Frage von sanne172,

Sollten behinderte Jugendliche wirklich alles über die Euthanasie im dritten Reich erfahren?

Unser jüngster Sohn ist 16 und hat eine leichte geistige Behinderung.

Zur Zeit beschäftigt sich seine Klasse mit dem Nationalsozialismus.
Auf dem letzten Elternabend fragte der Klassenlehrer, ob wir Eltern etwas einzuwenden hätten, wenn er mit der Klasse einen Ausflug zu einer Behinderteneinrichtung macht, die unter anderem dadurch zu trauriger Berühmtheit gelangte, weil die Nazis dort Behinderte hinschafften und als „unwertes Leben“ töteten.

Es gibt dort einen Friedhof für die Opfer zu sehen.

Mir ist bei dieser Vorstellung ganz anders geworden, aber ich war ganz allein auf weiter Flur.

Der Vorschlag wurde sehr wohlwollend aufgenommen, kein Elternteil hatte Bedenken (und es befinden sich gleich 2 Psychologen und 2 Pädagogen in der Elternschaft).

Das irritiert wiederum mich, die ich die Vorstellung einfach nur grausam finde.
Die Jugendlichen sind in einem Alter, indem sie für sich selbst mit der Tatsache behindert zu sein, fertig werden müssen – müssen sie so brutal darauf gestoßen werden, dass es Zeiten gab, in denen es richtig erschien, Menschen/ Kinder mit Behinderung zu töten?

Bin ich zu empfindlich? Gibt es wirklich gute Argumente dafür?

(Für alle gesunden Jugendlichen sind solche Besichtigungen richtig und wichtig, das steht außer Frage)

Antwort von Momo1965,
16 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Um die Wahrnehmung der heranwachsenden Generation für die Geschehnisse der Vergangenheit zu schärfen, halte ich es für unumgänglich, sie auch mit den wirklich brutalen und grausamen Ereignissen zu konfrontieren. Nur so entsteht das Bewusstsein für begangenes Unrecht und die Chance, das zukünftig nicht mehr erleben zu müssen.

Ich mache dabei überhaupt keinen Unterschied, WELCHER Personenkreis auf die von dem Lehrer geplante Weise an dieses Thema herangeführt wird.

Führe Dir bitte folgendes vor Augen: Auch behinderte Menschen sind vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft und wollen auch ebenso behandelt werden. Ich halte es für sehr bedenklich, wenn Du durch Deine Haltung die "Anderartigkeit" Deines Sohnes hervorhebst und für ihn (und alle anderen behinderten Menschen) eine andere Behandlung dieses Themas forderst, denn genau DAS wünscht sich KEIN behinderter Mensch.

Ein anderes Beispiel: Würdest Du es - in logischer Folge zu Deinen hier geäußerten Bedenken - ebenfalls begrüßen, wenn jüdische Schüler/innen von DEM Teil des Geschichtsunterrichts ausgeschlossen wären, wo es um die Judenverfolgung ging?

Die Juden wollen DAS ganz sicher nicht! Ganz im Gegenteil: Sie gehen sogar ziemlich offensiv mit diesem Thema um. Beispiel: Das Yad Vashem in Jerusalem, eine Ausstellung zur Geschichte des Holocaust. Man bekommt regelrechte Beklemmungen, wenn man sich DAS ansieht.

Ergo: Die Vergangenheit ist wie sie ist! Und ausnahmslos JEDER sollte damit vertraut sein, damit diese Dinge niemals wieder geschehen.

Kommentar von sanne172 ,

Ich halte es für sehr bedenklich, wenn Du durch Deine Haltung die "Anderartigkeit" Deines Sohnes hervorhebst und für ihn (und alle anderen behinderten Menschen) eine andere Behandlung dieses Themas forderst, denn genau DAS wünscht sich KEIN behinderter Mensch
Das ist nicht fair.
Seine "Sonderrolle" bekommt er doch nicht dadurch, dass ich mir Gedanken darüber mache. Für mich sind Menschen mit Behinderung so vollwertig und wichtig wie jeder andere. Meine Frage ist, ob man diesen Jugendlichen alles zumuten muss.

Glaube mir, mein größter Wunsch ist, dass sie als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft gesehen werden und daran arbeite ich täglich.
Ich packe meinen Sohn nicht in Watte und die Tatsache, dass er behindert ist, schützt ihn nicht davor sein Zimmer aufräumen zu müssen und vor anderen unliebsamen Dingen.

.

Der Vergleich mit jüdischen Jugendlichen hinkt in meinen Augen. Für sie ist dieser Teil der Geschichte auch furchtbar, aber sie haben ihr ganzes Volk, ihre Religion und das Wissen darüber, welches entsetzliche Unrecht ihnen geschehen ist.
Für sie ist es richtig und wichtig, dass es wirklich jeder auf der Welt erfährt.

.

Aber wem hilft es, wenn diese Jugendlichen erfahren, dass sie als „unwertes“ Leben gesehen wurden? Werden sie sich sicher sein können, dass heute niemand mehr solche Gedanken hegt?

Die Realität sieht anders aus. (Da muss man sich nur einmal das Abtreibungsgesetz im Fall einer Behinderung beim Ungeborenen ansehen………)

Nur darum geht es mir.
Die Vergangenheit wird sich sicher nicht wiederholen, nur weil man diesen Teil der Geschichte mit den Betroffenen nicht ganz so ausführlich erörtert.
Oder glaubst Du das?

Kommentar von Momo1965 ,

Liebe Sanne, zunächst einmal das Wichtigste vorweg: Ich wollte Dir in keinster Weise zu nahe treten oder unfair "rüberkommen". Sollte dieser Eindruck entstanden sein, dann entschuldige ich mich in aller Form für meine missglückte Formulierung.

Ich hatte nur die Befürchtung, dass sie Deine Gedankengänge bezogen auf dieses Schul-Projekt auch in Deinem Verhalten gegenüber Deinem Sohn widerspiegeln könnte. Und DAS wäre in der Tat sehr fatal.

Du versicherst mir mehr als glaubhaft, dass dem nicht so ist. Und das ist auch gut so!

Du fragst, wem es hilft, wenn behinderte Jugendliche erfahren, dass sie früher mal als "unwertes" Leben gesehen wurden. Gleichzeitig sagst Du, dass die Realität HEUTE (z.B. Abtreibungsgesetz) auch ihre Schatten wirft.

Ja, leider ist es so. Sicher kann man sich nie sein, dass "Randgruppen" (schreckliches Wort, aber mir fällt kein besseres ein) nicht ihre Beeinträchtigungen zu spüren bekommen.

Aber, ich denke, dass Du eben DIESE Realität nicht vor Deinem Sohn verbergen solltest / kannst. Entscheidend ist doch, WIE er damit konfrontiert wird, denn erfahren wird er es - früher oder später - ganz von alleine.

Und, auch wenn es diese negative Realität gibt, so gibt es aber auch genügend positive Dinge, die er (hoffentlich) Tag für Tag erlebt.

Ich weiß nicht, in welchem Maße Dein Sohn behindert ist, aber glaubst Du nicht, dass er das ganze Thema mit 16 Jahren schon ein bisschen differenzierter betrachten kann?

Kommentar von Harlekin1906 ,

Das gilt Momo1965! Ich finde deine Antwort einfühlsam und dennoch sehr klar! Bravo! Dafür auch von mir ein herzliches DH!

Kommentar von sanne172 ,

Alles gut :-)

Wahrscheinlich hätte ich die Frage doch lieber ganz allgemein stellen sollen.
Und hätte besser meine eigene Betroffenheit dabei außen vorgelassen.

So entsteht bei Euch der Eindruck, ich glucke um mein Kind herum und versuche es vor der Realität zu beschützen.

Mein Sohn hat mit seinem 16 Jahren das Gemüt eines Achtjährigen.
Daran wird sich auch in Zukunft nicht mehr viel ändern.
Wann ist er demnach alt genug, es etwas differenzierter zu betrachten?

Kommentar von Momo1965 ,

Vielen Dank! :-)

Kommentar von Momo1965 ,

Dann vermutlich nie, liebe "Sanne"! Unter diesen Umständen würde ich mir ganz sicher die selben Gedanken machen, wie Du, und auch davon Abstand nehmen, ihn an diesem Ausflug teilnehmen zu lassen.

Die Frage auf Deinen Sohn bezogen zu stellen, finde ich schon richtig. Es wäre nur hilfreich gewesen, wenn wir den Grad seiner Behinderung schon VOR Beantwortung Deiner Frage gewusst hätten.

MEINE Antwort wäre dann ganz sicher anders ausgefallen.

Kommentar von sanne172 ,

Es ist unheimlich schwierig den Grad der Behinderung zu beschreiben.
"Offiziell" gilt er als leicht behindert, denn er kann lesen, schreiben und (mit Abstrichen) rechnen.
Seinem Wesen nach ist und bleibt er aber ein Kind.
Ich verstehe gut, dass das zu Schwierigkeiten bei der Einschätzung führt - das hatte ich vorher nicht richtig bedacht. Sorry.

Kommentar von Momo1965 ,

Ja, das ist richtig! Es IST für Außenstehende schwer einzuschätzen. Selbst dann, wenn Du direkt von Anfang an einen entsprechenden Hinweis gegeben hättest. Und, entschuldigen musst DU Dich ganz sicher nicht! Schön, dass wir meinen gedanklichen Fehler aufklären konnten.

Also, noch einmal ganz von vorne! :-)

Niemand kennt Dein Kind so gut wie Du. Wenn Du jetzt, im Vorfeld, bereits ein so ungutes Gefühl dabei hast, dann solltest Du das Gespräch mit dem Lehrer suchen und ihm Deine Bedenken schildern.

Sind denn alle Kinder in der Klasse Deines Sohnes im gleichen Maße beeindträchtigt (ich mag das Wort "behindert" nicht!)? Und bestimmt handelt es sich auch nicht um eine Regelschule, zumindest aber eine integrative Schule, oder? Sonderpädagogen werden doch ganz sicher sehr viel empfänglicher für derartige elterliche Bedenken sein, als es an einer Regelschule der Fall wäre. Du solltest es zumindest versuchen.

Möglicherweise kann der Lehrer auch auf Erfahrungsschätze mit anderen, gleichaltrigen Schülern zurückgreifen, und Dir auf diesem Wege u.U. ein wenig Sorge nehmen.

Im Übrigen, wenn alle Stricke reißen: Kinder dürfen nur an Ausflügen teilnehmen, wenn die Eltern das ausdrücklich erlaubt haben. Du hast die Zügel also selbst in der Hand!

Kommentar von sanne172 ,

Danke Dir für diese Antwort :-)
Weißt Du, was ich eben gemacht habe?
Ich habe ein paar von den anderen Eltern angerufen und dabei festgestellt, dass es denen ganz ähnlich geht.
Manche haben einfach nur länger darüber nachdenken müssen :-)
Wir werden das Thema auf die Agenda des nächsten Elternabends setzen.
(Es ist eine private Heilpädagogische Förderschule - wir haben alle naselang Elternabende! ;-))
Und dann noch mal ganz in Ruhe dem Lehrer unsere Bedenken schildern. Und dann einfach mal hören.

Und danach entscheidet vielleicht jeder für sein Kind.
Die Jugendlichen in der Klasse sind ganz unterschiedlich.
Mein Sohn gehört mit seinen Fähigkeiten zu den fittesten, dafür gibt es Mädchen, die nicht Lesen oder Schreiben können, sich sonst aber altersgemäß verhalten.
Man kann keins mit dem anderen vergleichen.
.

Puh, jetzt geht es mir wirklich besser :-D

Kommentar von Momo1965 ,

Viele Wege führen nach Rom... und manchmal sind sie steinig!

Glaub mir, es freut mich wirklich sehr, dass Du einer Lösung näher gekommen bist. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer man sich manchmal mit der ein oder anderen Entscheidung tut!

Und viel Erfolg für den Elternabend! Das Ergebnis würde mich sehr interessieren!

Kommentar von sanne172 ,

:-)

Kommentar von Lilly2643 ,

Ja, ich schließe mich dem an. Von mir jetzt auch ein DH.

Kommentar von sanne172 ,

@ alle, die es heute noch interessiert :-)

Dieses Thema wurde ausführlich auf einem Sonderelternabend erläutert - hin- und herdiskutiert und von allen Seiten beleuchtet.
Tatsächlich hatten sich die meisten Eltern im Vorfeld keine Gedanken darüber gemacht.
Am Ende wurde abgestimmt und eine knappe Mehrheit war gegen den "Ausflug".
Das Thema war ja theoretisch im Unterricht schon durchgesprochen worden.
Es ging letztendlich "nur" noch um das Begreifen vor Ort.
Und das ist den Jugendlichen erspart geblieben.
Ich muss sagen - ich bin froh darüber.

Ich kann leider kein Sternchen vergeben - zu viele haben sich Gedanken gemacht und eine Unmenge an nachdenkenswerten Antworten gegeben.
Ich danke Euch allen, dass Ihr hier an dieser Stelle die vielgescholtene Qualität von GF hochgehalten habt.
Merci :-)

Kommentar von Momo1965 ,

Hallo Sanne, vielen Dank für diesen Nachtrag, der mich auf jeden Fall interessiert hat. :-)

Schön, dass sich dieses Problem in Deinem Sinne hat lösen lassen.

Dass Du kein Sternchen vergeben kannst, kann ich nur allzu gut nachvollziehen. Mit einer Auswahl aus den hier gegebenen Antworten wäre ich auch hoffnungslos überfordert! ;-)

Antwort von Saahira,
3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Diese Entscheidung sollte dem Jugendlichen selbst überlassen werden. Und generell halte ich Aufklärung über die miesen Machenschaften des braunen Gesindels nach wie vor für wichtig.

Apropos wieso bezeichnest du als Mutter/oder Vater (ich kann dein Geschlecht nicht anhand deines Nicks erkennen) dein Kind als "behindert" ??? Sowas macht mich fassungslos. Dein Sohn hat ein Handicap, "behindert" ist ein "Unwort" und wirklich nicht einfach aus Spass und Dollerei inzwischen auf dem Index.

Kommentar von sanne172 ,

Mein Sohn hat eine Behinderung.
Alles andere ist Wortklauberei.
Es Handicap zu nennen, macht es doch nicht anders.
Dass das Wort behindert zum Schimpfwort verkommen ist, ist schlimm.
Aber jetzt nur noch von gehandicapten Jugendlichen zu sprechen - das klingt mir zu aufgesetzt.

Kommentar von Schreiberlilli ,

Ich finde die Bezeichnung "behindert" als völlig korrekt. Irgendetwas hindert einen Menschen daran, genau so zu handeln/denken/laufen/leben...., als dem Großteil der Menschen. Nur weil manche Leute eine wahrheitsgemäße Beschreibung falsch anwenden, muss man sie nicht aus dem Sprachgebrauch entfernen.

Kommentar von Saahira ,

Eben weil das Wort leider zu einem Schimpfwort verkommen ist plädiere ich dafür es duch "gehandicapt" zu ersetzen und dies ist nicht nur meine Ansicht sondern allgemein Usus hier in der Regio (ausser eben die Kids die weiter im Zug von "behindert" reden wenn sie jemanden oder etwas nicht ausstehen können.

Kommentar von Swisslady ,

Behinderung ist doch kein schlimmes Wort, sondern drückt aus, dass man nicht allem ungehindert nachgehen kann. Ein Wort kommt auf den Index, weil andere es als Schimpfwort benutzen!? Was ist das denn? Und wird schlussendlich ersetzt durch einen englischen Ausdruck, der das Selbe aussagt!?

Kommentar von Saahira ,

generell war es mal kein "schlimmes " Wort. Aber wenn du heutzutage hörst wie es angewand wird vergeht dir die Lust es auf Menschen mit Handicap anzuwenden. ES wird benutzt um Nonstop zu beleidigen wie ich bei meínen morgendlichen Fahrten mit dem Regionalzug täglich miterlebe bei gewissen Jugendlichen untereinander. Bzw. bei ihren Reden über Abwesende die sich nicht wehren können.

Es ist ein übles Schimpfwort geworden.

Kommentar von froschvleder ,

sanne172 am 26. September 2010 18:20

Mein Sohn hat eine Behinderung. Alles andere ist Wortklauberei.

Da stimme ich voll mit dir überein.

Eigentlich wollte ich hier nichts mehr posten, ich habe alles gesagt.

Aber:

Eine Behinderung bleibt eine Behinderung!

Es ist in keinerlei Weise eine Beleidigung.

Heute sprechen die Instanzen von Menschen mit Behinderung.

Und @ Saahira...

Ich kenne sehr viele Menschen, die haben einen Ausweiß, da steht drauf:

Schwerbehindert!

Wie nennst du den dann so was??

Kommentar von Drachentoeter ,

Der Anglizismus Handicap ist in meinen Augen keine deut besser als das deutsche Wort behindert. Was sprich dagegen zu sagen ich habe eine Behinderung oder mein Kind hat eine Behinderung? Ich sehe da nichts negatives oder wertendes. Klar so Sprüch wie "Man bist du behindert" sind abwertend aber deshalb muss man nicht gleich das Wort behindert oder Behinderung aus seinem Wortschatz streichen. Ich habe selber eine Behinderung und habe absolut kein Problem mit dem Wort behindert oder Behinderung.

Kommentar von Drachentoeter ,

Und du bist wirklich der Meinung das Wort Handicap ist deshalb besser? Bist du sichre das das im englisch sprachigen Raum nicht auch eventuell als Schimpfwort dient? Ich kenne da nämlich für einen Menschen mit Behinderung eher den Begriff disabled Person http://dict.leo.org/ende?lp=ende&lang=de&searchLoc=1&cmpType=relaxed...

Kommentar von Drachentoeter ,

Hier noch die bedeutung des Wortes im englsich Sprachigen Raum http://dict.leo.org/ende?lp=ende&lang=de&searchLoc=0&cmpType=relaxed... nach meiner ansicht ist das Wort keine deut besser als das deutsche Wort behindert.

Kommentar von Drachentoeter ,

DH! Ich bin ganz deiner Meinung und das obwohl ich eine Behinderung habe, ich halte nichts davon zu glauben wenn man ein anders Wort nimmt wird alles besser.

Kommentar von Drachentoeter ,

Das mit dem Wort Handicap würde ich mir dann aber auch noch mal überlegen. ;-) http://en.wikipedia.org/wiki/Disability Da gibt es eine hübschen Absatz. Das laute der erste Satz "Some people with disabilities do not like the term "handicap" because of a belief that it originally meant someone who could not work and went begging with their cap in hand."

Kommentar von Lilly2643 ,

@ Saahira:

Ich bin auch der Meinung, dass die Bezeichnung keinen Unterschied macht.

Selbst wenn jetzt jeder "gehandicapt" sagen würde, was wäre damit gewonnen?

Nichts, man würde sich an dieses Wort gewöhnen und irgendwann wäre genau dieses Wort auch ein Schimpfwort.

Suchen wir dann wieder ein neues?

Kommentar von Swisslady ,

So sehe ich das auch.

Kommentar von Blackshep ,

Die Schwester meiner Mutter (geistig behindert) hatte Mitte der 70-er Jahre noch eine ärztliche Bescheinigung auf der draufstand zu 100% schwachsinnig Das ist schlimm! Von daher finde die Bezeichnung Behinderung / behindert völlig in Ordnung.

Antwort von MiaMamaRia,
9 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Ich denke schon das es für Jugendliche behindert oder nicht, gut ist etwas über die Geschichte zu erfahren. Juden, Sinti und Roma müssen sich doch auch damit beschäftigen und auseinandersetzen...!

Kommentar von sanne172 ,

Im Prinzip hast Du recht. Aber die von Dir genannten haben jeweils ihr ganzes Volk hinter sich, das sie stützt.

Kommentar von MiaMamaRia ,

Ich verstehe deine Bedenken schon...aber was sollte denn das Wissen darüber anrichten? Ich bin Schwarz und habe mich auch im Jugendalter mit Apartheid, Sklaverei und Co auseinander gesetzt, das hat mir nicht geschadet!

Kommentar von sanne172 ,

Ja, aber Du bist auch intelligent genug um zu wissen, dass Diskriminierung falsch und dumm ist.
Du weißt, dass Schwarze zu unrecht diskriminiert wurden.
Du kannst trotzdem mit erhobenem Haupt durchs Leben gehen. :-)

Wie diese Jugendlichen das verstehen werden, ist aber doch eine ganz andere Frage.

Kommentar von MiaMamaRia ,

Natürlich kann ich mich nicht in den Kopf von behinderten Jugendlichen reinversetzen....trotz allem denke ich haben auch sie ein recht auf Geschichte, warum auch nicht? Behinderte Menschen müssen mit so vielem Umgehen und vieles verkraften was im hier und jetzt passiert, das schaffen sie schließlich auch.....und nen gewissen Grad an Intelligenz besitzen auch behinderte Menschen!

Kommentar von sanne172 ,

Ja, vielleicht ist es gerade das: Dass sie schon so eine Bürde mit sich rumschleppen, dass ich finde, das alleine würde schon reichen.

Natürlich haben sie ihre eigene Intelligenz, das weiß ich. Ich finde nur die Vorstellung so ungeheuerlich, dass sie jetzt noch dazu erfahren, dass sie früher grausam entsorgt worden wären.
Aber vielleicht sehe ich das auch nur viel zu emotional - kann schon sein:-/

Kommentar von MiaMamaRia ,

Die Betonung liegt auf früher....es ist Geschichte !

Kommentar von froschvleder ,

@MiaMamaRiaDie Betonung der Frage liegt auf Heute!! Es ist Gegenwart!!

Kommentar von MiaMamaRia ,

Ja schon klar...aber das Geschehene ist doch Vergangenheit....!

Kommentar von MiaMamaRia ,

Und vor allem muss und kann man auch Behinderte nicht beschützen.

Kommentar von sanne172 ,

Nein - nicht vor allem. Nur hier.

Antwort von rubicon66,
56 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

...noch nie hat mich eine frage hier auf gf derartig beschäftigt, wie diese hier. ich habe mir alle antworten und kommentare bisher hier durchgelesen und bekomme einen schauer, der mir eiskalt den rücken runterläuft, nicht wegen der antworten und kommentaren sondern wegen dieser problematik, die sich da auftuet, in der du steckst !! ich traue mich nicht eine antwort zu geben, ohne,dass ich mit deinem sohn gesprochen hätte, und das nicht nur mit einem gespräch. Und je länger ich darüber nachdenke,komme ich immer mehr zu dem schluss, eine notlüge aufzubauen und deinen sohn NICHT daran teilnehmen zu lassen. das muss nicht sein und man kann mit sicherheit in späteren möglichkeiten deinem kind die notwendigen informationen geben. das argument,was hier über die judenkinder erwägt wurde, kann ich so nicht gelten lassen....ja, je mehr ich drüber schreibe, ich würde eine andere möglichkeit abwarten, und nicht daran teilnehmen....kinder können auch ganz schön grausam sein, und das würde bei deinem sohn viel schwerwiegerder sein....

Kommentar von rivabella ,

Da sind wir ja mal ausnahmsweise einer Meinung !!!

Kommentar von rubicon66 ,

...och riva, das stimmt doch so nicht so ganz, der??? aber hier stehen wir mit unsere meinung unter ferner liefen!!!

Kommentar von sanne172 ,

Aber Ihr sprecht mir aus der Seele.
Ich danke Euch beiden sehr.

Kommentar von aurata ,

@Rubicon: ich schließe mich Rivabella und dir an. Das sehe ich genau so.

.

@Sanne: ich kann dich sehr gut verstehen und hätte die gleichen Bedenken und würde alles tun und DAS zu verhindern, dass mein Sohn diese unnötige Bürde trägt.

Kommentar von sanne172 ,

Liebe aurata, ich danke Dir für Deine Meinung.

Sehr.:-)

Kommentar von franz3 ,

Rubicon. Ein einfühlsamer und zu tiefst menschlicher Kommentar. Danke, ich bin stolz auf Dich!!!

Kommentar von Lilly2643 ,

Auch ich möchte mich dem anschließen, ohne jetzt die anderen Antworten gelesen zu haben.

Mein erster Gedanke war, als ich die Frage las, das muss doch nicht sein.

Okay, dazu gibt es wohl einiges zu sagen und ich werde mir die anderen Antworten hier noch durchlesen.

Aber dass die anderen Eltern nicht mal diskutiert haben, verstehe ich gar nicht.

Kommentar von AllesKnower ,

@rubicon66, ich bin nun auch schon eine Zeit dabei und stimme, Dir zu, das ist bisher die beste Frage die hier in dieser Zeit gestellt wurde, einfach schon deswegen, weil man sie im Grunde nicht mit einem gewissen Anspruch auf Sicherheit beantworten kann !

Kommentar von rubicon66 ,

@allesknower, eigentlich hat sanne gar keine frage gestellt, sie hat ihre problematik mit ihrem kind dargestellt, und findet diesen "ausflug" , irgendwie,na, sage ich mal,nicht angebracht.sie ist irritiert, weil alle diesen "ausflug" für ok halten. meines erachtens, geht es in ihrer schilderung , zusätzlich und indirekt um die, ebenfalls nicht gestellte frage,ob wir deutsche diese "eutanasie" aus dieser unrühmlichen zeit der deutschen,richtig aufbereitet hätten? und darin sehe ich das zusätzlich für mich belastende drin, und ich glaube dass es vielen so ergeht!...hab mich schwer getan, hier die richtigen worte, nebst formulierungen zu finden...

Antwort von heureka47,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Aber sicher sollen sie das!

Möglicherweise haben gerade die von der Euthanasie betroffenen Menschen ("Behinderte", "Psychisch Kranke" usw.) mehr emotionale Regung, um sich für das Aufdecken der wahren Ursachen zu interessieren / einzusetzen, so daß doch noch die notwändigen Lehren aus diesen Gräueln gezogen und Vorkehrungen getroffen werden können, daß ähnliche nicht wieder geschehen.

Die tiefere Ursache liegt im Bereich der "Kollektiven Zivilisations-Neurose / Krankheit der Gesellschaft" (siehe meinen TIPP). Diese Störung ist auch unabhängig vom Kollektiv im Einzelfall jederzeit heilbar.

Kommentar von Benjamin ,

Ach, H..... und Konsorten wären laut deinen Thesen durch was auch immer "heilbar" gewesen???

Kommentar von sanne172 ,

Aus Deinem Tipp werde ich nicht schlau.
Vielleicht erklärst Du mir in einfachen Worten, wie sich ein Mensch mit Behinderung für das "Aufdecken der wahren Ursachen" einsetzen kann, wenn das auch für gesunde Menschen scheinbar nicht so einfach ist - sonst wären diese ja wohl schon bekannt........

Kommentar von heureka47 ,

Weil das Irre und Krankhafte (an) der (zivilisationsgesellschaftlichen) "Normalität" nur aus der Distanz zu ihr, z.B. aus der Position der "Randständigkeit", erkannt werden kann. Solange wir uns mit etwas identifizieren, können wir es nicht in seiner wahren "Gestalt" erkennen.

Menschen mit "Behinderungen", auch "chronisch Kranke" und ähnlich "Randständige" wurden/werden eher mit der wirklichen Wirklichkeit / tieferen Wahrheit konfrontiert - das bringt so viele von ihnen dazu, sich für die Verbreitung ihrer Sicht bzw. für wirkliche Gesundheit / Gesundung einzusetzen.

Kommentar von heureka47 ,

@ Benjamin:

Sogar du könntest heil werden!

Kommentar von Benjamin ,

@Heureka:

Das beantwortet meine konkrete Frage nicht.

Kommentar von heureka47 ,

@ Benjamin:

Was sollte mich angesichts deiner nachhaltigen Boshaftigkeiten motivieren, noch Fragen von dir beantworten zu wollen???

Kommentar von sanne172 ,

Au weia.
Ich kenne keinen einzigen Menschen mit Behinderung, der sich für die Verbreitung seiner Sicht einsetzt.
Vielmehr besteht dort nur der Wunsch, so zu sein wie alle anderen.
Keine Ahnung, wo Du diese Erkenntnis her hast.

Kommentar von heureka47 ,

@ sanne172:

Dann schau doch nur mal in Richtung der Selbsthilfebewegung, zu den zahllosen Selbsthilfegruppen und -organisationen, die seit vielen Jahren - weil das als gut und sinnvoll erkannt wurde! - von Staat und Krankenkassen finanziell gefördert und auch darüberhinaus unterstützt werden.

Schau auf die Landesarbeitsgemeinschaften (LAG)/ Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) für behinderte Menschen, in denen sich jeweils viele themen- / diagnosebezogene Gruppen organisieren und Öffentlichkeits- / Gremienarbeit leisten bzw. die Interessen ihrer Mitglieder bis hinauf in die Bundespolitik vertreten.

Ich bin seit 16 Jahren Mitglied z.B. inm Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V. und mein Landesverband ist wiederum Mitglied in übergeordneten Verbänden / Interessenvertretungen.

Insbesondere die Psychiatrie-Erfahrenen setzen sich seit vielen Jahren für Veränderungen in den psychiatrischen Versorgungssystemen ein, weil das vorherrschende wissenschaftlich-medizinische Weltbild einige wichtige Aspekte ausblendet und deswegen vielen Patienten nicht die angemessene Hilfe zuteil wird; um das mal ganz vorsichtig auszudrücken...

Kommentar von Benjamin ,

@Heureka:

Du scheinst mit Widerspruch weiterhin nicht zurecht zu kommen und stellst dich und deine Ansichten durch haltlose Beschimpfungen bloß.

Nur weiter so - die User werden ihre richtigen Schlüsse aus solchem Verhalten ziehen.

Antwort von Draschomat,
103 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Grundsätzlich ist man sich hoffentlich einig, dass es keine Tabuthemen geben darf, schon gar nicht welche, die ein solches geschichtliches Ausmaß haben. Es ist wichtig, Grundkenntnisse darüber zu besitzen (in dem Fall vor allem als abschreckendes Beispiel). Je mehr man sich übrigens mit solchen historischen Gegebenheiten beschäftigt, umso mehr ist man erschüttert - zumindest geht es mir so.

Viele Themen der Geschichtswissenschaften sind brutal und nichts für schwache Gemüter - vor allem, wenn man sich viel damit auseinandersetzt und anfängt, sich in betroffene Menschen hineinzuversetzen.

.

Genau das ist der Knackpunkt: Es bedarf einer bestimmten Reife, um sich mit solchen Sachverhalten sinnvoll beschäftigen zu können. Es würde auch keinen Sinn machen, im Lateinunterricht voreilig philosophische Texte zu behandeln, wenn der Großteil der Schüler noch nicht bereit dazu ist (im G8 werden solche Texte übrigens ein Jahr nach vorne verschoben - ein Kritikpunkt am G8, weil nicht nur arbeitstechnische, sondern wohl auch geistige Überforderung eintritt).

.

Dieser Zusammenhang kommt auch bei deinem Sohn zum Tragen - aber noch extremer als bei irgendwelchen lateinischen Texten von Philosophen. Wenn er das "Gemüt eines Achtjährigen" hat, sind komplexe Themen, die er nicht/schwer verarbeiten kann, durchaus problematisch. Nationalsozialismus ist nicht umsonst erst in der gymnasialen Oberstufe ein intensives Thema.

.

Mich würde noch interessieren:

Sind seine Mitschüler ähnlich eingeschränkt? Ein bisschen? Völlig anders? Auch auf dem Niveau eines Achtjährigen?

.

Sind die Mitschüler weniger eingeschränkt bzw. weiter entwickelt, würde ich von einer Teilnahme deines Sohnes abraten. Sind sie ähnlich eingeschränkt, könnte ein Besuch in einer gleichermaßen betroffenen Gruppe gewinnbringend sein - wobei da der Pädagoge einen wichtigen Part übernehmen müsste.

Letztlich müssen die beteiligten Personen das richtige Gespür haben und feststellen, ob die Gruppe homogen genug für einen solchen Besuch ist und ob sie (jeder einzelne!) einen Nutzen daraus ziehen kann.

.

Achja: Wie man eine Beeinträchtigung bezeichnet, ist unerheblich. Egal, ob gehandicapt, behindert oder eingeschränkt - das spielt keine Rolle. Nur weil manche Menschen "behindert" als Attribut zu einem Schimpfwort verwenden, heißt es nicht, dass man es sachlich nicht mehr verwenden darf. Außerdem ändert das nichts an der Lage.

Es gibt ein hier ein Wort, das mir deutlich mehr missfällt: Euthanasie! Es stammt aus dem Altgriechischen und heißt übersetzt "schöner Tod" oder "gut sterben", ist also eine üble Beschönigung (genau wie "Endlösung").

.

Mit Überempfindlichkeit hat das übrigens nichts zu tun, sondern eher mit der Kunst, sich in andere Personen hineinversetzen zu können - eine Eigenschaft, die (leider) nicht viele Menschen/Eltern haben. Du hast Sorgen, die existieren und berechtigt sind, aber von den meisten gar nicht (mehr) wahrgenommen werden (können). Das ist eine Sache der Einstellung und des Einfühlungsvermögens - da würde auch kein Pädagogik- oder Psychologiestudium helfen.

.

Alles Gute! :-)

Kommentar von Entdeckung ,

Deiner Antwort kann ich nur aus ganzem Herzen zustimmen.

Besonders hilfreich in diesem Fall finde ich - und daher habe ich Dich zitierend folgendes kopiert:

"Sind die Mitschüler weniger eingeschränkt bzw. weiter entwickelt, würde ich von einer Teilnahme deines Sohnes abraten. Sind sie ähnlich eingeschränkt, könnte ein Besuch in einer gleichermaßen betroffenen Gruppe gewinnbringend sein - wobei da der Pädagoge einen wichtigen Part übernehmen müsste."

e

Kommentar von Draschomat ,

Dankeschön. Ich glaube, dass mich bisher keine GF-Frage so beschäftigt hat wie diese. Hab auch erst heute geantwortet, obwohl ich die Frage schon seit zwei Tagen kenne.

Ein Verzicht des Besuches kann aber auch Probleme mit sich bringen, z.B. wenn die anderen Schüler nachträglich darüber reden, wie Lilly2643 richtigerweise kommentiert hat. Es scheint keine optimale Lösung zu geben, also muss man Vor- und Nachteile abwägen. Ein Thema zum Kopfzerbrechen...

Kommentar von sanne172 ,

Ich danke Dir sehr für Deine Antwort. Es hat sich gelohnt, darauf zu warten :-)
Zu Deiner Frage:

Es gibt in dieser Klasse alle Formen - so stark Beeinträchtigte, die einfach nur mitgehen würden, ohne auch nur im Entferntesten Sinn und Zweck zu verstehen, aber auch Jugendliche, denen man auf den ersten Blick ihre Behinderung gar nicht anmerkt.

Mein Sohn gehört von den intellektuellen Fähigkeiten her zu den Besten, ist aber emotional ein Kind geblieben. Andere können nicht lesen oder schreiben, benehmen sich aber sonst eher altersgemäß.
Es ist eine kunterbunte Mischung - Du kannst nicht einen mit dem anderen vergleichen.
Das finde ich richtig schön - aber in diesem speziellen Fall liegt auch darin die Schwierigkeit, wie Du schon sagst.
Ich freue mich sehr, dass sich hier so viele User Gedanken über mein Problem machen und mir immer neue Gesichtspunkte zeigen.

Vielen Dank für die Mühe :-))

Kommentar von Draschomat ,

Immer gerne. :-)

Bei einer solchen "kunterbunten Mischung" ist der Nutzen eines solchen Ausfluges wirklich in Frage zu stellen. Bin gespannt, was sich demnächst auf den Elternabenden herausstellt.

Kommentar von auchmama ,

@sanne172...aus Deiner Fragestellung konnte ich nicht entnehmen, dass es sich bei der Klasse Deine Sohnes um keine Integrationsklasse handelt! Das habe ich erst aus Deinem Kommentar hier erfahren. Darum schließe ich mich den Ausführungen von rivabella an. Sinn und Nutzen eines solchen Besuches, kann ich dann auch nicht erkennen!!!

Kommentar von sanne172 ,

Ja, ich weiß - ursprünglich gehörte diese Information in den Text, aber ich musste ihn kürzen, er war zu lang.
Danke für Deine Antwort :-)

Antwort von Slobbi,
2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

<ich kann dich und deine Gefühle verstehen...

aber diese Zeit gab es nun mal. man darf nicht die Augen verschließen, vor solcher Grausamkeit.

allerdings kann man ja nicht alle aus diesem Thema ausschließen.

Dann dürften Juden, Homosexuelle und Kranke alle nichts von diesen Taten erfahren, um geschont zu werden?!

Kommentar von sanne172 ,

Nein, jeder, der geistig in der Lage ist, diese Vergangenheit zu erfassen, sollte sie erfahren.
Derjenige aber, der vielleicht nicht wirklich versteht, dass das alles der Vergangenheit angehört, könnte doch verschont werden - wäre das so schlimm?

Kommentar von Slobbi ,

wie gesagt, ich kann deine Gefühle dazu verstehen.

schlimm ist es natürlich nicht. aber indem du deinen sohn aus dieser veranstaltung aus der Klasse ausschließt, machst du ihn zu einem aussenseiter. weil er ja schon ein handicap hat, hat er es sicher auch nicht so einfach in der schule.

vielleicht könntest du das aber auch aufarbeiten. indem du zuhause schon geschichtsbücher mit ihm vornimmst.

Kommentar von sanne172 ,

Seine ganze Klasse hat ein Handicap - jeder ist davon betroffen.

Kommentar von Slobbi ,

mh dann denke ich, dass es nicht unbedingt nötig ist.

kannst du dich nicht mit den anderen müttern zusammensetzen und nochmal reden.

Kommentar von sanne172 ,

Ja, genau das werde ich tun :-)

Kommentar von Slobbi ,

sehr jut ;D

Ich drück dir die Daumen!

Antwort von rivabella,
47 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

>Und ich es grausam finde, ihnen zu sagen, dass sie zu einer anderen Zeit ermordet worden wären, weil sie unnütz und lästig waren.<

.

Ich antworte Dir ganz intuitiv und aus dem Bauch heraus:

Wenn ich an Deiner Stelle wäre und meinem leicht geistig behindertem Sohn zugemutet werden sollte, sich mit so einer schwierigen und besonders für ihn entsetzlichen Problematik auseinander zu setzen, würde ich das mit allen Mitteln zu verhindern wissen.

.

Jugendliche Kinder im Alter von 16 Jahren sind auf der Suche nach sich selbst, sie sind in sich noch nicht so gefestigt, dass man sie „erwachsen“ nennen könnte. Deshalb und gerade wegen der Behinderung würde ich mein Kind (be)schützen vor allem, was mit der Judenvernichtung und mit dem 3. Reich zu tun hat.

.

In zwei oder 3 Jahren kann man überlegen, ob seine geistige Reife es zulässt, darüber mehr zu erfahren, vorher auf gar keinen Fall.

.

Auch wenn ich mit meiner Meinung ganz allein auf weiter Flur stehe: An dem Tag wäre mein Kind "offiziell krank" und ich würde mit ihm einen wunderschönen Ausflug in den Tierpark oder sonst einem angenehmen Ort machen!

.

Vergangenheit hin - Vergangenheit her: Ich würde es auf keinen Fall zulassen, dass mein Sohn mit seiner

.

>Klasse einen Ausflug zu einer Behinderteneinrichtung macht, die unter anderem dadurch zu trauriger Berühmtheit gelangte, weil die Nazis dort Behinderte hinschafften und als „unwertes Leben“ töteten.<

.

Niemals !!! Dafür ist später, viel später noch genügend Zeit !!!

Kommentar von sanne172 ,

Ich danke Dir so sehr :-)
Ich hatte mich schon fast davon überzeugen lassen, dass es meine eigene Empfindlichkeit ist, die mich dabei so bedrückt.

Kommentar von rivabella ,

Liebe Sanne!

Ich kann Deine Zweifel und Bedenken so gut verstehen. Auch ich würde nach der ersten Aufregung das Für und Wider gegeneinander abwägen. Hier aber überwiegen die Gegenargumente. Niemals ließe ich es zu, dass die zarte Seele meines Kindes so verletzt würde, seine Selbstzweifel, sein Selbstbewusstsein so in Mitleidenschaft gezogen würde wie bei einem Besuch einer solchen Gedenkstätte mit allem, was damit verbunden ist.

.

Das hat mit Aufklärung nichts zu tun, zumindest nicht in diesem speziellen Fall. Du hast das Recht - und bitte nimm Dir das auch heraus - Dein Kind vor jeglichem Unbill zu schützen. Du würdest Dich ja auch vor ihm werfen, wenn ihm jemand körperlichen Schmerz zufügen würde! Und seelischer Schmerz wiegt mehr, seelische Wunden heilen nicht so schnell. Hör auf Dein Gefühl und lass Dir nicht einreden, dass dadurch das Vertrauen Deines Kindes in Dich erschüttert wird, wenn er dann mal später „die Wahrheit“ erfährt. Nein, dem ist nicht so. Später wird er es besser verstehen und verarbeiten und dankbar sein, so eine verständnisvolle Mutter zu haben. Das wird sein Selbstbewusstsein eher stärken und sein Vertrauen in Dich festigen.

.

Hab den Mut NEIN zu sagen !!!

Kommentar von Lilly2643 ,

Ich stimme dir da voll zu.

-

Meine Sorge wäre aber auch, was ist, wenn er ein/zwei Tage später wieder zur Schule geht und die anderen über diesen Ausflug sprechen?

Kommentar von Nachtflug ,

@Lilly2643: Ja, das ist ein ganz wichtiger Punkt, denn dann ist das betroffene Kind erst recht anders als die anderen, wiel es keine Ahnung hat, wovon sie alle reden.

Antwort von MojitoTom,
27 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Liebe sanne, diese Frage ist nicht nur sehr bewegend sondern auch sehr schwer zu beantworten.
Damit eine Antwort nicht zu oberflächlich ausfällt, wäre im Grunde wichtig, Deinen Sohn näher zu kennen.
Du hast diesen Vorteil. Du kennst seinen Charakter und seine Fähigkeit mit seiner Behinderung umzugehen.
Du weißt, wie er auf äußere Eindrücke und Probleme reagiert.


Ich finde es jedoch von immenser Bedeutung, dass sich die Klasse mit dem Thema Nationalsozialismus beschäftigt. Das geht jedoch nur, in dem die Auswirkungen ebenfalls besprochen werden.
Wenn der Lehrer es schafft, das Thema Euthanasie mit Fingerspitzengefühl zu vermitteln und gleichzeitig den Bogen zur heutigen Gesellschaft und damit die Integration von behinderten Menschen in diese Gesellschaft deutlich zu machen, können die Jugendlichen mit einem positiven Eindruck dieses Thema verarbeiten.
So wie ich die Frage lese, ist Dein Sohn in einer Gruppe geistig behinderter Jugendlicher und damit nicht allein.
Die gesamte Klasse beschäftigt sich also damit.
.
Um Dir also abschließend einen Rat zu geben:
Wenn ich zu der Überzeugung gelangen würde, dass mein Sohn stark genug für dieses Thema ist, dann würde ich diesen Besuch zulassen.
Diese Behinderteneinrichtung hat heute eine ganz andere Bedeutung. Mit entsprechender Vorbereitung, und diese finde ich äußerst wichtig, könnte Dein Sohn die Unterschiede erkennen, verstehen und auch verarbeiten.
Deine persönliche Einschätzung, eine gute Vorbereitung und Nachbereitung halte ich jedoch für entscheidend.
.
Grundsätzlich halte ich schonungslose Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und deren Folgen für wichtig, sofern die betroffenen Personen geistig in der Lage sind, dies auch zu verarbeiten.
.
Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass es hier ja wohl um eine Einrichtung geht, in der heute behinderte Menschen betreut werden.
Das ist aus meiner Sicht etwas anderes, als würde man ein Konzentrationslager besuchen.

Kommentar von sanne172 ,

Lieber MojitoTom,

meinen herzlichsten Dank für Deine Antwort. :-)

Sie ist (wie immer) ausgewogen, verständnisvoll und klug.
Aber trotzdem:

<<Grundsätzlich halte ich schonungslose Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und deren Folgen für wichtig >> Da sind wir einer Meinung :-)
Nur frage ich mich, worin der "Nutzen" dieser Aufklärung für behinderte Jugendliche liegt.
Denn warum müssen gerade sie darüber so genau aufgeklärt werden?

Sie werden nicht an den gesellschaftlichen Entwicklungen mitwirken - sie können nichts bewirken und nichts verändern.
Warum also erspart man ihnen das nicht?

Kommentar von MojitoTom ,

Behinderte Jugendliche sind ein Teil unserer Gesellschaft.
Und ich denke schon, dass "leicht geistig behinderte" Jugendliche (wie Dein Sohn) sehr wohl ihre Position in der Gesellschaft einnehmen und sie mit gestalten können.
Ich halte den Besuch dieser Einrichtung nicht für besonders wichtig, denke jedoch, dass man es mit einer entsprechenden Vorbereitung machen kann.
Wenn Du also der Meinung bist, Dein Sohn könnte die Erlebnisse verstehen und verarbeiten, dann kann aus meiner Sicht dieser Besuch sinnvoll sein.
.
Wenn Du jedoch von vornherein Zweifel hast, dann liegen diese Zweifel vermutlich genau darin begründet, dass Dein Sohn dies vermutlich nicht kann.
.
Dann würde ich von so einem Besuch abraten.

Kommentar von sanne172 ,

Ich kann überhaupt nicht einschätzen mit welchem Eindruck mein Sohn von diesem Ausflug zurückkommt.
Das ist wahrscheinlich mein Problem.
Ich weiß einfach nicht, was er danach denken wird - über sich, über Behinderte, über seinen Stellenwert in der Gesellschaft.

Antwort von sophiaax3,
3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Hallo sanne172 (:

Ich finde dass das wirklich eine schwierige Frage ist, denn auch ich kann viele Argumente finden, die dagegen sprechen, aber auch einige die dafür sprechen.

Ich habe nicht alle bisherigen Antworten gelesen, aber doch einige und den meisten kann ich nur zustimmen, dass das am meisten von deinem Sohn selbst abhängt.

Ich selbst bin ein bisschen jünger als dein Sohn (ich werde erst nächstes Jahr im Februar 16) und versuche das Ganze vielleicht ein wenig aus der Sicht eines Jugendlichen zu beurteilen, wobei ich selbstverständlich weniger Erfahrungen habe als Du oder Andere die Dir geantwortet haben.

Auch wir haben uns letztes Jahr mit dem Thema beschäftigt und die Gedenkstätte in Dachau besucht. Das ist zwar nochmal ein kleiner Unterschied, da das ein Arbeitslager war, aber die Thematik ist ja die selbe. Mich hat vorallem dieser Besuch sehr nachdenklich gestimmt und ziemlich mitgenommen, da man das alles mehr oder weniger hautnah nochmal sehen kann. Obwohl ich diese Zeit ja glücklicher Weise nicht miterleben musste war ich doch immer wieder aufs Neue geschockt. Und obwohl dein Sohn eine leichte geistige Behinderung hat, fühlt und denkt er ja das selbe, deswegen bin ich mir ziemlich sicher, dass ihn dieser Besuch beschäftigen wird.

Dennoch musst du bedenken, dass die Betreuer dieser Klasse sicher nicht unvorbereitet auf diese Exkursion gehen, denn sie sind garantiert speziell auf psychologische Betreuung vorbereitet und haben gelernt, wie man mit solchen Situationen am Besten umgeht und erklärt. Auch ist es wichtig, dass dein Sohn über die Zeit des Nationalsozialismus Bescheid weiß. Allerdings kann er das natürlich auch später einmal nachholen. Nur sei dir bewusst, dass ihr beide die Chance ihn, in einem solchen Rahmen, an die Thematik ranzuführen sicher nicht allzuoft haben werdet.

Ich hoffe ich konnte dir wenigstens ein bisschen helfen und es fällt dir leichter eine Entscheidung zu treffen, aber letztendlich musst du gemeinsam mit deinem Sohn entscheiden.

Liebe Grüße

Sophia

Kommentar von sanne172 ,

Liebe Sophia,
ich danke Dir ganz herzlich für Deine Antwort. Ich bin erstaunt und regelrecht begeistert eine solch wunderbare und kluge Antwort von einem so jungen Menschen zu lesen!
Vielen, vielen Dank! :-)

Kommentar von sophiaax3 ,

Freut mich sehr wenn ich helfen konnte.

Ich wünsche dir und deinem Sohn viel Glück (:

Immer wieder gern ;D

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten