es ja meistens auch ankommt, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Man ist auf jeden Fall schneller, besonders bei wechselnden Motiven mit unterschiedlichem Licht. Leichtes Über- oder Unterbelichten kann man da schnell mit der Belichtungskorrektur vornehmen.

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