Frage von Optinihilist, 55

Sinn einer Gesellschaft (Unternehmensgrüdnung)?

Nehmen wir mal an ich will Software verkaufen. Nun habe ich die Möglichkeit, beispielsweise Apps über den Apple oder Google Play Store zu verkaufen, die Steuern werden jeweils vom Betrag abgezogen, ich erhalte den Rest und alles ist geregelt.

Wo ist nun der Sinn einer Unternehmensgründung bzw die Vorteile einer UG, GbR oder GmbH, abgesehen davon, dass ich dann Personen legal beschäftigen darf?

Auch verstehe ich das Konzept des "Risikos" nicht bei beispielsweise einem Softwareunternehmen. Da es keine Produktionskosten gibt, gehe ich kein Risiko ein, ins Minus zu kommen. Muss ich etwa jeder Jahr einen bestimmtes Einkommen haben um als Unternehmen existieren zu dürfen? 0.o

Was bietet mir nun eine Gesellschaft? Was ist das Konzept dahinter? Wie kann ich das mit der "Haftungsbeschränkung" sowie der Antastbarkeit des Privatvermögens bei einer GbR verstehen?

Antwort
von konstanze85, 25

Das mit der software kannst du natürlich auch als einzelunternehmer machen, aber bei regressansprüchen oder anderem, was dich ins minus bringt, haftest du mit deinem gesamten vermögen.

Bei einer gmbh, die ja keine personengesellschaft ist sondern eine kapitalgesellschaft, brauchst du startkapital, soweit ich weiß 25.000 euro, aber dann trittst du als juristische person auf, die im falle eines konkurses nur mit firmenkapital haftbar gemacht werden kann. Dein privatvermögen bleibt unangetastet.

Das ist nur ein unterschied von vielen.

Antwort
von Almalexian, 33

Bei einer in der Haftung beschränkten Kapitalgesellschaft wie der GmbH oder der UG hat man, wie der Name bei ersterer schon sagt, eine geringere Haftung für eingesetzes Kapital. Je nach genauer Form der Kapitalgesellschaft ist die Haftung für Verbindlichkeiten zwischen 1 und 50.000€ beschränkt. Bei weitergehenden Forderungen im Zuge einer Insolvenz können diese nicht etwa vom Privatvermögen der Gesellschafter eingetrieben werden.

Der Sinn einer GbR ist ein rechtlicher: Bei jedwedem Zweck zu dem sich Personen zusammenschließen handeln sie zunächst als GbR. Für diese gibt es dann auch ohne festgesetzten Gesellschaftsvertrag bestimmte Regeln. Diese ergeben sich grundsätzlich aus dem BGB, mittlerweile wurden aber viele Regelungen die für eine OHG gelten auch für die GbR übernommen, daher ist auch das HGB wichtig.

Eine OHG wiederum ist mindestens notwendig um mit anderen Personen ein Handelsgewerbe zu betreiben. Eine Kommanditgesellschaft ist eine modifizierte OHG bei der die Kommanditisten in eine beschränkte Haftungssituation fallen, sofern sie die der KG schuldende Pflichteinlage geleistet haben. Hier sind, anders als bei der OHG wo dies alle Gesellschafter betrifft, nur die Komplementäre unbeschränkt haftend. Die Kommanditisten haften nur mit ihrer Einlage.


Kommentar von Optinihilist ,

Vielen Dank für die umfangreiche Beschreibung!

Kommentar von konstanze85 ,

Wenn ich noch etwas ergänzen darf, so  können die kommanditisten, soweit ich mich erinnere sogar noch bis zu 5 jahre nach ihrem ausstieg aus der kg für entstandene schulden in höhe ihrer getätigten einlage haftbar gemacht werden.

Und bei der ohg sind -glaube ich- alle gesellschafter gleichermaßen berechtigt für das unternehmen entscheidungen zu treffen, zumindest nach außen..

Hoffe, es stimmt so, erinnere mich nur noch dunkel an meine ausbildung:)

Kommentar von Almalexian ,

Richtig. Die 5-Jahres-Regel für Geschäfte die vor Verlassen der Gesellschaft gemacht wurden gilt allerdings für alle Gesellschafter von OHG und KG.

Kommentar von konstanze85 ,

Na war ja fast richtig. Gott bin ich ein streberli;) 

Antwort
von wfwbinder, 10

Eine GbR (Personengesellschaft) gründest Du nur, wenn Du ein, oder mehrere Personen in Dein Unternehmen einbeziehen möchtest.

Eine UG/GmbH ist eine Kapitalgesellschaft, die Du auch als Einpersonengesellschaft haben kannst, hier geht es meist um Haftungsbegrenzung, oder steuerliche Punkte.

Wenn Du so sagst: "ich verkaufe meine Apps über iTunes, die führen die Steuer ab, alles erledigt," verkürzt Du etwas.

1. Woher kommen die Apps, die Du verkaufst?

2. Nur die Umsatzsteuer ist "erledigt."

3. Hast Du schon mal was von Produkthaftung gehört?

Alles Punkte, die bei der Frage der Rechtsform wichtig sein können.

Antwort
von takeshikuamori, 10

Wenn ich mich nicht täusche ist der sinn ein steuerlicher: Als Unternehmer bezahlst du in Ö 20% Umsatzsteuer (in Deutschland glaub ich nur 19) wenn du die app aber als Privatperson und nicht als unternehmer verkaufst wird der Gewinn einfach auf dein normales Einkommen draufgeschlagen und beim Steuerausgleich zu arbeitnehmersteuersätzen versteuert (also je nach steuerklasse ca 30-50%) das macht einen enormen Unterschied und außerdem kannst du als Unternehmer alle möglichen konsumierten sachen von den Steuern abschreiben dh du zahlst nicht mal die 20 %(ode 19)

Antwort
von Latexdoctor, 30

Die GbR haftet mit dem gesamten (auch Privatem) vermögen

Die GmbH/AG haftet mit den ->Einlagen

http://www.unternehmensformen-deutschland.de/

Du kannst auch Unternehmer sein mit einem Einkommen von 200€ jährlich

Bis zu einem gewissen Betrag gilt man als klein(st)unternehmer u.s.w.

Das ist ein sehr umfangreiches Thema, das man hier nur schlecht behandeln kann

Das beste ist du liest viel Im Internet nach, befragst Bekannte, Verwandte, Händler...

Allein die Infos aus dem obigen link sind schon sehr umfangreich ^^

Expertenantwort
von Dirk-D. Hansmann, Unternehmensberater, 5

Wer führt für Dich Steuern ab? Das passiert wenn überhaupt nur dann, wenn man dort Geschäfte tätigt, wo man Steuer-Ausländer ist.

Wenn Du gestern gesagt hast: Ich werde jetzt eine App schreiben und die stelle ich in die genannten Shops ein, dann bist Du bereits Unternehmer.

Eine GbR ist ebenso einfach gegründet. Sagt Dein Kumpel, los, die App machen wir zusammen. Ihr setzt Euch hin und schreibt den Code. Dann habt Ihr eine GbR gegründet.

Andere Rechtsformen sind etwas Komplexer in der Gründung. Das führt zu weit.

Ob zu zweit oder allein gegründet ist egal. Wenn Du keine Gewerbeanmeldung abgibst und das Gewerbeamt schickt Dir einen Busgeldbescheid, dann haftest Du.

Schleust jemand in Deinen Code etwas ein, dann kann auch Haftung bei Dir landen.

Du machst die GbR und Dein Kumpel kauft ein dickes Auto - Du musst bezahlen.

Ein Store ändert die Geschäftsbedingungen, monatliche Miete wird fällig. Du musst bezahlen. Auf einer Seite kann man Werbung machen. Private Anzeigen kosten nichts. Gewerbliche schon....

Alles ganz plakative Beispiele, aber Deine Grundlage sollte sich jetzt verbessert haben.

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