Frage von 240529091606035, 155

Sollte Deutschland nun auch aus der EU austreten?

Nachdem es die Kollegen in grossbritanien auch schon gemacht haben?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 53

Sollte Deutschland nun auch aus der EU austreten?

Unbedingt! Ich möchte noch mehr idiotische Selbstmörder sehen, die nicht von der Wand bis zur Tapete denken können!

Deutschland hat - wie KEIN ANDERES LAND auf der gesamten Welt; und insbesondere in der EU - von der EU profitiert. Mit einem Wegfall dieses Vorteils gehen haufenweise Lichter in Deutschland aus.

  • Der deutsche Außenhandel beträgt rund 1,2 Billionen Euro. Davon sind rund 700 Mrd Euro, also knapp 60%, reiner "EU-Handel", also Handel mit Ländern in der EU, und rund 820 Mrd Euro "EU-Markt-Handel", also Handel mit Ländern die Marktabkommen mit der EU getroffen haben (etwa Norwegen, Schweiz etc.). 
  • Mit einem Austritt aus der EU würde dieser Markt (sofern er denn überhaupt bestehen bliebe) sehr viel schwieriger, vor allem aber deutlich teurer werden. Das heißt: Unzählige Betriebe in Deutschland müssten schließen und ihre Mitarbeiter entlassen oder Löhne massiv kürzen, weil die erforderlichen Umsätze einfach nicht mehr zu erreichen sind.
  • Das wäre aber nicht so schlimm, weil sich auch der Import vieler Produkte (von Milch bis Pistazien) deutlich verteuern würde: Die Leute könnten sich sowieso weniger leisten; also brauchen sie auch keine Arbeit mehr.
  • Insgesamt wären rund 60%(!) des deutschen Marktes davon betroffen; es würde also GEWALTIGE (und in Millionen zu zählende) Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt geben. Und dementsprechend würden die Steuereinnahmen wegbrechen, während sich die Sozialausgaben drastisch erhöhen würden.
  • Gleichzeitig würde Deutschland von den Rating-Agenturen massiv abgewertet werden. Das würde Kreditaufnahmen drastisch verteuern. Es wäre vorbei mit den "goldenen Zeiten" die zur Zeit gerade herrschen. Die Folge wären - vor allem - massive Sparmaßnahmen im sozialen Bereich aber auch Subventionskürzungen, was zu weiteren Arbeitsplatzverlusten führen würde.

Sollten die EU-Austreter dann auch noch auf die glorreiche Idee kommen, die DM wieder einführen zu wollen, wäre die Katastrophe für die deutsche Wirtschaft komplett:

  • Unmittelbar nach der Einführung würde die DM drastisch aufgewertet werden.
  • Damit würden Exporte auch in den Rest der Welt fast unmöglich, weil sich kaum noch jemand die (dann sehr teuren) deutschen Produkte leisten könnte.
  • Dann würden wir nicht mehr über "Werden es 2 oder doch eher 3 Millionen neue Arbeitslose?" reden; sondern eher über "Es werden wohl 10 bis 15 Millionen Arbeitnehmer direkt betroffen sein.
  • Für eine Weile wären die Importe erheblich billiger, die Leute könnten also ihr letztes Geld ordentlich anlegen. Doch das würde sich schnell ändern, weil die Kaufkraft im Land drastisch sinkt. Schon nach einiger Zeit (vielleicht ein Jahr, vielleicht zwei) wären breite Teile der Bevölkerung samt ihrer Kommunen komplett verarmt und "spanische Verhältnisse" würden in Deutschland Einzug halten. Weil aber die Staatsverschuldung wegen der teuren Kredite und Umschuldungen wieder massiv befeuert wird, und weil die Wirtschaft auf einen (nicht mehr exisiterenden) Außenhandels-Markt ausgerichtet war, würde Deutschland den "griechischen Weg" gehen...

Da der deutsche Binnenmarkt von den Konservativen und Liberalen stets wie ein Stiefkind behandelt wurde, liegt er heute schon nahezu am Boden. Doch genau er wäre es, der in dieser Zeit all die Verzweifelten, die ihre Jobs und Firmen durch diesen Ausstieg verloren haben, auffangen müsste.

... oder kurz gesagt: »EU-Ausstieg? Na dann: Gute Nacht, Deutschland! Die Zeit mit dir war schön.«

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Und ob es gelänge, diese Einbrüche in den darauf folgenden 20, 30, 40 Jahren wieder geradezuziehen, ob also Deutschland mit all den Ländern ebenso (für Deutschland vorteilhafte) Einzelabkommen schließen kann, darf heftig bezweifelt werden: 

Innerhalb der EU konnte Deutschland seine Vormachtsstellung ausnutzen und Knebelverträge mit anderen Staaten erwirken. Nun käme Deutschland aber als Bittsteller und wäre zwingend darauf angewiesen, dass überhaupt Verträge geschlossen werden. Ob die Gebeutelten sich das so einfach gefallen lassen würden, sich noch einmal so über den Tisch ziehen zu lassen?

Und da die anderen Länder - insbesondere die "Ex-EU-Länder" (denn die EU würde ohne Deutschland und Frankreich endgültig zerfallen) - selbständiger handeln könnten, würden sie Deutschland in eine Lohndumping-Spirale ziehen, die sich gewaschen hat.

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Und nicht zuletzt seien Länder, wie etwa Polen, erwähnt: Nicht mehr in der EU und unter der Fuchtel der EU, würden sie immer lauter zum Krieg in Europa rufen. Und weil die Bevölkerung auch in Polen flächendendeckend weiter verarmen würde, bekämen die nationalistischen (und im Regelfall zugleich auch kriegstreiberischen) Gruppierungen ordentlichen Aufwind.

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Einen gewaltigen Vorteil hätte das Ganze aber: Direkt nach dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenbruch Europas (mit oder ohne Krieg) gäbe es eine gute Chance, die Karten neu zu mischen. 

Und dann könnte man, wenn man aufpasst, all die Fehler, die bisher gemacht wurden, vermeiden. 

Die kommenden Generationen, also die, die jetzt geboren werden, könnten, wenn sie das zwischenzeitliche Chaos einigermaßen überstehen, einen neu bestellten Acker von uns erben...

Kommentar von atzef ,

Erschöpfend ausgestaltetes Schreckensszenario. Nur eine kleine veschärfende Korrektur: Ein Austritt Deutschlands aus der EU wäre unweigerlich und zwangsläufig mit dem Zusammenbruch des Euro und der Wiedereinführung der D-Mark verbunden. Da braucht es keinerlei Konjunktiv! :-)

Kommentar von SamOthy ,

Gut geschrieben und zeigt wundervoll die großen Klemmen der Politik, wenn man auch hier zwischen den Zeilen lesen darf. Irgendwie hab ich das Gefühl dieser Zusammenbruch des Euro-Raumes ist unvermeidlich. Die deutsche Politik betreibt seit Jahrzehnten nur Schadensbegrenzung, das Problem ist man kann dieser Politik nicht vorwerfen etwas "falsch" zu machen, jeder der diesen Zweig einschlägt und Politiker wird ist damit automatisch im System der systematischen Selbstzerstörung und tatsächlich viele versuchen das "Beste" daraus zu machen, genau wie fast alle Bürger (die ja in darunter liegenden Systemen 'gefangen' sind). Naja, auf jeden Fall nochmal Hut ab, gut Nachgedacht und beschrieben.

Antwort
von voayager, 23

Nein, die Wirtschaft hierzulande würde das nicht verkraften, es käme wohl zu einem Kollaps, der dann mit einem ekelerregenden Nationalismus beantwortet würde. Worauf es jetzt ankommt, das ist ein Wandel innerhalb der EU, damit die entstandenen Risse nicht als größer werden.

Antwort
von Apolon, 32

 Sollte Deutschland nun auch aus der EU austreten?

Dies wäre zur Zeit die schlechteste Entscheidung die man treffen könnte, denn zuvor müsste mal die Flüchtlingsfrage geklärt werden.

Ohne Unterstützung der EU - würde in ein paar Jahren das Kamel am Rhein weiden, wie es ja schon Nostradamus vorausgesagt hat.

Meiner Meinung nach haben wir die jetzige Situation der lieben Angela zu verdanken.

Antwort
von DanBam, 76

Jetzt vorschnelle Schlüsse zu ziehen wäre unklug, alle können aus dem Brexit ab heute Erfahrungen sammeln. Betrachte ich mir die Börsenkurse werden das ziemlich teuere Erfahrungen.

Antwort
von KEKO174, 12

Sollte Deutschland nun auch aus der EU austreten?
Warum sollten wir austreten wenn wir nur Vorteile von der EU haben. Die EU ist weit mehr als ein Bündniss! Seit dem es die Eu gibt gab es keinen großen Krieg mehr. England wird auf kurz oder lang merken das es ein großer Fehler war aus der Eu auszutreten.

Antwort
von Messerset, 54

Wenn GB tatsächlich austritt (das ist ja überhaupt noch nicht sicher), und wir alles sehen, dass niemand im Land tot umkippt, weil er nicht mehr in der EU ist, dann sollte Deutschland als eines der wenigen Geber-Länder auch austreten

Kommentar von AalFred2 ,

Na, ob das die ganzen Unternehmen, die massiv von der EU profitieren ebenso leicht nehmen würden?

Antwort
von AnonXD, 65

Ja, da ich der Meinung bin, dass die Nachteile doch mittlerweile überwiegen. Mein Hauptgrund: Wir werden zu stark von Brüssel kontrolliert

Kommentar von kevin1905 ,

Und das scheint den Briten nicht ganz klar zu sein.

60% der Exporte gehen in die EU. Wenn diese bleiben sollen, müssen sie sich weiter an EU Vorgaben und Normen halten und Freizügigkeit zulassen.

Nur als Nicht-Mitglied haben sie eben kein Mitspracherecht.

Expertenantwort
von atzef, Community-Experte für Politik, 65

Nein.

Das wäre wirtschafts- und sozialpolitischer Selbstmord.

Kommentar von Messerset ,

Begründung?

Kommentar von atzef ,

Steht doch da oben.

Ein Austritt bleibt nicht ohne Konsequenzen. Er wäre automatisch mit dem Austritt aus dem Euro verbunden, der Wiedereinführug der D-Mark, einer entsprechenden Aufwertung der D-Mark und damit einer enormen Verteuerung deutscher Exportwaren, erneut würden sich Handelsbarrieren und -schranken auftun, die weiteren Druck auf die deutsche Exportwirtschaft ausübten. An der hängt hier aber jeder 2. Arbeitsplatz. Unvermeidlich wäre ein dramatischer Anstieg der Arbeitslosigkeit, eine Abwanderung von internationalen Konzernen, internationalen EU-Institutionen etc. pp.

Lass uns mal abwarten, wie sich der Brexit auf die Engländer auswirken wird...:-)

Antwort
von jimpo, 21

Die Briten haben sich entschieden aber, daß dicke Ende kommt noch.

Antwort
von TitanLine, 58

Davon mal abgesehen das so ein Volksentscheid in Deutschland nicht kommen wird weil sie wissen was bei raus kommt.

Kommentar von AalFred2 ,

Da haben wir ja Glück, dass unsere Politiker ihre Verantwortung noch nicht bei der Populismusabteilung der Bild abgegeben haben.

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