Frage von internetrambo, 98

Sollte nicht jede Generation 'ihre Welt' selbst aufbauen?

Moin. Warum müssen wir uns an die Regeln und Vorschriften von unseren Vorgängern halten? Natürlich sind nicht alle Regeln, Gebräuche und was es sonst so gibt schlecht, aber vieles ist einfach veraltet. Ein Beispiel: Früher war es normal, dass Männer mehr Rechte hatten als Frauen, aber heute ist das nicht mehr so, weil wir erkannt haben, dass es einfach falsch ist. Aber viele Generationen haben mit diesem Fehler gelebt bis man diese Regelung erneuert hat. Was wäre, wenn wir heute mit Fehlern leben, die unsere Vorgänger gemacht haben? Wieso passt sich jeder an? Noch ein Beispiel zu dem Jetzt: Steuern... Jeder muss Steuern zahlen, aber die Firmen und die Reichen finden immer irgendwelche Tricks bzw. Schlupflöcher, um diese Regel zu umgehen. Es werden neue Regeln festgelegt, aber diese sind anscheinend bewusst leicht zu umgehen ( Stichwort cum to cum, grade eine Doku gesehen). Also nur um die Öffentlichkeit zu beruhigen. Das war doch immer so, dass man sich Poltiker kaufen kann. Wieso wurde da noch nichts getan? Oder unser Arbeitssystem. Warum müssen viele 8h oder mehr am Tag fur wenig Geld schuften, während sich der Arbeitgeber sein Portemonnaie füllt? Benutzten oder benutzt werden, so sehe ich das. Verstehe nur nicht, warum viele ihre Kinder so erziehen, dass sie auch benutzt werden. "Mach schnell dein Abschluss und such dir 'n Job" sagen Eltern und ich wette deren Eltern haben das auch gesagt, nur keiner hinterfragt es. "Aber ohne Geld kann man nicht leben" kommt dabei raus. Ich denke aber, wenn man dieser Logik folgt, kommt man doch aus dem Teufelskreis nicht heraus, oder( natürlich ein Beispiel). Sollte man nicht jüngere Menschen politisch fördern, um frischen Wind zu bekommen und dies und jenes zu erneuern, anstatt an alten Regeln bis zum geht nicht mehr festzuhalten? Hoffe die Beispiel haben meine Frage verdeutlicht. Sry, aber ich bin schlecht darin meine Gedanken zu erklären.

Antwort
von regex9, 37
  1. Regeln und Vorschriften: Die Regeln und Vorschriften werden von Generation zu Generation weitergegeben, wenn sie als richtig oder normal erachtet werden. Sie fließen jedesmal in die Erziehung mit ein - das Kind lernt halt nur durch seine Eltern / Mitmenschen, was richtig oder falsch ist. Wenn der Vater dem Kind jedesmal sagt oder zeigt, dass die Mutter ihm zu gehorchen hat, wird es dieses Bild auch mit ins Erwachsenenalter nehmen, außer es bekommt einen anderweitigen äußeren Einfluss, der die Richtung ändert. So sehen viele Eltern bei der Erziehung bereits die Chance, Dinge zu ändern, die sie bei ihrer Erziehung nicht gemocht haben. Ob sie diese schlussendlich so umsetzen können, ist eine andere Frage. Veränderungen und Umdenken sind ein langwieriger Prozess, das ist alles. Kein Wunder, denn jeder Mensch wird in seinem Leben durchweg von anderen Menschen beeinflusst und ändert somit auch sein Verhalten und Denken, was er wieder weitergibt. Vielleicht sind in unserer heutigen Zeit nur 2-3 Personen davon überzeugt, dass Kinder mit ganz viel Schokolade aufwachsen sollten. Aber in einigen Jahren haben sie so viele Mitmenschen in ihrem Denken beeinflusst, sodass die neue Art Erziehung in eine neue Generation übertragen wird. Genauso kannst du es mit dem Laissez-faire-Prinzip vergleichen, dass wohl durch die revolutionäre Hippie-Zeit in den 60/70er-Jahren entstanden ist. Vorher gab es noch die Verehrung der Autoritäten.
  2. Lobbyismus: Das ist eine Schwäche des Systems, das stimmt. Doch ändern wird es sich nicht, solange wir nichts dagegen unternehmen. In den letzten Jahren war Deutschland eher wahlmüde, vielleicht bewirkt die jetzige Lage (Flüchtlings- und Wirtschaftskrise in Europa) etwas, politisch geht ja momentan eh eine Art Ruck um (den ich aber nicht gutheiße).
    Die, die aus unserem Gesellschaftssystem profitieren, werden natürlich stets versuchen, den aktuellen Status beizubehalten oder gar zu verbessern. Umso mehr in der Bevölkerung nach oben kommen, umso mehr Lobbyisten wird es geben. Und in der Erziehung wirkt sich das ebenso aus. Eltern wollen nunmal, dass ihre Kinder später ein gutes Leben haben. Dazu müssen sie sich heutzutage durchsetzen können.
  3. Teufelskreis: Natürlich ist es ein Teufelskreis. Es gibt noch viele andere Teufelskreise, die alle als Ursache das weltweite Wirtschaftssystem haben. Bisher können wir nur dahingehen, es Stück für Stück zu verbessern. Globale Krisen fördern am meisten ein Umdenken. Ob hinsichtlich Umweltfreundlichkeit oder Unterstützung von Schwellen- und armen Ländern in Afrika, Asien, etc.
  4. Politiknachwuchs: Vieles hängt mit der oben angesprochenen Politikmüdigkeit in Deutschland zusammen, das wird durch die Erziehung und unser gesellschaftliches Leben weitergetragen. Wenn ein Mensch nicht viel zu klagen hat (was ihn persönlich betrifft) und sein Karriereweg vordefiniert wird (durch Eltern, Schule, usw.) besteht nicht viel Grund, sich für Politik zu interessieren.
    Aber es gibt trotzalledem Bemühungen, junge Menschen für Politik zu begeistern oder zumindest dem Thema anzunähern. Bsp.: die Piratenpartei, Stefan Raabs Moderation einer Politsendung, Sozialkundeunterricht in der Schule, sogar Kabarett und Satiresendungen würde ich dazuzählen. Wie würdest du dir eine politische Förderung junger Menschen vorstellen?
  5. Auf deine Frage: Jede Generation hat die Möglichkeit, die derzeitige Welt mitzugestalten. Oft nur in sehr kleinen Schritten (wie sollten wir uns auch allesamt innerhalb einer Lebenszeit einig werden?), bei denen wir Rückschritte erleben und Mehrheiten sammeln müssen. Ein kompletter Neustart kann nicht gemacht werden (es sei denn, alle wären sich einig), da jede Generation noch mindestens ihre Vorgeneration erlebt und durch diese geprägt wird. Dazu kommt noch menschliche Bequemlichkeit und für manches Problem gibt es noch keine (zufriedenstellende) Lösung. Schau über den Tellerrand, unsere Welt, unsere Beziehungen und Motivationen sind komplex. Und ob wir mit jeder Generation neu beginnen sollten? Nein! Dann hätten wir womöglich wieder gesellschaftliche Probleme, die bereits vor Jahren gelöst wurden. Und in unserer Entwicklung würden wir ebenso stagnieren, z.B. bei der ewigen Frage ob Windkraft oder Atomenergie. ;)


Kommentar von internetrambo ,

Auf keinen Fall von 0 beginnen! Bin ich dagegen. Aber Stück für Stück unsere Welt zu verbessern?--> Definitiv Ja. Ich sehe nur keine Möglichkeit, dies zu tun. Das ist eher mein Problem bzw. Frage.

Kommentar von regex9 ,
  1. Hinterfrage deine eigene Lebensphilosophie und werde ein besserer Mensch. D.h. sei geduldig, tolerant, höflich/freundlich und hilfsbereit gegenüber deinen Mitmenschen (falls du es nicht schon bist). Halte dich an Regeln, sei ein gutes Vorbild.
  2. Zeige Courage (ohne dich unnötig selbst zu gefährden) und halte dich stets selbst an das Gesetz
  3. Finde eine/n Partnerin/Partner, um in Liebe ein Kind großzuziehen. So kannst du deine Moralvorstellungen am sichersten weitertragen.
  4. Wir in Europa leben momentan in einer Krisenzeit. Der Klimawandel (weltweit), der Nahostkonflikt, die Flüchtlingskrise - wir sind im Aufbruch. Wenn du jetzt keine Möglichkeit hast, wann dann? Setze dich für eine gute Flüchtlingsintegration ein, bleibe objektiv und lasse nicht zu, dass neue Werte (Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, Toleranz gegenüber Homosexuellen, usw.) alten Werten wieder weichen müssen.
  5. Geh wählen, versuche politisch zumindest etwas aktuell zu bleiben.
  6. Handle bedacht gegenüber deiner Umwelt. Du könntest auch deinen Fleischkonsum reduzieren, wenn du möchtest.
  7. Sei aktiv. Und es gibt wirklich zig Möglichkeiten, wo du aktiv sein kannst. Ob helfend für krebskranke Kinder, Aktionen gegen Rassismus oder Demonstrationen für den Naturschutz. Letzten Endes ist all das Arrangement für ein besseres Zusammenleben auf der Erde. Wenn dir das zu viel ist, reicht es auch, in anderen Lebensbereichen aufmerksam zu sein. (Spenden - Geld/Kleider/Spielzeug/Pfandzettel, umweltbewusstes Kaufen - z.B. keine Angorawolle), usw.

Das sind nun 7 Punkte, bestimmt kann man diese Liste noch um weitere ergänzen. Aber das ist an dieser Stelle unwichtig, denn du siehst sicherlich schon so, dass es genügend Wege gibt, für die eigene Generation Verbesserungen in die Zukunft zu tragen. Dazu gehört halt nicht immer nur Veränderung, sondern auch Sicherung. Nur weil eine Änderung endlich durchgeboxt wurde, ist sie gesellschaftlich nicht komplett umgesetzt. Und erst nach mutiger und starker mehrheitlicher Akzeptanz kann es weitergehen. Außerdem hängen viele Bereiche aneinander oder können sich gegenseitig beeinflussen, auch wenn sie völlig losgekoppelt voneinander scheinen. Bist du bspw. ein guter Vater und ein krimineller Jugendlicher sieht das, könnte er von dir oder deinem Leben so beeindruckt sein, sodass er sich daraufhin bessert.

Du musst andere Menschen durch dein Sein und Wirken beeinflussen. Ich denke, die Umsetzung ist schwieriger als das "Wie?".

Antwort
von haku7, 25

Eine interessante Frage:

Die Welt innerhalb einer Generation komplett aufzubauen liegt wohl noch etwas außerhalb des technisch machbaren und menschlich zumutbarem und soviele Ressourcen könnte der Planet gar nicht bereit stellen. Aber darum geht es wohl nicht.

Die Demokratie an sich erlaubt es immer wieder geplante Änderungen in die Gesellschaftsstruktur einzubringen, zu schauen wie sie wirken und neue auszudenken. Dafür sind jedoch Mehrheitsentscheidungen nötig, die so einfach nicht zu erreichen sind. Die Demokratie ist etwas träge in der Hinsicht.

Eine Diktatur oder Monarchie kann änderungen viel schneller umsetzen, Nachteile hat die aber auch.

Manche Änderungen sind jedoch so tiefgreifend, dass sie in einer bestehenden und komplexen Gesellschaft wie der deutschen nicht machbar sind, solange nicht gewaltige Kräfte dies in Bewegung setzen. Hier würde die neue Generation ins spiel kommen, die mehr Energie und andere Sichtweisen mitbringt.

Jede Änderung hat andere Systemzustände zur Folge. Manche sind stabil, manche instabil und das System sucht sich selber einen neuen Gleichgewichtszustand.

Auf diese Teilfrage würde ich gerne ausführlicher eingehen

Warum müssen viele 8h oder mehr am Tag fur wenig Geld schuften, während sich der Arbeitgeber sein Portemonnaie füllt?

Wir leben derzeit in einer sozialen Marktwirtschaft. Dazu musste die frühere Gesellschaftsordnung (etwa 17 Jhd) in eine Marktgesellschaft gewaltsam transformiert werden. In dieser steht die Arbeitskraft der Mitglieder als käufliche Ware zur Verfügung. Und bildet mit Boden und Kapital die Produktionsfaktoren. Interessanterweise sind Boden und Arbeit keine Waren, da sie nicht produziert werden können. Kapital hingegen ist rein fiktiv, trotzdem werden sie zu waren reduziert.

Die Produktionsfaktoren müssen stets verfügbar sein, da ansonsten die Produktion viel zu unsicher wäre. So kann man die meisten Objekte in Deutschland kaufen oder mieten. Die nötigen Rohstoffe auf dem Weltmarkt einkaufen. Und es gibt auch den europäischen und sogar globalen Arbeitsmarkt. Die Arbeitsagenturen, Krankenkassen, sogar Schulen ( G8-Reform) schauen auch immer zu, dass man möglichst schnell wieder als Arbeitskraft zur Verfügung steht (Hauptsache schnell wieder gesund - ist der slogan)

Da die meisten Menschen innerhalb der Gesellschaft nix haben, müssen sie um zu überleben ihre Arbeitskraft verkaufen. Die die Kapital haben leben von Zinsen, und die die Boden haben leben von Pacht oder auch Miete. Daher versuchen viele viel anzusparen oder nehmen Kredite auf Immobilien auf um von diesen später leben zu können.

Der Weg wird immer schwierigerer da Zinsen sehr niedrig sind und Häuser immer teuer werden. Zum Glück gibt es eine Existenzsicherung auf Mininum in Deutschland, in Amerika gibt es fast kein soziales Netz. (God bless the USA)

Für den Arbeitgeber oder auch einfach Kaufmann ist der Mensch nix weiter als ein weiterer Produktionsfaktor (Human Ressource). Diesen kauft er durch Lohn. Im Grunde müssen wir die Produktion aufrechterhalten und dafür große Teile unserer Lebenszeit aufwenden.

Gäbe es keine Sozialgesetze hätten wir auch noch Kinderarbeit und 16 h Tage ( Zu der Zeit der Industriellen Revolution war sowas an der Tagesordnung). Die Schulpflicht (hat auch was gutes) schützt damit die Kinder und Jugendlichen und Kindergeld, Krankenversicherung bei Eltern usw. hält sie von den Klauen der Marktwirtschaft wenigstens ein Jahrzehnt fern.

Die Rente schützt die älteren Mitglieder der Gesellschaft, da diese einfach nicht mehr in der Lage sind dieses Spiel länger mitzumachen , leider wird das Eintrittsalter immer höher gesetzt und der Schutz schrittweise aufgehoben.

Der Vollzeitbesuch der Bildungseinrichtungen schütz auch vor dem Zugriff des Arbeitsmarktes, daher gehen viele studieren oder machen ihr Abitur nach (eine erklärungsmöglichkeit für den trend).

Arbeitslosigkeit wird in allen kapitalistischen Ländern der Welt aus diesem Grund stigmatisiert. Selbst wenn du ein Auskommen hast wirst du trotzdem durch soziale Ausgrenzung bestraft. In Japan z.B. gibt es das Wort "NEET" (not in education employment or training) das den "arbeitsunwilligen" einen genormten Stempel aufdrückt.

Interessant sind hierbei die Zeitarbeitsfirmen. Sie sind keine Erfindung der Neuzeit sondern eine logische Konsequenz. Denn damit hat man einfach einen weiteren Zwischenhändler der die Arbeitkraft aufkauft und dann an einen anderen weiterverkauft. Ähnlich wie Immobilienmakler oder auch Berater in Geldinstituten. Naja Merkmal der Marktwirtschaft, jede Ware kann beliebig oft hin und her gehandelt werden.

Zumindest im Vergleich zu vor 100 Jahren stehen wir besser dar. Aber schlechter als z.B. noch vor 30 Jahren, da viele Schutzbestimmungen für "Arbeit" gelockert wurden.

Insgesamt kann man sagen, dass wir eine reine Marktwirtschaft (so wie es viele Ökonomen fordern) ohne Schutzbestimmungen für die Gesellschaft ( Arbeit ), die Umwelt in der wir leben (Boden) und ohne staatliche Intervention gar nicht überleben würden und innerhalb weniger Jahrzehnte vernichtet werden würden. 

Antwort
von voayager, 23

Jede Generation sollte ihre Welt neu aufbauen, da pflichte ich dir bei. Leider ist gerade die heutige Jugend so garnicht in einer Aufbruchstimmung wie sagen wir mal die, der 70-er Jahre. Schön wäre es, wenn es so käme, wie von dir gewünscht, "doch die Verhältnisse, die sind nicht so", wie Brecht vermerkte. Dann kommt indeshinzu, dass alle genrationen, alle Einzelmenschen "nur" ein Glied in einer großen Kette sind, daher das Einzelglied nie das gesamte Rad zum Drehen auf längere Sicht bringt, wenn denn nicht Vorglieder und Nachfolgeglieder zusammen erst weine Kette bilden, die eine wirkliche Bewegung länger als eine Kurzstrecke ermöglichen. Genau in einem solchem Dilemma steckt jede Aufbruch-Jugend, wenn sich diese mal entwickelt.

Antwort
von alashatt, 21

Keine einzige Generation hat jemals aus dem Grund an Traditionen festgehalten, dass ihre Vorgänger dieselben Regeln befolgten. Das ist abergläubischer Unsinn, komplett unlogisch, weil diese Auffassung unterstellt, dass Gesellschaften durch etwas anderes konstituiert sind, als durch Männer und Frauen und ihre sozialen Beziehungen untereinander; dass ebendiese Regeln nicht von Männern und Frauen gemacht werden, sondern außerhalb der sozialen Domäne stehen, dadurch ahistorisch sind, sich dadurch über mehrere Generationen erstrecken können usw. Es ist schlicht und einfach ein metaphysischer Gedanke - die Existenz, sage, des Patriarchats lässt sich nicht damit begründen, dass es eine Last der Geschichte ist, die wir zufälligerweise noch mit uns tragen.

Was immer wir auch tun, tun wir in Relation zur Gegenwart, aus dem banalen Grund, dass wir im Hier und Jetzt leben (was man nicht weiter beweisen muss - unsere gegenwärtige Existenz ist ein Axiom). Wir antizipieren die Zukunft und betrachten die Geschichte - aber nur insofern, als es relevant für die Gegenwart ist. Du bist gerade in diesem Moment nicht dieselbe Person wie vor 5 Minuten. Der internetrambo von vor 5 Minuten ist gestorben. Du teilst nur dessen Persönlichkeit, Moral, politischen Ansichten, Vorlieben, Hobbys usw., weil die Bedingungen für ihre praktische Relevanz für dein Leben sich ständig reproduzieren. Ich bin heute Kommunist und werde morgen auch noch einer sein, weil es morgen für mich genauso relevant ist. Genauso verhält es sich mit den Regeln und Vorschriften "von unseren Vorgängern": Solange etwas in unserer Gesellschaft existiert, spielt es eine (für die Gegenwart relevante) Rolle in ihr, weil seine Basis nur durch diese gegeben ist.

Natürlich kann nicht einfach jede Generation "von Null" anfangen, das ist nicht möglich. Wir Menschen machen unsere eigene Geschichte, aber wir machen sie mit der Gegenwart als Referenzpunkt. Man kann die gegebenen Umstände nur verändern, indem man sich auf eine bestimmte Art und Weise auf sie bezieht. Da gibt es die "klassische" reaktionäre Bewegung, die das Rad der Zeit zurückzudrehen versucht, aber dann vom Progress der Geschichte verdrängt wird; dann die, welche die gegenwärtigen Zustände reproduzieren, aber dadurch dennoch abwandeln (Hegel schrieb mal, damit etwas überleben kann, muss es sich verändern); und schließlich den progressiven Standpunkt, den du anscheinend suchst, weil er danach strebt, die Fesseln der heutigen Gesellschaft aufzuheben. Aber auch das funktioniert nicht, indem man eine Blaupause einer neuen Gesellschaft vorlegt, sondern nur als Bewegung/Entwicklung, d.h. als ein "Herauswachsen" aus den Fesseln.

Antwort
von casala, 20

"Sollte man nicht jüngere Menschen politisch fördern, um frischen Wind zu bekommen und dies und jenes zu erneuern."

das ist mit sicherheit in jeder generation geschehen, aber die rückfallquote in alte (finanziell vorteilhafte) strukturen ist einfach zu hoch.

dennoch kann man gewisse veränderungen nicht verleugnen. zb.: die leibeigenschaft ist erträglicher geworden. (ironie)

dies und jenes zu erneuern können auch ältere, die in der lage sind umzudenken.

Expertenantwort
von atzef, Community-Experte für Politik, 13

Warum sollte jede Generation das Rad "neu erfinden"?

Menschliche Gesellschaften entwickeln sich doch, auch im Sinne einer permanenten Verbesserung der Lebens- und Daseinsbedingungen.

Deine Beispiele sind im Wesentlichen ideologisch konstruiert und drücken lediglich eine Menge Sozialneid, voraussetzungsloses Wunschdenken und Motzkiattitüde aus.

Was du aber schlicht übersiehst:

In der bisherigen Geschichte Deutschlands haben die Menschen niemals zuvor einen so hohen Lebensstandard und so vorteilhafte Daseinbedingungen gehabt.

Kommentar von internetrambo ,

Also sollten sich die Menschen nicht weiterentwickeln, weil es uns schon gut geht? Man soll nicht das Rad neu erfinden, sondern verbessern. Wo ich neidisch sein soll sehe ich auch nicht.

Kommentar von atzef ,

Ich habe doch geschrieben, dass wir uns permanent weiterentwickeln und faktisch das Rad ständig verbessert wird. Duwiederum bedienstsozialneidisch die Stereotype vom "raffgierigen Arbeitgeber": "Warum müssen viele 8h oder mehr am Tag fur wenig Geld schuften, während sich der Arbeitgeber sein Portemonnaie füllt?"

Was hält dich denn davon ab, dir selber "das Portemonaie zu füllen"...?

Antwort
von MambaX, 37

Das sind viele Fragen :D. Ich vermute mal das viele alten "Regeln" und ähnliches immernoch genutzt werden weil sie funktionieren. Natürlich kommt irgendwann jemand auf eine bessere Lösung doch bis es so weit ist wird alles wie gewohnt gehandhabt. Viele denken deshalb auch garnicht an andere Wege unn hinterfragen auch nichts.

Antwort
von Lennister, 12

Wie stellst du dir das vor? Man kann schlicht und ergreifend nicht alles hinterfragen- das ist unmöglich, ein einzelner Mensch kann das nicht leisten. Und unlogisch wäre es noch dazu, da das Bestehende ja immer auch unser Denken mitprägt.

Insofern kann sich überhaupt nicht jede Generation ihre eigene Welt aufbauen, weil keine Generation alles Bestehende hinterfragen kann. Das wäre dafür aber nötig. 

Antwort
von Akainuu, 29
l: Früher war es normal, dass Männer mehr Rechte hatten als Frauen, aber heute ist das nicht mehr so, weil wir erkannt haben, dass es einfach falsch ist. 

Diese Erkenntnis war und ist an einen Entwicklungsprozess gebunden, der sich über Jahrhunderte erstreckt hast. Fängt man bei jeder Generation bei 0 an - was faktisch nicht möglich ist - so be- und verhindert man jedes Mal diesen Entwicklungsprozess.

Man kehrt de Facto in einen Ursprungszustand zurück, was eine Entwicklung meiner Ansicht nach gar nicht erst ermöglichen würde.

Früher war auch Sklaverei vollkommen selbstverständlich, bis die Menschheit sich im Zuge der Entwicklung von diesem Gedanken löste. Wer sagt denn, dass all diese Dinge nicht wieder eintreten, wenn jede Generation ihre eigenen "Regeln" macht?

Kommentar von internetrambo ,

"Wer sagt denn, dass all diese Dinge nicht wieder eintreten, wenn jede Generation ihre eigenen "Regeln" macht?"

Gutes Argument. 

Es gab aber anscheinend Menschen, die nicht den alten Regeln gefolgt sind und so irgendwann die Sklaverei abgeschafft haben. Sowas wäre doch nie möglich, wenn alle das gemacht hätten, was ihre Vorgänger auch taten, oder nicht?

Antwort
von Mooooses, 8

In einer Elefantenfamilie leben immer mehrere Generationen. Die älteste Elefantenkuh kennt die Wasserlöcher und führt in Trockenzeiten die Herde an diese Löcher. Ohne diese ältere Generation würde die ganze Herde verdursten.

Deshalb braucht man das Wissen der Vorgenerationen. Auch wir Menschen!

Kommentar von internetrambo ,

Das Wissen braucht man, ja. Aber was wäre, wenn es einfachere Wege zu diesen Wasserlöchern gäbe, aber die Elefanten immer noch die komplexen Wege bestreiten, weil sie sich daran gewöhnt haben?

Kommentar von Mooooses ,

Du glaubst wirklich, dass die Elefanten über Handy und Internet verfügen? Die alte Elefantenkuh weiss den einzigen Weg zum Wasserloch. Sie weiss ihn deswegen weil sie so alt ist, ein Elefantengedächtnis hat und sie sich darin bewährt hat. Freilich könnten die jungen Elefanten die Leitkuh vertreiben, weil sie der Meinung sind, dass sie den Weg inzwischen selber finden könnten.

Aber das Risiko gehen die klugen Elefanten nicht ein.  Du schon??

Antwort
von DerHeuchler, 30

Menschen lernen von anderen Menschen.
Jeder hat seinen eigenen glaube oder seine eigene Religion.
Warum sich Menschen verändern liegt daran wie sich der Mensch verhält.
Und zu denn Regeln...
Menschen deren Nachfolger vorderen regeln haben so gesehen diese Tradition wohl weiter geführt mit diesen Regeln, und so dass die Regeln wohl heutzutage auch so noch genutzt werden.

Hoffentlich konnte ich es irgendwie richtig beantworten :D

MFG DerHeuchler

Antwort
von lesterb42, 7

Geh selbst in die Politik oder mach dich selbständig und schaff Arbeitsplätze. Im Rahmen deiner Möglichkeiten kannst du was dir nicht passt anders machen. Viel Erfolg !!

Antwort
von howelljenkins, 22

wenn du die loesung hast, dann predige sie. ich sehe aber nur fragen, keine antworten.

du willst steuern abschaffen und arbeit ... welche alternative hast du anzubieten, damit die menschen trotzdem ueberleben koennen. hat ja nicht jeder einen gemuesegarten und huehner zu hause.

ich kann verstehen, wenn junge leute unzufrieden mit den herrschenden verhaeltnissen sind. das ist normal. mir geht bloss auf den zwirn, wenn rumgemeckert wird, ohne umsetzbare alternativen anzubieten.

klar koennen wir auch "kinder an die macht" singen. ich traue allerdings sogar frau merkel mehr fuehrungskompetenz zu, als z.b. dir, der du schon schlecht darin bist, deine gedanken zu erklaeren.

Kommentar von internetrambo ,

ich habe keine Lösungen, deshalb frage ich ja? LOL.

Antwort
von gottesanbeterin, 8

Sei doch froh, dass es nicht so ist, denn als Säugling und kleines Kind warst du ganz und gar auf deine "Umwelt" angewiesen.

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