Frage von sanne172,

Sollten behinderte Jugendliche wirklich alles über die Euthanasie im dritten Reich erfahren?

Unser jüngster Sohn ist 16 und hat eine leichte geistige Behinderung.

Zur Zeit beschäftigt sich seine Klasse mit dem Nationalsozialismus.
Auf dem letzten Elternabend fragte der Klassenlehrer, ob wir Eltern etwas einzuwenden hätten, wenn er mit der Klasse einen Ausflug zu einer Behinderteneinrichtung macht, die unter anderem dadurch zu trauriger Berühmtheit gelangte, weil die Nazis dort Behinderte hinschafften und als „unwertes Leben“ töteten.

Es gibt dort einen Friedhof für die Opfer zu sehen.

Mir ist bei dieser Vorstellung ganz anders geworden, aber ich war ganz allein auf weiter Flur.

Der Vorschlag wurde sehr wohlwollend aufgenommen, kein Elternteil hatte Bedenken (und es befinden sich gleich 2 Psychologen und 2 Pädagogen in der Elternschaft).

Das irritiert wiederum mich, die ich die Vorstellung einfach nur grausam finde.
Die Jugendlichen sind in einem Alter, indem sie für sich selbst mit der Tatsache behindert zu sein, fertig werden müssen – müssen sie so brutal darauf gestoßen werden, dass es Zeiten gab, in denen es richtig erschien, Menschen/ Kinder mit Behinderung zu töten?

Bin ich zu empfindlich? Gibt es wirklich gute Argumente dafür?

(Für alle gesunden Jugendlichen sind solche Besichtigungen richtig und wichtig, das steht außer Frage)

Antwort
von sophiaax3,

Hallo sanne172 (:

Ich finde dass das wirklich eine schwierige Frage ist, denn auch ich kann viele Argumente finden, die dagegen sprechen, aber auch einige die dafür sprechen.

Ich habe nicht alle bisherigen Antworten gelesen, aber doch einige und den meisten kann ich nur zustimmen, dass das am meisten von deinem Sohn selbst abhängt.

Ich selbst bin ein bisschen jünger als dein Sohn (ich werde erst nächstes Jahr im Februar 16) und versuche das Ganze vielleicht ein wenig aus der Sicht eines Jugendlichen zu beurteilen, wobei ich selbstverständlich weniger Erfahrungen habe als Du oder Andere die Dir geantwortet haben.

Auch wir haben uns letztes Jahr mit dem Thema beschäftigt und die Gedenkstätte in Dachau besucht. Das ist zwar nochmal ein kleiner Unterschied, da das ein Arbeitslager war, aber die Thematik ist ja die selbe. Mich hat vorallem dieser Besuch sehr nachdenklich gestimmt und ziemlich mitgenommen, da man das alles mehr oder weniger hautnah nochmal sehen kann. Obwohl ich diese Zeit ja glücklicher Weise nicht miterleben musste war ich doch immer wieder aufs Neue geschockt. Und obwohl dein Sohn eine leichte geistige Behinderung hat, fühlt und denkt er ja das selbe, deswegen bin ich mir ziemlich sicher, dass ihn dieser Besuch beschäftigen wird.

Dennoch musst du bedenken, dass die Betreuer dieser Klasse sicher nicht unvorbereitet auf diese Exkursion gehen, denn sie sind garantiert speziell auf psychologische Betreuung vorbereitet und haben gelernt, wie man mit solchen Situationen am Besten umgeht und erklärt. Auch ist es wichtig, dass dein Sohn über die Zeit des Nationalsozialismus Bescheid weiß. Allerdings kann er das natürlich auch später einmal nachholen. Nur sei dir bewusst, dass ihr beide die Chance ihn, in einem solchen Rahmen, an die Thematik ranzuführen sicher nicht allzuoft haben werdet.

Ich hoffe ich konnte dir wenigstens ein bisschen helfen und es fällt dir leichter eine Entscheidung zu treffen, aber letztendlich musst du gemeinsam mit deinem Sohn entscheiden.

Liebe Grüße

Sophia

Kommentar von sanne172 ,

Liebe Sophia,
ich danke Dir ganz herzlich für Deine Antwort. Ich bin erstaunt und regelrecht begeistert eine solch wunderbare und kluge Antwort von einem so jungen Menschen zu lesen!
Vielen, vielen Dank! :-)

Kommentar von sophiaax3 ,

Freut mich sehr wenn ich helfen konnte.

Ich wünsche dir und deinem Sohn viel Glück (:

Immer wieder gern ;D

Antwort
von DarkDigital,

"Die Jugendlichen sind in einem Alter, indem sie für sich selbst mit der Tatsache behindert zu sein, fertig werden müssen – müssen sie so brutal darauf gestoßen werden, dass es Zeiten gab, in denen es richtig erschien, Menschen/ Kinder mit Behinderung zu töten?"

Ich kann deine Problematik nicht zu 100% verstehen. Dein Sohn ist 16 und weiß damit das das Dritte Reich der Vergangenheit angehört. Das ist Geschichte und nicht aktuell, somit wüsste ich nicht warum er davon auf sich selber schließen sollte. Klar kann ich verstehen das du als Mutter deinen Sohn "beschützen" willst, aber was bringt es dir eine unumstößliche Tatsache zu verschleiern. Das ist nunmal die Realität. Ich finde auch das es nichts bringt wenn man ihm von der Schulverantstaltung ausschließt weil er, falls er Informationen darüber bekommen wollte, sich diese ebenso im Internet oder aus Schulbüchern/Fachliteratur holen kann. Da fände ich es persönlich noch besser wenn ein Pädagoge dabei ist, der das alles noch genau erklären kann was damals abgelaufen ist und deinen Sohn langsam darauf hinführen. Weil erfahren wird er sowieso was damals abgelaufen ist, schon allein durch Unterhaltungen seiner Klassenkameraden die bei dieser Exkursion dabei waren.

Kommentar von sanne172 ,

Danke für Deine Meinung.

Antwort
von SchookoMuffiin,

Ich weiß zwar nicht genau, wie behindert dein Sohn ist aber ich würde an erster Stelle mit ihm darüber reden. Ich bin selber 16 Jahre alt und leide an Epilepsie. Vor einem halben Jahr ungefähr haben wir einen Film in der Geschichtsstunde gesehn, welches über das Töten von geistig behinderten Menschen und auch Epileptikern handelte. Mein Lehrer sprach einfach kurz davor mit mir ob das denn in Ordnung sei, oder er es doch lieber nicht zeigen sollte. Es kommt ganz einfach auf den Menschen an, der betroffen ist. Ein persönliches Gespräch hilft da meiner Meinung nach am besten.

Kommentar von sanne172 ,

Ich danke Dir sehr für diese Antwort.
Ich denke auch, dass es von der Person abhängig ist.
Und finde es gut, dass Dein Lehrer Dich vorher gefragt hat.
Alles Gute für Dich:-)

Antwort
von SabineInAmerika,

Ich unterrichte in einer amerikanischen High School; da hier ein Gesamtschulsystem besteht, habe ich schon mit vielen behinderten Jugendlichen gearbeitet. Ich unterrichte auch Kurse fuer Erzieherinnen, wobei das Thema von Kindern mit Behinderungen und ihrer Integration oft vorkommt.

Erstmal zur Frage, ob das Wort "handicap" positiv oder negativ ist: Es ist eindeutig negativ gewertet. "Disability" ist das Wort, das stattdessen verwendet werden soll, wobei man "People First Language" anwenden sollte, die Person also als erstes, dann die Behinderung, z.B. "der Jugendliche mit leichter geistiger Behinderung" statt "der behinderte Jugendliche". Schliesslich ist die Behinderung nur ein kleiner Teil dessen, was den ganzen Menschen ausmacht.

Deine Frage ist sehr interessant. Ich gebe den anderen recht, die meinten, dass es sehr auf Deinen Sohn ankommt. Wenn es eine Klasse waere, in der er als einziger eine Behinderung hat, waere die Lage wahrscheinlich noch komplizierter. Da aber Schueler mit verschiedenen Behinderungen in der Klasse sind, finde ich die Diskussion am naechsten Elternabend sehr wichtig. Es kommt wirklich darauf an, wie die Schueler dies intellektuell und emotional verarbeiten koennen.

Wenn Dein Sohn noch hauptsaechlich konkret statt abstrakt denkt, was im allgemeinen bei geistigen Behinderungen der Fall ist, wuerde ich von dem Thema abraten und lieber ein aehnliches, aber konkretes, einfacheres Thema (z.B. Vorurteile in der heutigen Gesellschaft) ansprechen, auf das dann spaeter moeglicherweise mit dem historischen Bezug aufgebaut werden kann. Natuerlich kommt es auf den Lehrplan an; in Deutschland sind da oft den Lehrern die Haende gebunden, amerikanische Lehrer haben da meist mehr Freiheit, ihre eigene Erfahrung mit ihren Schuelern anzuwenden.

Allerdings scheint mir, wenn ich Deine Informationen richtig verstanden habe, dass das Thema bereits in der Schule angesprochen wurde; die Entscheidung, ob die Schueler ueberhaupt davon erfahren sollen, ist also bereits gefallen. Die Frage heisst jetzt also, ob das Thema weiter vertieft werden soll oder nicht. Das kommt auch sehr darauf an, wie Dein Sohn bisher auf die Informationen reagiert hat; wenn er sichtlich verwirrt oder traurig ist, wuerde ich den Ausflug nicht empfehlen. Wenn er aber Fragen hat oder das Thema bereits interessiert mit Dir besprochen hat, ist der Ausflug wahrscheinlich hilfreich.

Wenn die Schueler bereits von diesen schrecklichen Dingen im Unterricht erfahren haben, halte ich den Ausflug durchaus fuer sinnvoll, v.a. wenn sie etwas durcheinander sind; sie werden selbst sehen, wie Menschen mit verschiedenen Behinderungen nuetzliche und wichtige Dinge tun koennen. Die Werkstaette und der Friedhof sind zwei konkrete Dinge, die die gute und die schlechte Einstellung der Menschen anschaulich machen. Wenn sie produktive Menschen sehen, die gut mit ihren Einschraenkungen leben und zur Gesellschaft beitragen, wird das eher gut fuer ihr Selbstbewusstsein sein und die Gewissheit verstaerken, wie schlimm und falsch die Denkweise in diesen dunklen Zeiten war.

Wie gesagt, als Lehrerin von Schuelern mit geistigen Behinderungen wuerde ich das Thema vertagen, bis die Schueler geistig und emotional reif genug sind, es zu verarbeiten (und wenn sie es wahrscheinlich nicht sein werden, auslassen) und ein konkreteres, weniger extremes, aber aehnliches Thema behandeln, das sie sowieso beschaftigt (z.B. Diskriminierung im Alltag). Das Wichtige ist ja, das die Schueler verstehen, dass alle Menschen einen positiven Beitrag zur Gesellschaft leisten koennen und sollen, aber dass leider manche Menschen dies nicht begreifen.

Wenn ich es aber wg. Lehrplan behandeln muesste, oder wenn das Thema bereits besprochen wurde, wuerde ich bestimmt einen aehnlichen Ausflug planen, aber ihn sehr, sehr sorgfaeltig mit den Schuelern, Eltern und anderen Paedagogen vor- und nachbereiten.

Hat Dein Sohn diesen Teil des Unterrichts bereits mit Dir besprochen? Wie scheint er darauf reagiert zu haben?

Alles Gute!

Kommentar von sanne172 ,

Ich danke Dir sehr für diese tolle Antwort und die viele Mühe, die Du Dir gemacht hast.
Ich geben Dir in allen Punkten recht, bis auf den einen vielleicht: <<Wenn die Schueler bereits von diesen schrecklichen Dingen im Unterricht erfahren haben, halte ich den Ausflug durchaus fuer sinnvoll>>
Da denke ich, dass man es doch bei der Information in der Schule belassen könnte.
Den Ort des Geschehens aufzusuchen, macht doch das Geschehene erst richtig begreifbar.
Und genau davor graut es mir.
Den Hinweis mit den Werkstätten, bzw. der Bestätigung, dass auch sie ein produktives und erfülltes Leben führen können, finde ich sehr gut.

In dieser Hinsicht macht die Schule schon sehr viel - zum Glück.
Ich warte jetzt erst einmal den nächsten Elternabend ab :-)
Danke.

Antwort
von Babyshambles,

Ich betreue selbst Behinderte und aus meiner Sicht würde ich sagen: Nein! Es ist nicht richtig, da es auch so schon genug Ablehnung gegenüber "Behinderten" gibt! Mann darf/sollte einem eingeschränkten Menschen nicht zeigen, das es sehr wohl Zeiten gab, in denen ein großer Teil der Gesellschaft damit einverstanden war, "Schandflecke!!!" (so wird er sich dann wahrscheinlich fühlen) wie ihn zu beseitigen.

Dadurch wird er das Verhalten anderer hinterfragen (Du wirst mir wahrscheinlich zustimmen, wenn ich sage das eingeschränkte Menschen immer noch nicht als vollwertige Menschen anerkannt werden) und sich selbst reflektieren. In den meißten Fällen ist das ziemlich unklug, es sei denn, das dein Sohn trotz seiner Einschränkung erkennen kann, das es nicht wichtig ist, nicht für ihn, und nicht für die Menschen die ihn lieben.

Ansonsten halte ich es für sehr bedenklich jemanden so etwas zu zeigen, der selber darunter leidet.

Kommentar von sanne172 ,

Du beschreibst genau meine Bedenken.
Danke Dir sehr :-)

Antwort
von Jason12345,

Wer die Geschichte nicht kennt, der ist dazu verdammt sie aufs neue zu erleben. Es ist völlig egal wie schwer ein Kind behindert ist: Jedes Kind hat das Recht geschichtliche Aufklärung zu erfahren.

Was im Dritten Reich passiert ist, das ist genausowenig ok wie die soziale Selektion die derzeit in dieser Gesellschaft vollzogen wird. Aber damit das eine sich niemals wieder ereignet und das andere ein Ende findet müssen Kinder einen möglichst umfassenden Geschichtsunterricht erhalten.

Dein Junge hat ein Recht darauf, zu erfahren was die Menschen vor über 80 Jahren mit seinesgleichen getan haben. Es ist schwer so etwas zu glauben weil es so weit weg ist, aber es ist passiert. Die Geschichtsbücher sind voll davon und wir müssen damit leben und daraus lernen. Auch Dein Kind.

Also: Lass' es Ihn erfahren. Und er wird lernen damit umzugehen.

Liebe Grüße,

Jason

Kommentar von sanne172 ,

Hallo Jason,
danke für Deine Antwort :-)

Natürlich haben Menschen mit Behinderung das Recht alles zu erfahren.

Aber tut es ihnen gut? Hilft es ihnen auf irgendeine Weise? Nutzt es der Gesellschaft, wenn sie es wissen?

Da habe ich eben meine Zweifel.

Kannst Du das nachvollziehen?

Liebe Grüße zurück :-)

Antwort
von XareTelija,

Was mir grade mal dazu einfällt... wenn der Lehrer mit der ganzen Klasse hingeht, dann ist das eine verpflichtende Schulveranstaltung, an der dein Kind Teilzunehmen hat. Wenn es zufällig krank wäre, droht dir eine empfindliche Geldstrafe.

Desweiteren... Du sagst dein Sohn ist auf dem Niveau eines 8-Jährigen, und das sich das warscheinlich nicht mehr ändern wird. Wird er dann je bereit sein es zu erfahren ? Und wenn du ihn davon fernhältst, und er findet es so heraus, ohne den Rückhalt der Klasse, vielleicht auch ohne das du es merkst... Dann wäre er damit wirklich alleine, und alles wäre viel viel Schlimmer. Ich würde ihn gehen lassen und danach ausführlich mit ihm reden. Bei mir ist es allerdings noch Zeit, mein Sohn ist erst 5. Ich hoffe ich konnte helfen, viel glück dir.

Kommentar von sanne172 ,

Ist Dein Sohn auch behindert?

Kommentar von sanne172 ,

Danke für Deine Antwort.
Es wurde im Unterricht ja schon erwähnt, dass solche Dinge geschehen sind.
Aber eben nicht so wirklich eingehend beschrieben. Für mein Empfinden reicht dieser sachliche Hinweis aus.
Er ist also nicht völlig ahnungslos, aber emotional noch recht unberührt.

An den Ort des Schreckens zu gehen, macht die ganze Geschichte viel echter und das finde ich so problematisch.

Antwort
von Rosinche,

Wir leben doch endlich in einer Zeit in der über alles gesprochen werden darf, kann und auch muß! Es gibt keine "Heile Welt" und evtl.stößt man als junger Mensch selbst mal auf einen solchen Bericht aus der Nazizeit, dann ist es doch besser diese Infos schon mal in mit einer Klasse als Umfeld bekommen zu haben , wo man sich austauschen kann, als mit dieser schockierenden Vergangenheit allein dazustehen! Mit meiner Klasse haben wir ein ehemaliges KZ besucht da gab es einen Berg voller Kinderschühchen (Die Kinderschuhe von Lublin.) die dazugehörenden Kinder sind ermordet worden. Das war sehr bewegend und schrecklich aber richtig wie ich finde! Auch soetwas gehört nicht unter den Teppich! LG, Rosinche.

Kommentar von sanne172 ,

Es soll doch nicht unter den Teppich gekehrt werden.
Natürlich muss das jeder wissen!
Trotzdem frage ich mich, ob es nicht auch Ausnahmen geben darf. Oder wie Draschomat sagt:

<<Ich bin auch für eine absolute offene Herangehensweise, aber wenn auf den Empfänger mehr Nach- als Vorteile zutreffen, würde ich ihm das ersparen (wollen).>>
Danke Johannes, für diesen griffigen Satz! :-)

Antwort
von grisu275,

Ohh man, das Dilemma in dem Du steckst tut mir echt leid...

Ich würde noch einmal vorher versuchen, mit den Pädagogen und Psychologen in einer ruhigen Minute zu reden. Haben eigentlich die anderen Mitschüler denn auch eine Behinderung? Leicht oder schwer sei nun mal hinten an gestellt.

Man sollte vielleicht auch vorher mit den Schülern im Unterricht über diese bestimmte Einrichtung(mit eben diesen Maßnahmen) reden und was sie von solchen Sachen denken. Die Reaktion kann ggf. die Lehrer und Co. ja umstimmen. Gut möglich, dass die Schüler nach dem Thema dann von sich aus dort garnicht (mehr) hin wollen.

Tut mir leid, dass ich mich grad nicht so gut ausdrücken kann. Wir haben selbst in unserer Familie sowas damlas erleben müssen. Auch wenn ich da noch nicht auf der Welt war und ich die Person selbst nicht kannte, geht mir sowas immer mehr als nur ein wenig nahe und macht mich sprachlos...

Kommentar von sanne172 ,

Danke Dir sehr für Deine Antwort! :-)

Antwort
von Mkp263,

Hallo, mein kleiner Bruder hat ebenfalls eine geistige und körperliche Behinderung. Ich weiß auch noch nicht, ob ich ihm, wenn er älter ist, davon erzählen soll, bzw. ob er jemals versteht. Ich denke, diese Frage zu beantworten, ist sehr schwierig, weil ja jeder diese Tatsache anders verarbeitet. Ich würde das noch einmal gut durchdenken, und wenn du ihn mitfahren lässt, würde ich ihn, soweit möglich, auf das vorbereiten, was er hören wird, und ihm auf alle Fälle sagen, dass das Vergangenheit ist und er keine Angst haben muss.

Viele Grüße

Kommentar von sanne172 ,

Vielen lieben Dank für Deine Antwort :-)

Antwort
von SmotSmot,

Ich würde die Frage eher andersherum betrachten:

Wollen Sie Ihrem Sohn ein Teil der Geschichte dieses Landes vorenthalten und so weiter ausgrenzen?

Ich denke ein Mensch mit einer leichten geistigen Behinderung (vielleicht auch mit einer stärkeren) ist durchaus in der Lage, solche Dinge zu verstehen. Auch wird diese Erfahrung es dem jungen Menschen vielleicht leichter machen, zu verstehen wieso gerade auch heute Menschen ihn nicht tolerieren können.

Leider existieren heute noch aktive Nationalsozialisten, welche diese Methoden begrüßen und leider könnte gerade auch ihr Sohn mit solchen Randgruppen der Gesellschaft zusammenstoßen.

Schütze ich einen Menschen indem ich ihm Wissen vorenthalte? Vielleicht kann er es nicht gleich verstehen und vielleicht überfordert ihn die Situation. Aber grenzen Sie ihn nicht bereits aus der Klasse aus, wenn er nicht mitdarf?

Dürfte er nicht mit, so hätten meiner Meinung die Nationalsozialisten einen weiteren Sieg erzielt, da sie ein lebendes und intelligentes Individuum erneut ausgegrenzt haben.

Richtig ist die Frage meiner Meinung nach: Wie bereite ich mein Sohn darauf vor, dass diese Welt leider nicht so ist und war, wie sie sein sollte.

Ich denke diese Entscheidung ist für Sie als Eltern nicht leicht und ich würde auch beide Entscheidungen nicht verurteilen:

Immerhin kennen Sie ihren Jungen am besten und wenn er es Ihrer Meinung nach nicht ertragen oder verstehen kann, so ist es sicher richtig.

Aber ich denke man sollte einem Menschen die Wahrheit nie vorenthalten.

Kommentar von sanne172 ,

Auch wird diese Erfahrung es dem jungen Menschen vielleicht leichter machen, zu verstehen wieso gerade auch heute Menschen ihn nicht tolerieren können.
Wenn ich ehrlich bin....ist es genau dieser Punkt.
Das möchte ich ihm ersparen.
Weil ich glaube, dass das nur quält aber nicht hilft.
Im übrigen haben alle aus seiner Klasse eine Behinderung - er würde also nicht ausgegrenzt.
Trotzdem vielen Dank für die Antwort.
Es ist sehr wichtig für mich, all diese unterschiedlichen Sichtweisen hier kennenzulernen. :-)

Kommentar von SmotSmot ,

Es ist ja auch keine leichtfertige Entscheidung. Sie kennen Ihr Kind am besten und die Entscheidung wird sicher jeder tolerieren. Vielleicht sollten Sie sich mit den anderen Eltern organisieren und einen speziellen Elternabend planen?

Antwort
von Piddy,

Die wichtigste Frage vorweg ist wirklich, ob dein Sohn auf diesen Ausflug mitgehen will. Und zwar seine erste, unbeeinflusste Antwort. Will er mitgehen, und sich ein Bild von der damaligen Situation machen, sollte ihm diese Möglichkeit nicht verwehrt werden. Auch geistig Behinderte (auch ich bin nur eingeschränkt Fan von dieser Bezeichnung jedoch lassen sich Tatsachen auch nur bedingt schön reden) haben einen Anspruch auf Wissen und Erfahrungen. Dieser Ausflug wird deinem Sohn die Möglichkeit bieten mit dem nötigen Feingefühl mit der Geschichte konfrontiert zu werden, wie er sie nie wieder in seinem Leben bekommen wird. Ich lebe zwar in einem Nachbarland von Deutschland, jedoch hat die damalige Geschichte einen dermassen historischen Wert, der einem Wissbegierigen Kind/Jugendlichen nicht vorenthalten werden sollte. Dasy dein Sohn auf Grund der Begründung, dass er Behindert ist, von jedem Unbill der Welt abgeschottet werden muss, halte ich für Schwachsinn. Jeder von uns hat in seiner Form sein Päckchen zu tragen.

Zeigt dein Sohn dagen bereits jetzt kein Interesse an dem Thema oder ist bereits jetzt verwirrt, könnte eine Verweigerung des Besuches durchaus zu rechtfertigen sein. Ich möchte dir als Mutter keinenfalls zu nahe treten. Aber es ist durchaus wahrscheinlicher, dass er dich eines Tages dafür tadelt, dass du ihn trotz seiner Einschränkung vom realen Leben ferngehalten hast, als dass er sich dafür bedankt. Die Erfahrung, die ich mit gleichaltrigen Behinderten gemacht habe ist, dass sie einfach nur "normal"'aufwachsen wollen.

Kommentar von sanne172 ,

Dasy dein Sohn auf Grund der Begründung, dass er Behindert ist, von jedem Unbill der Welt abgeschottet werden muss, halte ich für Schwachsinn.
Wo steht, dass ich mir das wünsche?
Auch halte ich ihn nicht vom realen Leben fern.
Es ist das bisher erste und einzige Mal, dass ich darüber nachdenke, ob es nicht menschlicher wäre,
Menschen mit Behinderung nicht alles zuzumuten. Nicht mehr und nicht weniger.
Er hat von der Vernichtung Behinderter im 3.Reich bereits gehört.

Muss er an den Ort des Geschehens gehen und dort jedes Detail erfahren?
Nur das ist meine Frage.

Danke trotzdem für Deine Antwort. :-)

Kommentar von Piddy ,

Tut mir leid, wenn es so rüber gekommen ist, dass ich dich als Glucke dargestellt habe. das war bestimmt nicht meine Absicht. Die Fett Markierte Aussage war auch eine eher allgemein auf deinen Sohn bezogene Aussage. Sie sollte dich in keinster Weise persönlich betreffen.

Müssen tut er bestimmt nichts. Genau wie er in bestimmten Situationen Einschränkungen hat, besitzt er hier das Privileg, dass er sich davon zurückziehen kann, wenn es ihm psychisch nicht zugemutet werden kann. Mit einer Behinderung umgehen bedeutet nicht, dass man sie einfach ignoriert so gut es geht.

Letztendlich bleibt die Entscheidung dir überlassen. Wenn du ihn von dem Ausflug befreist ist das deine Entscheidung. Wenn er sich jedoch auf den Ausflug freut, und seine Pädagogen der Meinung sind, dass ihm der Ausflug zugemutet werden kann, fänd ich es schade, wenn du ihm diese Freude verwehren würdest.

Antwort
von erniekeks,

Schwierige Frage. Aber ich sehe es so: 1. Es war so -als Teil der Geschichte. Und das gemeinsam gesagt/gezeigt zu bekommen ist besser, als wenn es die Jugentlichen irgendwann einfach so erfahren und damit evtl. überfordert sind. So hat man es wenigstens unter Kontrolle und kann unterstützen. 2. Wie sie schon sagten müssen die Kids selbst damit leben behindert zu sein. Da kann es auch helfen zu erfahren, dass man heute im Gegensatz zu anderen Zeiten Hilfe, Zuwendung und Ünterstützung bekommt und Aussichten auf ein relativ normales Leben hat.

Kommentar von sanne172 ,

Du hast durchaus recht damit, dass es wohl besser ist, wenn sie nicht alleine sind, wenn sie es erfahren.

Auch mit dem zweiten Punkt hast Du recht.
Danke schön :-)

Antwort
von jensenopulus,

Sicherlich ist das auf eine Art eine harte Sache, aber ich denke nicht, dass man sowas verschweigen sollte.

Du schreibst, dass dein Sohn "eine leichte geistige Behinderung" hat. Ich geh also davon aus, dass er versteht, was dort vor sich ging.

Ich kann mir vorstellen, dass es auf eine Art hilfreich für ihn sein kann. Er kann sehen, dass Behinderte heutzutage als normaler Teil der Gesellschaft angesehen werden. Das kann ihm helfen sein Selbstwertgefühl etwas zu steigern. Und das ist in der Pubertät sicherlich nicht schlecht.

Andererseits solltest du den Klassenlehrer noch einmal darauf hinweisen, damit er die Klasse auf das Thema sensibilisiert, um dumme und unüberlegte Kommentare von Seiten der Klassenkameraden zu verhindern. Ich habe in meiner Tätigkeit bei der Bundeswehr schon viel dummes Gequatsche von Rekruten an solchen Gedenkstätten gehört und musste dementsprechend eingreifen.

Da das Alter der Klassenkameraden und meiner Rekruten nicht sehr weit auseinanderliegt, schätze ich die geistige Reife ebenfalls ähnlich ein. Deshalb ist die Sensibilisierung sehr wichtig.

Ich hoffe, dass ich dir etwas weiterhelfen konnte!

Kommentar von sanne172 ,

Ja, das konntest Du :-)
Vielen Dank für Deine Antwort.
Dumme Kommentare von seinen Klassenkameraden sind nicht zu erwarten,
denn sie haben alle eine Behinderung. Irgendwie habe ich das wohl schlecht erklärt....:-/
Aber Deine Gedanken zu meinem Problem finde ich wichtig.

Kommentar von jensenopulus ,

Schön, dass ich unterstützen konnte...

Das die Schüler alle eine Behinderung haben macht das Ganze (in diesem Fall) eigentlich noch einfacher. Sie alle können so auch etwas für sich tun und (auch wenn es nicht auf den ersten Blick so scheint) ein Zeichen setzen. Nämlich, dass die heutige Gesellschaft moderner denkt (auch wenn es immernoch einige gibt, die sich von der Vergangenheit nicht trennen wollen). Die Jugendlichen können das dort sehen und etwas von ihrer Scheu ablegen, wenn es darum geht sich im alltäglichen Leben zu bewegen.

Ich glaube, dass der Besuch dort mehr hilft als schadet.

P.S.: Einige meiner Rekruten sind bspw. jüdischer Religion und trotzdem (oder gerade deshalb) in eine KZ-Gedenkstätte mitgekommen, obwohl der Besuch speziell ihnen freigestellt war. Und sie waren froh, dass sie ihren Horizont damit erweitern konnten.

Antwort
von Depulid,

Hi,

meine Schwester ist auch behindert. Allerdings ist es so schlimm, dass sie sowas gar nicht verstehen würde.

Nun, ich denke, dass die Kinder irgendwann aufgeklärt werden müssen, jedenfalls wenn sie in der Lage sind, das zu verstehen.

Allerdings ist Ihr Sohn erst 16 und ich denke, auch er ist in der Pubertät? Das könnte heikel sein. Er könnte denken, er sei nichts wert und wird traurig sein.

Aber so muss es ja nicht unbedingt kommen. Vielleicht wird er einfach froh sein, alles zu verstehen. Und sonst dürfen Sie ihn nicht gehen lassen.

Meiner Meinung nach ist dies ein schlechter Zeitpunkt, aber das muss jeder selber wissen.

Liebe Grüsse, Depulid

Kommentar von sanne172 ,

Danke Dir sehr für Deine Antwort :-)

Antwort
von Paula25,

Hallo. Ich denke etwas anders darüber. Wenn er der einzige mit einer geistigen Einschränkung ist, wäre er nicht in diese Klasse wo die anderen Mitschüler intelligenter sind.Das schreibst du ja auch -kunterbund gemischt. Ich gehe davon aus, dass es sich um eine Sonderschule handelt oder Förderschule.

Wenn sich die Mehrheit dafür entschieden haben, und alleso unterschiedlich etwas verstehen, warum deinen Sohn ausschließen? Mit 16, klar, für keinen Behinderten ist es schön zu wissen, dass eben Früher Behinderte getötet wurden. Deshalb verstehe ich nicht, warum die Lehrer einen solchen Ausflug vor schlagen? Aber du könntets ihn das erklären, dass es eben nur Früher so war, weil die Menschen die es getan haben dumm waren und er sich nichts dabei denken soll.Heute gibt es soetwas nicht mehr. Wenn er auf dem Stand eines 8 Jährigen ist, wird er es auch schnell wieder versgessen. Meine Frau war hochintelligent. Studiert aufs Lehramt und Psychologie war im Hochbegabtenverein -Mensa Club - Mit 37 Jahren bekam sie einen Schlaganfall, wodurch sie in die Frührente kam. Es fiel ihr so schwer die Arbeit auf zu geben. Also machte sie ein paar Stunden weiter.Danach fiel sie plötlich um. Diagnose: Epilepsie. Erst nur 1 Anfall im Jahr, Dann 2 Jahre gar nichts. Dann 2006 der große Knall.Status Epilepticus -eine Serie von über 20 Anfällen. Das konnte man nur auf der ITS in Narkose durch brechen. Dann hatte sie es alle 3 Wochen und lag nur auf dieser Inensivstation. Viele Narkosen. Dann setze die Atmung mal hier zu Hause bei einem Anfall nicht wieder ein. Der Rettungswagen war schon schnell da. Über 7 Minuten tod. Reanimiert. 6x passierte es in den Jahren.Heute ist meine Fau geistig wie ein Kind, kann nicht mehr schreiben, rechnen, die Uhr lesen ist völlig desorientiert und vergisst alles. Sie musste auch in eine Spezialklinik wo sie andere Epieptiker sah in Anfällen. Ganz geschockt konnte sie es mir halbwegs berichten wie schlimm das aussieht, sie wollte nach Hause nicht da bleiben. Aber sie mustte dort bleiben. Und dann der Wandel. Sie half wenn jemand umfiel, hat sich daran gewöhnt. Richtig versthet sie es nicht was sie hat, und dass sie alles vergisst.Glaube mir, sie stecken mehr weg als man denkt. Für gut befinde ich diesen Ausflug nicht. Denke aber, dass es ihn nicht schadet. Er muss es auch irgentwie lernen, dass er eben etwas anders ist als adere. Das wissen sie. Ich denke, wenn die Psychologen soetwas mit vorschlagen, dass sie sich dabei was denken. Sie kennen sicher deinen Sohn und können es einschätzen ob das vertretbar ist.Er wird vielleicht darüber reden und es dann wieder vergessen.Wenn du abe rzuviel Bedenken hast, lass ihn zu Hause oder psreche mal mit dem Lehrer, was sie sich dabei gedacht hatten?

Abe übermuttere ihn nicht zu sehr, sondern erziehe ihn so selbsständig wie möglich.Halte ihn nicht von allen Problemem fern.Wenn es dieanderen Mitschüler schaffen,dann schafft er es auch.Sieh es mal als Erfahrung. Aber ist shcon komisch. Was kommt als nächstes? Zu gucken wie man eine Leiche im Krematorium verbrennt? Was ist das für eine Schule? Mir fehlen auf einer Seite die Worte, auf der anderen Seite eben die Erfahrung zu verstehen was man Früher mit den armen Menschen getan hat. Er wird es auch wieder vergessen. Entscheiden musst du es aber. Ich hätte ihn gelassen, wäre aber mit gefahren. Wird e szu schlimm und er weint,würde ich mit ihn sofort nach Hause fahren. LG: Paula - Paul

Kommentar von sanne172 ,

Danke Dir sehr für Deine Antwort.
Es tut mir sehr, sehr leid für Deine Frau und auch für Dich. :-(
Der Ausflug wurde letztendlich für alle abgesagt und ich bin froh darüber.
Alles Gute für Euch.

Antwort
von TheHenni95,

Ja, meiner Meinung nach sollten auch und gerade behinderte Jugendliche alles über das schreckliche Euthanisieprogramm der Nationalsozialisten wissen, weil es ein finsteres, ungeheuerliches Kapitel deutscher Geschichte ist. Das, was damals passiert ist, darüber sind wir uns alle einig, darf nie, nie wieder geschehen. Um das zu verhindern muss man Jugendliche über die Vorgänge von damals informieren und ihnen klarmachen, was die Nazis mit dieser beispielosen Tötungsaktion beabsichtigten und dass es Widerstand dagegen gab.

Kommentar von sanne172 ,

Danke Dir für Deine Meinung.

Du hast mit allem recht.
.

Aber warum müssen Jugendliche mit Behinderung das unbedingt erfahren?
Sie verursachen nur sehr selten gesellschaftliche Veränderungen und werden demnach nicht einen erneuten Nationalsozialismus befördern.
Oder sehe ich das falsch?

Antwort
von user1159,

Ich fänds sehr wichtig das den Jugendlichen vermittelt wird, dass das einmal war und heutzutage Menschen mit einer Behinderung integriert und nicht ausgegrenzt werden. Ich finde es besser das sie in einem geschützen rahmen mehr davon erfahren unter anleitung von kompetenten menschen als irgendwann vielleicht durch menschen die gefährliches und verletztendes halbwissen haben.

Kommentar von sanne172 ,

Danke Dir.

Antwort
von Angelic,

Das ist wirklich ein zweischneidiges Schwert.

Einerseits sollte man alles versuchen, um seinem Kind ein möglichst normales Aufwachsen zu ermöglichen, dazu gehören auch, ihm oder ihr keinerlei Informationen zu verwähren, meiner Meinung nach.

Allerdings verstehe ich gerade hier auch Ihre Bedenken. In dem Fall würde ich mich auf jeden Fall einmal mit der Lehrkraft in Verbindung setzen bzw mit einem Pädagogen, was sich ja bei Ihnen anbietet.

Auf alle Fälle würde ich Ihnen aber empfehlen, im Falle einer "Genehmigung" ihrerseits, mit Ihrem Kind über die Sachverhalte schon vorher zu sprechen, ihm Zeit zu geben, Fragen zu stellen und darauf achten, wie er das ganze aufnimmt. Dann kann man auch mit gutem Gewissen den nächsten Schritt wagen.

Wie gut man das als sechzehnjähriger verkraftet, hängt wohl auch stark von der einzelnen Person ab. Ganz liebe Grüße.

Kommentar von sanne172 ,

Danke für diese Antwort :-)

Antwort
von diroda,

Ja dein Sohn sollte erfahren, das es Euthanasie während des Nationalsozialismus gab. Du kannst ihn nich sein ganzes Leben von unangenehmen Erfahrungen abschirmen. Sie gehören zum Leben nun mal dazu. Wichtig ist nur das er bei Nachfragen einen Ansprechpartner hat der ihm eine eventuell auftretende Angst nehmen kann. Deine Betroffenheit bei diesem Thema kann ich sehr gut verstehen, allerdings ist sie dir bei einer sachlichen Beschäftigung mit diesem Thema im Wege. Ich vermute mal das sie Begründet ist aus einer Zeit, als dir zu einer Abtreibung geraten wurde. Das hast du bis heute nicht verarbeitet. Du solltest deinen Sohn auch bald in eine, seinen Möglichkeiten angepassten, Selbstständigkeit entlassen.

Kommentar von sanne172 ,

Ich habe nicht vor, meinen Sohn sein Leben lang vor allen unangenehmen Erfahrungen zu bewahren.
Es ist bisher das erste und einzige Mal, dass ich ihn schonen möchte.
Mit Deiner Vermutung liegst Du falsch. Mein Sohn ist gesund auf die Welt gekommen. In der Hinsicht habe ich also keine Erfahrungen gemacht. Und sobald er die Schule beendet hat, wird er in eine betreute WG ziehen. Ich habe überhaupt kein Problem damit, ihn in die Selbstständigkeit zu entlassen :-)

Kommentar von finzerconsult ,

Zur Antwort von diroda: "Ich vermute mal..." Warum weichst du vom Thema ab? Ich finde es nicht schön, solche Spekulationen und Angriffe zu entwickeln, für die es erstens keine Hinweise gibt, und die zweitens auch nicht hilfreich sind für das Thema des Augenblicks. Und auf lose Spekulationen eine logische Kette draufzusatteln gefällt mir auch nicht.

Antwort
von Muchte,

Ich empfinde es durchaus als sinnvoll eine solche Einrichtung zu Besuchen, und den Schülern vom Terror der Nationalsozialisten zu erzählen. Das dritte Reich ist und bleibt ein Stück der deutschen Geschichte, und darf nicht einfach vergessen werden. Außerdem ist es sehr wichtig den neuen Generationen, zum geeigneten Zeitpunkt, beizubringen was der Nationalsozialismus für schreckliche Taten hervorgebracht hat. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass sich das ganze Wiederholen könnte in sehr ferner Zukunft.

Kommentar von sanne172 ,

Da gebe ich Dir völlig recht.
Aber darf man Ausnahmen machen?

Antwort
von SuchsDirAus,

Hallo, ich habe jetzt einige Antworten gelesen und muss mich einigen Usern anschließen, dass es bei dieser Frage kein richtig oder falsch gibt.

Ich habe hier mal etwas aus einer "Familienseite" kopiert : "Was brauchen Kinder? Das Entwicklungspotential, das Kinder bei der Geburt mitbringen, kann sich am besten in einer Umgebung entfalten, die sowohl Reize und Anregungen bietet, als auch geeignet ist, das Kind vor Reizen zu schützen, die die Verarbeitungskapazität des sich entwickelnden Organismus überfordern."

Auf eine Art soll man das Kind fordern ( Bei Ihrem Fall : Sohn zum Ausflug schicken) auf andere Art soll man es vor Überlastbarkeit schützen (Sohn nicht zum Ausflug schicken ? )

Es ist wirklich eine sehr schwierige Situation. Wenn ich die Pro Argumente lese, Ihren Sohn zum Ausflug gehen zu lassen, bin ich auch dafür, doch wenn ich die Kontra Argumente lese bin ich erschrocken und bin dagegen, dass Ihr Sohn den Ausflug besichtigt.

Ich denke es ist wichtig, sich an das Thema vorsichtig heranzutasten. Am Besten wäre es doch, wenn man selber mal so eine Führung sehen könnte um zu beobachten, wie die Angestellten einen an das Thema "Behinderte im 3-ten Reich" heranführen.

Ich weiß noch dass wir auch mal eine Führung hatten durch ein Kz und ich fand es grauenvoll doch zugleich faszinierend.

Unser Führer hatte alerdings die ganze Zeit ein makaberes Lächeln auf den Lippern und hat find eich sehr unemotional darüber geredet.

Vielleicht würde ein Gespräch mit Ihrem Sohn helfen, in dem man sich vorsichtig herantastet, in wie weit er dieses Thema eigentlich verstehen kann.

Liebe Grüße

Kommentar von SuchsDirAus ,

Nachtrag :

Vielleicht würde ein Gespräch mit Ihrem Sohn helfen, in dem man sich vorsichtig herantastet, in wie weit er dieses Thema eigentlich verstehen kann. Das eigentliche Problem liegt ja darin, dass man nicht weiß, inwiefern er mit solchen schwierigen Themen belastbar ist. Selbst für Erwachsene ist dies ein Thema, das über den Verstand / die Vorstellungskraft hinausgeht. Warum also einen im Geiste 8-jährigen damit konfrontieren ?

Nein, je mehr ich darüber schreibe und laut denke, desto sicherer bin ich mir, dass man sich genau überlegen sollte, ob Ihr Sohn diese Führung nun mitmacht. Was bringt es, wenn er es nicht versteht ? Es hätte doch keinen Sinn und am Ende wäre er nur verängstigt.

Ich würde wie gesagt auf jeden Fall mit ihrem Sohn sprechen und vielleicht vorsichtig das hema vorher anschneiden und seine Reaktion abwarten. Vielleicht weiß er auch selbst schon einiges durch das Fernsehen ?

Kommentar von sanne172 ,

Vielen Dank für diese Gedanken :-)
Sie spiegeln meine eigenen sehr gut wieder.

Auch wenn es vielleicht keine wirklich gute Lösung für mein Problem gibt, so tut es doch gut,
wenn man verstanden wird. Danke schön :-)

Antwort
von MyBWS1994,

ich würde die lehrer vielleicht nach den betreuenden Personen fragen, ob vielleicht auch ein psychologe oder eine andere einfühlsame person nicht mitfahren kann! eventuell sind ja noch plätze frei und du kannst selber mitfahren, das würde die gesamte situation ändern, da du dann auch selber unter kontrolle hast wie viel dein sohn erfährt, und du kannst nun mal am besten beurteilen wie viel er verträgt!!

Antwort
von Krauterchaos,

Ich kann deine Bedenken verstehen, spontan würde ich gefühlsmäßig auch eher davon abraten, aber andererseits kann man seine Kinder nicht vor allem schützen. Ich denke, es ist ganz wichtig, dass der Lehrer deutlich macht, dass die schrecklichen Zeiten vorbei sind und dass im Zuge dieses Themas nicht nur diese Einrichtung besucht wird, sondern auch andere, dass den Jugentlichen vielleicht nicht vordergründig klargemacht wird: Hier wurden solche und solche Menschen gequält und getötet sondern: Hier wurden Menschen getötet, die nicht arisch, blond und blauäöugig waren. Es ist wichtig zum einen diese Verbrechen zu benennen aber auch, klarzumachen, dass es fast jeden hätte treffen können und diese Verbrechen zu verurteilen.

Antwort
von till32,

Liebe Sanne172, liebe momo1965,

ich habe sehr interessiert Euer Gespräch verfolgt und möchte etwas dazu beitragen, wenn ich kann. Ich denke, wir sollten unterscheiden: Die von Dir, sanne172 allegemein gestellte Frage "sollen behinderte Jugendliche..." möchte ich klar mit einem "Ja" beantworten. Ich möchte dieses "Ja" aber einschränken dahingehend, dass es auf den einzelnen Jugendlichen ganz individuell ankommt. Musst Du Bedenken haben, dass Dein Sohn die Konfrontation mit diesen schrecklichen Ereignissen der Vergangenheit NICHT wird verarbeiten können, so sollte er mit diesem Thema auch nicht konfrontiert werden.

Grundsätzlich also sollte man auch behinderte Jugendliche mit diesem Thema konfrontieren, aber eben dann doch nicht, wenn man Angst haben muss, dass sie damit nicht zurecht kommen. Das wiederum musst Du für Deinen Sohn entscheiden. Und wenn Du da Bedenken hast, würde ich an Deiner Stelle ihn auch nicht mit hin schicken, sondern an diesem Tag zu Hause lassen - egal was die Schule darüber denkt.

Entsprechend das Beispiel von Momo1965 betreffend die fürchterlichen Ereignisse des Holocaust. Die allermeisten Menschen, nicht nur die Juden, setzen sich damit aktiv auseinander, was ich auch für sehr wichtig erachte. Wenn nun ein einzelner, aus welchen Gründen auch immer, diese Auseinandersetzung fürchtet, sollte sie ihm auch nicht aufgezwungen werden. Wobei ich hier keineswegs den "Aufarbeitungsverweigerern" das Wort reden möchte.

Ich glaube, ihr habt beide genau den richtigen Ansatz und hoffe, etwas ergänzend beigetragen zu haben.

Kommentar von sanne172 ,

Danke Dir sehr für Deine Antwort :-)

Kommentar von Momo1965 ,

Mein lieber Till, da hattest Du wohl den richtigen "Riecher". Nach den entsprechenden, nachträglichen Hinweisen von Sanne unter meiner Antwort teile ich Deine Ansicht zu 100 %.

Mein Däumchen hast Du... oder auch alle beide?! ;-)

Antwort
von ErTaiGa,

meiner meinung nach ist es für jeden jugendlichen schüler, egal so ob behindert oder nicht, wichtig zu erfahren was früher geschah, weil so lernen sie es auf die leichte art, aber wenn sie damit ganz plötzlich konfrontiert werden, wäre es warscheinlich schlimmer und heftiger für die jugendlichen.So lernen sie es sozusagen in der schule, denn alle themen der vergangenheit sind recht brutal und heftig. Ich glaube für jugendliche ist es nicht so schlimm etwas in der Schule in einer gruppe zu lernen, als etwas ganz plötzlich, oder am eigenen leibe zu erfahren.Und Alle schüler müssen etwas aus der vergangenheit erfahren, damit sie sich ein eigenes Bild darüber machen können und damit sie wissen, wie gut es ihnen eigentlich in der heutigen zeit, im gegensatz zu früher, geht

Antwort
von finzerconsult,

Hi, sanne172. Habe heute morgen deine Frage gesehen - und noch nicht alle Antworten dazu gelesen. Meine Gedanken - unabhängig davon: 1. Ich finde es sagenhaft geschmacklos, unüberlegt und eigentlich fehlen mir die Worte : dass der Lehrer mit den Kindern an eine solche Stätte will. Mehr an mangelndem Feingefühl kann ich mir kaum noch vorstellen. Die Klasse ist insgesamt inhomogen, mehrere Kinder sicher nicht in der Lage, Gesehenes und Gehörtes zu verkraften/zu verarbeiten, d.h. unreif für ein solches Vorhaben. Das gilt auch für die, die möglicherweise "nichts mitbekommen", denn wer weiß, was sie doch mitbekommen von dem Grauen, ohne dass sie die Möglichkeit der Mitteilung und Verarbeitung haben.-----------2. Ich würde mein Kind auf keinen Fall mitgehen lassen - wie du hier liest, wahrscheinlich mit einem Vorwand, Erkältung, Husten in der Nacht, Fieber in der Nacht. 3. Eine weitere ALternative sehe ich noch: Lehrer anrufen, schnell Gespräch, Schulleitung dazu. Vielleicht - aber nur vielleicht Elternvertreter dazu. Das ganze Vorhaben zum Kippen bringen. Mit dem Hinweis: Freiwillige Teilnahme ( an dem grausigen Schulausflug ). Lehrer und Schulleitung zum Schweigen verpflichten über das Gespräch und nur das Ergebnis bekanntgeben lassen, nicht dich. Die Veränderung der Modalitäten sollen von der Schulleitung ausgehen. 4. Ich habe einmal mit etwa 18jährigen eine Fahrt nach Erfurt, Weimar unternommen.Allgemeines, schönes Kulturprogramm. Die Städte, Kunst, Schiller und Goethe, Freizeit. Und an einem Nachmittag auch Buchenwald. Aber : Die dreitägige Fahrt war FREIWILLIG. Und die jungen Leute konnten die gräßlichen Wahrnehmungen hinter die schönen Erlebnisse stellen. Man kann nicht alles mit jungen Menschen machen, Geschmack und Feingefühl müssen sein - wo das fehlt, sollte man nachhelfen.

Kommentar von sanne172 ,

Herzlichen Dank für Deine Antwort.
Sie ist eine der ganz wenigen, die eindeutig von einem solchen Besuch abraten.
Die meisten hier sind der Überzeugung, dass es richtig und wichtig ist, mit diesen Jugendlichen dort hinzugehen.......
Wir werden das Thema auf jeden Fall auf dem nächsten Elternabend noch einmal besprechen.
Da ist noch keine Entscheidung getroffen.

Deshalb: Vielen Dank für Deine Argumente :-)

Antwort
von auchmama,

Deine Bedenken kann ich aus dem Bauch heraus sehr gut nachempfinden. Denke aber, wenn ihr ein gutes Verhältnis zu Eurem Kind habt, kann Information zur Geschichte und dem Unrecht, welches nicht nur Behinderten widerfahren ist, keinen sehr großen Schaden anrichten.

Wichtig wäre mir in jedem Fall, dass dieses brisante Thema vernünftig besprochen und aufgearbeitet wird. Ihn fern zu halten und Gefahr zu laufen, dass er durch Klassenkameraden irgendwelchen Unsinn erzählt bekommt, sehe ich da problematischer. Dann würde er sich als Aussenseiter wahrnehmen, der diese Besichtigung nicht mitmachen durfte, weil es um sein Handicap geht...alles Gute

Kommentar von icke01 ,

Da muss ich Dir recht geben.
So sehr ich Sanne verstehe, dass sie ihren Sohn schützen möchte....der beste Schutz ist Aufklärung. Jetzt habt ihr es in der Hand, WIE er davon erfährt, könnt erklären.
Unwissenheit würde ihn sehr verletzlich und angreifbar machen. Die Eltern können nicht immer bei ihm sein und verhindern, dass er auch üblen Menschen begegnet.

Antwort
von gloy53,

Es kann sein, gerade weil du dir diese Gedanken machst, diskriminierst du evtl. schon im Ansatz? Ich kenne dein Kind nicht, deswegen ist die Frage schwierig, aber ich geh mal davon aus, das wenn er diese Wahrheit nicht kennt, der Schaden wenn er es später entdeckt unter Umständen schlimmer sein könnte!


Ich bin ein bequemer Mensch, deswegen ist die Antwort vielleicht sehr falsch, aber letztlich kann ich die Frage überhaupt nicht entscheiden. Du holst dir Rat und das ist, glaub ich, gut!

Kommentar von sanne172 ,

:-)

Antwort
von fragesteller2,

Wenn man dieses Thema einmal rein nach dem Normalitätsprinzip betrachten sollten auch behinderte Kinder ein Recht darauf haben über dieses Kapitel der Geschichte etwas zu erfahren. Ich denke, es ist besser sie erfahren es im rahmen des Unterrichtes wo sie nachfragen können als nachher irgendwo zufällig wo sie mit diesem Thema vielleicht allein dastehen. Sie sollten sich schon darauf gefasst machen, dass ihr Kind danach aufgewühlt sein wird. Vielleicht hilft es ihnen mit der lehrkraft zu sprechen und ihere bedenken nochmals zu äußern mum sich gegebenfalls auf ein Nachgespräch zu hause mit ihrem kind zu wappnen. für mich klingt es jedoch sehr verständlich, dass sie sich sorgen machen nur es hilft nicht alles unangenehme von ihrem kind vernzuhalten besser ist es lernt es mit ihrer hilfe als nachher durch zufall.

Kommentar von sanne172 ,

Ich möchte doch nicht alles Unangenehme von meinem Kind fernhalten.
Nur diese eine ungeheuerliche Tatsache - von der er im Unterricht schon gehört hat.
Aber zwischen Zurkenntnisnehmen und wirklich Begreifen gibt es einen Riesenunterschied.

Muss er da wirklich durch?
Warum?

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten