Frage von Reflektiert7, 386

So ich bin dumm was nun?

Mir ist einmal aufgefallen das ich mit den Menschen die z.B Studieren überhaupt nicht mit meinem Wissen mithalten kann.Diese Menschen sprechen schneller und ich habe schwierigkeiten mitzukommen.Manchmal denke ich auch das ich langsamer denke als andere.Besonders bei Aufgaben wo es um Logischesdenken und Verstehen geht.Ich gehöre zu den Menschen die es nicht sofort kapieren aber wenn ich es verstanden habe dann vergess ich es auch nicht.Jetzt meine Frage meint ihr wirklich das man seine Denkleistung erhöhen kann wenn ja wie? Wenn Nein, wie soll man mit so einer gewissheit klarkommen?

Antwort
von PicaPica, 204

Ich glaube, bei dir ist es nicht die fehlende Intelligenz sondern die fehlende Zeit.

Es gibt genug Menschen, die erst einmal Beobachten, Analysieren und dann lernen und sich eigene Gedanken machen. Aber diese benötigte Zeit, wird ihnen meist nicht zugestanden, da es heutzutage auf Stressresistenz und hohe Flexibilität ankommt. Das bedeutet für besagte Menschen oft genug eine Gratwanderung zwischen der zu lösenden Aufgabe bzw. dem Problem und der Anforderung Anderer, das möglichst schnell machen zu sollen.

Ideal wäre natürlich, einen Beruf für sich selbst zu finden, der den eigenen Neigungen am nächsten kommt, in dem man seine Fähigkeiten am besten einsetzen kann. Ansonsten kannst du nur zusehen, dich am Anfang durchzuwurschteln und (auch wieder mit der Zeit) durch wachsendes Wissen und, wie Mignon2 so richtig gesagt hat, wachsende Lebenserfahrung, zu überzeugen. Oft kann man auch sehr schnell zum gefragten Fachmann/Fachfrau werden. Man darf nur nicht den Mut verlieren, was natürlich einfacher gesagt, als getan ist, aber nirgendwo steht geschrieben, dass es einfach ist in diesem Leben.

Antwort
von rluechin, 196

Als "Studierter" muss ich sagen, dass du dir dabei nicht so viele Gedanken machen solltest. Ich bin extrem gut in Rätseln, Mathe und so und hab gefühlt/geschätzt etwa einen doppelt so grossen Wortschatz wie der Durchschnitts-Nichtstudierte. Das hat für mich aber genau nix mit gescheit oder blöd zu tun. Ich musste mir in der Ausbildung dieses Wissen einfach aneignen und habe halt Umgang mit Leuten, die auch so reden. Da passt man sich an. Gescheit herreden macht aber noch lange nicht intelligent . Nein ehrlicherweise hat das Bestehen von einem Studium viel mehr mit Fleiss zu tun.

Es gibt definitiv Leute, die Mühe haben, Sachen schnell zu erfassen und komplexe Zusammenhänge schnell zu erkennen. Das ist für den klassischen schulischen Erfolg natürlich eher blöd. Das definiert aber noch lange nicht den Wert eines Menschen. Und ganz ehrlich, es hat auch negative Folgen, wenn man alles hundert mal im Kopf dreht und wendet, weil man diese blöde "alles so komplex sehen" - Sache nämlich gar nicht abschalten kann. Wenn ich mir die Welt anschaue, dann habe ich das Gefühl, dass durchschnittlich schnell schaltende Menschen, die nicht jede Eventualität berechnen, dafür mit einem gerüttelt Mass "Bauernschläue", "Bauchgefühl" und sozialer, emotionaler Kompetenz auftrumpfen, viel erfolgreicher und vor allem glücklicher sind. Wie häufig hat schon der Maurer den Architekten drauf hingewiesen, dass die Konstruktion nicht halten wird. Er kanns ihm nicht berechnen, aber er weiss aus Erfahrung, dass das niemals halten kann.

Lass dich nicht verunsichern. Die meisten, die mir sagten, sie hätten das Gefühl blöder zu sein, als ihre Mitmenschen, waren vor allem nicht selbstsicher und liessen sich von den anderen, die oft nur so tun, als hätten sie die Weisheit mit Löfflen gegessen, beeindrucken. Daneben geht auch oft vergessen, dass sie mit anderer, emotionaler Intelligenz und/oder Scharfsinn auftrumpfen können, bloss weil der andere bei Wer wird Millionär mit viel mehr Faktenwissen überzeugt, einer gescheit daherreden kann oder super gut in Mathe ist.

Antwort
von justtrying, 109

Ich gehöre zu den Menschen die es nicht sofort kapieren aber wenn ich es verstanden habe dann vergess ich es auch nicht.

Das ist doch ein Anfang.

Und zur Beruhigung für dich: Deine genannten Probleme hatte ich vor 7 Jahren auch. Damals war ich mit schlechten Noten auf einer Hauptschule und bekam meinen Abschluss fast nicht anerkannt. Nun studiere ich Chemie, erfolgreich.

Was ich damals erkannt habe steht für mich heute noch fest, doch ich habe gelernt damit umzugehen und daraus resultiert die Geschwindigkeit.

Man muss sich selbstreflektieren und sich die Umstände klar machen. Ich lerne etwas und komme nicht so schnell voran wie andere.

Woran liegt das? Wie fühle ich mich dabei? Wieso fühle ich mich dabei so? Worin liegt meine Motivation? Wie kann ich meine Motivation und Einstellung zu dem was ich lerne verbessern? Was für einen Sinn hat das zu wissen, was ich lerne?

Das wichtigste was man eingestehen muss, auch wenn es Aufwand sein möge: Alles was man lernt ist Wissen und nicht unnütz.

Dazu zählt das konsequente Bewusstmachen über das was man lernt. Man sollte die folgenden Fragen locker beantworten können:

Was lerne ich? Aus welchen Bereich kommt das, was ich lerne? Welche Fachbegriffe muss ich können um das von mir gelernte schnell und präzise zu beschreiben? Wie kann man diese Fachbegriffe umschreiben für Laien?

Und das wichtigste dabei, falls vorhanden: Das Schema bewusst machen.

Wieso ist das so, was ich lerne? Welches Schema steckt dahinter?

Das dümmste was man machen kann ist etwas auswendig zu lernen ohne das dahinterstehende Schema zu verinnerlichen. Und da spreche ich aus Erfahrung, denn was mich von vielen anderen Studenten meines Jahrganges unterscheidet ist, dass ich die gelernten Schemas auf andere Probleme oder fachübergreifende Themen abstrahiere.

Und wie bringt man das zustande? Der Ungeübte muss üben, ohne Ende. Anders geht das nicht. Treffend würde man es beschreiben wenn man sagt:

Es ist eine Einstellung und eine Angewohnheit, die erst im Kopfe und dann im Körper übergreift. Du kannst nicht einfach dein Kopf überfordern, wenn deine Synapsen gar nicht dafür ausgelegt sind. Trainiere dein Kopf (dich selbst), dann regst du dein Gehirn an und trainierst es.

Mit der Zeit wird es einfacher. Rationales Denken muss antrainiert werden, das wird nicht angeboren.

Ich wünsche dir aufjedenfall viel Erfolg dabei. Es ist kein Ding der Unmöglichkeit, aber der Wille muss da sein.

Kommentar von EmelyMeier ,

Das ist wirklich krass. Darf ich fragen, wie es sein kann, dass du ein schlechter Hauptschüler warst, obwohl du ja offensichtlich ziemlich intelligent bist (Qualität der Antwort, Bewältigen eines Chemiestudiums)?

Antwort
von Suboptimierer, 97

Du kannst ein guter Mensch sein, auch wenn du nicht die zum Studieren notwendigen Begabungen hast und ein Student kann sich menschlich komplett daneben benehmen.

Nun ist es so, dass jemand, der etwas gut kann, dafür "Werbung" machen wird. Er wird sagen, dass dies besonders wichtig sei im Leben.

Lass dich dadurch nicht irritieren. Finde deine eigene Definition von einem guten Leben.

Kommentar von Reflektiert7 ,

Wie Forrest Gump? :D

Kommentar von Suboptimierer ,

Ich mag den Film.

Natürlich ist das alles übertrieben, aber die Idee dahinter ist genau diese: Such deine Talente und sei ein guter Mensch.

Antwort
von floppydisk, 127

gehirnjogging bringt tatsächlich was. rätseln, lesen und irgendwelche dinge lernen beansprucht das gehirn und trainiert es entsprechend. du kannst dir dein hirn quasi wie einen muskel vorstellen, wird er nicht beansprucht, dann lässt er nach und wird schwächer.

es gab mal einen film, da hatte einer der darsteller demenz oder ähnliches - er hat unmengen statistiken und fakten aus allen themengebieten gelesen und gelernt, um alles herauszuzögern und geistig fit zu bleiben. das hat geholfen.

ohne jemandem nahetreten oder überheblich wirken zu wollen, aber die breite masse wird sich nicht mit einem durchschnittlichen bis guten akademiker messen können. ich selbst bin dipl.ing. und 90% der leute, mit denen man so täglich zu tun hat, kommen im allgemeinen nicht an den wissensstand oder die auffassungs- und kombinationsgabe heran, die ich als relativ selbstverständlich ansehe. ich kann zb niemandem dinge und abläufe erklären, da ich es nicht verstehe, wie man bestimmte zusammenhänge nicht nachvollziehen kann. da habe ich mein defizit.

aber schon die feststellung deinerseits, dass es dir an einigen punkten vielleicht fehlt, lässt dich schon pfiffiger als den durchschnitt sein. du kannst daran arbeiten, die anderen nicht. du kannst lernen und etwas dafür tun, die grundsubstanz scheint ja vorhanden.

manchmal wünscht man sich aber, ein seichteres leben zu führen, sich über viele dinge weniger gedanken machen zu müssen und einfach in den tag hinein zu leben.

Antwort
von zahlenguide, 153

Hallo Reflektiert7, jeder Mensch denkt in seinem eigenen Tempo und es ist normal, dass Menschen, die studieren, oft nicht in der Lage sind, Ihre oder fremde Gedanken einfach und simpel zu erklären.

Es ist genetisch festgelegt, wie schnell ein Mensch bestimmte Dinge versteht und wie schnell ein Mensch denkt. Es gibt sehr viele Menschen, die sogar sehr berühmt sind, die sehr langsam dachten - z.B. Albert Einstein und Goethe.

Trotzdem ist etwas aus diesen Leuten geworden. An der Uni geht es später sowieso darum sich selber Sachverhalte beizubringen. Dazu lesen Studierende am Anfang sehr sehr viele Einführungsbücher um sich ein umfassendes Bild über einen Sachverhalt zu machen. Erst später lesen sich intensiver Einzelthemen aus Ihrem Fach. 

Wenn Du Dir also zu einem Thema wirklich Gedanken machen möchtest, solltest Du Einführungsbücher lesen - sehr gut ist die Reihe: "Chemie für Dummies", "Mathematik für Dummies", "Biologie für Dummies"... - davon gibt es sehr viele Bücher. Sie sind von Professoren oder anderen Profis in ganz ganz einfacher Sprache geschrieben und erklären erstmal alle wichtigen Modelle und Fremdwörter und wie man sie einsetzt. Mittlerweile gibt es sehr viele von diesen Büchern in den Bibliotheken. Sie sind aber auch nicht besonders teuer. 

Ich habe sogar vor meinem Studium damit begonnen, viele solche Einführungsbücher zu lesen (auch Einführungsbücher wie man eigentlich Aufsätze schreibt, ist da wichtig zu wissen), um herauszufinden, was mich persönlich wirklich interessiert.

Mach Dir schöne Weihnachten!

Kommentar von marty55 ,

Albert Einstein hat jahrelang an seiner Relativitätstheorie rumgerechnet, dann nach der Veröffentlichung haben mehrere Mathematiker im null Komma nix seine Ergebnisse nachvollzogen und verfeinert,  So ist das, der eine ist schneller, der andere langsamer. Es gibt sehr intelligente Leute die keinen Nagel in die Wand kriegen. Es muss auch Leute geben die Lagerarbeiten machen, Häuser bauen, Wände streichen,  Transporte durchführen. Jeder auf dieser Welt hat jemanden der schneller, intelligenter, mächtiger, stärker oder anderes ist.  Das ist gut so, entscheidend ist dass man seinen Platz im Leben findet, und ich bin mir ziemlich sicher dass du den auch findest oder bereits gefunden hast.

Antwort
von KnusperPudding, 102

meint ihr wirklich das man seine Denkleistung erhöhen kann wenn ja wie?

Durch ständige Übung kann man durchaus etwas verbessern. Stell dir 'spielerisch' kleine Aufgaben, Dinge die dich interessieren, die deinen Denkprozess anreizen. 

Davon abgesehen, sind Menschen die Studieren nicht zwangsläufig 'besser' im denken. - Es wird Themen geben, in denen du bei Diskussionen eindeutig vorne liegst, bei anderen weiter hinten. Mach dir da mal keinen Kopf.

Antwort
von botanicus, 74

Unterscheide sauber: Denkst Du langsam (deshalb aber noch lange nicht falsch oder weniger gründlich) oder weißt Du weniger als andere?

Beides hat nichts mit Dummheit zu tun. Mag sein, dass Deine kognitiven Fähigkeiten nicht so doll sind, das kann ich von hier aus nicht beurteilen – mit Interesse und Training kann man daran arbeiten, aber nichts Weltbewegendes ändern. Deshalb solltest Du auch nicht verzweifeln. Mangelndes Wissen gibt es bei uninteressierten intelligenten Menschen auch. Viele Intelligente denken langsam, aber dafür gründlich.

Dumm (im negativen Sinne) nenne ich nur, wer nichts weiß, und auch nichts wissen will.

Antwort
von Ani77777, 62

das Gehirn ist wie ein Muskel, wenn du ihn den ganzen Tag trainierst wirst du auch mega schlau sein. Das tuen diese Manschen ja auch. Hast du schon mal eine Woche non stop für etwas lernen müssen. Wenn du das musst, dann tust du das auch. Das Reden stellt sich von alleine ein. Es kommt auch auf die Einstellung an, am besten suchst du dir dementsprechende Freunde, dann wirst du dir ihre Eigenschaften automatisch aneignen.

Antwort
von Mignon2, 97

die z.B Studieren überhaupt nicht mit meinem Wissen mithalten kann

Fehlendes Wissen hat nichts mit Dummheit zu tun. Wissen kann man sich aneignen. Nichts anderes haben die Studenten gemacht.

Jeder hat seine Schwerpunkte auf einem anderen Gebiet. Der eine kann dies besser, ein anderer etwas anderes. Niemand ist ein "Universalgenie". :-))

Kommentar von Reflektiert7 ,

Ich hatte mich aber auch nicht auf die Studenten fest bezogen sondern allgemein intelligente menschen.Es geht mir um das lösen von problemen

Kommentar von Mignon2 ,

Beim Lösen von Problemen ist Lebenserfahrung häufig wichtiger als Wissen.

Antwort
von CountDracula, 57

Hallo,

Intelligenz hat doch nichts mit Wissen zu tun! Dann könnte es ja z. B. in den Slums von Afrika überhaupt keine intelligenten Menschen geben.

Ich gehöre zu den Menschen die es nicht sofort kapieren aber wenn ich es verstanden habe dann vergess ich es auch nicht.

Na siehst Du.

Meiner Meinung nach können die Dinge, die wir als unsere größten Schwächen ansehen, in Wirklichkeit unsere größten Stärken sein. Menschen, die langsamer denken als andere, gehen beim Denken häufig tiefer ins Detail und sind auch sonst kreativer als die anderen. Nur leider wird das in unserer tollen Gesellschaft viel zu selten erkannt, und wir werden für Dinge getadelt, die in Wirklichkeit vielleicht unsere größten Stärken sind.

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