Frage von rotesand, 142

Sollte man einer ehemaligen Mitschülerin nach rund 15 Jahren verzeihen?

Hallo!

Eine ehemalige Mitschülerin, die ich neulich traf, hat sich bei mir nach rund 15 Jahren für eine Sache entschuldigt, die Anfang 2003 vorgefallen ist.. sie war damals die "Hauptdrahtzieherin" & auch Alleinverantwortliche. Wir waren damals knapp 13.

Ich will jetzt nicht online schreiben was das damals genau war.. war jedenfalls eine unschöne Sache, die noch einige Zeit lang "Nachgefühle" erzeugte. Ich weiß auch heute nicht, ob ich da wirklich drüber weg bin, Mobbing war es allerdings nicht. Sie hat damals ihre gerechte Strafe bekommen, für den Rest der Schulzeit gingen wir uns aus dem Weg so gut wir konnten.

Lange Rede kurzer Sinn.. sie hat mir die Tage gesagt, dass sie mich in den letzten 2 Jahren hier schon öfters gesehen hat & mich jetzt als sich diese Gelegenheit bat auf die alte Sache ansprechen wollte... ich habe ihr zugehört & ihr dann im ganz ruhigen Tonfall gesagt, dass ich grundsätzlich schon bereit bin nach rd. 15 Jahren zu verzeihen, aber nicht das alles einfach zu vergessen.. weil es einfach schon 'nen heftiger Schlag für mich war.

Ich kann's nicht vergessen, weil es einfach eine ganz derbe Sache war. Ich weiß, wenn ich Zurückdenke echt nicht, ob ich schon was menschlich Ekelhafteres je erlebt habe & ich habe schon einiges gesehen...

Wir haben dann noch ein paar Minuten geredet, war alles okay, aber ich musste dann weiter -------> es war auf einem Außentermin von meinem Job & ich musste zum nächsten Termin fahren. Habe mich dann höflich verabschiedet & mein Auto geholt ohne groß aufhebens zu machen..

Was meint ihr? Habe ich da richtig gehandelt?

Wäre nett, wenn sich vllt. der eine oder andere melden würde.

Liebe Grüße & ein schönes Wochenende!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Schocileo, 43

Ich finde, du hast richtig gehandelt. Du hast ihr die Chance gegeben, sich die Sachen vom Herzen zu reden, aber du bist selbst dem gefolgt, was du im Gefühl hattest.

Antwort
von Schokolinda, 51

das mit dem "verzeihen, aber nicht vergessen" ist nach meiner meinung unehrlich und auch nicht unnötig.

entweder ist es gut, oder es ist nicht. das zwischending "verzeihen, aber nicht vergessen" gibt es nicht. beantworte dir ehrlich die frage: ist es für dich nun gut oder nicht?

verzeihen ist nichts wirklich aktives. vielleicht kann man sich bemühen, den anderen und seine tat zu verstehen, um ihm deswegen nicht mehr böse zu sein.

letztendlich ist das aber kein schalter, den man umlegen kann. wenn du also nicht verzeihen kannst, dann kannst du nichts dafür.

ich würde mich fragen, wie es weitergehen soll. was ist der unterschied, wenn du ihr verzeihst oder wenn du es lässt? bedeutet verzeihen für dich, dass du wieder kontakt mit ihr hast/ haben musst?

sieh es doch so: ihre entschuldigung erfordert nicht, dass du etwas tun musst.

man hat zwar so im hinterkopf, dass man eine entschuldigung anzunehmen hat. aber wenn das so wäre, dann gäbe es keine echten entschuldigungen.

bei einer entschuldigung kommt es darauf an, den anderen wissen zu lassen, dass man im unrecht war und so lieber nicht gehandelt hätte, damit es demjenigen möglicherweise danach besser geht.

das ist nun geschehen und du kannst überlegen, ob es dir nun besser geht oder nicht. und wenn es dir mit ihrer entschuldigung ein stück weit besser geht, dann ist es doch gut. du brauchst nichts weiter tun.

Kommentar von rotesand ,

Ich möchte und kann es ganz ehrlich eigentlich nicht vergessen, weil es mir zu sehr geschmerzt hat & auch noch jahrelang im Raum stand. Kann ja mal grob andeuten um was es ging... es war Beleidigung meiner Familie die insbesondere gegen meinen Opa gerichtet war, der mich erzogen hat. Das alles auf eine so eklige öffentliche Art, dass es alle bekannten Grenzen gesprengt hat.

Ich bin bereit, meiner Mitschülerin ihr "Wirken" von damals zu verzeihen bzw. ihr persönlich diesen Fehltritt nachzusehen auch weil ich weiß dass sie da inzwischen auch anders drüber denkt & das nicht nochmal machen würde.... aber vergessen KANN ich es emotional einfach nicht. Sorry, aber das "wiegt" immer noch zu schwer.

Kommentar von SuMe3016 ,

"verzeihen" und "vergessen" in dem Kontext, in dem du die Wörter benutzt, sind ein und dasselbe. Natürlich KANN man jemandem nach all dieser Zeit verzeihen bzw verziehen haben - sowas beschließt man aber nicht einfach so, es passiert einfach. irgendwann hat man keine negativen Gefühle mehr der Person oder der Situation gegenüber, sondern schaut einfach gleichmäßig darauf zurück. Deiner Wortwahl und Argumentation nach hast du der Person noch lange nicht verziehen.

Kommentar von SuMe3016 ,

*gleichmütig

Antwort
von janfred1401, 44

Wenn es so viele Jahren nach so einer Sache zu einer Aussprache kommt, kannst du davon ausgehen, dass nicht nur du gelitten hast, sondern auch deine Klassenkameradin. Wahrscheinlich nicht direkt, aber als sie älter und reifer wurde und daran zurück dachte.

Kinder können sehr böse sein aber schon ein paar Jahre später kann(sollte) sich derjenige auch zum positiven ändern.

Da es für viele nicht so einfach ist, besonders im Nachhinein nach langer Zeit, sich zu entschuldigen, kannst du davon ausgehen, dass die Entschuldigung vom Herzen lommt. Und das sie vielleicht auch hofft, dass du ihr verzeihst und die Sache vergisst.

Ich finde es auf jeden Fall einen feinen  Zug, dass sie sich entschuldigt hat.

Es erinnert mich an den Film Flatliner mit Kevin Bacon und Kiefer Sutherland


Antwort
von howelljenkins, 40

was richtig oder falsch in dieser situation war, entscheidest du. allerdings muss es ja einen grund geben, dass du fragst, ob du dich richtig verhalten hast.

das klingt dann wieder so, als ob du selbst findest, dass du dich "ein bisschen anstellst".

fuer einen aussenstehenden ist selbst bei genauerer kenntnis der sachlage schwer zu beurteilen, was "gerechtfertigt" ist und was nicht. aber ohne den vorfall zu kennen, kann man noch nicht mal eine meinung dazu aeussern.

generell bin ich der ansicht, dass man nach 15 jahren verzeihen koennen sollte, zumal sie "ihre gerechte strafe" bekommen hat. aber das ist wie gesagt jetzt ohne kenntnis der hintergruende in den raum gestellt.

Antwort
von Tronje2, 29

Das ist eine vertrackte Sache.

Jeder Rat oder Tipp kann richtig aber auch falsch sein.

Es kommst jetzt darauf an, wie du dafür eingestellt bist. Willst du es abarbeiten oder daran kleben für alle Zeit.

Mit abarbeiten meine ich: Miteinander reden.

So werden für die Unfallhelfer auch Gesprächsrunden organisiert. Ihre Erlebnisse werden angesprochen und aufgearbeitet (Notfallseelsorge).

Meine Meinung ist:

Wenn sie schon auf dich zu kommt, dann setzt euch doch mal an einem neutralen Ort zusammen und redet. Zu Anfang nur über alles Mögliche. Bei einem weiteren Gespräch oder im Verlauf des Gesprächs könnt ihr dann über die Geschehnisse reden. Keine Anschuldigungen, nur Tatsachen und Gefühle eines jeden.

Es ist sicher für beide ein schwerer Weg. Ihr könnt euch auch einen Mediator suchen, der die Leitung übernimmt.

Viel Erfolg! MfG

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