Frage von hamsterchen2000, 174

Sollte der Unterricht in "toten Sprachen" an bayerischen Gymnasien abgeschafft werden?

Ich bräuchte für diese frage noch mehrere Pro und ein oder zwei Contra Argumente und finde außer diese⬇️nichts mehr. Ich hoffe ihr könnt mir helfen:)

Pro:
•Es ist wichtig, gerade in der heutigen Gesellschaft lebendige Sprachen zur völkerverständigung zu erlernen. In der Zeit, in der man eine tote Sprache lernt  könnte man auch eine andere Sprache lernen
• tote Sprachen stellen einen großen Leistungsdruck dar und sind schwer zu erlernen. Es ist schade , dass man oftmals nur deswegen nicht das Gymnasium besuchen kann
•das bayerische Schulsystem ist teilweise schwerer als andere, die Abschaffung dieser Sprachen würde eine große Erleichterung für die Schüler darstellen

Contra:
•durch tote Sprachen lernt man neue lerntechniken und Eigenschaften(Durchhaltevermögen...), die auch im späteren leben oder bei anderen Fächern nützlich sein können.
•bayerische Schüler wären im Nachteil gegenüber anderen Schülern, die diese Sprachen erlernen
•durch Sprachen wie Latein lernt man später z.b Italienisch viel einfacher

Antwort
von rotreginak02, 90

Hallo,

hast ja schon so Einiges.... ein Abitur "Allgemeine Hochschulreife" soll ja Allgemeinbildung im Hinblick auf den späteren Berufsweg geben.

In NRW sind die Schulen, die eher und vermehrt "tote" Sprachen anbieten, oft insgesamt fernab vom weltlichen Bezug und wirtschaftlicher Zusammenarbeit, daher als Pro noch ein Argument:

Pro: "tote" Sprachen wie Latein und Altgriechisch kann man gut durch Fächer wie Informatik, mit allen gängigen Programmiersprachen ersetzen, da diese in vielen Berufen/ Studiengängen  heute vorausgesetzt werden und somit zeitgemäß sind.-----------------------------------------------------------------

Als Contra fällt mir noch folgendes Argument ein:

Contra: gerade für mathematisch und nat-wiss. Begabte, die gleichzeitig unterbegabt in jeglicher Art von verbaler Kommunikation sind, sind diese "toten Sprachen" als Ersatz für die 2. Fremdsprache bestens geeignet.

Kommentar von TurunAmbartanen ,

ich finde dein 2. argument:

Contra: gerade für mathematisch und nat-wiss. Begabte, die gleichzeitig unterbegabt in jeglicher Art von verbaler Kommunikation sind, sind diese "toten Sprachen" als Ersatz für die 2. Fremdsprache bestens geeignet

nicht so gut.  ich bin echt gut in naturwissenschaften weil ich mich dafür interessiere, aber der unterschied zu sprachlern ist, dass ich keine vokabeln lernen kann. fällt mir einfach sooo schwer. selbst wenn ich hochmotiviert dazu bin; wenn der nutzungs bezug fehlt kann ich mir die einfach nicht merken.

englisch geht, weil ich das fast täglich im internet brauche und sogutwie 90% allerr wissenschafts beiträge auf englisch verfasst sind.

Kommentar von rotreginak02 ,

1) vorweg: es ging um Argumente pro oder contra, nicht um meine persönliche Meinung und das Argument steht im Bezug zum Schulsystem an sich. Denn: in den meisten Bundesländern ist eine 2. Fremdsprache Pflicht.

Das mag sein, dass das bei dir so ist. Das Argument trifft aber auf eine hohe Anzahl von sprachlich nicht so Begabten mit gleichzeitig eher math. Begabung zu, da sie Probleme mit der Anwendung, also dem Sprechen der Sprachen haben, nicht mit der Logik der Sprache an sich. 

Ich persönlich bin recht sprachbegabt und kann mir auch Vokabeln / Sprachen nachhaltiger einprägen, die ich anwenden kann. Dennoch musste ich nach Englisch zunächst Latein nehmen.....was mir aber in Bezug auf alle weiteren romanischen Sprachen, die ich später erlernte (Französisch, Spanisch, Portugiesisch) und durch private und berufliche  Aufenthalte vor Ort anwendete, eine enorme Hilfe war. Übrigens hilft Latein auch bei wissenschaftlichen Arbeiten...denn die meisten Fachbegriffe haben einen lateinischen (bzw. ursprünglich griechischen) Ursprung.

Antwort
von OlliBjoern, 17

- durch Latein lernt man auch mehr über die deutsche Sprache (viele lateinische Lehnwörter im Deutschen wie Mühle, Semmel, Karotte...)

- durch Latein lernt man grammatische Konzepte (die Genus und Kasus werden auch in anderen Grammatiken oft mit lateinischen Begriffen bezeichnet, so gibt es auch einen Ablativ im Finnischen, der dort "ablatiivi" heißt)

- durch Latein lernt man einen Bezug zur römischen Geschichte (analoges gilt für Griechisch; hinzu kommt noch, dass theologisch Interessierte einiges mit Latein oder Altgriechisch anfangen können)

Antwort
von Gluehwurm81, 33

Pro:

Latein ist nicht als vollwertige Sprache im Schulsystem anzusehen, da sie nicht gesprochen wird.

Die Ableitung zu anderen romanischen Sprachen ist nicht so hilfreich wie man immer meint. Es gibt viel zu viele Wörter, die es in den verschiedenen romanischen Sprachen gibt und nicht ableitbar sind, sodass es sich nicht lohnt Latein als Grundbasis zu lernen.

In der Medizin ist es auch nicht mehr Pflicht, da auch viele Begriffe aus griechischen Wörtern bestehen, somit macht es keinen Sinn dafür Latein zu lernen.

Contra:

Für andere Studiengänge allerdings ist es Pflicht, ich glaube Geschichte oder so.

Als Wahlpflichtfach wäre das Fach ok, so kann jeder Schüler selbst entscheiden, für was er sich entscheidet.

Da diese Sprache sowieso nie wirklich tot sein wird, kann man sie genauso gut zum Leben erwecken und Gespräche darin führen, damit den Schülern es mehr spaß macht dieses Fach zu lernen.

Antwort
von Hardware02, 56

Das letzte Kontraargument ist ja wohl Blödsinn. Ich lerne zuerst mal Latein, damit mir dann Italienisch leichter fällt? Ja, macht Sinn, ne. Warum lernt man dann nicht gleich Italienisch, wenn man das denn möchte?

Ich habe ein anderes Kontraargument: Je jünger man ist, desto leichter tut man sich mit dem Lernen von Sprachen. Es macht also Sinn, Latein gleich im Gymnasium zu lernen, und nicht erst an der Uni. 

Und ein anderes Pro-Argument: Sehr wenige Menschen brauchen diese "toten Sprachen" noch. Warum aber müssen alle diese lernen? Es macht keinen Sinn, ein solches Spezialwissen allen zu vermitteln.

Kommentar von rotreginak02 ,

In einer Diskussion Argumente als "Blödsinn" abzutun, finde ich persönlich immer schwierig, denn Argumente müssen auch nicht die eigene Meinung wiederspiegeln und ein eigenes Argument wird dadurch nicht besser, dass man das eines Anderen abwertet. ;-)

Dein  Contra-Argument in Bezug auf die Schlussfolgerung "hinkt":

Ich habe ein anderes Kontraargument: Je jünger man ist, desto leichter tut man sich mit dem Lernen von Sprachen. Es macht also Sinn, Latein gleich im Gymnasium zu lernen, und nicht erst an der Uni. 

Richtig ist: je jünger man ist, desto leichter lernt man Sprachen. Aber: das bezieht sich entwicklungspsychologisch auf die ersten 10 Lebensjahre eines Individuums, danach "schließt" sich das Sprachenfenster wieder. Das ist ein Grund/ Argument, Sprachen im Vorschulalter und bereits in der Grundschulzeit zu erlernen. Aus dieser Erkenntnis heraus wurde übrigens in den meisten Bundesländern ab den 2000er Jahren Englisch in der Grundschule eingeführt.

Antwort
von Kodiak57, 65

Ich kann nur Pro-Argumente liefern, speziell für das Lateinische:

Die Sprache erleichtert den Zugang zu romanischen Sprachen wie Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch. Außerdem sind durch sie viele Fremdwörter erkenn- und erklärbar. 

Das Lateinische ist Fachsprache in vielen wissenschaftlichen Bereichen (Medizin, Biologie usw.). 

Außerdem ist es durch seine klaren grammatikalischen Strukturen ein ausgezeichnetes Gehirntraining - z.B. auch für Mathematiker!

Antwort
von Aushilfsbuddha, 69

Contra: 

Tote Sprachen werden für viele Studienfächer (Medizin, Geschichte, Altphilologie) benötigt und müssen, wenn sie nicht in der Schule gelernt werden, mühsam nachgeholt werden an der Uni, wo man eh anderes zu tun hat.

Das Argument, "statt einer toten Sprache könnte man auch eine lebendige lernen" ist hinfällig. Das ist wie: Statt einen Salat könnte man auch ein Brötchen essen.

Klar kann man das, wenn man die Wahl hat. Es ist aber wichtig, die Wahl zu haben! Weil immer nur Salat oder immer nur Brötchen für alle ist eben auch nix. 

Durchhaltevermögen lernst du auch in Mathe. Das hat mit Sprachen nicht viel zu tun, und falls doch, tut's Französisch da auch.

Wenn Latein an den Gymnasien abgeschafft wird, wird es nirgends mehr gelehrt außer an den Unis. Und dafür ist es zu wichtig.

Kommentar von Hardware02 ,

Kein Mensch brauch Latein für Medizin!!! 

Kommentar von TurunAmbartanen ,

praktisch nicht, theoretisch schon - für die zulassung

Kommentar von rotreginak02 ,

@TurunAmbartanben: wie kommst du darauf, dass man für die Zulassung zum Medizinstudium heute noch das Latinum (als Nachweis für Latein) braucht? Das ist seit Jahren abgeschafft worden, aber das Gerücht hält sich hartnäckig.

Bei Lehramtsstudiengängen hingegen braucht man an den meisten Unis für Englisch, Geschichte, Reli, Philo, Französisch...und weitere Sprachen nach wie vor das Latinum...was viele nicht wissen.

Hier kannst du dich mal auf einen aktuelleren Stand bringen lassen:

http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-meschede-eslohe-bestwig-und-schm...

oder auf zig anderen Seiten im Netz bezüglich Latinum als Studienvoraussetzung...

Antwort
von Kuhlmann26, 37

Das ist doch eine Scheindiskussion. Wozu muss man Argumente darüber austauschen, ob sie abgeschafft werden sollen? "Tote" Sprachen müssen nicht abgeschafft werden, sie müssen nur nicht zwangsgelehrt werden. Wer eine solche Sprache lernen möchte, sollte die Möglichkeit dazu haben, aber niemand sollte sie lernen MÜSSEN.

Gruß Matti

Expertenantwort
von Volens, Community-Experte für Latein, Schule, Sprache, ..., 21

Die Diskussion haben wir hier wirklich öfter.

http://dieter-online.de.tl/Warum-Latein-f-.htm

Das wäre jetzt bei dir unter "Contra" einzureihen,

Antwort
von DrFalko, 38

Contra : Es hilft Schülern und Lehrern beim Merken von Begriffen.

Pro : Die heutige Zeit wird durch immer mehr Begriffe aus anderen/ lebendigen geprägt z.B.: Handy, Transmitter, ....

Expertenantwort
von Miraculix84, Community-Experte für Latein & Schule, 38
Antwort
von Rudolf36, 12

Du vergisst zu schreiben, welche Sprachen du für tot hältst. Latein zähle ich nicht dazu, denn es lebt in vielen neueren Sprachen und Fachbegriffen weiter, ebenso Altgriechisch.

Du benutzt folgende Ausdrücke: Pro, Contra, Gymnasium, Argument, Technik, System. Als Deutsch- oder Bayrischfan solltest du darauf verzichten.

Man kernt Sprachen nicht "einfach", sondern "leicht". Ja, auch Deutsch will gelernt sein.

Im übrigen ist mir nicht bekannt, dass Altgriechisch an bayr. Gymnasien eine Standardfremdsprache ist und "zwangsweise" zu lernen ist. Und Tasmanisch wird sicher nicht angeboten, auch nicht fakultativ.

Vielleicht sind ja Programmiersprachen leichter zu lernen, denn sie haben keine Grammatik.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community