Frage von Jolo97, 31

Sollte ich einen Therapeuten aufsuchen?

Seit mehr als einem Jahr habe ich immer wieder so "Down-Phasen". Wenn ich solche Phasen habe, dann fange ich oft an zu weinen - ohne irgend einen für mich ersichtlichen Grund. Ich bin dann generell echt lustlos, verschlafe meist den ganzen Tag und einmal war es so schlimm, dass ich sogar Selbstmord-Gedanken hatte - Dies ist aber schon Monate her und ich habe auch generell übelste Scheu davor mir selbst weh zu tun und kann es auch gar nicht ausstehen das bei anderen zu sehen. Zudem habe ich auch oft den Hass auf mich, meine Familie und Gott und die Welt. Ich lebe ebenfalls sehr isoliert für mein Alter. Finde ich - bin übrigens 18. Klar Ich habe Freunde und gehe ab und zu aus aber die meiste Zeit verbringe ich in meinem Zimmer und Igele mich ein. Momentan befinde ich mich wieder in einer "Down-Phase" und jetzt ist es sogar so weit, dass ich seit fast zwei Wochen nicht mehr in der Schule war. Ich habe das Gefühl komplett die Kontrolle zu verlieren und probleme damit weiterhin den Schein zu waren. Dies hat mich dazu veranlasst, mal alles zu hinterfragen. Habe mich auch im Internet zu dem Thema "Depression" schlau gemacht, was so Anzeichen und Symptome sind und es trifft so einiges auf mich zu, was mir ehrlich gesagt verdammt Angst macht. Ich will jetzt auch eigendlich keine Selbstdiagnose machen und meinen Eltern möchte ich am liebsten auch nix erzählen. Doch kann man das was ich an mir selbst erlebe wirklich als Depression bezeichnen oder mache ich mir nur unnötig selbst Panik? Sollte ich vielleicht vorsichtshalber einen Artzt aufsuchen?

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo Jolo97,

Schau mal bitte hier:
Gesundheit Medizin

Antwort
von staffilokokke, 20

Hallo,

einen Psychiater wirst Du nicht brauchen, da er im eigentlichen Sinne mit Geisteskrankheiten und starken neurologischen Störungen zu tun hat. Das lese ich bei Dir nicht heraus. Scheinst ja noch zu wissen, was Du sagst und tust ;-) Die Phasen, die Du beschreibst, ähneln mehr extremen Stimmungsschwankungen und liegen im Kompetenzbereich eines Therapeuten. 

Auf der Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung kannst Du Dir einen Verhaltenstherapeuten aussuchen. Picke Dir mehrere heraus und führe Erstgespräche, um den "Angenehmsten" zu wählen. Sie unterscheiden sich nämlich. Natürlich kannst Du Sie auch selber kontaktieren, vergiss aber nicht zu fragen, ob sie einen Platz frei haben.

Hüte Dich davor psychologische Begriffe auf Dich selber anzuwenden. Häufig reitet man sich durch Begriffe wie: Depression, Schizophrenie, Manie, Phobie ö.ä. nur tiefer hinein. Verwende lieber Begriffe, die Du kennst und auch zutreffen. Z.B. Mir geht es nicht gut,  oder Etwas stimmt nicht oder Down-Phase. 

Ich wünsche Dir viel Erfolg und gute Besserung. 

Antwort
von FurtherMind, 31

... So wie es dir jetzt geht, wird es dir auch noch in einigen Jahren gehen, wenn du nicht aktiv mit Unterstützung daran arbeitest. Das hört dich für mich so an, als hätte sich das bei dir schon manifestiert, denn ja, das sind die typischen Anzeichen einer Depression. Sprich deinen Hausarzt darauf an ohne Hilfe kommt man aus sowas nicht mehr raus und kurze Phasen in denen man sich eigentlich ganz okay fühlt dürfen dafür keine Ausrede sein. Dein Hausarzt muss dir eigentlich glauben und helfen, dich an einen Psychiater weiter leiten. Das dauert eine Weile wird dein Leben aber wieder lebenswert machen und dich vielleicht auch irgendwann wieder zu einem glücklichen Menschen machen. Depressionen zu überleben wird schwerer, je länger du sie mit dir rum schleppst, glaub mir... 

Kommentar von Jolo97 ,

Das Problem bei mir ist das ich generell nur sehr wenig von mir preisgebe, lass es jetzt gegenüber meiner Familie sein oder meinen Freunden. Und dann gehe ich ebenfalls nicht gerne zum Arzt, weil ich mir immer wie eine Simulantin vorkomme, denn ich fühle mich oft nicht wirklich ernst genommen und Aztbesuche grenzen heut zu Tage schon an Fliesbandabfertigung. 

Aber ich sehe vollkommen ein das ich was machen muss und das die beste Möglichkeit ist einfach zum Arzt zu gehen. Nur stellt sich mir jetzt die Frage, wenn ich mich dazu überwinde zum Arzt zu gehen: Muss ich den Psychiater oder Psychologen selbst bezahlen? Denn wie oben schon gesagt will ich meinen Eltern nix von der Sache sagen und ich bin Schülerin, was für mich bedeutet, dass ich kein eigenes Einkommen habe. 

Kommentar von FurtherMind ,

Wie am Fließband? Dann hast du definitiv den falschen Arzt!! Such dir einen der sich Zeit für dich nimmt und dir zuhört, solche Ärzte gibt es noch irgendwo. Und ich weiß was du meinst, wenn dir gerade nicht zum heulen ist, ist es doch gar nicht so schlimm, kein Grund gleich zu übertreiben und einen Arzt zu nerven...  FALSCH! Die Zeiten wo alles "ganz ok" ist werden immer weniger werden. Du gehst schon nicht mehr zur Schule? Das zeigt dass dir deine Zukunft im Grunde egal ist. Wenn du später dann einen schlechten Abschluss machst oder ihn nicht schaffst, und du merkst dass du deshalb schlechte Chancen bei Jobs hast, die du wirklich machen willst, dann wird dich das nicht glücklicher machen. Die Probleme werden sich häufen und mit ihnen die depressiven Gefühle. Bis du früher oder später wieder an Selbstmord denkst, weil für ja zu nichts zu gebrauchen bist, keine Freunde hast und deine Zukunft ungewiss. 

Mit viel Glück findest du dann irgendwann einen Freund - doch dann läuft es mal nicht gut zwischen euch, oder jemand aus deiner Familie stirbt. Was machst du dann? Heulen und dir wünschen irgendwann einfach nicht mehr aufzuwachen. Doch das passiert nicht, jeden Tag wachst du auf und fragst dich, wozu du überhaupt das Bett verlassen sollst. 

Mit 14 fing das bei mir an, ich bin jetzt 21 Jahre alt und nein... Das ist nichts wo man sagt "das wird irgendwann wieder". 

Zwei Dinge werden dir helfen: 

1. Beweg dich! Zwing dich dein Bett zu verlassen, egal was kommt, geh regelmäßig zur Schule und sitz nicht alleine in deinem Zimmer. Bevor du das machst, geh spazieren, sei draußen unterwegs. Das Vitamin D, welches dein Körper nur mit Hilfe von Sonne produzieren kann hilft wirklich extrem! Auch gesunde Ernährung ist wichtig, ist dein Körper glücklich, wirst du es auch. Mach regelmäßig Sport, zwing dich dazu. Wenn du die Faulheit erst mal überwunden hast, erreichst du den Punkt wo dir dein Körper sagt, dass er das sogar braucht und will, du wirst Spaß daran finden. 

2. Bau dir eine solide Grundlage, irgendwas was dich lange beschäftigen kann und wo du Spaß dran hast. Das wird dich dein Leben lang oder zumindest einige Jahre (vll. Auch mit Unterbrechungen) begleiten und kann dich, wenn du rückfällig wirst über Wasser halten. 

Um dir mein Beispiel zu nennen. Ich hatte nie wirklich Freunde, fing mit 14 an (wusste damals noch nicht, dass es Depressionen wirklich gibt und dachte das geht allen so oder ist normal), mich für Ameisenhaltung zu interessieren und zu informieren. Ein Hobby das einen auch ohne andere Menschen glücklich macht. Auf Waldspaziergängen wurden schöne Fotos von Tieren und Umgebung gemacht und Ausschau nach Ameisen gehalten. Eine langwierige Beschäftigung mit Erfolgserlebnissen - draußen - die einem Lernstoff ohne ende gibt. Nach drei Jahren ohne einen Gedanken an diese Tiere und ohne eine Kolonie Zuhause zu halten bin ich wieder in dieses Loch gerutscht. Ich habe das alte Hobby wieder aufgegriffen, obwohl ich Zweifel daran hatte, je wieder Freude zu empfinden oder das Gefühl mich verlassen hatte, dass das wirklich interessant ist. Und siehe da, es beschert mir schöne Tage in denen ich klare Gedanken fassen kann, die mir beweisen, dass die Jahre, in denen ich mich damit auseinander gesetzt habe, gut waren. Es zeigt mir, dass nicht alles ...  ist und dass ich wieder zum Psychiater muss, da führt nichts dran vorbei. Und wenn ich merke, wie schön es eigentlich ist wenn es mir gut geht, dann will ich auch, dass es wieder länger so ist. 

Kommentar von FurtherMind ,

P. S.  Du willst nicht, dass deine Eltern das wissen? Du bist 18, der Arzt darf Ihnen nichts erzählen und in dem alter brauchst du dich Ihnen gegenüber nicht zu rechtfertigen, wenn du mal ein paar Stunden, in zwei oder drei Tagen in der Woche, weg bist. Sie müssen es nicht wissen und wer weiß, ein Psychiater kann dir auch dabei helfen offener zu werden und vielleicht willst du irgendwann, dass deine eltern es wissen, damit sie dich unterstützen können. Wichtig ist nur, dass du dir einen Psychiater suchst der dir angenehm ist und dem du vertrauen könntest. Bei Terminen für Sprechstunden zum Kennenlernen darfst du deshalb nicht wählerisch sein, da Erfahrungsberichte immer ansichtssache sind und der Psychiater an den der Hausarzt dich weiter leitet, nicht zwingend der ist, der dich in Zukunft unterstützen soll. Wenn er nicht passt, dann passt er nicht, wegen nächster. 

Kommentar von Jolo97 ,

Genau wegen den Phasen in denen es mir "Gut" geht habe ich mir bisher auch nie groß Gedanken über mein Verhalten gemacht. Und je länger ich über die ganze Sache nachdenke desto mehr erkenne ich mich selbst nicht wieder. Und rückblickend frage ich mich mitlerweile ernsthaft ab welchem Zeitpunkt alles so aus dem Ruder gelaufen ist. Ich versuche auch ernsthaftig irgendwie wieder aus meiner jetzigen "Down-Phase" heraus zu kommen. Jeden Abend steige ich ins Bett mit dem festen Vorsatz "Morgen bewegst du deinen Hintern aus dem Bett und gehst in die Schule!". Doch dann klingelt am nächsten Morgen der Wecker und all meine Motivation vom Vorabend hat mich verlassen und ich denke mir " §ch3iß drauf. Hat doch eh alles keinen Sinn". 

Mitlerweile glaube ich, nach längerem grübeln, das ich nicht drum rum kommen werde, es meinen Eltern zu erzählen. Denn ich glaube das ich aus eigenem Antrieb da nicht wirklich raus komme. Denn ich bin gerade wieder in der "Morgen raffe ich mich auf" Stimmung, von der ich weis - das sie sobald ich Schlafen gehe- sie wieder verflogen sein wird. Ich hoffe nur,dass sie mich ernst nehmen. 

Danke auf jeden Fall für deine Ehrlichkeit und Antworten.

Kommentar von FurtherMind ,

Ich bin mir sicher, dass dich deine eltern verstehen und unterstützen werden wenn du es ihnen so erklärst wie du es hier getan hast. Und wenn sie sagen dass ihnen das nicht aufgefallen ist, sind sie entweder blind oder du verbirgst es gut vor ihnen. Depressiv zu sein ist kein Zeichen von Schwäche und nichts wofür man sich schämen muss. Sobald jemand dich traut es auszusprechen, sollte dafür ein absolute offenes Ohr herrschen, denn dann ist es wirklich ernst zu nehmen. Ich wünsche dir viel Glück und alles Gute für die Zukunft. Ich bin mir sicher, wenn du das anpackst, dann schaffst du das auch. Gute Nacht ;) 

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