Frage von MisterApix, 62

Sollte ich das BWL-Studium fortsetzen?

"Hallo, ich habe letzten Herbst begonnen Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Ich habe mich hauptsächlich aus den Gründen, der Möglichkeit, später genug Geld zu verdienen und einer breitgefächerte Auswahl an Jobangeboten, nach meinem Abitur für dieses Studium entschieden. Es fällt mir auch bisher nicht besonders schwer. Ich bin zwar erst im ersten Semester, aber wenn ich sehe, wie andere Kommilitonen bei den einfachsten Aufgaben schon anfangen auf die Tränendrüse zu drücken, bringt mich das immer wieder zum schmunzeln. Auf jeden Fall habe ich in den letzten Monaten ein großes Interesse für die aktuelle weltliche Situation entwickelt und bin sehr an den verschiedensten Lebensweisen anderer Kulturen interessiert.Wenn ich mich nun zwischen meinen Kommilitonen befinde und von meinem Wirtschaftsprofessor zu hören bekomme, wie man ein erfolgreiches Unternehmen gründet oder wie diese Steuersätze auf ein Produkt wirken, kann ich es zwar verstehen aber es fehlt die innerliche Begeisterung dafür. Ich stehe nun mit mir selbst in dem Konflikt, ob es schlau wäre sich nochmal anderweitig über andere Möglichkeiten zu informieren und wenn ich etwas finde, was mir mehr zusagt, den Studiengang abbreche, oder ihn jetzt durchziehe und wohl möglich noch Themen finde, die mich besonders reizen, damit ich nach meinem Bachelor genau an diesen Themen ansetze und weitermache.

Das klingt alles in erster Hinsicht vermutlich sehr durcheinander, jedoch bin ich das auch selber zur Zeit. ich bin mir auf jeden Fall sicher, dass ich nicht in irgendeinem Büro versauern möchte, da ich diese Welt einfach viel zu interessant finde, als ständig in einem Raum eingesperrt zu sein, sondern im Falle einer Weiterführung des Studiums, auf etwas größeres hinarbeiten will. Nur was das sein könnte hat sich mir bisher leider nicht entschlossen.

Über ein paar hilfreiche Ratschläge würde ich mich freuen. Liebe Grüße

Antwort
von berkersheim, 34

Mit BWL lernst Du ein Handwerk, in ökonomischen Detaillfragen gut zu analysieren und möglichst passende Rezepte zu finden. Da kommt dann auch ein Großteil Kreativität ins Spiel. Falsch ist, sich vom reinen Instrumentarium erschlagen zu lassen und nicht immer wieder auch die kreativen Möglichkeiten ins Auge zu fassen. Als Instrumentalist wirst Du leicht zum Stubenhocker. Doch über die Instrumente sollte man sich immer den Blick für das Große und Ganze bewahren. Evtl. auch mal nebenbei eine interessante Vorlesung in VWL hören, die einem den Blick weitet. Denke immer daran: Du stellst die Fragen. Die Antworten, die Du bekommst, hängen immer auch von Deinen Fragen ab.

Antwort
von asdfgh123jkl456, 28

Hey:)

Ganz ehrlich: ich finde es super cool, dass du dir anfängst darüber Gedanken zu machen!
Als erstes möchte ich ganz prinzipiell sagen: wenn dir dein Studienfach nicht gefällt, steht es dir frei zu wechseln und dich für das zu entscheiden, was du wirklich machen möchtest! BWL ist so ein Fach, das viele abbrechen, weil sie einfach daran scheitern - mit dem vielen Mathezeug nicht klar kommen oder sonst einfach zu schlecht dafür sind. Bitte sei dir bewusst: wenn du abbrichst, heißt das nicht, dass du versagt hast oder so! Eine Freundin von mir hatte nicht den Mut ihr Studienfach zu wechseln. Sie studiert Medizin und ist ein ziemliches Ass, denkt aber, dass wenn sie abbricht, alle denken sie wäre zu doof oder zu schwach oder sonst was für das Fach gewesen. Dein Beruf wird deine Zukunft entscheiden, deshalb sein mutig!

Ganz konkret zum Fach BWL muss ich sagen, dass ich persönlich mich nie für BWL entschieden hätte, weil ich immer irgendetwas soziales machen wollte. Ich hatte immer so ein bisschen das "Weltverbesserer-Gen" in mir. Ich bin jetzt im ersten Semester und absolut glücklich mit meinem Studienfach, aber muss sagen: Es ist egal was du studierst, wenn es dir später darum geht, nicht selbst reicher und reicher zu werden, sondern auch an andere denken möchtest. Es hört sich zwar sozial an wenn man Soziale Arbeit oder Medizin oder so was studiert, es steht dir aber mit fast jedem Studium frei, später zu entscheiden, was für ein Mensch du werden willst.
Klar klingt BWL erst mal nach reichem, habsüchtigem Unternehmer. Aber zahlreiche soziale Organisationen wie Brot für die Welt, UNICEF... brauchen Menschen mit einem Verständnis für Wirtschaft, um die Organisationen am Laufen zu halten, sie so effizient wie möglich zu gestalten, und so zu ermöglichen, dass das Maximum an Spendengeldern sinnvoll eingesetzt werden kann.
Damit möchte ich sagen: wenn dir die Begeisterung für BWL fehlt, weil du denkst, dass du damit hinterher nicht mit anderen Lebensweisen und Kulturen in Kontakt kommst, dann denke ich, dass du falsch liegst...
Sollte dir das Fach prinzipiell keinen Spaß machen und dich nicht begeistern, dann: warum überlegst du noch? Informiere dich auf was du mehr Lust hättest und wechsle! Das Leben ist zu kurz um es mit Dingen zu verschwenden, die dich nicht begeistern und dir im Grunde keine Freude bereiten... Meinst du nicht?

Antwort
von pedde, 18

Also erst einmal willkommen in der Welt des Bachelors, oder wie ich es nenne, die Verblödung des Volkes (habe auch BWL studiert - und abgeschlossen). Natürlich ist ein Studium heute schon fast die Grundvoraussetzung, um an gut bezahlte Stellen zu gelangen.

Der Bachelor selbst, wie du auch bald merken wirst, nicht wirklich anspruchsvoll für kreative Menschen - mehr auswendig lernen, wie bei einem Wörtertest. Du weißt danach, was die Grundlagen der Unternehmen, des Marketing, der Steuer, der Buchführung oder Businessenglisch / DV, KLR, AR, PF und co. sind. Auch die Spezialisierung ist meist sehr trocken und auch nicht wirklich eine Herausforderung. - Danke USA!
Es werden also Roboter für die Industrie gezüchtet, die nicht mehr kritisch, sondern nach Schema F handeln. (Und genau das bedauern viele Unternehmen jetzt, obwohl sie es eingefordert haben).
Es wird dann interessant, wenn du dich über die Skripte hinaus für mehr interessierst. Besonders, wenn es auch noch andere Themenbereiche betrifft, also die Allgemeinbildung und eine strukturierte Denkweise.

Eine Intension war sicherlich die, welche viele BWLer zum studieren verführt:

  1. Viel Geld verdienen
  2. BWL kann man immer brauchen und sonst weiß ich nicht was studieren
  3. Meine Eltern haben ein Unternehmen und ich will es fortführen
  4. Flexibel für viele Stelle in Frage kommen

Du wirst schnell merken, dass ca. 40-50% deines aktuellen Studienganges am Ende nicht mehr abschließen werden, weil sie wechseln, kein Interesse an BWL haben oder einfach zu schlecht sind.

Bei dir hat es den Anschein, dass du BWL genommen hast, weil du nicht nur viel Geld verdienen willst, sondern auch ein wenig noch nicht weißt, was du wirklich machen willst. Da bist du aber nicht alleine, sondern das wissen am Ende ca. 1/3 der Studenten selbst noch nicht genau.

Nur in einem Büro heute sitzen ist sowieso nicht mehr alles. Es wird immer schwerer, aufgrund über 80% Dienstleistungen in Deutschland, einen sicheren Arbeitsplatz zu finden.
Zudem muss man flexibel sein (Know-How oder auch Wohnen), wobei BWL schon einmal nicht schlecht ist, da man die Grundsätze (oder vielleicht sogar mehr) im allgemeinen besser versteht und viele innerbetriebliche Strukturen besser nachvollziehen kann (Personalführung, Buchhaltung, Marketing, etc.). Du lernst also auf jeden Fall in deinem Studium etwas über vernetztes Denken oder logische Zusammenhängen und auch Empathie (Falls du mehr machst, als die stumpfen Klausuren auswendig lernen). BWL ist also schon mal ein guter Ansatz für das Berufsleben und dann eben besonders in deiner Spezialisierung wie z.B. KLR oder in deinem Fall wohl eher VWL.

Natürlich kannst du wechseln, aber bedenke, dass man gerade in jungen Jahren, viele Entscheidungen gut überlegen sollte. Was ist, wenn dir z.B. Informatik, Medizin oder eben Psychologie nach einem Jahr auch nicht gefällt. Dann hast du das höchste Gut der heutigen Bürger verloren: Nämlich "Zeit" und eines der wichtigsten "Erfahrung" nicht wirklich dazugewonnen.

Also ich würde dir empfehlen, dass du dir eben andere Studiengänge und ihre Inhalte mal zu Gemüte führst und über das nächste Semester überlegst, ob du wechselst. Ist ja nicht gesagt, dass du auch gleich wieder in deinen Wunschstudiengang reinkommst.

Meine Devise ist deshalb stets, dass man immer erst eine Ausbildung machen sollte, bevor man studiert, damit man das wahre Arbeitsleben einfach mal verinnerlicht hat. Dann wüsstest du vielleicht auch, ob so eine Art "Schreibtischjob" wirklich nichts für dich ist.

Viel Glück im Studium!

Antwort
von DerTroll, 26

Du bist jetzt im ersten Semester. Da hast du ja noch überwiegend Grundlagenveranstaltungen. Du wirst in den höheren Semestern auch verschiedene Wahlmodule wählen. Dabei werden auch viele Themen angeboten, von denen ich glaube rauszulesen, daß die auch eher deinem Interesse entsprechen. Ich würde dir raten, einfach mal ins Curriculum in die einezelnen Syllabi zu gucken, was dich in den nächsten Semestern noch so erwartet. Oder wenn du das STudienfach wechselst, guck mal, ob es nicht vielleicht sogar eine BWL-Vertiefung gibt, die dich reizen würde. Dann hast du jetzt nicht umsonst studiert bisher.

Antwort
von MikeRat, 15

Man was bist du Kopflastig.

Tu immer was dein Herz dir sagt.

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