Frage von Cliche, 236

Sollte ich den Arzt verklagen?

Hi,

also meine Mutter war vor ein paar Monaten auf einer Kreuzfahrt und hat dort im Fahrstuhl bemerkt, dass sie ihre Beine für ein paar Sekunden nicht bewegen konnte.

Kurz danach hatte sie immer wieder von einem Druck im Kopf geklagt und ihre Stimmung war total verändert. Sie lächelte nicht mehr, hatte eine total gestörte Wahrnehmung ( ich war 20min joggen und meine Mutter dachte ich wäre 5min weg gewesen und hätte Drogen genommen, da ich ja angeblich überhaupt nicht geschwitzt war ), sie war total misstrauisch gegenüber jedem ( auch den eigenen Kindern ) und hat sehr oft geheult und sich wie ein kleines Kind gefühlt, dass nichts mehr selbst erledigen konnte.

Auch auf der Arbeit fühlte sie sich von jedem ignoriert oder dumm angeguckt und konnte mit dem Computerprogramm an der Arbeit nicht mehr arbeiten.

Daraufhin gingen wir von einer Depression aus, obwohl meine Mutter öfter sagte, dass sie nicht daran glaubt ( bitte nicht vergessen, dass sie jedoch eine völlig gestörte Wahrnehmung hatte, wirklich depressiv wirkte und auch die Ärzte einfach gesagt haben, dass sie Kopfschmerzen hätte )

Natürlich ging sie dann nicht mehr arbeiten, besuchte kurze Zeit eine Psychologin und daraufhin ging sie in eine Klinik für Psychatrie, wo sie auf Depression behandelt wurde und auch ein MRT stattgefunden hat.

Auf dem MRT konnte der Arzt jedoch nur eine geringe Gehirnverkleinerung stattgefunden hat und sie weiterhin auf Depressionen behandelt.

2 Wochen später hatte meine Mutter in der Psychatrie dann einen Schlaganfall und kam in eine andere Klinik auf die Intensivstation.

Zum Glück wurde schnell gehandelt und bereits am nächsten Tag konnte sie normal reden und sich auch normal bewegen und hatte sogut wie keine Beeinträchtigungen ( jetzt hat sie garkeine mehr, ist Zuhause und kommt am Montag in die Reha zur Sicherheit ).

Aufjedenfall haben die Ärzte dort jedoch festgestellt ( durch MRT ), dass meine Mutter bereits vorher einen Schlaganfall hatte ( war dann auf dem Kreuzfahrtschiff ).

Der Arzt in der Psychatrie hatte dies jedoch nicht festgestellt, trotzt MRT, und aus diesem Grund wurde sie auf Depressionen behandelt.

Es stimmt zwar, dass auch wir Laien gedacht haben, dass es eine Depression wäre, aber kann ein Arzt nach einem MRT wirklich soetwas einfach übersehen?

Die Ärzte in der anderen Klinik konnten den Schlaganfall ja auch erkennen.

Meine Frage: Hat man gute Chancen, wenn man ein Arzt einer Psychatrie verklagt, wegen falscher Behandlung und nicht erkennen des Schlaganfalls ( dieser liegte am MRT-Tag schon einige Wochen zurück ), da die andere Klinik Wochen später, den Schlaganfall erkannt hat? Es geht mir dabei nicht um Geld, sondern um Vertrauen. Ein Laie vertraut nunmal seinem Arzt und nicht jeder Laie ist so jung wie meine Mutter und hat eine Familie die sich um alles sorgt.

Viele sind auch alt, alleine und würden durch so ein nicht erkennen des Schlaganfalls vielleicht sogar sterben!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Mignon4, 66

Lasse das Klagen! Die Beweislast liegt bei dir und du kommst unweigerlich in Beweisnot. Du kannst den Prozess nur verlieren. Auf was wolltest du den Arzt verklagen? Schmerzensgeld, Schadenersatz? Wie willst du das beziffern?

Alles muss durch medizinische Gutachten bewiesen werden. Zu den Gutachten gibt es Gegengutachten und zu den Gegengutachten wiederum Gegengutachten usw.. So laufen diese Prozesse. Teilweise über Jahrzehnte hinweg.

Du verlierst und mußt sämtliche Kosten tragen. Weißt du, wie teuer ein Gutachten ist, einmal abgesehen von den Anwalts- und Gerichtskosten. Vermutlich würde der Prozess noch durch mehrere Instanzen gehen. Du wirst an dem Prozess finanziell zerbrechen. Deine Nerven, die du für so einen langwierigen und komplizierten Prozess benötigst, kann man gar nicht einschätzen.

Du willst mit dem Arzt reden. Was soll er denn zugeben, wenn er nichts bemerkt hat? Ob der erste Schlaganfall schon vorher auf dem Kreuzfahrtschiff war, ist eine Vermutung, die medizinisch nicht nachgewiesen ist.

Deiner Mutter geht es wieder gut. Verschwende deine Zeit, dein Geld und deine Nerven nicht für einen aussichtslosen Prozess. Widme deine Zeit und deine gesamte Aufmerksamkeit anstelle dessen deiner Mutter. Sie wird es dir danken. :-)

Es ist lieb, dass du das alles auf dich nehmen und dich für deine Mutter einsetzen willst. Ich verstehe auch deinen Zorn darüber, wie alles gelaufen zu sein scheint. Dennoch mußt du bei den Fakten bleiben, die keine Aussicht auf Erfolg für einen Prozess erkennen lassen. Steigere dich nicht hinein.

Alles Gute für deine Mutter! Freue dich über ihren Genesungsprozess! :-)

Antwort
von Schokolinda, 41

auch nach meiner meinung haben weder gespräch noch klage erfolg.

du konstruierst einen zusammenhang, der nicht beweiskräftig ist; er ist nicht mal überzeugend oder wahrscheinlich.

1) du behauptest, der erste arzt habe das MRT falsch beurteilt - es kann genauso gut sein, dass auf dem MRT kein schlaganfall war - deine mutter kann zwischen MRT1 und MRT2 einen schlaganfall gehabt haben. falls du überhaupt eine chance haben möchtest, dann musst du das MRT1 begutachten lassen und darauf einen schlaganfall finden.

2) schadensersatzpflichtig wird ein arzt nicht, wenn er einen fehler macht, sondern erst, wenn es ein grober fehler war, der so nicht passieren darf. ist das ein mini-kleiner schlaganfall auf MRT1, wo jeder neurologe sagt, dass der schwer zu finden ist, dann ist der arzt raus.

nach deiner beschreibung hört es sich nicht so an, als wäre das ein typischer schlaganfall, der im MRT dann sehr deutlich wird. wenn überhaupt, hört es sich nach einem untypischen schlaganfall an.

Antwort
von Ronja2794, 92

Ich würde dir ebenfalls von einer Klage abraten. 

Man kann im MRT kleinste ischämische Infarkte, Blutungen und Stenosen erkennen, allerdings stellt sich mir die Frage, ob man die "depressive/ weinerliche"- Art deiner Mutter mit dem vorherigen Schlaganfall (auf dem Schiff) in Verbindung bringen kann und ob das dann vor Gericht reichen wird. Persönlichkeitsveränderungen sind zwar ein Zeichen für Hirnschäden, allerdings sprechen diese eher für eine z.B. Hirnblutung (wurde ja anhand vom MRT ausgeschlossen?)
Man könnte höchstens schauen, ob ein erneuter Infarkt hätte verhindern/ vorhergesehen werden können. 

Aber bedenke bitte, Ärzte sind keine Götter.Desweiteren sind sie für solche Fälle versichert und kriegen guten Rechtsbeistand. 

Wünsche deiner Mutter gute Besserung!

Antwort
von Lilo626, 112

Also ich bin mir bei so Sachen sehr unsicher, wie die Klage dann ausgehen würde.

Ich glaube in der Medizin sind da kleine Abweichungen und nicht jeder Fehler, wenn auch nicht klein, kann angrklagt werden.

Ich verstehe dich zwar sehr gut, aber die Chancen stehen meiner Meinung nach nicht so gut einen geprüften und evtl. generell "guten" Arzt anzuzeigen.

Wie wäre es mit einem Beratungsgespraech bei einem Anwalt?

Antwort
von petrapetra64, 57

Ich kann deine Verärgerung ja verstehen, aber leider passiert so was vielfach jeden Tag und weitaus schlimmeres. Kein Arzt ist Perfekt und Allwissend. Es kann tausende von Ursachen für bestimmte Sachen geben, bei jedem liegt die Sache etwas anders. Und auch ein MRT oder Röntgen erlaubt keine ulitmative Aussage. 

Ob man einen ehemaligen Schlaganfall auf dem MRT sehen muss, kann ich dir nicht sagen, dazu Bedarf es eines Gutachtens und das alleine kostet deine Mutter schon mehrere tausend Euro. Denn nur sie könnte ja auch klagen, dir ist ja kein Schaden entstanden, wegwegen du eine Privatklage auf Schadensersatz einreichen könntest.

Strafanzeige könntest du stellen wegen Körperverletzung, aber deiner Mutter ist darauf ja kein nachhaltiger Schaden entstanden. Schon aus diesen Gründen hast du bzw. deine Mutter kaum irgendwelche Chancen. 

Eine Klage würde Jahre in Anspruch nehmen und Kosten von einem Einfamilienhaus verursachen mit gegen Null gehenden Chancen auf irgendeinen Schadensersatz am Ende. 

Und deiner Mutter geht es ja auch gut, da solltest du echt froh drüber sein, ich kenne so viele schlimmere Fälle. Ein Bekannter wurde mit Lähmungserscheinungen heim geschickt mit Verweis auf Blutdruck. 3 Tage später war es zu spät, er sass dann für immer im Rollstuhl. Der Mutter einer Freundin ging es zu Ostern schlecht, sie lag dann 3 Tage im Krankenhaus zur Beobachtung, gemacht wurde gar nichts. 10 Minuten, nachdem sie das Krankenhaus entlassen hat, hatte sie auf dem Heimweg einen Schlaganfall. Im Krankenhaus zurück verwies man sie an ein anderes Krankenhaus, man könnte ihr hier nicht helfen. In 5 Wochen wurde sie dann in 8 verschiedene Krankenhäuser hin und her verlegt, bis sie verstarb. Im 5. Krankenhaus kam es zu einem zweiten Schlaganfall, auch im Krankenhaus selbst wurde das nicht gleich bemerkt. 

Nachgewiesen sind etwas über 1000 Todesfälle durch Ärztefehler im Jahr, man geht aber von weitmehr aus, mindestens mal 17 000 pro Jahr, da sind bleibende Schäden nicht mal berücksichtigt. 

Oft ist es mangelnde Hygiene und fehlende Untersuchung auf Infektionskrankheiten, die dann munter weiter gegeben werden. Auch Medikamentenfehler sind häufig. 

Jedem ist es schon mehrfach passiert, dass Symptome einfach abgetan werden vom Arzt, wenn man da nicht selbst dran bleibt und immer weitere Untersuchungen fordert, der ist schlechte Chancen. 

Im Vergleich dazu ist der Fall deiner Mutter einfach Peanuts. Sie hat keinen wirklichen Schaden erlitten. 

Du kannst den Arzt fragen, warum der Schlaganfall nicht erkannt werden konnte. Klar kannst du dich auch vom Anwalt beraten lassen, aber der kann das medizinisch halt auch nicht einschätzen. Oder du wendest dich mal an die Ärztekammer, da gibt es ja auch irgendwo eine Schlichtungsstelle. 

Antwort
von DrMedMathias, 50

Ich bin da eher skeptisch, weil wir Ärzte auch nur Menschen sind, aber du kannst natürlich Anzeige erstatten, aber diese sind sehr lang und kostspielig und wenn du verlierst musst du diese Kosten tragen. Du kannst jedoch das Gespräch mit dem Arzt suchen.(Das empfehle ich persönlich)

Antwort
von AnonYmus19941, 110

Du machst doch bestimmt auch mal einen Fehler, oder?

Außerdem: was genau hast du denn davon, ihn zu verklagen? Da dir das Geld ja angeblich egal ist, kannst du absolut keinen Vorteil daraus ziehen. Die einzige Folge wäre (theoretisch; ich glaube nicht, dass du gewinnst), dass der Arzt beurlaubt oder gefeuert wird. Wie hilft dir das weiter?

Ein Gespräch mit dem Arzt wird vermutlich viel besser "wirken" als eine Klage.

Fazit: Ich bin mir ziemlich sicher, dass du ihn nicht verklagen kannst, aber ich würde es dir auch nicht empfehlen, wenn du es könntest.

Kommentar von Cliche ,

Mit ihm reden werde ich aufjedenfall zu aller erst.

Wenn er jedoch seinen Fehler nicht einsieht werde ich ihn verklagen, egal wie groß die Chancen sind, da das wirklich ein gravierender Fehler ist und das Leben von Menschen beenden kann!

Dann soll er sich lieber einen neuen Job suchen, als das wegen ihm und seiner Arbeitsplatzrettung Menschen vor die Hunde gehen!

Ich selbst mache auch Fehler und wenn ich mal so einen machen werde, hoffe ich auch auf ein richtiges Verfahren und als Arzt weiß man, was auf einem zukommt und welche Verantwortung man trägt.

Kommentar von user8787 ,

Viele Menschen haben kleine Schlaganfälle / Herzinfarkte die irgendwann mal durch Zufall entdeckt werden. Hier kann es sehr langsam einbluten und erst sehr viel später darstellbar sein. Es ist also durchaus möglich die Blutung noch nicht  zu sehen war. 

Möchtest du klage musst du dem Arzt lückenlos Fahrlässigkeit vorwerfen. Die Berufshaftpflicht wird bereits den ersten Vorfall konsequent zertreten, es wurde ein MRT gemacht, Befund o.B. 

Was weiter im Körper deiner Mom passierte liegt nicht in der Hand des Arztes. Er hat entsprechende Untersuchungen gemacht uns ist somit seine Pflcht nachgekommen. 

Natürlich steht es dir frei zu klagen, alledings schätze ich deine Chancen gegen die Berufshaftpflicht des Arztes / der Klink = 0 ein.

Du bist in de Beweislast, die Gutachten hierfür kosten Unsummen und der Stress für deine Mom wird heftig. 

Viel wichtiger finde ich das deinem Mom auf dem Wege der Genesung ist....

Antwort
von soissesPDF, 33

Beweispflicht, Kausalität allein reicht nicht.
Es ist nicht entscheidend was auf dem MRT zu sehen ist oder nicht, das kann kein Richter erkennen.

Muttchen hat überlebt, Schiff ist bestenfalls ambulante Behandlung, nicht klinisch...
Gegen den Blitz aus heiterem Himmel können auch Ärzte nichts machen.

Kommentar von Cliche ,

Warum denn aus heiterem Himmel? Meine Mutter war nach der Kreuzfahrt erstmal 1 Woche normal, dann war sie 1 Woche bei einer Psychologin und danach 2 Wochen in der Psychiatrie und hatte erst dann wieder einen Schlaganfall, der erkannt wurde.

Um den vorherigen Schlaganfall zu erkennen, hatten sie jedoch mindestens 2 Wochen Zeit.

Antwort
von Lavendelelf, 90

Gute Chancen hat man nur extrem selten, wenn man einen Arzt verklagt.

Du solltest dich von einem Fachanwalt beraten lassen, das erste Beratungsgespräch kostet um die 60,- €.

Kommentar von Cliche ,

Das werde ich aufjedenfall machen.

Für uns sind Beratungsgespräche kostenlos :)

Antwort
von Dickerchen123, 37

Hallo

du kannst dich an den Schiedsdienst der Krankenkasse wenden. Die prüfen den Sachverhalt und klagen bei Bedarf auch. Die KK wollen ja auch die unnötigen Behandlungskosten erstattet bekommen, die sich aus einer evtl. Falschdiagnose ergeben.

Für dich bzw. euch ist das mit keinen Kosten verbunden. Verlangt aber auf jeden Fall alle Berichte und Bilder von den Ärzten. Die stehen euch zu, evtl. gibt es Kopierkosten, die dürfen aber nicht zu hoch sein.

Alles Gute

LG

Antwort
von BenniXYZ, 31

Also das sollte jeder Arzt wissen, es gibt 4 sichere Anzeichen für einen Schlaganfall. http://www.jppianta.de/erkennen-sie-einen-schlaganfall/

Antwort
von Cliche, 58

Danke für alle Antworten!

Ich werde das Gespräch mit dem Arzt suchen und wenn er uneinsichtig ist, werde ich auch einmal zum Anwalt gehen und mich beraten lassen.

Höchstwahrscheinlich wird es aber zu keiner Klage kommen.

Jedoch werde ich jedem von der Klinik abraten (egal wie das Gespräch mit dem Arzt verläuft)

Kommentar von Mignon4 ,

Sei vorsichtig mit Behauptungen über die Klinik anderen Leuten gegenüber. Das könnte als Verleumdung, Rufschädigung, üble Nachrede usw. ausgelegt werden. Die Klinik könnte Strafantrag gegen dich stellen und dich ziviljuristisch auf Schadenersatz verklagen.

Du darfst nur das öffentlich verbreiten, was rechtskräftig durch eine Gerichtsentscheidung festgestellt wurde.

Kommentar von Cliche ,

Das es so kommt ist sehr unwahrscheinlich und das Risiko nehme ich gerne in Kauf.

Ist jetzt nicht so, dass ich mit Bannern rumlaufen werde, sondern ich werde einfach nur von der Klinik aus folgendem Grund Bekannten abraten.

Antwort
von Indivia, 17

Das Mrt wird normal gar nicht von Psychiatern, sondern von Radiologen durchgeführt.

Erkundige dich bitte erst einmal genau, wer das Mrt durchgeführt hat ( wir mussten bei uns in der Psychatrie nämlich alles fdafür in die Raiologie ) und dann kann man nachforschen, wo der Fehler war und ggf erst einmal das Gespräch suchen, damit so etwas nciht nochmal vorkommt..

Antwort
von grisu2101, 21

Tragisch und ärgerlich das Ganze, aber ob eine Klage etwas bringt ? Ich glaube das wird sehr schwer bis unmöglich....

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