Frage von Thylacine, 64

Soll man zu Phobien stehen oder sie verbergen?

**Eine ganz allgemeine Frage an alle Psychologen und diejenigen, die sich dafür halten...

Wenn man Angst hat, eine bestimmte Handlung vor anderen Menschen auszuführen, völlig egal worum es geht, soll man, wenn man in so eine Situation kommen, einfach ein Pokerface aufsetzen und versuchen, sich die Unsicherheit nicht anmerken zu lassen?

Oder ist es besser, sofort zu sagen, dass eine bestimmte Situation einem Angst bereitet und auf diese Weise den Druck zu reduzieren, unter den man sich selbst setzt, wenn man versucht, seine Angst unter allen umständen zu verbergen?**

(Hintergrund meiner Frage: Ich habe manchmal zittrige Hände, wenn ich in der Öffentlichkeit esse, aber auch nur dann, wenn es vor den Augen anderer Leute geschieht... Wenn ich alleine esse, ist mir das normalerwiese schêißegal, wie und womit ich esse, und ich habe auch gemerkt, dass ich viel weniger Probleme habe, wenn ich bei ungewohner Gesellschaft vor dem Essen einfach klipp und klar sage, dass mir manchmal die Hände zittern und dass das nichts Schlimmes ist und ich nicht krank bin, sondern dass das nur eine ganz milde Form von Sozialphobie ist... Ich habe das Gefühl, die meisten Leute haben Verständnis dafür, und wenn ich dazu stehe, dann fühle ich mich danach sehr erleichtert und esse wie ein normaler Mensch)

Antwort
von Milo1302, 35

Hallo Thylacine,

man sollte zu Phobien stehen und sie nicht verbergen, um dadurch die psychische Last zu vermindern. Ich gehe auch sehr offen mit meinen Ängsten um und äußere diese auch offen, wenn ich in einer unangenehmen Situation bin. Dadurch fühlt man sich schnell besser und Menschen in deiner Umgebung können dich besser verstehen. Andererseits sollte man sich seinen Ängsten und Phobien stellen, wenn es sein muss mit professioneller Hilfe, denn nur so kann man sie besiegen. Wenn man sie jedoch nicht besiegen möchte, ist in meinen Augen wie gesagt, offen damit umgehen der richtige Weg. Ich hoffe ich konnte deine Frage beantworten.

Gruß, Milo1302

Kommentar von Thylacine ,

2 Fragen dazu:

1. Wann ist eine Phobie eine Phobie?

2. Wann kann man Phobien selbst überwinden und wann ist eine Phobie behandlungsbedürftig? Ich bin eigentlich nicht scharf darauf, wegen so einer Kleinigkeit zu einem Therapeuten zu rennen.

Kommentar von Milo1302 ,

Zur ersten Frage: Eine Phobie ist in meinen Augen eine Phobie, wenn man ein stärkeres Gefühl als nur Angst hat. Prinzipiell spricht man von einer Phobie, wenn man vor einer harmlosen Sache sehr starke Angst hat, wie zum Beispiel vor einer Spinne. Viele Menschen haben extreme Angst vor Spinnen, obwohl sie eigentlich harmlos sind.

Zur zweiten Frage: Wenn du selbst von einer Kleinigkeit redest, sehe ich sehr gute Chancen, das Problem selbst in den Griff zu bekommen. Lerne deinen Körper zu beruhigen und versuche deine negativen Gedanken und Phantasien zu verändern. Rede mit anderen (z.B. Freunden) über deine Phobie. Taste dich langsam an das eigentliche Problem heran und stelle dich langsam deiner Angst. Beispielsweise bei einer Phobie, vor fremden Menschen, sollte man sich langsam dieser Angst stellen. Beispielsweise klappt dies schon, wenn man nur eine fremde Person nach der Uhrzeit fragt. Man steigert sich dann immer weiter und ruft beispielsweise bei einer Telefonhotline an, um etwas zu fragen. Wenn man sich immer weiter seiner Angst/Phobie stellt (man sollte es langsam machen und sich nicht blind in eine unangenehme Situation stürzen), bekommt man irgendwann Vertrauen zu der gefürchteten Situation und die Phobie verschwindet langsam, nach und nach von selbst. So würde ich eine Phobie besiegen. Um auf Nummer sicher zu gehen, kannst du natürlich jederzeit einen Therapeuten aufsuchen, diese kümmern sich um alles, auch um Kleinigkeiten. Es ist auch wichtig zu wissen, wie lange du an der Phobie leidest. Leidest du schon länger daran, solltest du dir eher professionelle Hilfe zu suchen. Leidest du jedoch erst seit kurzem daran, ist die Chance gut, dass du die Phobie selbst in den Griff bekommst.

Antwort
von 4ssec67, 10

Ich hab damit jetzt ein bisschen Erfahrung gesammelt. (Bin kein Psychologe, habe aber vor, sobald ich studiere mir die Vorlesungen zu Psychologie nebenbei mit anzutun, aus Interesse)
Ich habe extreme Ängste, was das Thema Sprechen vor mehreren Leuten angeht. Es geht soweit, dass ich einfach vergesse zu atmen, weshalb mir schon mal bei Präsentationen in der Schule schwarz vor Augen wurde. Man kann nach und nach die Angst reduzieren und sie analytischer betrachten, wenn man sich ihr nicht stellt, sondern wenn man den Leuten klar macht, dass man diese Angst hat, denn sich ihr zu stellen bewirkt nur, dass man weitere Horrormomente vor Augen hat, wenn man an diese Situationen denkt. Sie analytisch zu betrachten kann da schon eher Lösungswege bereithalten und wenn die Menschen wissen, wovor man Angst hat, dann werden sie auch vermeiden, dir Angst zu machen, dich vor Situationen zu stellen, denen du psychisch nicht gewachsen bist. Dadurch bekommst du von dir selber positives Feedback, wenn du die Situationen meisterst, was du durchaus schaffen kannst, dir legt ja niemand mehr Steine in den Weg.

So ist das bei mir.
Wenn es aber um So was wie eine Mutprobe geht, dann würde ich denken, dass sich der Mutprobe zu stellen ebenfalls kaum sinnvoll sein kann. Denn dadurch werden die anderen bemerken, dass du dabei schwächelte und dich dafür fertig machen. Sag lieber, dass du So was für dämlich hälst und du aus Prinzip keine Mutproben machst.

Antwort
von Thylacine, 24

Was ich wirklich nicht verstehe ist übrigens, dass ich abgesehen, was meine Feinmotorik betrifft, keine sozialen Ängste habe, auch wenn ich ein eher schüchterner Mensch bin..

Antwort
von EphraimSanNoel, 20

Meine Tante konnte es in der Bahn, im Flieger, im Zug oder in einem Café auch nie. Nach einer Zeit traute sie sich nicht mehr außerhalb ihrer Wohnung zu essen. Bei ihr kam das Zittern auf Knopfdruck. Es war ihr auch total unangenehm und sie empfand es als bedrückend. 

Heute steht sie dazu und möchte sich nicht für nichts schämen. 

Und nebenbei:

Darauf achtet doch keiner. Jeder Mensch hat eigene Sorgen und Problembereiche. =)

Fazit: Steh zu dir :D

Bin kein Psychologe oder ähnliches, aber nichts spricht dagegen , dass ich dich mit meinen Worten aufbaue und dir den Rücken stärke. 

Antwort
von safur, 18

Bist doch auf nen guten Weg! :)
Klar Sozialphobie!
Immer raus damit!

Antwort
von giz123, 14

Ich habe eine krasse insektenphobie, und wenn ein insekt auf meine hand oder so krabbelt, dann schreie ich manchmal heule ich sogar, ich kann das nicht für mich behalten. (Ganz alleine ist mir das nicht passiert)

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