Frage von iloveTechno, 120

Sollte jeder Staat auch wirklich die selben Menschenrechte haben?

Hey wir hatten letztens das Gespräch, dass es viele Staaten gibt wo die Menschenrechte nicht wirklich akzeptiert werden, was denkt ihr ? Wäre es gut wenn die überall wirklich so eingesetzt werden wie sie sollten bzw auch eingehalten werden ? Oder gibt es auch Nachteile daran ?

Freue mich auf eure Antworten :)

Expertenantwort
von PeVau, Community-Experte für Geschichte, 42

Menschenrechte sind Rechte, die den Menschen, egal, wo sie leben, zustehen.

Das Problem ist nur, wer diese Rechte formuliert und interpretiert und wer sich aufschwingt, seine Interpretation zur allein gültigen und damit richtigen zu erklären.

Ein kleines Beispiel macht das deutlich. So wurde das Recht auf Arbeit, mit dem erst eine echte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und ein menschenwürdiges Leben überhaupt möglich ist, von den sozialistischen Staaten als Menschenrecht anerkannt.

Die kapitalistischen Staaten erkennen das Recht auf Arbeit nicht als Menschenrecht an. Das ist auch kein Wunder, denn sie können dieses Recht nicht gewährleisten bzw. sie wollen es nicht gewährleisten.

Das zweite Problem besteht da, wo Menschenrechte zwar theoretisch gewährleistet sind, es praktisch aber an der Umsetzung hapert, weil theoretisch ein Recht zu haben und es auch praktisch ausüben zu können durchaus zwei verschiedene Dinge sein können. So ist z. B. das Recht auf Bildung ganz schön und gut, aber nutzlos, wenn man mangels finanzieller Mittel dieses Recht nicht wahrnehmen kann.

Ein drittes Problem besteht da, wo es um Auseinandersetzungen zwischen Staaten geht. Da ist der Vorwurf, der Gegner verletzt die Menschenrechte, in erster Linie ein Teil der (Kriegs)Propaganda, mit der der Gegner diskreditiert und delegitimiert werden soll. Ob das tatsächlich immer so zutrifft und ob man nicht selbst im Glashaus sitzt und sich hüten sollte, mit Steinen zu werfen, steht dabei auf einem ganz anderen Blatt.

Das vierte Problem dabei ist, ob es eine "Menschenrechtspolizei" geben sollte. Wer stellt diese Truppe, wer befehligt sie, und wer legt ihren Einsatz zu welchem Zweck fest? Gibt es Länder, die sich aus eigennützigen Interessen diese Vollmacht selbst erteilen und sich aufschwingen, unbotmäßige Regierungen anderer Länder zu stürzen?

Kommentar von DerSchopenhauer ,

Eine gute Betrachtung der Thematik!!!!

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte, 40

"Der Staat", wer ist das? Der Staat ist im engeren Sinne die Gemeinschaft seiner Bürger, im weiteren Sinne die Gemeinschaft aller Menschen, die in seinem Staatsgebiet dauerhaft wohnen.

Daher hat es für alle Menschen eines Staates nur Vorteile, wenn die Menschenrechte durch die Staatsorgane respektiert werden. Menschenrechte sind keine Eigenschaften, die dem Staate zukommen oder an eine jeweilige Staatsbürgerschaft gebunden sind, sondern sie stehen jedem einzelnen Menschen als unveräußerliche Rechte aufgrund ihres Menschseins zu!

MfG

Arnold

Antwort
von whabifan, 48

Eine Grundbasis ja. Weiterhin begrüsse ich es bei jedem Staat der zusätzliche Rechte als Menschenrecht zb in der Verfassung fixiert. 

Antwort
von JBEZorg, 12

Viel wichtigere Frage ist wer soll darüber bestimmen was Menschenrechte sind und wie sie umzusetzen sind. Zur Zeit haen wir ein massves Prblem der doppelten Standards im Westen. Der Westen masst sich an allen, die nicht so machen wie sie wollen Beschuldigungen der Nichteinhaltung der Menschenrechte an den Kopf werfen zu dürfen. Dabei halten sie selst sich nicht daran, nur eben meistens gegenüber den "Menschen 2.Klasse" und weg von zu Hause. Ausserdem werden Verbündete nicht kritisiert, egal was sie machen.

Eine weitere Frage wäre zu überlegen ob die Menschenrechte so wie sie im Westen formuliert werden auch 100%ig ricthig formuliert sind. Ich habe da einige Zweifel.

Antwort
von Leisewolke, 42

Ich sehe nur Vorteile für die Bürger. Nachteile sind eher bei den Regierungen zu sehen, die diese  Menschenrechte nicht oder nur ungenügend umgesetzt haben. Schau mal nach Polen, dort wird gerade wieder eine Diktatur installiert. Und dort werden die Menschenrechte halt ausgehebelt oder gar unterdrückt. 

Kommentar von whabifan ,

Ist logisch, da Menschenrechte an aller erster Stelle Rechte gegen den Staat sind. 

Kommentar von DerSchopenhauer ,

"Schau mal nach Polen, dort wird gerade wieder eine Diktatur installiert."

Hier wird unterstellt, daß eine Diktatur apriori nicht gut für die Bürger wäre - man sollte aber Diktatur von Tyrannei unterscheiden.

Eine "gute" Diktatur kann auch den Anspruch der Menschen erfüllen, den sie an Sicherheit, Stabilität und Ordnung stellen - sogar Rechtsstaatlichkeit kann innerhalb einer Diktatur gesichert sein; auch kann ein Diktator sogar gewählt oder auch abgewählt werden.

Demokratie ist ein offener, instabiler und unsicherer Prozeß, der erheblichen Aufwand bedarf, sie zu sichern und zu entwicklen - Demokratie stellt Anforderungen an die Menschen, die sie oft aber überfordern - daher gibt es auch die Thesen, daß Menschen grundsätzlich nach gewissen Formen diktatorischer Staatlichkeit streben.

Diktaturen bergen allerdings immer die Gefahr, daß sie zu einer Tyrannei mutieren (wie die Geschichte bewiesen hat und wie es auch heute in vielen Staaten bestätigt wird) - das "Tausendjährige Reich" war z. B. dementsprechend auch keine Diktatur sondern eine Tyrannei.

Auch Demokratie kann sich zu einer Art Diktatur entwickeln - nämlich immer dann, wenn der Staat restriktiv gesetzgeberisch in die Privatsphäre der Menschen eingreift (Stichworte: Ökodiktatur, Gesundheitsdiktatur, Diktatur des politisch Korrekten) oder wenn Grundrechte/Menschenrechte aus irgendwelchen Gründen immer mehr eingeschränkt werden (Stichwort: Terrorgefahr) oder wenn Ideologien umgesetzt werden, um ein vermeintlich gutes Ziel zu erreichen obwohl die meisten Bürger dies nicht möchten (Stichwort; Vereinigte Staaten von Europa) - solche Tendenzen sind in Deutschland und in der westlichen Welt sehr wohl zu erkennen...

Kommentar von realsausi2 ,

Hier wird unterstellt, daß eine Diktatur apriori nicht gut für die Bürger wäre -

Es lebe Ankh Morpork. Vetinari for President...

Antwort
von DerSchopenhauer, 52

Menschenrechte sind eine Fiktion (Illusion) und sind weder aus dem Menschsein ableitbar noch allgemein gültig.

Sie sind nichts Anderes als eine Vereinbarung - und der Charakter einer Vereinbarung ist, daß sich nur derjenige daran halten muß, der sich dazu auch verpflichtet.

Menschenrechte gelten nur zwischen Staat und Bürger und nicht zwischen Bürgern untereinander und sie gelten auch nur für die Staaten, die sich ihnen verpflichtet fühlen und fließen daher in ihre Gesetzgebung/Verfassung ein.

Man unterstellt, daß sie über allen anderen Gesetzen stehen und setzen das Individuum in den Mittelpunkt.

Das sind die westlichen Ansichten über Menschenrechte - andere Kulturen können das auch ganz anders sehen (z. B. asiatische Philosophien können mit den Menschrechten nicht viel anfangen, da das Individuum keine Rolle spielt).

Als Gegenstück gibt es auch die Menschenpflichten - diese wurden auch einmal definiert, denn Rechte sind passiv (man unterstellt aber den Rechten einen Gestaltungsauftrag) und Pflichten muß man aktiv erfüllen...

Kommentar von DerSchopenhauer ,

"Wäre es gut ..."

Das ist keine Frage von "gut" und "schlecht" sondern es ist eine Frage des Nutzens - die Menschenrechte sollen das Individuum vor der Willkür der Obrigkeit schützen - das ist ihre eigentliche Aufgabe....

Kommentar von 13Seeda13 ,

So eine perfekte anwort.

Kommentar von JBEZorg ,

Alle Rechte sind Menschenerfindung und basieren auf Vereinbarung der Einhaltung. Da stellen Menschenrechte keine besondere Kategorie dar. Das mit den asiatischen Philosphien stimmt nicht ganz. Das trifft zwar sehr gut zu aucf densehr einflussreichen Konfuzianismus aber es gbt auch ganz andere Strömungen, die aber natürlich sich grundlegend von den typisch europäischen unterscheiden. Es ist dabei z.B. die Bedeutung der Familie hervorzuheben, die im europäischen Rechtspositivismus unerzugehen scheint.

Es spricht nichts dagegen, dass die Gesamte Menschheit bestimmte Vereinbarungen diskutert und einhält. Es kann aber natürlich nicht von einer europäisch-amerikaniscen Minderheit diktiert werden welcher Art diese Vereinbarungen sein sollen.

Naja, man hat ja gehofft, dass üernationale Institutionen wie die UNO an Bedeutung gewinen würden. Tatscählich versucht gerade diese europäisch-amerikanische Minderheit die Bedeutung der UNO zu unterminieren.

Antwort
von voayager, 36

Etliche Menschenrechte sind auch hier nicht im Umlauf.

Antwort
von AstridDerPu, 13

Menschenrechte sind staaten- und grenzenlos - oder sollten es wenigstens sein. Doch grau ist alle Theorie.

Antwort
von realsausi2, 20

Da überall die gleichen Menschen leben, sollten auch allen die gleichen elementaren Menschenrechte zustehen. Diese sind ja nicht im Zusammenhang mit einem politischen System entwickelt, sondern vom Menschen her gedacht.

Zivilisation bemisst sich am Grad der Einhaltung dieser Rechte.

Antwort
von Unnutzer, 50

Ich selbst bin zwar Anarchist (lehne also Staaten und allgemein Herrschaft ab), aber am Ende sollte doch jeder Bürger selbst entscheiden, welchen Gesetzen er sich unterwirft.

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