Frage von lovewithcoco, 195

Soll eine Organspende nach dem tod als pflicht eingeführt werden ?

Ich hab mich gefragt ob dies eine Lösung für den Organmangel in Deutschland sein könnte. Es wäre cool wenn ihr ein paar pro und contra argumente darlasst.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von testwiegehtdas, 68
Es muss eine Ablehnung vorliegen sonst wird das Organ gespendet

Ich finde die Idee gut, dass es Standartmäßig gemacht wird, außer es liegt eine unbegründete (!) Ablehnung vor.

Denn es ist egal ob jemand nicht möchte, weil er es generell nicht will, aus religiösen Gründen oder wegen Erkrankungen nicht darf.

Es muss dann aber gewährleistet werden mit vorgeschriebenen Abläufen oder so, dass auch wirklich geprüft wird ob eine Ablehnung vorliegt oder es müsste ein zentrales Register dafür geben, worauf alle Krankenhäuser zugreifen können. Dir Frage wäre nur, wie man verhindert, dass Leute wegen ihrer Entscheidung benachteilig oder schlechter behandelt werden.

Denn nicht immer spenden sie freiwillig nicht. Meinte Tante hat z.B. eine angeborene Krankheit, wegen der sie keine Organe spenden darf und hat daher einen Ausweis mit "nein" angekreuzt, damit es klar ist.

Viele Leute warten auf Organe und es gibt sicher einige Hirntote, die selber oder deren Verwandte bereit gewesen wären die Organe zu spenden, aber nicht rechtzeitig kontaktiert werden konnten.

______________________________________________________________

Gute Alternative:

Jeder der 18. wird oder so, muss sich z.B. bei der Beantragung des nächsten Personalausweises entscheiden.

Beispielsweise die Möglichkeiten: ja (mit den üblichen Zusätzen), noch unsicher (also beim nächsten mal in ein paar Jahren noch mal fragen) oder nein. Man muss ja eh noch mal hin den Ausweis abholen, da kann man die Entscheidung dann ja mitteilen.

Das alles gibt es dann in einer zentralen Datei, auf die Krankenhäuser und Ärzte zugreifen können.

 So muss sich jeder damit beschäftigen. Natürlich darf man sich jederzeit melden (z.B. beim Amt oder über einen Arzt) und das ändern lassen ohne Fragen warum usw.. Dass man z.B. anrufen kann damit man in der Datei erst mal als "gesperrt" gekennzeichnet ist und wenn dann das unterschriebene Formular oder persönliche Meldung vor Ort (damit klar ist, dass man es selber macht und nicht ein Fremder) da ist wird es geändert und man ist wieder "ungesperrt" in der Datei.

Ich denke nämlich, dass vermutlich viel mehr Leute breit wären Organe zu spenden als die, die einen Organspendeausweis haben. Denn viele sind einfach zu faul. Ich habe auch fast 3 Jahre gewartet, ehe ich ihn mal ausgefüllt habe. Erst kommt mache ich morgen, mache ich morgen und dann ist er weg und neu Bestellen ist ja "so anstrengend".  

Antwort
von berkersheim, 84
Sollte nicht eingeführt werden

Nein! Noch ein Sargnagel zur Beerdigung der Bürgerfreiheit. Das ist Nanny-Einstellung. Kindergartenkindern muss man befehlen. Aufgeklärten Erwachsenen nicht. Organspende als Pflicht: Wow, da gehen die Schiebereien erst richtig los. Da braucht man wenigestens nicht mehr gegen die Entscheidung des Bundestags zu protestieren, dass mündigen Bürgern die Freiheit genommen wird, über ihr persönliches Ende zu bestimmen. Da braucht man sich nur Schilder umzuhängen: Wer braucht intakte Organe? Schöne intakte Organe - noch frisch! Terminvereinbarung sofort. Und schon wird der "Selbst"-Mord zum "Ruf"-Mord. Oder: Restaurant "Schlachthaus" - Ihr letztes Essen ist bei uns Ihr Schönstes"

Kommentar von lovewithcoco ,

Aber stellen sie sich doch einmal vor sie bräuchten ein spenderorgan und bekommen keines nur weil jemand mit einem " vollständigen " körper beerdigt werden will.
ich finde es ein wenig egoistisch wenn leute meinen  sie müssten " ganz" beerdigt werden. Außerdem sterben täglich 3 menschen weil kein spenderorgan für sie gefunden wird.

Kommentar von berkersheim ,

Ja und? Ist ja schön, dass man wartet, bis ich tot bin, bevor man mir Egoismus vorwirft, weil ich mich nicht gleich ausschlachten lasse. Es gehört zur Selbstbestimmung des Menschen, dass er über sich verfügen lassen kann oder nicht. Nur nebenbei, als mein Bruder gestorben ist habe ich in seinem Namen die Organspende zugelassen und für mich selbst habe ich auch nichts dagegen. Nur: Das war seine Entscheidung, die ich unterstützt habe und es ist MEINE Entscheidung. Dazu lasse ich mir von keinem Moralapostel vorschreiben, was ich zu verantworten habe. Basta! Wer bist Du, dass Du über mich zu urteilen hättest?

Kommentar von Tragosso ,

Ich sehe das genauso und finde daran nichts verwerflich. Ist es denn nicht mein eigener Körper? Warum darf jemand anders darüber entscheiden?

Kommentar von berkersheim ,

Irgendwo heißt es, "die Würde des Menschen ist unantastbar" und das Selbstbestimmungsrecht ist für mich ein Kern meiner Würde. Da soll man zu überzeugen versuchen oder es respektvoll lassen. Ich mag nicht diese mit Moral getarnten Möchtegern-Diktatoren. Die erfinden sich Gründe und biegen sie, bis es ihnen in den Kram passt, hauptsache, sie dürfen die Obernanny abgeben.

Antwort
von Tragosso, 42
Sollte nicht eingeführt werden

Fände ich nicht gut. Wer das machen will kann sich aus freien Stücken dafür entscheiden, es aber einfach festzulegen ohne Zustimmung halte ich nicht für angemessen. Es schränkt meiner Meinung nach die Rechte des Menschen am eigenen Körper ein.

Antwort
von warehouse14, 57
Sollte nicht eingeführt werden

Wenn man die Menschheit kennt weiß man, daß es dann erst recht zu perversen Entscheidungen profitgeiler Dumpfbacken kommen wird.

Und wie schnell dann gewisse Personen als minderwertiges Leben (=entbehrlich) deklariert und für "höhere" Zwecke genutzt werden hat ein Dr. Mengele ja schon eindrucksvoll bewiesen...

Es wäre wirklich cool, wenn die Menschen, die sowas befürworten, mal wieder eine Verbindung zur Natur herstellen könnten. 

Wenn die Natur für den Menschen vorgesehen hätte, daß er sich durch das Aneignen von lebensnotwendigen Körperteilen seiner Artgenossen am Leben halten kann: wieso benötigt ein Mensch dann starke (und sauteure...) Medikamente, die eine Abstoßung des Organs verhindern? Sollte es nicht sein eigenes Immunsystem eher befürworten, ein neues Organ zu bekommen?

Warum genau braucht eigentlich ein Mensch ein neues Organ? Wieso ist sein eigenes nicht mehr gut genug? Könnte es was mit unserer modernen Art zu "leben" zu tun haben, daß es Krankheiten gibt, die solche drastischen medizinischen Grausamkeiten erzwingen? Wäre Vorbeugung nicht sinnvoller als im Nachhinein irgendwas mit Gewalt wieder hinbiegen zu wollen?

Wieso wachsen beschädigte Organe nicht einfach nach?

Solange niemand zweifelsfrei beweisen kann, daß es das berühmte Leben nach dem Tod, welches viele Religionen postulieren, nicht gibt, darf man nicht einfach über eine Biomaterie verfügen, die einem nicht selbst gehört. 

Immerhin weiß man ja nicht, welche Auswirkungen das auf diese neue Existenz hätte, wenn der Körper eines im Hier und Jetzt Verstorbenen nicht wie vorgesehen verwesen kann... Aus reiner Profitgier einfach zu behaupten, es hätte keinen Effekt ist zutiefst menschenverachtend. 

Und ja: die Spender waren auch mal Menschen, bevor man sie zu Ersatzteilquellen degradierte.

warehouse14

Antwort
von FloTheBrain, 52
Sollte nicht eingeführt werden

Das würde gegen die Grundrechte bestimmen. Mein Körper, meine Entscheidung. Auch nach dem Tode.

Dann müsste das System in jedem Fall noch mal grundsätzlich neu reformiert werden. Z.B. stehen auf der Liste der Menschen die ein Organ brauchen auch mit einem bestimmten Prozentsatz Privatpatienten. Auf der Liste der Empfänger ist deren Anteil dann plötzlich fast doppelt so hoch.

Als Privatpatient in Deutschland hat man fast die doppelte Wahrscheinlichkeit ein Organ zu erhalten als ein gesetzlich versicherter Patient.

Und wenn man sich nun bewusst aus diesem und anderen Gründen dagegen entscheidet Organspender zu werden, dann hat das die Gesellschaft zu akzeptieren.

Antwort
von Max7777777, 76
Es muss eine Ablehnung vorliegen sonst wird das Organ gespendet

Ich würde sagen das Organspende eine vernünftige sachen ist. Wenn nicht gerade Skandale die runde machen....Viele Menschen haben halt Angst davor das man ihnen die Organe nimmt ohne richtig Tod zu sein. Außerdem geht man prinzipiel nicht davon aus zu sterben. Dementsprechend wäre es gar nicht schlecht das man erst eine Ablehnung einreichen müsste.

Antwort
von bbzzii99, 56

Nein auf keinen Fall. Ich (17) würde alle Organe von mir spenden da ich in meiner Familie auch einen Fall hatte wo ein Familien Mitglied sehr lange auf ein Organ gewartet hat und mitbekommen habe wie schlimm das für die Person war aber ich finde trotzdem das es auf freiwillige Basis passieren sollte da ich es verstehen kann wenn jemand sagt das er nicht möchte das er nach seinem Tod komplett auseinander gepflückt wird.
Ich finde aber das man mehr zur Aufklärung beitragen sollte. Bei uns in der Schule wurde das Thema nie angesprochen wodurch ich mir auch nie Gedanken darüber gemacht hatte bis ich einen Brief von der AOK mit einem Organspende Ausweis bekam. Hätte ich diesem Fall nicht in der Familie gehabt dann wäre der Brief vermutlich direkt im Müll gelandet.
Freunde von mir die noch über ihre Eltern versichert sind haben den Brief zum Beispiel erst gar nicht bekommen und wenn man selber nicht mit so einem Fall zu tun hatten weiß man auch gar nicht wie viele Jahre viele Menschen auf Organe warten.

Kommentar von lovewithcoco ,

Aber es kommen täglich 15 menschen dazu welche ein Spenderorgan benötigen jedoch werden nur 11 transplantationen durchgeführt und 3 menschen sterben täglich weil kein spenderorgan mehr vorhanden ist dieses problem könnte man mit der verflichtung lösen

Kommentar von bbzzii99 ,

Dieses Problem könnte man damit lösen indem man dafür sorgt das es mehr freiwillige gibt.

Antwort
von Ichthys1009, 36
Sollte nicht eingeführt werden

Organspende habe ich lange Zeit als sehr sozial empfunden und habe mir einen Ausweis dafür machen lassen, noch ehe die Krankenkassen an jeden ein Ausweisformular geschickt haben.

Es ist schlimm, dass so viele Menschen so lange auf ein Spenderorgan warten müssen. Vorher müsste jedoch die Frage geklärt sein, ob das Spenden von Organen ethisch in Ordnung ist.

Inzwischen habe ich von etlichen Fällen gehört, dass die Organe bereits entnommen wurden, als die betreffenden Personen noch lebten. Und ich habe von jungen Menschen gehört, die für "klinisch tot" erklärt wurden, dann aber doch wieder zu sich gekommen sind und völlig gesund weiterleben konnten. In diesen Fällen diente die Diagnose "klinisch tot" nur dazu, dass man die betreffenden Ärzte nicht für einen "Mord" belangen konnte.

Daher denke ich nun, dass die Missbrauchsgefahr bei der Organspende sehr groß ist und dass die Organspende vielleicht doch nicht so sozial ist. Auch das Menschenbild, das den Menschen damit zu einem Ersatzteillager macht, ist einigermaßen fragwürdig.

Vielleicht sollten wir - statt von der medizinischen Machbarkeit eines ewigen Lebens zu träumen - wieder lernen, dass der Tod zum Leben dazu gehört.

Antwort
von paulakalenberg, 61
Sollte nicht eingeführt werden

Nein,sollte es nicht!Jeder Mensch soll in Frieden ruhen wenn er stirbt.Und nur unter Einwilligung des Verstorbenen durchgeführt werden

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community