Frage von mhhhhhhh, 29

Sollte man lügen und eventuell andere gefährden, wodurch ein Mitglied der Familie jedoch einen Vorteil hätte?

Folgende Situation - ein Mitglied der Familie ist von heute auf morgen umgefallen und dadurch auch in das Krankenhaus gekommen. Dort konnte man leider nicht feststellen, warum das passiert ist. Nach ca. 5 Tagen Krankenhaus ging es also nach Hause.

Der Arzt im Krankenhaus hat jedoch darauf bestanden, dass der Patient eine weitere Fachklinik aufsucht um das "Problem" zu finden. Dies wurde abgelehnt - die Gründe dafür sind mir nicht bekannt. Des Weiteren wurde dem Patient vom Arzt geraten lieber kein Auto mehr zu fahren.

Dieses "Auto-Verbot" wurde bis zum heutigen Tage auch respektiert, jedoch wurde nun ein Termin beim Facharzt gemacht, damit der diesen "Rat" aufhebt. Nun war der Patient die Tage wieder beim Facharzt - der Facharzt hat zu diesem Termin auch 2 Familienmitglieder geladen, da er sich ein Bild über den Patienten machen wollte. Patient ist über 80 Jahre alt.

Nun wurden dort neben einigen Untersuchungen auch Fragen an die Mitglieder der Familie gestellt. Dabei ging es unter anderem um den täglichen Ablauf, den Haushalt, das Gedächtnis und ob sich solch ein Vorfall nochmal zugetan hat.

Der Patient selber und ein Familienmitglied haben immer schon alles gut geredet, es sei alles super. Er sei TOP Fit. Man kann vor dem Arzt ja nicht zugeben das dem nicht so ist.

Einer wagte es jedoch dem zu wiedersprechen und sagte dem Arzt, das der Patient sehr wohl nochmal fast zusammengebrochen ist, das es mit dem Gedächtnis nicht mehr so gut gestellt ist und das gerade in organisatorischen Dingen quasi immer Hilfe benötigt wird. Bank, Steuer, Termine beim Arzt -> alles muss gemacht werden da er Laut seiner Aussage nicht mehr telefonieren kann. (100% Wahrheit). Dem hat dort auch niemand widersprochen.

Leider war das im Beisein des Patienten, welcher vor Wut fast von der Liege gesprungen ist. Seitdem ist er natürlich extrem sauer und redet kein Wort mehr. Was wir ihm da nun angetan haben fragte er nur noch.

Besonders schlimm scheint zu sein, das der Arzt wieder geraten hat, das der Patient doch bitte kein Autofahren soll. Da man dies momentan nicht verantworten kann, solange bis die Ursache für das "Umkippen" nicht geklärt sei. Hinter der Hand sagte man mir, das es wohl mindestens 1 Jahr bei dieser Empfehlung bleiben würde.

Meiner Meinung hat der Patient eine Demenz, teilweise stark, teilweise schwach. Sachen die man vor 5 Minuten besprochen hat sind teils Minuten später vergessen.

Nun hat man natürlich ein schlechtes Gewissen, das man den "Patient" etwas beim Arzt reingeritten hat, andere Familienmitglieder sehen das ähnlich und sind ebenfalls sauer. Da man sowas jawohl nicht macht - auch wenn man recht hat.

Was meint ihr richtig gehandelt um andere zu Schützen oder war es doch ein Fehler. Man ist da schon etwas hin und hergerissen und hat vlt. auch ein schlechtes Gewissen. Aber man stelle sich vor er fährt jemanden um mit seinem Auto von knapp 200 PS.

Leider hängt er sehr am Füherschein und hat deswegen schon geweint...

Antwort
von Dxmklvw, 10

Ob Demenz oder nicht ist unerheblich. Es sieht doch so aus, daß dieser Patient die wesentlichen Dinge erfaßt hat und nun stocksauer darüber ist, daß andere seine Täuschungsabsicht nicht unterstützt haben.

Die bessere Fragestellung wäre deshalb meiner Ansicht nach, ob man jemanden darin unterstützen sollte, andere zu täuschen. Meine Antwort darauf ist ein klares Nein. Diese Antwort halte ich auch dann für richtig, wenn es aus tatsächlichen Gründen keine Täuschungsabsicht ist sondern nur eine Verkennung.

Rücksicht nehmen auf Begehrlichkeiten eines anderen, die als sehr wahrscheinliche Folge auch noch Schäden oder sogar den Tod anderer nach sich ziehen können, kann auch dann nur falsch sein, wenn es sich um nahe Angehörige handelt.

Antwort
von OrbitasGX, 24

Schon klar, dass "der Patient" gerne weiter fahren möchte, aber das wäre wirklich unverantwortlich. Dadurch, dass er weiter fahren kann, schützt man ihn doch nicht einmal. Er könnte genau so schnell an einem Unfall sterben wie andere Verkehrsteilnehmer. Diese Verwandten scheinen ja richtige Genies zu sein. Sag weiter die Wahrheit und sch*** auf Familienmitglieder, denen andere Menschen ja anscheinend vollkommen egal sind. Das wäre zumindest meine Meinung.

Antwort
von ShadowHow, 16

Absolut richtig gehandelt. Ich finde es generell schon bedenklich, wenn alte Leute noch mit dem Auto fahren und wenn dann noch eine so starke Einschränkung wie beschrieben vorliegt, dann sollte man das Fahren unbedingt unterlassen. Der Patient hat vermutlich nur noch einige wenige Jahre zu Leben, da braucht er jetzt nicht noch die Leben seiner Mitmenschen riskieren.

Antwort
von ichweisnix, 1

Sollte man lügen

Moralisch ist lügen ganz grundsätzlich falsch.

nun ein Termin beim Facharzt gemacht, damit der diesen "Rat" aufhebt

Der Patient ist fahrtauglich oder nicht, den Arzt in die Tasche zu lügen damit dieser einen falschen Rat gibt, ist einfach nur Selbstbetrug. Dann kann man den Rat des Arztes auch einfach ignorieren.

Nun hat man natürlich ein schlechtes Gewissen, das man den "Patient"
etwas beim Arzt reingeritten hat, andere Familienmitglieder sehen das
ähnlich und sind ebenfalls sauer.

Der Arzt ist hier Diener des Patienten. Insoweit kann man den Patienten nicht reinreiten. Es geht ja, wenn ich Sie richtig verstehe, nicht um einen formalen Enzug oder Erteilung der Fahrerlaubnis, sondern nur um eine unverbindliche ärztliche Empfehlung.

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