Frage von sanne172 26.09.2010

Sollten behinderte Jugendliche wirklich alles über die Euthanasie im dritten Reich erfahren?

  • Antwort von Draschomat 30.09.2010
    103 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Grundsätzlich ist man sich hoffentlich einig, dass es keine Tabuthemen geben darf, schon gar nicht welche, die ein solches geschichtliches Ausmaß haben. Es ist wichtig, Grundkenntnisse darüber zu besitzen (in dem Fall vor allem als abschreckendes Beispiel). Je mehr man sich übrigens mit solchen historischen Gegebenheiten beschäftigt, umso mehr ist man erschüttert - zumindest geht es mir so.

    Viele Themen der Geschichtswissenschaften sind brutal und nichts für schwache Gemüter - vor allem, wenn man sich viel damit auseinandersetzt und anfängt, sich in betroffene Menschen hineinzuversetzen.

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    Genau das ist der Knackpunkt: Es bedarf einer bestimmten Reife, um sich mit solchen Sachverhalten sinnvoll beschäftigen zu können. Es würde auch keinen Sinn machen, im Lateinunterricht voreilig philosophische Texte zu behandeln, wenn der Großteil der Schüler noch nicht bereit dazu ist (im G8 werden solche Texte übrigens ein Jahr nach vorne verschoben - ein Kritikpunkt am G8, weil nicht nur arbeitstechnische, sondern wohl auch geistige Überforderung eintritt).

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    Dieser Zusammenhang kommt auch bei deinem Sohn zum Tragen - aber noch extremer als bei irgendwelchen lateinischen Texten von Philosophen. Wenn er das "Gemüt eines Achtjährigen" hat, sind komplexe Themen, die er nicht/schwer verarbeiten kann, durchaus problematisch. Nationalsozialismus ist nicht umsonst erst in der gymnasialen Oberstufe ein intensives Thema.

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    Mich würde noch interessieren:

    Sind seine Mitschüler ähnlich eingeschränkt? Ein bisschen? Völlig anders? Auch auf dem Niveau eines Achtjährigen?

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    Sind die Mitschüler weniger eingeschränkt bzw. weiter entwickelt, würde ich von einer Teilnahme deines Sohnes abraten. Sind sie ähnlich eingeschränkt, könnte ein Besuch in einer gleichermaßen betroffenen Gruppe gewinnbringend sein - wobei da der Pädagoge einen wichtigen Part übernehmen müsste.

    Letztlich müssen die beteiligten Personen das richtige Gespür haben und feststellen, ob die Gruppe homogen genug für einen solchen Besuch ist und ob sie (jeder einzelne!) einen Nutzen daraus ziehen kann.

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    Achja: Wie man eine Beeinträchtigung bezeichnet, ist unerheblich. Egal, ob gehandicapt, behindert oder eingeschränkt - das spielt keine Rolle. Nur weil manche Menschen "behindert" als Attribut zu einem Schimpfwort verwenden, heißt es nicht, dass man es sachlich nicht mehr verwenden darf. Außerdem ändert das nichts an der Lage.

    Es gibt ein hier ein Wort, das mir deutlich mehr missfällt: Euthanasie! Es stammt aus dem Altgriechischen und heißt übersetzt "schöner Tod" oder "gut sterben", ist also eine üble Beschönigung (genau wie "Endlösung").

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    Mit Überempfindlichkeit hat das übrigens nichts zu tun, sondern eher mit der Kunst, sich in andere Personen hineinversetzen zu können - eine Eigenschaft, die (leider) nicht viele Menschen/Eltern haben. Du hast Sorgen, die existieren und berechtigt sind, aber von den meisten gar nicht (mehr) wahrgenommen werden (können). Das ist eine Sache der Einstellung und des Einfühlungsvermögens - da würde auch kein Pädagogik- oder Psychologiestudium helfen.

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    Alles Gute! :-)

  • Antwort von rubicon66 27.09.2010
    55 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    ...noch nie hat mich eine frage hier auf gf derartig beschäftigt, wie diese hier. ich habe mir alle antworten und kommentare bisher hier durchgelesen und bekomme einen schauer, der mir eiskalt den rücken runterläuft, nicht wegen der antworten und kommentaren sondern wegen dieser problematik, die sich da auftuet, in der du steckst !! ich traue mich nicht eine antwort zu geben, ohne,dass ich mit deinem sohn gesprochen hätte, und das nicht nur mit einem gespräch. Und je länger ich darüber nachdenke,komme ich immer mehr zu dem schluss, eine notlüge aufzubauen und deinen sohn NICHT daran teilnehmen zu lassen. das muss nicht sein und man kann mit sicherheit in späteren möglichkeiten deinem kind die notwendigen informationen geben. das argument,was hier über die judenkinder erwägt wurde, kann ich so nicht gelten lassen....ja, je mehr ich drüber schreibe, ich würde eine andere möglichkeit abwarten, und nicht daran teilnehmen....kinder können auch ganz schön grausam sein, und das würde bei deinem sohn viel schwerwiegerder sein....

  • Antwort von rivabella 27.09.2010
    47 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    >Und ich es grausam finde, ihnen zu sagen, dass sie zu einer anderen Zeit ermordet worden wären, weil sie unnütz und lästig waren.<

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    Ich antworte Dir ganz intuitiv und aus dem Bauch heraus:

    Wenn ich an Deiner Stelle wäre und meinem leicht geistig behindertem Sohn zugemutet werden sollte, sich mit so einer schwierigen und besonders für ihn entsetzlichen Problematik auseinander zu setzen, würde ich das mit allen Mitteln zu verhindern wissen.

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    Jugendliche Kinder im Alter von 16 Jahren sind auf der Suche nach sich selbst, sie sind in sich noch nicht so gefestigt, dass man sie „erwachsen“ nennen könnte. Deshalb und gerade wegen der Behinderung würde ich mein Kind (be)schützen vor allem, was mit der Judenvernichtung und mit dem 3. Reich zu tun hat.

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    In zwei oder 3 Jahren kann man überlegen, ob seine geistige Reife es zulässt, darüber mehr zu erfahren, vorher auf gar keinen Fall.

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    Auch wenn ich mit meiner Meinung ganz allein auf weiter Flur stehe: An dem Tag wäre mein Kind "offiziell krank" und ich würde mit ihm einen wunderschönen Ausflug in den Tierpark oder sonst einem angenehmen Ort machen!

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    Vergangenheit hin - Vergangenheit her: Ich würde es auf keinen Fall zulassen, dass mein Sohn mit seiner

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    >Klasse einen Ausflug zu einer Behinderteneinrichtung macht, die unter anderem dadurch zu trauriger Berühmtheit gelangte, weil die Nazis dort Behinderte hinschafften und als „unwertes Leben“ töteten.<

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    Niemals !!! Dafür ist später, viel später noch genügend Zeit !!!

  • Antwort von MojitoTom 28.09.2010
    27 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Liebe sanne, diese Frage ist nicht nur sehr bewegend sondern auch sehr schwer zu beantworten.
    Damit eine Antwort nicht zu oberflächlich ausfällt, wäre im Grunde wichtig, Deinen Sohn näher zu kennen.
    Du hast diesen Vorteil. Du kennst seinen Charakter und seine Fähigkeit mit seiner Behinderung umzugehen.
    Du weißt, wie er auf äußere Eindrücke und Probleme reagiert.


    Ich finde es jedoch von immenser Bedeutung, dass sich die Klasse mit dem Thema Nationalsozialismus beschäftigt. Das geht jedoch nur, in dem die Auswirkungen ebenfalls besprochen werden.
    Wenn der Lehrer es schafft, das Thema Euthanasie mit Fingerspitzengefühl zu vermitteln und gleichzeitig den Bogen zur heutigen Gesellschaft und damit die Integration von behinderten Menschen in diese Gesellschaft deutlich zu machen, können die Jugendlichen mit einem positiven Eindruck dieses Thema verarbeiten.
    So wie ich die Frage lese, ist Dein Sohn in einer Gruppe geistig behinderter Jugendlicher und damit nicht allein.
    Die gesamte Klasse beschäftigt sich also damit.
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    Um Dir also abschließend einen Rat zu geben:
    Wenn ich zu der Überzeugung gelangen würde, dass mein Sohn stark genug für dieses Thema ist, dann würde ich diesen Besuch zulassen.
    Diese Behinderteneinrichtung hat heute eine ganz andere Bedeutung. Mit entsprechender Vorbereitung, und diese finde ich äußerst wichtig, könnte Dein Sohn die Unterschiede erkennen, verstehen und auch verarbeiten.
    Deine persönliche Einschätzung, eine gute Vorbereitung und Nachbereitung halte ich jedoch für entscheidend.
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    Grundsätzlich halte ich schonungslose Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und deren Folgen für wichtig, sofern die betroffenen Personen geistig in der Lage sind, dies auch zu verarbeiten.
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    Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass es hier ja wohl um eine Einrichtung geht, in der heute behinderte Menschen betreut werden.
    Das ist aus meiner Sicht etwas anderes, als würde man ein Konzentrationslager besuchen.

  • Antwort von till32 29.09.2010
    26 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Liebe Sanne172, liebe momo1965,

    ich habe sehr interessiert Euer Gespräch verfolgt und möchte etwas dazu beitragen, wenn ich kann. Ich denke, wir sollten unterscheiden: Die von Dir, sanne172 allegemein gestellte Frage "sollen behinderte Jugendliche..." möchte ich klar mit einem "Ja" beantworten. Ich möchte dieses "Ja" aber einschränken dahingehend, dass es auf den einzelnen Jugendlichen ganz individuell ankommt. Musst Du Bedenken haben, dass Dein Sohn die Konfrontation mit diesen schrecklichen Ereignissen der Vergangenheit NICHT wird verarbeiten können, so sollte er mit diesem Thema auch nicht konfrontiert werden.

    Grundsätzlich also sollte man auch behinderte Jugendliche mit diesem Thema konfrontieren, aber eben dann doch nicht, wenn man Angst haben muss, dass sie damit nicht zurecht kommen. Das wiederum musst Du für Deinen Sohn entscheiden. Und wenn Du da Bedenken hast, würde ich an Deiner Stelle ihn auch nicht mit hin schicken, sondern an diesem Tag zu Hause lassen - egal was die Schule darüber denkt.

    Entsprechend das Beispiel von Momo1965 betreffend die fürchterlichen Ereignisse des Holocaust. Die allermeisten Menschen, nicht nur die Juden, setzen sich damit aktiv auseinander, was ich auch für sehr wichtig erachte. Wenn nun ein einzelner, aus welchen Gründen auch immer, diese Auseinandersetzung fürchtet, sollte sie ihm auch nicht aufgezwungen werden. Wobei ich hier keineswegs den "Aufarbeitungsverweigerern" das Wort reden möchte.

    Ich glaube, ihr habt beide genau den richtigen Ansatz und hoffe, etwas ergänzend beigetragen zu haben.

  • Antwort von froschvleder 26.09.2010
    20 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Warum nicht?

    Ich denke, es ist wichtig, dass diese Themen angesprochen werden.

    Gerade in und durch die Schulinstanz ist es gewährleistet, dass aufkommende Probleme mit dem Thema pädagogisch aufgearbeitet werden. Im Klassenverbund.

    Stell dir mal vor, er würde uninformiert in der Öffentlichkeit damit konfrontiert.

    Er stände alleine da.!

  • Antwort von Angelic 26.09.2010
    19 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Das ist wirklich ein zweischneidiges Schwert.

    Einerseits sollte man alles versuchen, um seinem Kind ein möglichst normales Aufwachsen zu ermöglichen, dazu gehören auch, ihm oder ihr keinerlei Informationen zu verwähren, meiner Meinung nach.

    Allerdings verstehe ich gerade hier auch Ihre Bedenken. In dem Fall würde ich mich auf jeden Fall einmal mit der Lehrkraft in Verbindung setzen bzw mit einem Pädagogen, was sich ja bei Ihnen anbietet.

    Auf alle Fälle würde ich Ihnen aber empfehlen, im Falle einer "Genehmigung" ihrerseits, mit Ihrem Kind über die Sachverhalte schon vorher zu sprechen, ihm Zeit zu geben, Fragen zu stellen und darauf achten, wie er das ganze aufnimmt. Dann kann man auch mit gutem Gewissen den nächsten Schritt wagen.

    Wie gut man das als sechzehnjähriger verkraftet, hängt wohl auch stark von der einzelnen Person ab. Ganz liebe Grüße.

  • Antwort von Nachtflug 26.09.2010
    19 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Das ist wirklich schwierig! Möglicherweise könnte Dein Kind dadurch schwer verletzt werden, dass sein Leben damals als "unwert" angesehen wurde. Ich würde diese geschichtlichen Informationen nicht zu früh geben. Aber wenn die Psychologen und Pädagogen das auffangen können, sehe ich da nicht so große Probleme.

  • Antwort von Momo1965 29.09.2010
    15 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Um die Wahrnehmung der heranwachsenden Generation für die Geschehnisse der Vergangenheit zu schärfen, halte ich es für unumgänglich, sie auch mit den wirklich brutalen und grausamen Ereignissen zu konfrontieren. Nur so entsteht das Bewusstsein für begangenes Unrecht und die Chance, das zukünftig nicht mehr erleben zu müssen.

    Ich mache dabei überhaupt keinen Unterschied, WELCHER Personenkreis auf die von dem Lehrer geplante Weise an dieses Thema herangeführt wird.

    Führe Dir bitte folgendes vor Augen: Auch behinderte Menschen sind vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft und wollen auch ebenso behandelt werden. Ich halte es für sehr bedenklich, wenn Du durch Deine Haltung die "Anderartigkeit" Deines Sohnes hervorhebst und für ihn (und alle anderen behinderten Menschen) eine andere Behandlung dieses Themas forderst, denn genau DAS wünscht sich KEIN behinderter Mensch.

    Ein anderes Beispiel: Würdest Du es - in logischer Folge zu Deinen hier geäußerten Bedenken - ebenfalls begrüßen, wenn jüdische Schüler/innen von DEM Teil des Geschichtsunterrichts ausgeschlossen wären, wo es um die Judenverfolgung ging?

    Die Juden wollen DAS ganz sicher nicht! Ganz im Gegenteil: Sie gehen sogar ziemlich offensiv mit diesem Thema um. Beispiel: Das Yad Vashem in Jerusalem, eine Ausstellung zur Geschichte des Holocaust. Man bekommt regelrechte Beklemmungen, wenn man sich DAS ansieht.

    Ergo: Die Vergangenheit ist wie sie ist! Und ausnahmslos JEDER sollte damit vertraut sein, damit diese Dinge niemals wieder geschehen.

  • Antwort von FeldKobold 26.09.2010
    15 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Der Wert den der Besuch eines solchen Ortes hat, hängt immer ganz besonders von der Vermittlung ab.

    An sich spricht für mich aber nichts dagegen. Natürlich ist das in dem fall besonders schwierig, aber zum einen denke ich, dass der Lehrer das in dem fall schon ganz gut einschätzen kann (er macht das wahrscheinlich auch nicht zum ersten Mal, oder?). Die kinder werden, wie das bei Besuchen solcher Orte meistens ist, ja auch nicht ganz ohne Vorwissen dort hingehen. Sie werden wissen, was sie erwartet.

    Aber ich kann auch deine Bedenken verstehen. Ich kenne deinen Sohn und seine Wahrnehmung nicht, aber man sollte Kinder da nie unterschätzen.

  • Antwort von ParisKills616 26.09.2010
    15 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    die entscheidung sollte denke ich deinem sohn überlassen werden. er wird am besten wissen, was er sehen möchte und was nicht.

  • Antwort von erniekeks 26.09.2010
    14 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Schwierige Frage. Aber ich sehe es so: 1. Es war so -als Teil der Geschichte. Und das gemeinsam gesagt/gezeigt zu bekommen ist besser, als wenn es die Jugentlichen irgendwann einfach so erfahren und damit evtl. überfordert sind. So hat man es wenigstens unter Kontrolle und kann unterstützen. 2. Wie sie schon sagten müssen die Kids selbst damit leben behindert zu sein. Da kann es auch helfen zu erfahren, dass man heute im Gegensatz zu anderen Zeiten Hilfe, Zuwendung und Ünterstützung bekommt und Aussichten auf ein relativ normales Leben hat.

  • Antwort von Bobolina 27.09.2010
    11 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Ich halte es für wichtig, dass Ihr Sohn mitgeht, denn der Nationalsozialismus steht in allen Schulen auf dem Lehrplan. Wenn er nicht mitgehen würde, wäre er wieder Aussenseiter. Ich denke, er wird im Anschluss an den Besuch stolz darauf sein, mitreden zu können.

  • Antwort von Jothebest 26.09.2010
    11 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    es wird ja gesagt, dass das ein schrekliches denken war. meine schwester ist auch leicht bgehindert und die haben sich in der schule 3 jahre damit beschäftigt! sie ist immer noch "normal"...

  • Antwort von Sanja2 26.09.2010
    10 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    warum ist ein Jugendlicher mit Behinderung hier anders zu betrachten als andere? In jeder Klasse wird jemand sein, der Homosexuell veranlagt ist und die gehen auch zu solchen Ausflügen, jede Klasse hat ausländische Schüler, vielleicht auch Juden. Ich denke jeder Mensch sollte diesen Teil der Geschichte kennen. Nur weil damals jemand auch selbst betroffen gewesen wäre sollte man ihn meiner Meinung nach nicht von den Informationen fern halten. Natürlich hast du recht, dass es sein könnte, dass die behinderten Jugendlichen dann eine gute Begleitung brauchen, weil sie sich Fragen stellen könnten die sie selbst betreffen. Aber die brauchen auch Juden die das im Unterreicht durchnehmen.

  • Antwort von teddybaeruj 23.10.2010
    9 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Liebe Sanne,

    ich habe diese Frage und die Antworten immer wieder gelesen und mir unter verschiedenen Aspekten Gedanken darüber gemacht.

    Da es hier sehr viele ausgezeichnete Antworten gibt, kann ich mich kurz fassen:

    Kein Gedanke, den sich eine Mutter um ihr Kind macht ist überflüssig. Auch wenn es hin und wieder nützlich ist, sich selbst zu hinterfragen, empfinde ich das keinesfalls als "empfindlich". Es ist eher eine Empfindsamkeit, die ich überaus schätze.

    Es gibt dazu kein richtig und kein falsch, und nur du und die Menschen, denen du vertraust, also auch die Pädagogen und Psychologen, die die Klasse deines Sohnes begleiten, entscheiden, was in diesem Falle zumutbar ist, und was nicht.

    Eine Thematik zu begreifen, die derartige geschichtliche und menschliche Auswirkungen hat, ist unabdingbar.

    Inwieweit ein Mensch mit Einschränkungen etwas begreifen kann, was selbst ich, wenn ich mich in diese Thematik einfühle, kaum verstehen kann, bedarf einer sehr großen Portion Verantwortung und Fingerspitzengefühl.

    Und das allerwichtigste für mich: Manchmal ist es am wichtigsten, dass man eine solche Frage stellt, denn darin und in der multiplen Betrachtung liegt schon der größte Teil der Antwort.

    Und das ist eine Frage, die mehr als jede andere eine gute Frage ist!

  • Antwort von Merzherian 30.09.2010
    9 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Interessant, das ihr immerhin etwas darüber erfahrt. Euthanasie ist ein Kapitel welche unter einem ähm gewissen Tabu leidet und gelitten hat. Zu meiner zeit wurde es nicht erwähnt, und ich hatte immer hin LK Geschichte. mein Wissen mußte ich mir Stückchen für Stückchen aus Büchern holen. Genauso wie die medizinischen Versuche und die Zwangsterilisationen. Bei meinen Kindern im Unerricht war es nicht anders. Eine Schande ist das. immer noch werden dinge totgeschwiegen.

    So zu deinem Thema. Nein, nicht verheimlich3n, vor nichts und niemanden. Genauso normal wie es heute sein sollte, aber auch nicht ist, das behinderte und nicht behinderte gemeinsam an Schule und Leben teilnehmen, so normal sollte es auch sein gescichtliche Themen gmeinsam durchzugehen. Siehst du denn ständig die Behinderung des Menschen als Besonderheit vor dir, mir fällt sowas nicht mehr auf. Bei Klassenfahrten muß man für einen Rolli etwas andere Unterkünfte suchen, für Allergiker anders kochen, für Diabeitker Mittel dabei haben genau so wie für Adtmathiker. Aber im Kopf, im denken, sind wir alle gleich.

    Ihr macht euch doch auch nicht über die jahrhundertelange diskriminierung der Frauen einen Hals. Gut, also seid körperlich und geistig Behinderten gegenüber so normal wie möglich. Normalität kann erst durch völlige Akzeptanz der Behinderung, der Andersartigkeit, also duch unverkrampftes Benehmen und keine falsche Rücksichtnahme möglich werden.

  • Antwort von MiaMamaRia 26.09.2010
    9 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Ich denke schon das es für Jugendliche behindert oder nicht, gut ist etwas über die Geschichte zu erfahren. Juden, Sinti und Roma müssen sich doch auch damit beschäftigen und auseinandersetzen...!

  • Antwort von Schreiberlilli 26.09.2010
    9 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Hallo sanne!

    Dein Sohn wird genau so behandelt, wie alle anderen. Auch in diesem Fall. Und das ist auch gut so. Es ist wichtig für alle, sich mit der Vergangeheit zu beschäftigen. Die Vorstellung des Holocaust ist für alle Jugendlichen gleich grausam.

    Schöne Grüße

  • Antwort von schalomisrael 24.10.2010
    8 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Liebe Sanne, ich habe mir sehr lange Zeit gelassen, ehe ich dir antworte. Unsere Gefühle hier ... können dir nur ein Fenster öffnen, durch das du eine andere Sicht erhälst. Nur du allein kannst letztlich einschätzen, in wie weit dein Sohn diesen Ausflug erlebt. Mir sind behinderte Menschen nicht fremd, ich habe Kontakt zu ihnen ... du beschreibst deinen Sohn mit "leichter" Behinderung. Damit gehe ich davon aus, dass er sehr wohl erfassen kann, was damals passiert ist. Ihn davon ausgrenzen zu wollen, entspringt deinem ganz natürlichen Instinkt. Und bewahre dich davor, dich als "zu empfindlich" zu bezeichnen .... all deine Gefühle sind rechtens und so wie du es schilderst, gehe ich davon aus, dass du sehr wohl auch völlig rationale Dinge mit einbeziehst. Mir persönlich wäre es wichtig, er erfährt in dieser Umgebung davon: nicht durch wilde, bösartige Sprüche auf der Straße oder durch völlig Fremde. Er wäre damit völlig überfordert und würde dir vielleicht die Frage stellen: warum hast du mir nichts gesagt? Mit Recht. So ist es in pädagogischer Gesellschaft und man wird gewiss darauf achten, dass er es in angemessener Weise erfährt. Ihn davon auszugrenzen .... nein. Euthanasie, Shoa ... ein so entsetzliches Thema, vor dem viele gern die Augen verschließen wollten. "Lasst es endlich gut sein" .... höre ich oft und widerspreche. Was soll an einer daran gut sein? Behinderte annehmen, wie sie sind, aber niemals alle über einen Kamm scheren. Sie aufnehmen, mit uns nehmen .... aber nicht um jeden Preis, denn es muss gestattet sein, in gewissen Augenblicken durchaus zu sagen: wir sind anders! Ich würde deinen Sohn in den Arm nehmen und ihm immer wieder versichern: so wie du bist, genauso wollen wir dich haben. Immer. Und niemand wird daran etwas ändern. Diese Geschichte damals, darf sich niemals wiederholen. Sanne, sprich mit deinem Sohn und ich weiß, jede Entscheidung wird gut sein. Du bist eine ganz tolle Mama ....

  • Antwort von gloy53 26.09.2010
    8 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Es kann sein, gerade weil du dir diese Gedanken machst, diskriminierst du evtl. schon im Ansatz? Ich kenne dein Kind nicht, deswegen ist die Frage schwierig, aber ich geh mal davon aus, das wenn er diese Wahrheit nicht kennt, der Schaden wenn er es später entdeckt unter Umständen schlimmer sein könnte!


    Ich bin ein bequemer Mensch, deswegen ist die Antwort vielleicht sehr falsch, aber letztlich kann ich die Frage überhaupt nicht entscheiden. Du holst dir Rat und das ist, glaub ich, gut!

  • Antwort von Alexandra2704 26.09.2010
    8 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Solange keine detaillierten Filme/Bilder dazu gezeigt werden, bin ich der Meinung, dass diese Zeit, wenn auch eine sehr traurige, zu unserer Geschichte gehört. Nur Aufklärung in der Jugend kann eventuell eine Wiederholung dieser Grausamkeiten verhindern.

  • Antwort von Marioxyz 26.09.2010
    8 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Ich finde es auch für Behinderte durchaus wichtig sich soetwas anzusehen. Man kann das Ganze durchaus auf eine Kindgerechte Art behandeln, so dass die grausamen Einzelschicksale und Kleinigkeiten nicht erklärt werden. Es ist ein Teil der Geschichte Deutschlands der nicht ausgelassen werden sollte.

  • Antwort von WildpinkWitch 26.09.2010
    8 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Auch Jugendliche mit Behinderungen sind Jugendlche.

    Um weiterhin ein vernünftigen Umgang miteinander zu haben, ist es wichtig, unsere (unschöne) Vergangenheit nicht Tod zu schweigen. Wir waren im Rahmen unseres Fachseminares in Hadamar, da sieht man nicht mehr so viel. Aber er war interessant im Sinne von informativ.

    Wir sollten es uns immer wieder vor Augen führen, was damals passiert ist, damit es nicht wieder passiert.

  • Antwort von auchmama 01.10.2010
    7 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Deine Bedenken kann ich aus dem Bauch heraus sehr gut nachempfinden. Denke aber, wenn ihr ein gutes Verhältnis zu Eurem Kind habt, kann Information zur Geschichte und dem Unrecht, welches nicht nur Behinderten widerfahren ist, keinen sehr großen Schaden anrichten.

    Wichtig wäre mir in jedem Fall, dass dieses brisante Thema vernünftig besprochen und aufgearbeitet wird. Ihn fern zu halten und Gefahr zu laufen, dass er durch Klassenkameraden irgendwelchen Unsinn erzählt bekommt, sehe ich da problematischer. Dann würde er sich als Aussenseiter wahrnehmen, der diese Besichtigung nicht mitmachen durfte, weil es um sein Handicap geht...alles Gute

  • Antwort von babypuppe 26.09.2010
    7 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Ich verstehe deine Ängste, aber es ist leider ein Teil unserer Geschichte.

    Du kannst nicht alle schlimmen Dinge von deinem Sohn fernhalten. Heutzutage gibt es auch noch genug Idioten, die über behinderte Menschen lachen oder gar schimpfen.

    Er wird dir dankbar sein, dass du ihn normal behandelst und ihn nicht in Watte packst, ihn das Leben kennenlernen lässt. Denn nur so lernt er, es möglichst allein und gut zu meistern.

    Alles Gute

  • Antwort von Sweetninafragt 26.09.2010
    7 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Du bist zu empfindlich.

    Ich meine, wenn es nach deiner Theorie geht dürfen 16jährige Juden nicht sehen wie ihre Vorgänger mit Panzern überfahren und weggekarrt wurden.

    Das gehört heute aber durchaus zum Lehrstoff.

  • Antwort von fesch 26.09.2010
    5 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Mit 16 sollte man alt genug sein, um sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Mit 16 ist man kein Kind mehr.

    Deine Fürsorglichkeit erscheint mir mehr als übertrieben.

    Es wird ohnehin viel zu viel aus unserer Vergangenheit unter den Tisch gekehrt. Dass sich immer wieder Lehrer finden, die den jungen Leuten an Beispielen veranschaulichen, welche Schuld unsere unmittelbaren Vorfahren auf sich geladen haben, ist lobenswert und leider nicht selbstverständlich.

  • Antwort von Harlekin1906 26.09.2010
    5 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Laß es deinem Sohn über! Er kann sicher gut mit diesem Thema umgehen und wird sich freuen, daß er so eine tolle Mama wie dich hat! Nur Mut!

  • Antwort von Froschkoenig8 22.10.2010
    4 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Vielen Dank für Deine Frage, die ich in diesem Forum für ausgesprochen bereichernd finde. Zu empfindlich? Was ist das? Du bist sensibel und dies ist gut so. Ich denke, Deine Frage beantwortet Dir Dein Sohn am besten. Und nur er und seine KlassenkameradInnen können diese Frage beantworten. PS: PsychologInnen und PädagogInnen sind a) auch nur Menschen b) haben nicht immer Recht

    Respekt für Deine Sensibilität. LG Froschkoenig

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