Frage von Matildalein, 74

Sollten wir als Familie mitten in der Grundschulzeit der großen Tochter von der Großstadt in eine Kleinstadt ziehen und alle bisherigen Strukturen verlassen?

Wir leben bereits seit über 10 Jahren in einer Großstadt. Unsere 8-jährige Tochter ist hier geboren und geht nun seit fast 1,5 Jahren in die Grundschule. Sie hat dort eine beste Freundin. Wir hegen schon längere Zeit Umzugspläne in eine kleinere Stadt wegen der Nähe zur Natur, der besseren Luft, dem friedlicheren Dasein. Wir befürchten, wenn wir noch länger warten, schaffen wir irgendwann gar nicht mehr den Absprung. Im Moment macht unsere Tochter noch mit, auch wenn sie sehr traurig ist, ihre beste Freundin zu verlieren. Wer weiß, wie es nach der 4. Klasse ist. Dann will sie vielleicht gar nicht mehr weg. Auf der anderen Seite merken wir auch, dass wir uns an die Großstadt und die vielen tollen Angebote gewöhnt haben, die es in der Kleinstadt eben nicht ansatzweise gibt. Wir sind so hin- und hergerissen und können uns nicht so recht entscheiden. Auch hier in der Großstadt haben wir uns eingerichtet und uns einen Kleingarten als Oase zugelegt, der uns Ruhe schenkt. Wer weiß, ob uns die Kleinstadt/ das ländlichere Landleben das hält, was es verspricht. Wir würden es dann erst wissen, wenn wir den Schritt bereits gegangen sind, würden aber eben eine schöne Wohnung, unseren Garten und einige Freunde hinterlassen (was uns vor allem für unsere Große leid täte). Selbst wenn wir erkennen sollten, dass die Kleinstadt doch nicht so toll ist und zurück ziehen würden, würden wir im Prinzip wieder bei 0 anfangen. Das Rad des Lebens dreht sich ja immer weiter. Kurz gefasst: Wir haben zum Einen Angst davor, den Absprung in ein ruhigeres/gesünderes Leben später nicht mehr zu schaffen, und zum Anderen Angst davor, ein großes Risiko einzugehen. Was tun?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von BellaBoo, 48

Hi...

wir sind von einer Kleinstadt ins Dorf gezogen. Auch wenn wir uns hier wohlfühlen ist es schon so das man Sachen vermisst...das fängt schon bei der Verkehrsanbindung an. Ich bin nachmittags nur noch Familientaxi...ruhiges Dorfleben, davon krieg ich nicht so viel mit dabei.

Wobei ich nicht mehr in eine Kleinstadt zurückziehen würde. Mein Mann hat jetzt eine neue Stelle und bei uns steht daher auch ein erneuter Umzug im Raum, wenn dann werden wir in die Vorstadt der nächsten Großstadt ziehen. U-Bahn/S-Bahn noch in Reichweite, aber nicht mitten im Trubel...wäre das nicht auch eine Überlegung für euch ?

Kommentar von Matildalein ,

Hallo BellaBoo!

Danke für deine schnelle Antwort.

Du schreibst, dass du vorher in einer Kleinstadt gelebt hast und im Dorf die Annehmlichkeiten der Kleinstadt vermisst. Weshalb kommt die Kleinstadt dann für euch nicht mehr in Frage, sondern die Vorstadt der nächsten Großstadt? War euch die Kleinstadt alles in allem zu klein, zu wenige Angebote?

Das Problem an unserer Großstadt ist, dass die Landschaft drum herum nicht sehr schön ist, also auch ein Leben in Randlage nicht das erfüllt, wonach wir uns sehnen, oder aber es fliegen über dem schöneren Landstrich laute Flugzeuge und machen Lärm bzw. verpesten die Luft. Sonst hätte ich es bereits in Betracht gezogen. Hinzu kommt, dass auch wir den Arbeitsweg einbeziehen müssen, da mein Partner in eine bestimmte Richtung pendeln muss, so dass wir nicht überall hinziehen könnten. Am Ende ist es ein Thema der Bahn-Anbindung. Von der Kleinstadt aus könnte er zu seiner Arbeit weiterhin gut pendeln. Alles gar nicht so einfach...

LG,

Matildalein

Kommentar von BellaBoo ,

Kleinstadt ist mir zu klein...mag sich komisch anhören, aber ich fühle mich auf dem Dorf freier. Vielleicht hatte ich aber zu neugierige Nachbarn und zuviele die mich von kleinauf gekannt haben und jede Kleinigkeit an meine Eltern meldeten (und das auch noch als ich Mitte 30 war...)

Hier auf dem Dorf werden unsere Spleens (mein Mann und ich sind beide tättowiert, ich hab knallrote Haare...wir sind halt auffällig) eher als liebevolle Marotten gesehen. In der Kleinstadt war es sehr reserviert, wir hatten Probleme mit den Kindergarteneltern, nachher mit den Eltern in der Schule. Hier ist das alles kein Thema, Freunde kommen zu Besuch ohne das die Eltern Panik haben, weil sie zu den "Irren" gehen (wobei wir wahrscheinlicher spiessiger leben als die meisten erwarten). In der Großstadt hatte ich diese Probleme auch nicht...da waren wir einfach ein paar Spinnern unter vielen. Wobei sich das in der Vorstadt wahrscheinlich ähnlich darstellt für uns wie in der Kleinstadt.

Für uns wird das eh eine schwierige Entscheidung. Wir haben eigentlich gesagt, das wir ein Haus kaufen oder bauen, wenn wir nochmal umziehen und da legt man sich dann schon fest. Von den Kindern her tendiere ich dazu hier zu bleiben, auch wenn mein Mann dann jeden Tag 2 Stunden pendelt. Da wir aber Nachwuchs noch planen müssen wir dann hier raus, denn das Haus wäre dann zu klein.

Kommentar von Matildalein ,

Hallo Bellaboo!

Ich habe eben erst bemerkt, dass du nochmal geschrieben hattest. Daher erst jetzt meine Antwort.

Ja, das ist auch etwas, was ich mir schwierig vorstelle in der Kleinstadt. Wir nehmen uns auch eher als Exoten wahr und könnten auffallen. Witzig, dass es im Dorf für euch jetzt günstiger ist... Wie klein ist das Dorf? Wie viele Einwohner hatte die Kleinstadt eigentlich? Vielleicht liegt's dann doch auch am Menschenschlag. Liegen die beiden Orte in der Nähe, oder handelt es sich hierbei um unterschiedliche Bundesländer/Regionen o.Ä.?

Wenn dein Partner dauerhaft pendeln muss, ist das doof. Es ist aber auch doof, sich vom Job abhängig zu machen und extra deshalb umzuziehen. Was ist, wenn der Job mal nicht mehr stimmt? Dann sitzt ihr da Nähe Großstadt und fühlt euch vielleicht im Privaten nicht so richtig wohl. Wenn jetzt für euch alles passt und ihr (trotz eurer Eigenarten) angenommen werdet (auf dem Land!), wäre es schade drum. Handelt es sich beim Pendeln um 2 Stunden pro Fahrt oder pro Tag? Wenn es pro Tag ist, würde ich mir das mit dem Umzug nochmal überlegen. Mein Partner pendelt täglich insgesamt 3 Stunden. Selbst das ist kein Grund für uns, von unserer Wohn-Stadt in die Arbeits-Stadt zu ziehen, die sonst weniger bietet, während wir hier seit Jahren unsere geschätzten Strukturen haben.

Andererseits, wenn ihr wegen des Nachwuchses dann sowieso umziehen müsstet, ist es natürlich schon überlegenswert, gleich einen größeren Sprung zu machen.

Aber das ist eben meine Frage: Wofür lohnt sich ein Umzug? Es müsste dann schon einige wichtige Aspekte geben, die dann besser sind. Wenn ihr euch aber eigentlich in dem Dorf wohlfühlt und den Ort/das Dasein dort nicht hinterfragt, wirkt es auf mich so als wäret ihr bereits "angekommen", während wir noch auf der Suche nach DEM Ort sind, der für uns geeignet ist, und noch alle möglichen Faktoren abwägen, was wir eigentlich wollen bzw. welcher Ort uns das Meistmögliche erfüllt. Manchmal wünschte ich mir, es gäbe jemanden, der die Antwort parat hat und uns aufklären/läutern kann...

LG,

Matildalein

Antwort
von sinari, 21

Eure Überschrift sagt doch schon alles.Allein die Erwähnung der Tochter.Muß ich noch noch mehr sagen?

Kommentar von Matildalein ,

Eben drum, es geht dabei natürlich auch um die Tochter. Eine Kleinstadt (heißt es immer wieder) sei für Kinder und Familien besser geeignet und das Leben dort gesünder. Auf der anderen Seite ist eine Veränderung vielleicht nicht einfacher, wenn sie sich noch mehr in der Großstadt/ihrer Schule verwurzelt.

Es von der Großen (einer Person von 4) abhängig machen? Wegen der Bindung an die Grundschule in der Großstadt bleiben? Was ist, wenn es dann wieder den nächsten Grund gibt, um dann noch weiter hier zu bleiben (z.B. Verwurzelung der Kleinen im Kindergarten oder gerade begonnener Arbeitsplatz o.Ä.)? Dann kommen wir als Familie vielleicht gar nicht mehr hier weg. Ruhigeres (Kleinstadt-)Leben könnte schließlich der gesamten Familie gut tun. Oder was genau meinst du?

Kommentar von sinari ,

OK-dann will ich mal zur Sache gehen: Wie wichtig ist es euch-rein die Eltern-in eine Kleinstadt zu ziehen?Ihr schreibt:..es geht auch um die Tochter.Dann möchte ich wissen,welche Atwort kommt:..es geht andererseits...und damit seid ihr gemeint-und zwar unabhängig von euren Kindern?

Kommentar von Matildalein ,

Mein Partner ist in einer Kleinstadt groß geworden. Er selber fühlt sich wohler, wenn es kleiner/gemütlicher ist. Ich persönlich bin als Kind/Jugendlicher leider immer in größeren Städten aufgewachsen. Erst ab dem Erwachsenenalter habe ich ein paar Kurzzeit-Erfahrungen (jeweils zwischen halbem bis ganzem Jahr) am Rande von Städten oder sogar auf dem Lande sammeln können - ich fand das immer sehr schön, gemütlich/ruhig. Was mir in der Großstadt vor allem fehlt, ist der unmittelbare Kontakt zur Natur. Ich vermisse das, einfach so loslaufen zu können und inmitten von Grün zu sein. In der Natur komme ich immer ganz schnell zu mir selber. Von daher war es auch ursprünglich mein Wunsch, hier raus zu kommen. Wir hätten es gerne auch schon vor der Grundschule gemacht, hatten aber anfangs noch nicht so die Motivation, und dann immer keine Kraft, kein Geld, bzw. war dann die zweite Tochter noch so klein, dass wir es nicht mehr geschafft haben, bevor die Schule losging.

Im Moment ist unser "Luxus", dass wir (zumindest was die kleine Tochter und mich angeht), egal wo sowieso bei 0 starten werden/würden, da weder die Kleine bisher in den Kiga geht, noch ich bereits wieder einer Arbeit nachgehe (ich suche mir den Arbeitsplatz eh neu). Wenn wir beide dann auch erstmal wieder irgendwie gebundener sind, fällt es uns vielleicht noch schwerer, oder?

Ich muss ganz klar sagen, dass wir nicht explizit (nur) FÜR die Kinder ins Kleinstädtische/Ländliche ziehen würden (weil es soviel besser sei für Familien) - wir würden es aus eigenen/aber auch vernünftigen Gründen tun, aber eben MIT den Kindern. Und - wie ich deine erste Antwort verstanden habe - haben sie auch Rechte/Gefühle. Von daher wollte ich darauf natürlich Rücksicht nehmen. Ich weiß aber eben nicht, inwiefern wir kindtechnisch z.B. auf irgend welche günstigeren Zeiten warten sollten. Also würde es tatsächlich so viel besser sein, dann erst nach der Grundschule zu gehen, damit die Große friedlich ihre ersten Schuljahre im vertrauten Umfeld absolvieren kann, während wir Eltern gefühlt wie auf Hummeln sitzen und eigentlich auf den Absprung warten?

Antwort
von Bestie10, 25

wann (wenn überhaupt) sonst

wenn sie gerade ihr Abi macht ?

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