Sinnvolle Entwicklungshilfe (Hilfe zur Selbsthilfe)?

... komplette Frage anzeigen

2 Antworten

Ich habe in diesem Forum schon mehrfach Beispiele für sinnvolle Entwicklungshilfe gegeben. Die Beiträge müßten sich unter meinem Namen finden lassen. „Hilfe zur Selbsthilfe“ sind oft lediglich Fahnenworte in der Entwicklungshilfe. Ob etwas Hilfe zur Selbsthilfe ist, entscheidet sich nicht dadurch, dass man behauptet, es sei so. Wenn Hilfe gut funktioniert, macht sie sich selbst überflüssig. Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein, aber für alle, die von den guten Taten leben, ist das keine uneingeschränkt gute Botschaft. „Das Eigeninteresse der Entwicklungshelfer steht diesem Ziel entgegen.Nur die Förderung von selbst initiierten Selbsthilfeprojekten spornt Eigeninitiativen an; sie gibt Hoffnung, bevormundet aber nicht. Ich habe beobachtet, dass durch übereifrige Hilfsmaßnahmen das Bewusstsein selbst Initiative und Verantwortung zu übernehmen, zerstört werden, weil zehntausende ausländische Helfer - die das Helfen zum Beruf gemacht haben - zu viel Verantwortung an sich ziehen. Verlassen sie ihren Einsatzort, bricht das „Projekt“ in sich zusammen. Entwicklungshelfer sind Fremde, ihre Werte sind nicht jene der Bevölkerung. Entwicklungshelfer wissen in der Regel viel zu wenig über die Sozialstrukturen, Kulturen, Normen, Traditionen und die Mentalität in ihren Einsatzgebieten. Afrikanische Verhältnisse werden nur zu oft an westlichen Vorstellungen eines modernen Staates gemessen; dabei werden die ganz anderen historischen und soziologischen Voraussetzungen in Afrika missachtet. Dort ist beispielsweise eine von traditioneller Verwurzelung und moderner Erziehung und Bildung geprägte Doppelmentalität gang und gäbe. Dieser Gegensatz wirkt sich stark auf die Umsetzung von Hilfsmassnahmen aus. Entwicklungs“hilfe“ exportiert westliche Vorstellungen von Armut, Reichtum und Konsum in traditionelle Gemeinschaften und hält arme Regionen in ungesunden Abhängigkeitsverhältnissen. Hilfe muss auch dort scheitern, wo es statt Staaten nur noch Regimes gibt. Regimes sind Clans, die alle staatliche Macht an sich gerissen haben und das Land sowie die Bevölkerung ausbeuten. In so einem Fall stellt das Land nur eine Ressource für lokale Eliten dar. Statt den Wohlstand für Alle zu mehren, fällt ein solches Land immer weiter zurück. Seine Eliten betreiben keinerlei positive Wirtschafts- und Sozialpolitik, sondern berauben das Land systematisch seiner Ressourcen. Volker Seitz, Botschafter a.D./Buchautor

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?