Frage von nihao123, 84

Sozialbeitrag nach 1 Jahr oder früher?

Hallo. Meine Freundin(20 Jahre alt) kommt aus Polen und arbeitet zurzeit in einer deutschen Leihfirma (sie hat deutschen Vertrag und deutsche Verdienstabrechnungen). Sie arbeitet schon 8 Monate dort. Falls sie ihren Job verliert, ist es möglich sie beim Jobcenter anzumelden um Sozialbeiträge zu bekommen, oder muss sie ein Jahr lang durcharbeiten? Sie wohnt in einer Arbeiterwohnung(von der Firma) mit anderen Arbeitern, zählt das als ein Wohnplatz oder muss sie eigene Wohnung besitzen? Ich habe gehört man muss 3 Monate lang in Deutschland Angemeldet (Wohnung) sein, um Sozialbeiträge zu bekommen. Sie wollte nachher gerne die Sprachkurse absolvieren und nachdem sie deutsch gelernt hat eventuell eine Ausbildung machen oder direkt in die Arbeit gehen. mfg

Antwort
von isomatte, 57

Sie wird da doch sicher gemeldet sein und auch etwas für die Unterbringung zahlen müssen,dann zählt das natürlich als Wohnanschrift !

Sollte sie ihre Beschäftigung vor 1 Jahr ( 360 Tage ) Versicherungspflicht verlieren,dann hat sie nach Prüfung der individuellen Umstände zumindest für 6 Monate Anspruch auf ALG - 2.

Das Jobcenter wird dann genau prüfen warum sie die Beschäftigung verloren hat,wenn es nicht ihr verschulden war,dann bekommt sie auch erst einmal ALG - 2 gezahlt.

Sie würde dann min. ihren Regelsatz von derzeit 404 € bekommen und dazu ihre KDU - Kosten der Unterkunft und Heizung ( Warmmiete ),dass ergibt dann ihren individuellen Bedarf nach dem SGB - ll.

Hat sie min. 1 Jahr gearbeitet,dann steht ihr wie jedem anderen auch ALG - 1 von der Agentur für Arbeit zu,dann würde sie für 360 Tage 6 Monate ( 180 Tage ) ALG - 1 bekommen bzw.solange stünde es ihr dann max. zu.

Sie würde dann von ihrem durchschnittlichen Nettoeinkommen der letzten 360 Tage vor der Arbeitslosigkeit ca. 60 % ihres Einkommens an ALG - 1 bekommen.

Kommentar von nihao123 ,

Danke für die Antwort. Muss sie aber vorher beim JC angemeldet sein, bevor sie Ihren job verliert? Und was wenn sie nirgendwo in Deutschland angemeldet ist (Wohnung)? Also sie lebt in einem Hostel, auf ihrer Versicherungzettel steht eine Adresse aber ob diese die Adresse ist, wo sie angemeldet sei? Mfg

Kommentar von isomatte ,

Wenn da eine Adresse steht dann ist sie auch auf diese gemeldet !

Beim Jobcenter muss man sich normalerweise nicht vorher melden,dass ist nur bei der Agentur für Arbeit ( ALG - 1 ) notwendig.

Würde sie angenommen einen befristeten Vertrag haben und nicht min. 3 Monate vor Ablauf gesagt bekommen das sie einen neuen Arbeitsvertrag bekommt,dann muss sie sich 3 Monate vor Ablauf des alten Vertrages bei der Agentur für Arbeit Arbeit suchend melden.

Das kann sie telefonisch / online oder auch persönlich machen,erst am 1 Tag der Arbeitslosigkeit muss sie sich dann zwingend persönlich arbeitslos melden,denn erst ab da würde ein evtl.Anspruch auf ALG - 1 geltend gemacht.

Wenn der Vertrag nicht befristet wäre und sie erst später mitgeteilt bekommen würde das sie die Beschäftigung verliert,also keine 3 Monate vorher bescheid wüsste,dann muss sie sich innerhalb von 3 Tagen nach bekannt werden bei der Agentur für Arbeit melden.

Da würde dann geprüft ob sie sich einen Anspruch auf ALG - 1 erworben hat und wenn nicht,dann muss sie sich beim Jobcenter ( ALG - 2 ) melden.

Kommentar von GerdausBerlin ,

Auch beim Jobcenter sollte man sich (zwecks rechtzeitiger Vermittlungs-Bemühungen des Amtes) drei Monat vor Ende des Jobs melden (bzw. 3 Tage nach Bekanntwerden, was übrigens ein Hauptwort ist ;-), sonst muss es zu Sanktionen kommen, schreibt SGB II § 31 Pflichtverletzungen:

"(2) Eine Pflichtverletzung von erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist auch anzunehmen, wenn

4. sie die im Dritten Buch genannten Voraussetzungen für das Eintreten einer Sperrzeit erfüllen, die das Ruhen oder Erlöschen eines Anspruchs auf Arbeitslosengeld begründen."

Nur gibt es beim ALG II keine Woche Sanktion wegen Spätmeldung, sondern zumindest theoretisch drei Monate Absenkung. Oder liest du aus §§ 31 a und b etwas anderes?

Gruß aus Berlin, Gerd

Kommentar von isomatte ,

Das Bekanntwerden zusammen geschrieben wird ist die eine Seite ( danke für den Hinweis ),aber deine genannten §§ ist die andere Seite !

Ich frage mich wo hier eine Pflichtverletzung vorliegen sollte,ich kann in deinen genannten §§ nichts finden das darauf einen Hinweis gibt wann man sich Arbeit suchend zu melden hat.

Die Sanktionen können eintreten wenn man z.B. seine Beschäftigung aufgibt oder eine Maßnahme nicht antritt bzw.abbricht,aber nicht wenn man sich nicht rechtzeitig beim Jobcenter meldet,denn dazu ist keiner verpflichtet,weil es eine Sozialleistung ist und diese beantragt werden kann,aber nicht muss.

Gruß aus Thüringen

isomatte

Antwort
von GerdausBerlin, 15

"Sozialbeiträge" bekommt man nicht, die zahlt man! Und zwar von seinem Gehalt in die Versicherungskassen für Krankheit, für Pflege und für Arbeitslosigkeit.

Aus der letzten Kasse gibt es dann nach einem Jahr Arbeit das Arbeitslosengeld I (ALG I) von der Agentur für Arbeit. Das ist kein Sozial-Beitrag, sondern eine Sozial-Leistung! Genauso wie ALG II vom Jobcenter.

ALG II gibt es, wenn das ALG I nicht reicht zum Lebensminimum, oder wenn man noch keinen Anspruch hat auf ALG I oder keinen Anspruch mehr.

Für ALG I muss man mindestens 1 Jahr gearbeitet und in die Arbeitslosen-Kasse einbezahlt haben (das macht aber automatisch der Chef, wenn man nicht schwarz arbeitet).

Für ALG II muss man (als Ausländer) in der Regel mindestens 3 Monate in Deutschland gearbeitet haben.

Beide Leistungen (ALG I und ALG II) gibt es aber in der Regel nur, wenn man dem Arbeitsmarkt Vollzeit zur Verfügung steht. Dann kann man - wie jeder Arbeitnehmer - nach Feierabend Kurse besuchen, für Deutsch oder auch für Töpferei.

Ausnahme: Wenn das Amt für Arbeit oder das Jobcenter meint, man solle Deutsch lernen, um besser in Arbeit vermittelt werden zu können (oder in eine Ausbildung), dann darf man auch ganztags einen Deutschkurs besuchen, anstatt zu arbeiten. Dann gibt es sogar die Möglichkeit, dass das Amt den Kurs bezahlt - aber eben nicht immer.

Gruß aus Berlin, Gerd

Kommentar von nihao123 ,

Meine Freundin wohnt bei ihren arbeitsgeber, wenn sie ihren job verliert, verliert sie automatisch Ihre wohnung. Braucht sie dann neuen anmeldeort um sich bei JC anzumelden? 

Kommentar von GerdausBerlin ,

Sozialrechtlich gilt: ALG II gibt es nur bei dem Jobcenter, in dessen Bereich man seinen gewöhnlichen Aufenthalt (s. Wikipedia) hat.

Ordnungsrechtlich gilt: An dem Ort, an dem man seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat, muss man sich anmelden.Sonst gibt es eine Ordnungsstrafe, man muss dann also meist ein Bußgeld zahlen.

Sozialrechtlich gilt: Man muss glaubhaft machen, wo man seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Dazu gibt es theoretisch mehrere Mittel:

  1. Die eigene Aussage
  2. Die Aussage eines Zeugen (z. B. eines Mitarbeiters einer Betreuungsstelle für Obdachlose oder eines Frauenhauses)
  3. Die Bestätigung über eine Anmeldung (z. B. vom Bürgeramt)

Nummer 1 genügt den Jobcentern meines Wissens nicht, obwohl dies etwa vor Gericht genügen könnte - bei genügender persönlicher Glaubwürdigkeit.

Nummer 2 genügt etwa bei Obdachlosen, die sich regelmäßig in einer Betreuungsstelle für Obdachlose melden. Das ALG II wird dann an diese Stelle überwiesen und dort dem Obdachlosen ausgehändigt.

Bei allen anderen Bürgern verlangt das Jobcenter Nummer 3. Falls man diese Anmeldung nicht vorweisen kann, muss man schon plausibel machen, weshalb das nicht geht. Dann muss man weitersehen, ob es auch ohne geht. Üblich ist das aber nicht.

Gruß aus Berlin, Gerd

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