Frage von MNeubauer, 55

Sinnhaftigkeit einer (Polizei-)Vollzugsklausel für Polizeianwärter?

Hallo zusammen.

Ich beginne im September meine Ausbildung bei der Polizei NRW zum gehobenen Vollzugsdienst. Derzeit prüfe ich Angebote für eine Dienstunfähigkeitsversicherung. Mich interessiert nun, nochmal zum Verständnis, die Sinnhaftigkeit einer Vollzugsdienstklausel, da sie in meinem Fall zu einer massiven Kostensteigerung führt (brutto um 60-70% je nach Anbieter).

Echte Beamtenklausel im Angebebot: "Ist die versicherte Person Beamter im öffentlichen Dienst, so gilt sie als vollständig berufsunfähig, wenn sie – vor Erreichen der gesetzlich vorgesehenen Altersgrenze – aufgrund eines amtsärztlichen Zeugnisses wegen allgemeiner Dienstunfähigkeit entlassen bzw. in den Ruhestand versetzt wird."

Wenn ich als Anwärter bzw. Polizist auf Probe mir den Zeigefinger in einem Unfall absäge, werde ich entlassen und werde auch gar nicht erst zu einer Verwendung in den Innendienst oder ähnlichem gesteckt. Bedingung der Klausel erfüllt. Welchen Unterschied macht es also, wenn ich eine VOLLZUGSDIENSTKLAUSEL habe?

Vollzugsdienstklausel aus dem Angebot: "Bei Beamten des Vollzugsdienstes gilt die Entlassung bzw. Versetzung in den Ruhestand wegen Vollzugsdienstunfähigkeit (festgestellt aufgrund eines Gutachtens eines Amtsarztes oder eines beamteten Arztes) als vollständige Berufsunfähigkeit. Eine Leistung erfolgt für 72 Monate. Die Leistung wird weiterhin erbracht, wenn nach Ablauf dieser Frist Berufsunfähigkeit besteht."

Ich verstehe nicht, was sie mir mehr bringt. Wenn ich keine Vollzugsklausel abschließe, bin ich doch, sobald ich als Anwärter/auf Probe faktisch entlassen werde, nach der normalen Beamtenklausel rentenberechtigt. verwirrt

Kann mir jemand erklären, was hier Sache ist?

Antwort
von Apolon, 32

@MNeubauer,

eine Dienstunfähigkeitsabsicherung schließt man nicht nur für die Zeit der Ausbildung ab. Diese läuft sinnvollerweise bis zur Versetzung in den Ruhestand (bei Polizeibeamten bis zum 63. Lebensjahr) bei Verwaltungsbeamten bis zum 67. Lebensjahr).

Wir müssen mal die Unterschiede der einzelnen Stufen aufzeigen:

Als Beamter auf Widerruf, wirst du grundsätzlich bei DU aus dem Polizeidienst entlassen.

Als Beamter auf Probe, kommt es darauf an aus welchem Grund du DU wirst.  Wenn die Dienstunfähigkeit z.B. auf Grund eines Dienstunfalles passiert wirst du in den Ruhestand versetzt.  Wenn die DU durch einen Freizeitunfall passiert wirst du entlassen.

Lebenszeitbeamten werden immer in den Ruhestand versetzt.

Nun die Unterschiede zwischen der DU für Verwaltungsbeamte.  Hier gibt es nur eine Prüfung ob der VN als Verwaltungsbeamter seinen Job nicht mehr ausführen kann.  Würde dann bedeuten, wenn der Polizeibeamte  keine Waffe mehr führen kann und deshalb in den Ruhestand versetzt wird oder entlassen wird, erhält er keinen Cent aus der DU.

Wenn er eine Absicherung mit der Polizeiklausel abschließt, wird die DU-Rente z.B. bei der DBV bis zum 63. Lebensjahr gezahlt, wenn er in den Ruhestand versetzt wird.

Die DBV verzichtet außerdem noch auf die konkrete Verweisung.

Bedeutet, wenn der in den Ruhestand versetzte Polizeibeamte eine Nebentätigkeit beginnt und seine Versorgungsbezüge weiterhin bekommt, leistet die DBV auch die DU-Rente.

Einige anderen Versicherer bieten dies nicht an, und würden in diesem Fall die Leistung einstellen.

Die DBV versichert keinen Waffenträger ohne die Polizeiklausel, denn dies wäre ein Beratungsfehler und könnte eingeklagt werden.

Und dir selbst würde es auch nichts bringen, wenn du heute einen Vertrag als Verwaltungsbeamter abschließen würdest und du in 2 Monaten wegen einer Verletzung der Hand (tragen von Schusswaffe ist nicht mehr möglich) aus dem Polizeidienst entlassen wirst, denn wir wären auch dann leistungsfrei und müssten z.B. deine Umschulung in einen anderen Beruf nicht finanzieren.

Gruß N.U.

Kommentar von MNeubauer ,

Danke!

Das war genau die Ausführung, die ich zu finden erhofft habe.

Jetzt sehe ich ein wenig klarer und weiß eher, worauf ich zu achten habe beim Tarifvergleich!

Antwort
von basiswissen, 32

Frage:
offensichtlich versuchst du dich in die Materie selber einzuarbeiten. Wirst du nun POLIZEIBEAMTER oder Versicherungskaufmann?
Wenn Ersteres zutrifft dann solltest du dich mit deinen Fragen an einen fachkundigen Berater für Personenversicherungen wenden der sich im Bereich der Berufsunfähigkeit und Dienstunfähigkeit entsprechend auskennt.
Zwar können einige Kollegen hier deine Frage beantworten, nur würde das wahrscheinlich nicht wirklich weiterhelfen. Denn wir kennen weder dein Umfeld, noch deine Gegebenheiten, deine sozialen Voraussetzungen, wissen nicht was du wirklich für Rentenansprüche hast und noch vieles andere mehr. Ohne diese Kenntnis ist ein solcher Rat unter Umständen wirtschaftlich für dich fatal.

Aus diesem Grund möchte ich mich ausdrücklich, auch mit einer Erklärung, zurückhalten. Mir fehlt da einfach zu viel Input von dir.

Kommentar von MNeubauer ,

Danke für deine Antwort.

Ich versuche natürlich mich einzuarbeiten, da ich auf dem flachen Land wohne und ein unabhängiger Versicherungsfachmann faktisch für mich ohne mehrstündige Reise nicht zu erreichen ist.

Gerade darum wäre für mich eine grob e Auskunft sehr wichtig, und auf die Aussagen der Versicherungsagenten, die mir das Angebot unterbreitet haben, will ich mich aus offensichtlichen Gründen nicht verlassen.

Ist es wirklich so sinnlos, mir eine grobe Erklärung zu geben, ob eine Vollzugsunfähigkeitsklausel für einen Beamtenanwärter/auf Probe einen MEHRNUTZEN zum Beamen auf Lebenszeit hat?

Ich frage, weil:

Beamter auf Widerruf (Awärter) - > Irgendeine Beeinträchtigung --> Entlassung (Sinn Vollzugsklausel leuchtet nicht ein )

Beamter auf Probe (ersten drei Jahre nach Ausbildung) --> Eine Beeinträchtigung außerhalb der Diensttätigkeit (Unfall im Urlaub etwa) --> Entlassung ohne Ruhegehalt (Sinn Vollzugsklausel leuchtet nicht ein).

Beamter auf Lebenszeit (nach 6 Jahren) --> Irgendeine! Beeinträchtigung --> Ruhegehalt oder Andersgearterte Verwendung, etwa Innendienst (Sinnhaftigkeit einer Vollzugsklausel leuchtet ein).

Kommentar von basiswissen ,

Wenn Du beansichtigst die Vollzugsklausel später einzuschliessen wird das entweder nicht oder nur mit deutlichen, wirtschaftlichen Nachteilen möglich sein. Du wirst älter, das Risiko für den Versicherer wird größer, ggf. ist ne Erkrankung hinzugekommen.... Viele Gründe sprechen für Abschluss ab Beginn.

Und wenn Du so weit draussen lebst, dann geh ins Internet. Es gibt Spezialisten die auch Online beraten, da braucht es nur n PC und Telefon.
Also: Tante Google hilft.

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