Frage von Sailtheart, 36

Soll der Leser die Pläne des Bösewichts kennen und miterleben oder nicht?

Das könnte jetzt eine subjektive Sache sein. Also, ich schreibe über Tony und Loki. Die beiden bauen innerhalb der Geschichte eine Beziehung zueinander auf, gleichzeitig spinnt Loki aber sehr viele Intrigen, die sich auch in vielen kleinen Details ausdrücken. Tony wird irgendwann herausfinden, was ihm angetan wurde, nur, was ist jetzt spannender?

Lasse ich den Leser im Dunklen, streue Details die vorerst nicht auffallen und lasse dann irgendwann die Bombe platzen? Praktisch wird alles aus dem Wissensstand Tonys heraus gesehen und man darf ein bisschen miträtseln weil öfter seltsame Dinge passieren, die man sich dann erst erklären kann wenn ich die Situation auflöse.

Oder darf er live miterleben, wie Tony Loki immer fast auf die Schliche kommt, Loki es aber geschickt schafft sich aus der Affäre zu ziehen? So hätten wir zusätzlich noch diese Spannung, dass der Leser genau weiß, dass Loki ein dreckiges Spiel spielt, während man in der anderen Version glaubt, dass sich tatsächlich eine Beziehung anbahnt und dass Loki sich gebessert hat.

Was fändet ihr interessanter? Oder habt ihr Ideen? Ich wäre für alle Hilfe dankbar und würde eine kleine Diskussion sehr feiern, ob ihr jetzt mit den Characteren was anfangen könnt oder nicht, ist erstmal nebensächlich finde ich.

Antwort
von Minilexikon, 13

Letzteres ist in der gegebenen Konstellation wahrscheinlich schwieriger zu schreiben, weshalb ich ersteres als erfolgversprechender ansehe. Die Vorschläge der anderen finde ich zwar generell gut, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie sich auch für deinen speziellen Fall eignen, da es ja schon um zwei konkrete Charaktere handelt.

Um diesen Effekt dennoch herbeizuführen, könntest du dem Charakter Tony grundsätzlich Denkstrukturen verpassen, die sich von den meisten Lesern zwar in einer guten Anzahl von Fällen unterscheiden, aber nicht unlogisch sind. Somit weiß der Leser nicht mehr als Tony, zieht jedoch dann und wann andere Schlüsse (sowohl auf Loki, wenn Tony das nicht in Betracht zieht, als auch umgekehrt).

Antwort
von TinyCraft, 28

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich es komplett kapiert hab.

Aber ich würde dem Leser immer so halbe war heuten von dem was vorgeht geben. Sodas er nur ungefähr weiß was los ist. Find ich am spannendsten.

Antwort
von Johann242, 13

Also ich handhabe es in meinem Manuskript so, dass der Leser zwar die Taten des Täters kennt (In diesem Fall ein Täter, dem Richter und Staatsanwalt hinterherjagen, den der Leser aber nicht kennt), er aber nicht weiß, wer es ist.

Bei mir steht ein Schwerverbrecher vor einem Landesrichter und der Staatsanwalt hat bedrückende Beweise, der zweite Täter (nicht gefangen) führt die Morde aber fort. Dem Leser verrate ich zwar, was geschieht, aber nicht, wer es ist.

So bekommt der Leser beide Seiten mit, weiß aber eben nicht, wer es ist.

Kommentar von Sailtheart ,

Gut, ich stehe aber eben vor dem Konflikt ob es in diesem spezifischen Fall nicht interessanter wäre, dem Leser zu verraten wer es ist.

Aber wenn man es gut ausarbeitet könnte die andere Möglichkeit durchaus reizvoller sein...

Danke für deine Antwort!

Kommentar von Johann242 ,

Hier würde ich (als bescheidener FF.de-Autor mit 30 Stories) einen Kniff anwenden.

Lass doch den Leser nicht gleich erfahren, wer es war. Deute an, dass Loki die Täterin ist, zeige aber gleichzeitig, dass sie manche Taten rein auf den ersten Blick nicht begangen haben kann. Lasse am Tatort mal ein brünettes Haar zurück, obwohl sie blond ist. Jemand wird erschossen, sie kann aber, laut eigenen Aussagen, gar keine Schusswaffen bedienen ... etc.

Kommentar von Sailtheart ,

Loki ist übrigens ein Mann,

aber dennoch, das finde ich einen wirklich hilfreichen Kniff, ich werde da wohl noch eine Weile drüber brüten wie ich das am geschicktesten hindrehe. Deine Antworten haben mich aber auf jeden Fall weitergebracht.

Tatsächlich? Darf man denn deinen FF.de Namen erfragen? :)

Antwort
von mychrissie, 10

Wenn der Leser Dinge kennt, die Romanfigur aber nicht, entsteht daraus eine Spannung, die der gleicht, wenn Kinder beim Kaspereletheater  dem ahnungslosen Kasperle zuschreien: "Kasperle, Kasperle, das Krokodil ist hinter Dir!"

Am Ende ist es dann noch ein zusätzlicher Knalleffekt, wenn das, was der Leser "gewusst" hat, nochmal gedreht wird und sich als völlig anders erweist.

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