Frage von User55009, 87

Sozial ist alles, was Arbeit schafft?

Sozial ist, was Arbeit schafft? Ist das richtig zu ende gedacht?

Expertenantwort
von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 7

Sozial ist, was Arbeit schafft? Ist das richtig zu ende gedacht?



Ja, wenn man "Arbeit" zum Lebenszweck erklärt.

Wer behauptet, dass nur sozialisiert - also "in die Gemeinschaft integriert" - werden kann, wer Arbeit hat; der setzt Arbeit als eigentlichen Zweck - und damit als Wertbestimmung - des Lebens an. 

Mit anderen Worten: Es ist ein klassisch-neoliberales Konzept, das im Menschen einzig den Wert der (noch zu leistenden) Arbeit sieht.

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BTW: Dieser Werbeslogan, mit dem die CDU 2004 auf Wählerstimmenfang ging, ist von der NSDAP-nahen "Kampffront Schwarz-Weiß-Rot", die als Wahlbündnis aus Stahlhelm, Landbund und DNVP bestand, abgekupfert. Diese Kampffront wurde vor allem von Industriellen, Rüstungs- und Medienunternehmern gestützt, und war im Grunde hauptsächlich Wählerstimmen-Anker und geheime Parteienfinanzierung für die NSDAP.

Diese Kampffront warb schon 1933 mit dem Slogan:

"Sozial ist, wer Arbeit schafft.

(Man beachte: "Wer" wird durch "was" substituiert; ansonsten ändert sich nix.)

  • CDU: http://www.lumperladen.de/media/grafik/CDU_Wahlplakat_2008-06-08.jpg
  • Kampffront Schwarz-Weiß-Rot: "Derjenige ist wirklich und wahrhaft sozial, der Arbeit schafft." (Hugenberg, Rüstungs- & Medienunternehmer und Hitler-Sympathisant)

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Allerdings ist selbst das - bisher - noch zu kurz gedacht: 

Schon heute werden, vorsichtig geschätzt, ca. 10 - 15 Prozent der Erwerbsfähigen nicht mehr benötigt, um das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben umfassend zu realisieren und voranzutreiben. Das wird in Zukunft (s. "Automatisierung", etc.) noch deutlich zunehmen. 

Einschlägige Studien gehen davon aus, dass in absehbarer Zeit bis zu 80 Prozent der Erwerbsfähigen nicht mehr benötigt werden.

Doch selbst, wenn es nur 20, 30 oder 40 Prozent werden, die im "Arbeits-Prozess" - und damit nach diesem neoliberalen Modell auch in der Gesellschaft -  überflüssig geworden sind, wird sich die Gesellschaft Gedanken machen müssen, wie sie mit diesen "überflüssigen Menschen" umgehen will.

Hitlers Antwort auf die "Überbeschäftigung" war damals einfach: Er verbot etwa den Straßenbau-Unternehmen die Nutzung von Maschinen und ließ dafür Arbeiter mit Hacke und Schaufel schuften. 

Die Lösung der Neoliberalen ist allerdings bis heute noch nicht bekannt. Falls sie also eine Lösung haben, so hüten sie dieses Geheimnis ausgezeichnet; denn bis heute gibt es noch nicht einmal Vermutungen, wie sie das Problem anzugehen gedenken.

Da aber selbst Hitler auf "Profitreduzierung als Patentlösung" abstellte (Maschinen waren auch damals schon leistungsfähiger und gerade bei Großaufträgen deutlich billiger als menschliche Arbeitskräfte), dürfte die Verzweiflung in den Think Tanks der Neoliberalen ob des unangenehmen Dilemmas "Profitreduzierung auf Hitlers Weg; oder Profitreduzierung auf dem Weg der Linken" durchaus omnipräsent sein.

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Hitlers Alternativ-Angebot an die Wirtschaft zum Ausgleich der entgehenden Profite war übrigens "Aufrüstung". Welche Vorschläge werden wohl die Neoliberalen machen, sobald sie ihr Dilemma aufzulösen gedenken? 

Antwort
von OlliBjoern, 8

Ich denke, man muss schon auch den Aspekt der Zukunftstauglichkeit von Arbeitsplätzen beachten. Ich denke da z.B. an Kohleförderung und die Stahlindustrie, die lange Zeit auch hier in Deutschland (und in UK) stark betrieben wurde. Heute ist der Untertage-Abbau von Kohle entweder ganz verschwunden (oder auf ein Minimum reduziert, ich weiß es nicht genau).

Kohle und Stahl können auch außerhalb von Mitteleuropa hergestellt werden, dazu muss man kein Hochtechnologie-Land sein. Noch heute leiden einige britische Regionen, die auf Montanindustrie spezialisiert waren, und die den Anschluss an modernere Technik verpasst haben.

Soll man einen unrentablen Industriezweig aus dem einzigen Grunde subventionieren, dass er Arbeitsplätze schafft?

Ein anderes Beispiel betrifft die deutsche Milchwirtschaft. Wurde jahrelang subventioniert, heute wissen die Leute nicht mehr, wohin mit der Milch (Preisverfall).

Arbeit braucht auch eine entsprechende Nachfrage nach dem Produkt. Zudem muss man zu rentablen Konditionen produzieren können. Für Mitteleuropa stelle ich mir mehr moderne Technologie vor, Rohstoffe (und Stahl) werden inzwischen in der ganzen Welt günstiger produziert.

Die Aspekte Wertschöpfung und Zukunftstauglichkeit gehören dazu.

Antwort
von Interesierter, 36

Wenn man diese Aussage im Gesamtkontext sieht, dann ist sie sicherlich richtig. 

Grundsätzlich wird durch jedes Arbeitsangebot und sei das Angebot noch so schlecht, eine Nachfrage nach Arbeitskraft ausgelöst, was die Position der Arbeitnehmerseite stärkt. Jeder Arbeitgeber, der Arbeitskräfte sucht, muss in jedem Fall den gesetzlichen Mindestlohn bezahlen. Je mehr Arbeitgeber nach Arbeitnehmern suchen, umso eher kann sich der einzelne Arbeitnehmer die Stelle aussuchen und umso eher kann er einen ordentlichen Lohn über dem gesetzlichen Mindestlohn durchsetzen. 

Ich möchte hier ausdrücklich darauf hinweisen, dass nicht jedes Arbeitsangebot sozial ist. Darum geht es aber hier auch gar nicht. Hier geht es ausschliesslich um die Schaffung von zusätzlichen Arbeitsstellen, die vorher einfach nicht da waren. Das ist in jedem Fall sozial.

Antwort
von soissesPDF, 28

Das ist neoliberaler Unfug.
Wirtschaft und Wohlstand lassen sich nur gemeinsam denken.
Rekordgewinne für die Wirtschaft und Niedriglöhne für die Bürger schafft keinen Wohlstand, sondern Verarmung.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/brexit-schluss-mit-dem-europa-der-petz...

Antwort
von HotXL, 62

nein, nicht richtig zu Ende gedacht.

Es gibt auch Anbieter von Arbeit, die NICHT sozial denken, sondern Steuervorteile ausnutzen.

Kommentar von Interesierter ,

Dann wäre es also besser, diese Arbeitgeber würden die Hände in den Schoß legen und keine Arbeitsplätze schaffen. Wäre das dann sozialer? Ich denke nicht. 

Kommentar von BTyker99 ,

Ich denke doch. Wenn z.B. Hermes aufhören würde, seine Dienstleisung anzubieten, würde die Nachfrage automatisch auf die Konkurrenz, wie z.B. DHL aufgeteilt werden, wodurch dort sozialere Arbeitsplätze entstehen würden.

Kommentar von lupoklick ,

das Problem sind  bei Hermes, DHL, etc SUB-SUB-Subunterhehmen, so daß am Ende der Kette arme Menschen die Jobs machen, die kaum unsere Sprache beherrschen...

Antwort
von Pahana, 37

wir menschen wissen wirklich nicht, was sozial bedeutet wir reden viel davon und Parteien nennen sich so, dass ist aber auch alles.wölfe sind sozial und wahrscheinlich die sozialsten wesen der welt, eingeschlossen die Hunde natürlich.

Kommentar von Pahana ,

nur ein Beispiel: wir menschen lügen bis zu 400mal am tag. sie täuschen damit ihre nahe verwandten, freunde, bekannten, Arbeitskollegen ect. wie kann das sozial sein? das ist asozial

Antwort
von voayager, 9

Nein, mit Sicherheit nicht, diese Betrachtungsweise gab es schon mal im Hitler-Faschismus. Da gab es zwar Arbeit für Alle, aber alles mündete in einen totalen Krieg ein. Solch ein Preis ist entschieden zu hoch.

Expertenantwort
von atzef, Community-Experte für Politik, 8

Nein. Nicht richtig zu Ende gedacht.

Vermutlich noch nicht einmal angefangen, zu denken...:/

Antwort
von Dichter1Denker, 9

Sozial ist was Arbeit schafft? Da fällt mir der Kabarettist Volker Pispers ein:

Wenn ich ihnen mit einem Baseball-Schläger ihr dämliches Maul poliere, dann schafft das im Krankenhaus eine Menge Arbeit. Wie sozial soll ich jetzt mal sein?

Wie gesagt: Es ist ein Zitat. Also nicht auf dich selbst beziehen. Und auch sonst kann ich dir Pispers nur empfehlen. Falls du politisch etwas mehr interessiert bist, so kann dir Pispers eine gute Orientierung geben.

Antwort
von Tteller, 18

Das war ein Slogan von den Kriminellen, die Hartz IV eingeführt haben. Arbeit würde auch geschaffen, wenn der Mindestlohn auf 1,50 Euro gesenkt würde.

Antwort
von WosIsLos, 26

Nein Unfälle, Mord und Totschlag schaffen auch Arbeit.

Kommentar von User55009 ,

Na also. Hauptsache Geld dabei verdient. Passt doch.

Ihre FDP

Antwort
von alexklusiv, 11

Wenn man sich dein Profilbild ansieht, gibt es für mich eigentlich nur eine Antwort darauf: Wenn ich dir dein Gesicht mit einem Baseballschläger zertrümmere, schafft das im Krankenhaus jede Menge Arbeit. Wie sozial soll ich denn mal sein? ;D

Antwort
von barfussjim, 23

Nicht unbedingt. In einem Arbeitslager geht's nicht so sozial zu.

Antwort
von Heuchlein83, 33

Arbeit ist das Wichtigste. Humankapital ist wichtig für uns.

Kommentar von WosIsLos ,

Arbeit ist irrelevant.

Kommentar von Heuchlein83 ,

Aber nur so funktioniert die Wirtschaft.

Kommentar von BTyker99 ,

Nur bis eine künstliche Intelligenz erschaffen wurde. Zumindest ist menschliche Arbeit dann bald irrelevant.

Antwort
von Juli277di, 4

Natürlich nicht. Man muss von seinem lohn auch leben können.

Antwort
von unicorn423, 35

Nein, die Arbeiter müssen auch anständig verdienen.

Kommentar von Interesierter ,

Je mehr Arbeitsstellen angeboten werden, umso besser muss der Arbeitgeber bezahlen, um jemanden zu finden. Wenn du den Gedanken zuende führst, ist die Schaffung von Arbeitsplätzen sozial, denn sie stärkt letztlich die Arbeitnehmerseite. 

Kommentar von unicorn423 ,

Das geht auch anders, siehe Industrielle Revolutin

Kommentar von Interesierter ,

Aus der industriellen Revolution gingen letztlich die Gewerkschaften hervor, denen wir unsere heutige soziale Absicherung zu großen Teilen zu verdanken haben. 

Ohne industrielle Revolution hätten wir heute sicherlich nicht die Arbeitnehmerrechte und den Sozialstaat, den wir haben. Ohne industrielle Revolution gäbe es heute die Lehren von Marx und Engels nicht. Du hast den Gedanken, der ja im Prinzip richtig war, nicht zuende gedacht sondern bist auf halben Wege stehen geblieben. 

Letztlich wird jede Aktion immer eine Reaktion auslösen. Diese Kausalkette zuende zu denken, war sicherlich die eigentliche Aufgabenstellung. 

Kommentar von unicorn423 ,

Das hieße ja, wenn man asozial genug ist, sodass die leute sich wehren und sich etwas ändert, hat man sozial gehandelt. Finde ich etwas unlogisch aber ich verstehe deinen Standpunkt, ich würde es nur nicht so ausdrücken.

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