Frage von easyema, 40

soziale phobie - behandlung unterstützen?

ich leide an einer sozialen phobie und mache demzufolge auch verhaltenstherapie. jedoch habe ich das gefühl, dass mich die therapie nicht so wirklich weiter bringt. ich fange nächsten monat meine ausbildung an und habe jetzt schon angst davor.. gibt es irgendetwas das ich machen kann, damit ich bis zur ausbildung ein bisschen selbstbewusster und unsicherer bin? ich weiß, dass das alles seine zeit braucht, aber ich hatte schon immer probleme damit kontakte zu knüpfen und da ich auch erst vor kurzem hier her gezogen bin, kenne ich hier noch überhaupt keinen. ich habe einfach angst davor, dass meine erfahrungen auf dem berufskolleg sich wiederholen, da ich dort auch nur sehr schlecht anschluss gefunden habe und dieser kontakt auch nicht lange gehalten hat. wenn ich in der ausbildung wieder so einen schlechten start habe, zieht mich das noch mehr runter. vielleicht hat jemand erfahrung damit oder kennt sich aus und kann mir weiterhelfen?

Antwort
von DerITSupport, 16

Da du anscheinend ja sogar schon versuchst es besser werden zu lassen, sehe ich gute Chancen, dass es auch weiter so gehen wird.

Was du machen kannst um zumindest in der Ausbildung schonmal etwas besser zurecht zu kommen, wäre ein paar Termine vorher anfragen.

Wenn du deinem Ausbilder/Arbeitgeber schilderst, dass du recht schüchtern bist und dich das belastet, können ja womöglich die Kollegen darauf eingehen.

Vlt kannst du dir deine Abteilung/Brufsumfeld schonmal anschauen oder eben eine Führung machen lassen. Dir könnten schonmal einzelnt die Kollegen vorgestellt werden.

Es klingt vlt blöd das jemanden mit sozialen Problemen zu sagen, aber frag einfach nach und schildere den leuten dein Problem. Das wäre denke ich ein sehr guter Anfang.

Das mit der Berufsschule solltest du nicht mit einer normalen Schule vergleichen. Du hast bezogen auf Vertrauenslehrer und Psychologen an Berufsschulen viel bessere möglichkeiten.

Jenachdem ob du Blockunterricht hast oder nur an einzelnen Tagen in der Schule bist, hast du auch nicht soo viel Kontakt mit den anderen mitschülern.

Das könnte dir eine gewisse Sicherheit geben und die möglichkeit dich ehr langsam an deine Mitschüler ranzuwagen.

Dein Unternehmen hat eine stetigen Austausch mit deiner Berufsschule. Solltest du also Probleme haben, ist eine Seite eigentlich immer für dich da.

An dem kennlern Tag hast du die Möglichkeit die andern Leute kennenzulernen und möglicherweise finden sich ja ähnliche Hobbys oder Geschmäker.

Ich als Hobbypädagoge kann dir nur sagen, versuch nicht offener zu sein als du bist. Auch schüchternheit kann auf Menschen förderlich wirken. Lass dich überraschen und versuch wie gesagt vorher schon dein unternehmen kennenzulernen.

MfG. Der pädagogische IT-Support

Kommentar von easyema ,

danke für deine antwort:-) dass ich nicht versuchen soll, offener zu sein, als ich bin, ist denke ich auf jeden fall etwas, das mir helfen könnte. allerdings verstelle ich mich automatisch vor fremden personen und gebe mich immer so, wie sich mein gegenüber verhält. wenn ich mit jemandem rede, bin ich also gar nicht ich selber, sondern versuche unbewusst mich der person anzupassen, um gefallen zu werden. auch wenn das manchmal das gegenteil bewirkt. mein problem ist, dass ich mir dessen total bewusst bin und weiß, dass es wahrscheinlich sogar besser funktionieren würde wenn ich mich nicht verstellen würde, ich es aber trotz allem nicht abstellen kann, da ich in dem moment so unsicher bin, dass das einfach automatisch kommt...

Kommentar von DerITSupport ,

Das klingt vlt. etwas blöd, aber versuch doch am Anfang weniger zu reden. Das ist nicht böse gemeint sondern einfahc überlege etwas, bevor du was sagst.

Mach dir Gedanken wie du dich ausdrücken kannst und wie du es am besten rüberbringst.

Der Gegenüber kennt dich genauso wenig wie du ihn.

Du weißt ja wie du unter Kollegen, Familie etc bist. Leuten denen du vertraust. Überlege also wie du was dort machst.

Das gibt dir von ganz alleine zumindest den Eindruck von Selbstsicherheit. Gehe es vlt mal mit Freunden durch. Rede über Dinge die dir unangenehm sind und lerne dich in diesen Situationen zu beruhigen.

Das könnte vlt sogar schon helfen.

Antwort
von GrumpyLilo, 16

Hey easyema,

ich würde dir empfehlen nicht so viel darüber nachzugrübeln. Klar ist das mit einer sozialen Phobie leichter gesagt als getan, aber versuch es mal. Lass den ersten Tag deiner Ausbildung einfach auf dich zukommen und schau was passiert. Check erst mal die Lage... Was gibt es für Leute, welche Gruppen sind vielleicht schon vorhanden, wer ist dir vielleicht auf Anhieb sympatisch. Schließlich ist das Umfeld dort ja für alle Auszubildenden neu. 

Wenn du dich bereit und wohl damit fühlst, sprich jemanden an. Das muss ja nicht gleich am ersten Tag sein. Eventuell ergeben sich die Kontakte ganz von selbst, beispielsweise beim Mittagessen oder der Sitzplatzverteilung im Klassenraum und du wirst von jemandem angesprochen. Unterhalte dich ganz locker mit den Leuten - ein bisschen Smalltalk. Dann kannst du abschätzen ob du dich mit ihnen verstehst und wer eventuell für eine Freundschaft taugt. Wenn das einmal geschafft ist, kommt der Rest schon von alleine.

Versuche vor allem, nichts zu erzwingen. Das macht dich unsicher und verspannt. Sei lieber unvoreingenommen. Wenn es dann schief geht kannst du immer noch darüber nachgrübeln. Aber ich bin zuversichtlich, dass du gut Anschluss findest. Alles Gute dir! :)

Kommentar von easyema ,

danke dir!:-)

Antwort
von BeGa1, 13

Mir ging es ähnlich und habe irgendwann auch so gedacht wie du.
Ich ging nicht in Therapie, da ich das für nicht nötig gehalten habe und ich an sich auch keine Probleme im Alltag hatte. (War wohl nicht so extrem bei mir)
Irgendwann schrieb ich per zufall mit einer Person und Sie baute ein mir bis dahin unbekanntes Vertrauen zu mir auf. Sie erzählte mir von ihrem Leben und vertraute mir Geheimnisse an, die sie sonst keinem erzählte.
Ich war so überrascht und wusste nicht mit der Lage umzugehen.
Wir trafen uns und sie war ebenfalls sehr schüchter, zeigte mir aber, dass ich ihr wichtig bin und wieder wusste ich nicht wie ich reagieren sollte.
Nach einer Zeit legte sich meine Zurückhaltung und ich wurde an sich offener. Eine Weile nur zu Ihr. Aber nach ein paar Monaten konnte ich auch bei anderen Menschen ähnlich offen sein und war seltener aufgeregt.

Ich habe nicht viel Ahnung von Therapien oder anderen Verhaltensmustern. Aber manchmal glaube ich, dass Menschen wie du einfach nur jemanden brauchen, der ihm/ihr sagt, dass man was besonderes ist etc.
Ich möchte jetzt auch nicht zu schnulzig werden, aber ich glaube so jemand würde auch dir ganz gut tun.

Sicher ist das eine blöde Frage an jemanden mit Sozialphobie. Aber hast du eventuell einen Freund oder eine Freundin, der du Sachen anvertrauen kannst? Verstärke dein Bindung zu wenigstens einer Person, die dir ähnlich ist bzw. ähnlich denkt. Das reden mit so einer Person stärkt das Selbstbewusstsein schon extrem. :)

Kommentar von easyema ,

also der kontakt zu meinen freunden ist leider abgebrochen, dadurch dass ich jetzt weiter weg gezogen bin. habe seit ca einem jahr einen festen freund und der versucht mich da auch echt gut zu unterstützen und mich aufzubauen! allerdings hat mich das alleine bisher auch nicht sehr viel weiter gebracht.. danke für deine antwort:-)

Expertenantwort
von samm1917, Community-Experte für Depression, 11

Soziale Phobie bzw. Soziophobie ist alles andere als lustig. Durch deine negative Erwartungshaltung erhöhst du die Chance, dass neue Projekte wie z.B. ein neuer Arbeitsplatz fehl schlagen.

Verstehe mich nicht falsch, du kannst nichts für deine negative Erwartungshaltung, sie ist ein Symptom der Krankheit. Desshalb bringt es auch wenig zu sagen "reiss dich mal zusammen". Es braucht ein planmässiges Vorgehen in einer solchen Situation.

Wichtig ist, dass du dich trotz Sozialer Phobie überwindest neue Projekte anzupacken. Viel mehr als schief gehen können sie nicht. Wenn es dir jedoch gelingt offen auf neues zuzugehen kannst du nur positiv überrascht werden.

Deinen Schritt eine Verhaltenstherapie zu machen war sehr intelligent und enorm wichtig. Leider dauert es eine Weile bis eine solche Therapie wirkt. Versuche in der Therapie deine Situation nachzustellen und dich mental darauf vorzubereiten.

Bei enormen sozialen Ängsten werden auch Medikamente eingesetzt. Ich habe unten gelesen, dass du mal Mirtazapin genommen hast. Dass dich Mirtazapin nicht weiter bringt ist kein Wunder, denn es ist nicht für Angststörungen (zu welchen auch Soziophobie gehört) zugelassen. Gegen Soziophobie helfen vor allem Medikamente der SS(N)RI-Klasse. Konkret zugelsassen zur Behandlung von Soziophobie sind vor allem Sertralin (http://deprimed.de/sertalin/), aber auch Escitalopram (http://deprimed.de/escitalopram/).

Bis diese Medikamente gegen Ängste wirken vergehen leider rund 4-5 Wochen. Sie müssen täglich eingenommen werden und sind teilweise mit starken Nebenwirkungen verbunden (welche jedoch nach einigen Wochen meist wieder nachlassen).

Obwohl die erwähnten Medikamente sehr gut gegen Soziophobie helfen, will Ich dich nicht überzeugen Medikamente zu nehmen, also nur als Info gedacht. Falls du Medikamente nehmen willst sprich dein Arzt auf die erwähnten Präparate an.

Ansonsten besprich alles mit deiner Therapeut/in. Sport hilft auch gut gegen Ängste (gemäss wissenschaftlichen Studien min. 4x wöchentlich 20min), so kann Nervosität konstruktiv abgebaut werden. Mache täglich Enspannungsübrungen und lenke dich wenns geht ein wenig ab.

Kommentar von easyema ,

sertralin hatte ich auch schon, hat auch nichts gebracht.. alles andere will mein arzt mir nicht verschreiben, weil gefahr besteht, abhängig davon zu werden. aber danke für deine tipps, werde es mal versuchen:-)

Kommentar von samm1917 ,

mit anderen meint dein arzt sicher benzodiazepine. benzos wirken enorm angstlösend, machen jedoch nach einer gewissen zeit stark abhängig. es ist ein neues medikament auf dem markt das ähnlich wirkt wie benzos, jedoch nicht abhängig macht. der name ist "pregabalin".

Kommentar von easyema ,

gibt's da irgendwo einen haken?

Kommentar von samm1917 ,

ja, die nebenwirkungen sind relativ zahlreich. siehe selbst: http://deprimed.de/pregabalin/

Antwort
von lonelysnail, 20

ja, hatte das selbe problem. habe stets drüber nachgedacht was andere von mir halten oder denken, was mich dann zum drogenkonsum geführt hat. das hat alles nur schlimmer gemacht.

bin dann mal zum hausarzt und hab mirtazapin 15mg verschrieben bekommen. nehme die seit etwa 2 wochen und es ist schlicht weg der wahnsinn.

ich bin viel mehr auf mich selbst bezogen und dadurch fällt es mir auch leichter ich selbst zu sein, anstatt mich zu verstellen, damit mich neue menschen mögen. 

und falls sie es nicht tun, dann ist es mir auch egal, denn ich mag mich selber und das ist das einzige was zählt.

von den drogen bin ich weg und neuerdings freue ich mich darüber neue menschen kennen zu lernen, einfach nur um rauszufinden wie ich mit ihnen klarkomme.

es hat mich aus der negativität befreit.

anfangs hatte ich auch angst, dass es meine persönlichkeit vollkommen ändert, was es nicht tat.

ich sage einfach was ich denke, was ich sonst nie getan habe und den menschen gefällt es.


Kommentar von easyema ,

ich habe wegen meiner depression auch einige Monate lang mirtazapin genommen (75mg) aber ich bin da nicht wirklich gut mit klar gekommen. mittlerweile bin ich wieder auf trevilor umgestiegen, allerdings hilft mir das auch nur hinsichtlich meiner depression, auf meine soziale phobie hat das keinen einfluss

Antwort
von Miete187, 16

Was sagt den die Therapeutin?

Ich kenne Menschen mit sozialer Phobie.....und kann mir nicht vorstellen das du in einen Monat etwas änderst, ich glaube mit der Ausbildung wird es eher schlimmer.

Ein Nachbar hat immer die Strassenseite gewechselt und weggesehen, nie geredet...jetzt nach 10 Jahren bewegt er sich in der gewohnten Umgebung  fast unauffällig und kann sogar Brötchen kaufen mit guten Morgen und was so dazu gehört.

Es gibt zu viele Ursachen, warum man eine soziale Phobie haben kann. 

Kommentar von Miete187 ,

Ich nehme meine Antwort zurück, wenn soziale Phobie bloß Schüchternheit bedeutet, dann kenne ich niemanden mit sozialer Phobie.

Kommentar von easyema ,

zu einer sozialen phobie gehört etwas mehr als nur ein bisschen schüchternheit

Kommentar von Miete187 ,

Eben daher meine ehrliche Antwort. 

Antwort
von TheTrueSherlock, 8

Wir haben viele Gemeinsamkeiten und ich verstehe dein Problem. Aus diesem Grund habe ich gleich die Frage in meiner Merkliste gespeichert ;)

Auch ich habe eine Soziale Angststörung, Depressionen, bin vor kurzem zu meinem Freund gezogen, kenne hier noch kaum jemand und habe tierische Angst vor der Ausbildung ^^

Die Ausbildung hätte ich fast dieses Jahr noch etwas verpätet angefangen, allerdings hat sich der Betrieb doch noch umentschieden.. Ich fange erst 2017 an (ist jetzt ganz gut). Trotzdem will ich in der Zeit ein Langzeit-Praktikum bei der Firma machen und davor schon Bammel..

Im Gegensatz zu dir habe ich eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie hinter mir und keine Verhaltenstherapie. Letzteres ist aber sicherlich besser für eine Soziale Phobie ^^

Ich habe auf diese Frage schon viel zur Sozialen Phobie geschrieben und was man alleine schon machen könnte: https://www.gutefrage.net/frage/ist-es-moeglich-sich-selbst-aus-einer-extremen-s...

Ein Monat ist recht kurz, aber tief durchatmen! Ich habe vor kurzem hier eine Frage geschrieben, dass ich mich gar nicht so richtig über eine Zusage zu einer Ausbildung freuen kann. Ich sehe stattdessen nur meine Ängste. Ich habe viele liebe Kommentare (besonders von Denise658) gekriegt, die dir sicherlich auch gut tun! https://www.gutefrage.net/frage/ich-kann-mich-ueber-die-zusage-zu-einer-ausbildu... Lies es dir auch mal durch :) Mich hat es echt aufgemuntert und ich denke nun eher, dass ich es schaffen kann.

Suche dir auch schöne aufmunternde und kraftspendende Sprüche heraus, die du dir mehrmals vorsagst oder aufnimmst und dir am 1. Ausbildungstag anhörst. Mir helfen die Sprüche sehr viel und deshalb mache ich auch gerne Sprüche-Videos für Youtube. Aber naja, ich möchte jetzt keine Werbung dafür machen.

"Stark sein, bedeutet nicht nie zu fallen, sondern immer wieder aufzustehen!"

Du schaffst das, glaube an dich :) Alles Liebe und ganz viel Kraft an dich!

Kommentar von easyema ,

Danke! :-)

Kommentar von TheTrueSherlock ,

Gerne :)

Antwort
von voayager, 5

mach ne Atemtherapie, so was ist recht hilfreich. Dazu noch Sport treiben und ggf. zudem meditieren.


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