Frage von Laint, 92

Soziale Isolation folgen im Jugendalter?

Hallo,

Mal angenommen man isoliert sich ab dem 13. Lebensjahr relativ stark also tut sehr selten etwas mit freunden und geht sonst fast nur noch wegen der Schule raus und das über 6 Jahre. Welche Folgen kann das haben ? Sind die Folgen irreversibel ? Bspweise wenn die Person dann schwere depressionen und eine Wahrnehmungsstörung hat bzw Minderwertigkeitskomplexe ? Und was kann diese Person tun? Sie fühlt sich so schwach und minderwertig wenn sie rausgeht und hat auch kaum nich kraft.

Antwort
von Tasha, 57

Zunächst sollte man mal herausfinden, welche Ursachen das hat/te!

Ist die Person einfach introvertiert, gern alleine, hat Hobbys, die sie eher und lieber alleine ausübt?

Hat sie andere Interessen als Gleichaltrige in ihrem Umfeld und daher nicht so viel Spaß an gemeinsamen Unternehmungen?

Wurde sie geärgert/ ausgeschlossen/ gemobbt und zog daher Einsamkeit der Quälerei vor?

War die Schule sozial oder vom Lernstoff her so anstrengend, dass die Person vielleicht nachmittags erst mal schlafen musste?

Hatte sie evtl. zu Hause Stress, der sie so mitnahm, dass keine Kapazitäten mehr für Treffen mit Freunden blieben?

Oder hatte sie zu Hause so viele Aufgaben (z.B. Tierbetreuung bei vielen Haustieren, auf Geschwister aufpassen müssen, viele Aufgaben im Haushalt etc.), dass ihr wenig Zeit für Freunde blieb?

Es gibt noch andere denkbare Gründe.

Je nach Grund hat die "Isolation" einen Einfluss auf das weitere Leben oder eben nicht. In der Schule hatte sie immerhin täglich 5 bis 6 Stunden Sozialkontakte.

Wer bspw. keine Partys mag, isoliert sich in den meisten Gruppen von Jugendlichen schon mal selbst relativ stark, weil er die meisten gemeinsamen Unternehmungen verpasst und dann später auch nicht mitreden kann. Ebenso oft, wer keinen Alkohol trinken möchte/ darf (strenge Strafen der Eltern). Oder wer keinen Zugang zu sozialen Netzwerken hat, weil die Eltern das verbieten (alles, was über die Schule hinaus geht).

Im Erwachsenenalter wird es für solche Leute oft einfacher! In der Schule waren sie meist auf die zugewiesene Gruppe - Klasse, AGs, Nachbarschaft - beschränkt; später können sie gezielter nach Leuten suchen, die zu ihnen passen. Erwachsene sind zudem toleranter bzgl. "abweichendem Verhalten und abweichenden Interessen". In der Schule finden sich meist Leute mit ähnlichen Interessen, wer da sehr aus dem Rahmen fällt und Hühner züchtet, Volkstanz einübt oder etwas in der Art, gilt oft als Sonderling und wird halt gemieden. 10 Jahre später wäre das nicht mehr so ein großes Problem, auch wenn dann gemeinsame Erfahrungen im Jugendalter fehlen.

Was passieren kann: Derjenige kennt bestimmte Abläufe oder gängige Umgangsformen nicht, er ist erst mal ungeschickt im Umgang mit anderen, weil ihm Erfahrungen fehlen, er wird anfangs vielleicht etwas befremdlich. Wenn er aber Leute findet, die ähnlich ticken - bzw. Erfahrung oder Interessen - dann kann er durchaus lernen, ganz normal mit anderen umzugehen und auch einen Freundeskreis aufzubauen. Vorausgesetzt, er möchte das. Nicht jeder will das! Und nicht jeder, der es nicht will, ist Autist. Vielen reicht auch ein Bekanntenkreis, also Kontakt mit Leuten, die man nicht nach Hause einlädt, mit denen man nicht oder selten geplant etwas unternimmt, mit denen man aber hin und wieder gut schnacken kann.

Antwort
von letsjustbereal, 60

Wenn sie bereit es seine vergangenheit zu akzeptieren kann sie ein neues leben anfangen und was verändern...es liegt an der einstellung

Antwort
von IceHunter, 38

Ich bin 19(m) und habe das genau so gemacht. Ich wurde gemobbt und habe mehr schlechte Erfahrungen als gute mit Menschen gemacht. Ich wurde dadurch sehr schüchtern und verschlossen. Deswegen hasste ich den Kontakt zu unbekannten und nachdem ich mein neuntes Schuljahr beendete, habe ich meine gesamte Freizeit zuhause oder allein verbracht, wodurch ich alle meine Freunde verlor. Aber das störte mich wenig, denn mir ging es ja gut auch ohne Freunde. Meine Lehrzeit war grausam. Ich kam mit dem Druck den sie mir gemacht haben überhaupt nicht klar. Ich hatte fast Burnout deswegen und wurde noch um einiges schüchterner und ängstlicher. Mit 16 habe ich dann begonnen mich mit Persönlichkeitsentwicklung zu beschäftigen. So habe ich es geschafft wieder zu mir selbst zu finden. Heute bin ich sehr selbstbewusst und gelassen. Ich habe immer noch keine Freunde und bin immer zuhause oder allein weil ich immer introvertiert war und meine Introvertiertheit durch das viele allein sein und durch meine Persönlichkeitsentwicklung gestärkt wurde. Informiere dich mal wenn du nicht genau weißt was das bedeutet. Ich fühle mich also weder einsam, noch sonst irgendwie schlecht durchs allein sein. Nein, im Gegenteil. 

"Welche Folgen kann das haben?"

Man wird Introvertierter, ruhiger, intelligenter, bewusster über sich selbst, man wird mit dem Denken von der Norm abweichen weil die Spiegelneuronen das Denken und das Verhalten der anderen nicht kopieren und man gezwungen ist sich eine eigene Meinung zu bilden. Man beginnt also die Welt mit anderen Augen zu sehen.

"Sind die Folgen irreversibel?"

Die Persönlichkeit oder Psychische Schäden sind nicht in Stein gemeißelt. Du kannst sein wer du willst wenn du dich nur hartnäckig genug mit deiner Persönlichkeitsentwicklung beschäftigst.

"Beispielsweise wenn die Person dann schwere Depressionen und eine Wahrnehmungsstörung hat bzw Minderwertigkeitskomplexe?"

Wenn jemand aufgrund von Isolation depressiv ist, dann nicht weil er allein ist, sondern weil er einsam ist weil er sich selbst nicht mag. Jemand der sich selbst liebt kann sich nicht einsam fühlen. Oder er hätte gerne eine andere Realität und ist deshalb so unzufrieden und enttäuscht. Die Depression wird also selbst erschaffen. Die Isolation trägt keine Schuld. Es ist alles eine sache von wie man seine Welt sieht.

Was du mit Wahrnehmungsstörung meinst kann ich nicht nachvollziehen. Ich behaupte, die Wahrnehmung wird eher besser weil man viel mehr gegenwärtige Momente in der Stille hat. Es kommt natürlich auch darauf an wie derjenige seine Freizeit gestaltet. Viel Ablenkung führt zu Unbewusstheit und zu einer schlechten Selbstwahrnehmung. 

Minderwertigkeitskomplexe verursachen eher in die Isolation zu kommen, als anders herum. Wenn du während der Isolation Minderwertigkeitskomplexe bekommst, dann aus den gleichen gründen wie diejenigen die viel unter Menschen sind. Informiere dich mal.

"Und was kann diese Person tun?"

Persönlichkeitsentwicklung, Aufarbeitung von negativen Glaubenssätzen und Erinnerungen. Raus gehen und bewusst dinge machen die einem peinlich sind.

So sehe ich das alles zumindest.



Antwort
von Rotschnabel, 58

Echte psychische Traumata sind nicht zu erwarten. Mit 13 ist die Sozialisation weitgehend abgeschlossen... Vielleicht muss man zu Anfang ein paar Unsicherheiten überwinden aber nach einer kleinen Eingewöhnungszeit sollte alles gut werden. Am besten in einen Sportverein eintreten oder eine Ausbildung anfangen um Leute kennenzulernen.... Und natürlich die Ursache für die Isolation beseitigen.

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