Frage von Aannoi, 140

Sollte ich gegen das Jugendamt vorgehen?

Hallo, ich habe nun seid vielen Jahren in stationärer Jugendhilfe gelebt, da ich psychische Probleme habe und intensiv betreut werden musste. Ursprünglich sollte ich mich einer stationären Therapie unterziehen und hätte nach erfolgreichem Abschluss in die verselbstständigung gehen können. Leider musste ich die Therapie abbrechen und das Jugendamt hatte wärenddessen meinen Platz in meiner wohngruppe gekündigt ohne mir, meinen Eltern oder der wohngruppe das mitzuteilen. Das Jugendamt sieht keine Schuld bei sich selbst und rechtfertigt sich mit der Aussage dass es so üblich sei das zu tun und dass es im hilfeplangespräch so besprochen worden sei, welches aber 1 Jahr zurück liegt und sich niemand von den anwesenden Personen erinnern kann, dass gesagt worden wäre, das die Jugendhilfe unterbrochen wird. Diese dreisten ausreden machen mich sauer. Ich bin mir fast 100% sicher, dass das Jugendamt das nicht darf. Was ich mich frage ist nun, sollte ich gegen das Jugendamt vorgehen ?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von hertajess, 59

116 111

Das ist die europaweite kostenlose Telefonnummer die ohne Vorwahl funktioniert. Bitte nutze sie um Dich zu besprechen. 

So weit mir bekannt muss es zum Hilfeplangespräch ein Protokoll geben. 

Aber es scheint mir nicht das grundsätzliche Problem zu sein. Das grundsätzliche Problem welches ich heraus lese gehört hier nicht hin. Deshalb bespreche Dich ausführlich mit den hochkompetenten Menschen die Du unter der Nummer erreichst. Sie sind zwar "nur" ehrenamtlich tätig, aber ihren Rat kannst Du durchaus ernst nehmen. Zudem kannst Du mit ihnen weitere nötige Schritte im Vorfeld besprechen. 

Du bist einsichtig. Was einen durchaus guten Therapieverlauf möglich macht. 

Da das Jugendamt Mitsprache hat bist Du noch minderjährig. Nutze unbedingt diese Tatsache. 

Die Unterstellung, das Jugendamt haben "nur" Geld sparen wollen, finde ich als viel zu kurz gedacht. Wozu es auch reichlich nachweisende Literatur gibt. 

Tatsache scheint mir allerdings zu sein dass selbstverständlich nicht ein Platz über Monate frei gehalten werden kann. Immerhin werden ihn auch andere Menschen benötigen. Die können ja nicht einfach abgewiesen werden. Ich unterstelle dass Du dafür Verständnis hast. 

An Deiner Stelle würde ich das Internet nutzen um mich selbst nach einer geeigneten Wohngruppe umzusehen. Du kennst ja Deine Diagnose. Mir ihr kannst Du nach betreuten Wohngruppen schauen. Hast Du welche gefunden rufe erst mal an um festzustellen ob sie Dich unter Umständen - die sie Dir dann nennen können - aufnehmen wollen oder nicht. 

Auf diese Weise zeigst Du dass Du sehr gut mitwirkst. 

Im Sozialgesetzbuch geht Rehabilitation vor Rente. Der Weg Richtung Lebenshilfe ist für mich der Weg hin zu Rente. Da spielt dann keine Rolle wie alt Du bist und so fort. 

An Deiner Stelle würde ich das Gespräch mit der Rentenversicherung vor Ort suchen. Die Adresse findest Du online.

Weiter kann es sehr sinnvoll sein die Sozialversicherungsverbände zunächst online zu fragen ob sie Fälle wie den Deinen vertreten. Bekommst Du eine positive Antwort werde Mitglied. Dann bist Du gut aufgehoben denn Du hast mit dem Mitgliedsbeitrag auch rechtlichen Beistand. 

Und nutze die Nummer. 

Am Rande: 

Versuche nicht gegen Windmühlen zu kämpfen sondern um Deine Zukunft. 

Es ist manchmal schwer den Unterschied zu erkennen. Deshalb lasse Dich auf keinen Fall provozieren. Denn in der Ruhe liegt die Kraft. Und die wirst Du gut brauchen können. :)

Antwort
von Weisefrau, 60

Hallo, was tust du selber oder deine Eltern damit sich dein Zustand ändert? Das Jugendamt versucht sicher Kosten zu sparen. 

Wie geht dein Weg weiter und wann kannst du ihn selber gehen?

Versuch auch mal die andere Seite zu sehen.

Kommentar von Aannoi ,

Dankeschön für die schnelle antwort! 

Wir tun Grade gar nichts, da sich das Jugendamt rauszieht weil diese meinen ich wäre zu krank für die hilfe, die sie mir anbieten können. - Totaler Unsinn! Ich habe Jahre lang in einer intensivpädagogischen Gruppe gelebt und schritt für schritt gelernt mit den Problemen die ich hab umzugehen, nur waren diese Schritte langfristig gesehen nicht groß genug als das ich weiter kommen würde und deshalb waren wir uns alle ziemlich schnell einig dass ich in eine Klinik gehe. 

Aber am meisten ärgert mich die tatsache, dass sie mich ohne jede Vorwarnung aus meinem Leben raus ziehen, niemandem Bescheid geben und sich jetzt total raus ziehen, wenn es um meine Zukunftsplanung geht. Das i-tüpfelchen War ja sowieso noch, dass sie mich versucht haben auf die Lebenshilfe abzuschieben die sich um Menschen mit Behinderung kümmern, mit dem Kommentar Das eine psychische Krankheit ja ähnlich wäre. Dreist. 

Kommentar von djcore ,

Naja, aber wenn du unter ein psychischen Problem mit Krankheitswert leidest, dann ist die Jugendhilfe evtl. nicht der richtige Ort. Auch nicht der Bereich der Eingliederungshilfe, der von der Lebenshilfe oft mit vielen Angeboten versorgt wird. Eine Kombination aus intensiver Jugendhilfe und Therapie ist rar und die Lebenshilfe deckt diese Lücken oft ab. Aber viele psy. Probleme werden als seelische Behinderung einkategorisiert. Du solltest dich über diese Angebote nicht aufregen, sondern sie dir angucken! Sonst kann man sich auch nur zurück ziehen!

Antwort
von djcore, 38

Zunächst mal. Das Jugendamt entscheidet, ob eine Hilfe geeignet und notwendig ist. Wenn man von der Jugendhilfe in eine andere Hilfe, wie der Krankenhilfe wechselt, ist das Jugendamt nicht mehr zuständig. Die Jugendhilfe muss sogar daher beendet werden. Was man dem Jugendamt vorwerfen kann ist, dass ein Therapieabbruch einkalkuliert werden sollte und welche alten Türen dann bleiben. Z.B. mit dem Träger ausmachen, dass du relativ zeitnah neu aufgenommen werden kannst. Da ist vieles denkbar. Ich will jetzt hier gar nicht auf die Schiene gehen, was du falsch machst, oder was Kooperation und sowas angeht. Gerade wenn man einige Jahre in der Jugendhilfe gelebt hat, dann muss das anders gewichtet werden und du hast den Anspruch auf Hilfe. Wenn du noch nicht volljährig bist, alle mal. Nochmal auf den Nenner gebracht. Dagegen vorgehen kannst du gar nicht. Man kann keinen Platz 1 Jahr zur Absicherung einer evtl. abgebrochenen Therapie bezahlen! Sowas muss auch nicht im Protokoll stehen, es muss aber ein abschließendes hpg geführt werden. Das Protokoll sollte m.E. aufzeigen, was bei einem Abbruch der Stat. Therapie geschieht. Jur. Ist das aber nicht verwendbar. Mein Rat: Stell einfach einen neuen Antrag auf Hilfe zur Erziehung. Wenn der abgelehnt wird hast du bessere Karten dagegen vorzugehen. Es bedarf einer guten Begründung dies abzulehnen. Wie alt bist du?

Antwort
von passaufdichauf, 31
Das Jugendamt sieht keine Schuld bei sich selbst und rechtfertigt sich mit der Aussage dass es so üblich sei das zu tun und dass es im hilfeplangespräch so besprochen worden sei, welches aber 1 Jahr zurück liegt und sich niemand von den anwesenden Personen erinnern kann, dass gesagt worden wäre, das die Jugendhilfe unterbrochen wird. 

Zu einem Hilfeplan gibt es ein Protokoll. Die Beteiligten müssen dem Inhalt des Protokolls innerhalb einer Frist zustimmen. Was steht da drin?

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