► tommmi ◄ am 12.07.2007 um 18:34 Uhr
Vor einigen Tagen war ich Zuhörer einer Unterhaltung zweier Verkäuferinnen in einem Möbelgeschäft. Es ging darum, dass die Menschen nur noch unzufrieden sind und ständig über alles jammern. Welche Erfahrung habt ihr gemacht?

Ich glaube, dass die Unzufriedenheit in unserer (westlichen) Gesellschaft zugenommen hat. Aber zu Unrecht! Schließlich haben wir von allen Menschen am wenigsten Grund unzufrieden zu sein! Ich hör heutzutage Leute jammern, weil sie ne Prüfung nicht geschafft haben, weil mal wieder was zu teuer war, weil die Politiker sie mal wieder aufregen, weil ihre Daten ja ach so unsicher sind undsoweiter. Mal ehrlich - das sind doch alles keine echten Probleme. Ein Problem ist, wenn man im Krankenhaus liegt und keine Beine mehr hat. Oder wenn man nichts zu essen hat, weil es nichts zu essen gibt. Oder wenn man seine Familie verloren hat. Oder wenn man von den Drogen nicht runterkommt. Alles andere sind doch Lappalien, bei denen das Leben weitergeht - kein Grund rumzuheulen. Die Leute sollten sich mal wieder eine positivere Grundeinstellung zulegen :-)

Vielen Menschen ist überhaupt nicht mehr bewußt, WIE gut uns das doch eigentlich geht. Alles Gute wird als Selbstverständlichkeit hingenommen, und trotzdem ist man fast nie zufrieden. Es macht sich heute doch niemand mehr Gedanken darüber, wie es sein würde, wenn es uns viel schlechter ginge. Wohlgemerkt, ich meine jetzt die Mehrzahl der Menschen, denen es wirklich gut geht, und nicht die Menschen, die wirklich ganz arm dran sind und nicht wissen, ob sie leben oder sterben sollen.
Ich wünsche es Niemandem von uns, aber manchmal denke ich, es müßte mal ein ganz großer Paukenschlag erfolgen, damit den Menschen wieder bewußt wird, wie die andere Seite aussieht. Damit man nicht mehr Alles als Selbstverständlichkeit ansieht, damit man wieder für Kleinigkeiten empfänglich und dankbar ist, damit man erkennt, wie gut es uns doch eigentlich mal gegangen ist. Dann ignoriert man auch die Menschen, denen es heute nicht gut geht, nicht mehr so, man geht mehr aufeinander zu.
Manchmal hat man das Gefühl, dass es den "Jammerern" nur gut geht, wenn es ihnen angeblich schlecht geht. Die Leute, die wirklich Probleme haben, jammern oft genug gar nicht.

Es gibt Menschen, die sind nur noch unzufrieden, sind das die Verlierer?
Es gibt Menschen, die sind manchmal unzufreiden, ist das normal?
Es gibt Menschen, die sind nie unzufrieden, sind das die Gewinner?

Manchmal habe ich auch den Eindruck, dass viele unzufriedener geworden sind. Ich habe mich auch schon gefragt, woran das liegt. Ich glaube, vieles, was wir haben, wissen wir gar nicht mehr zu schätzen. Wir sehen immer das, was wir nicht haben. Wenn ich dann aber wieder mal eine Reportage gesehen habe, z. B. über Russland oder Afrika, dann denke ich, dass wir doch mit unserem Leben sehr zufrieden sein können. Die meisten haben das, was man braucht: Essen, Kleidung und ein Dach über dem Kopf. Ich bin auch zufrieden, wenn ich nach Hause komme, meine Liebsten sehe oder gute Freunde um mich habe.

Die zunehmende Unzufriedenheit entsteht vielleicht auch durch Angst. Soziale Angst, Terror, Job's usw. Mir wird da auch ganz anders. Vor allem, wenn man das Gefühl hat, dass ein Großteil der Bevölkerung zu “verdummen” scheint und sich für Politik nicht mehr sonderlich interessiert.

M.E. nimmt die Unzufriedenheit in einem unmässigen Ausmass zu ohne begründet zu sein - ausser in Ängsten, dass es einem 'noch schlechter' gehen könnte: Warum? Gehe ich in die Stadt laufen alle vollbepackt mit gekauften Waren durch die Gegend, am Flughafen stehen die Leute in ellenlangen Schlangen vor den Abfertigungsschaltern, in der Strassenbahn höre ich andauern von Zweit- und Dritturlaub, neuen Fernsehern die gekauft werden, jeder Jugendliche hat ein Handy.... ja sagt einmal, geht es uns nicht fast schon zu gut?
So viele reden von Ihrer Angst, der gläserne Bürger zu sein und von der Angst, seine Daten missbraucht zu sehen - aber von so vielen Menschen, die ich kenne (und die klagen) ist noch nie jemandem etwas passiert...
Seit dem Euro ist alles viel teurer - wäre es bei Beibehaltung der DM nicht etwa genauso? Es gibt günstige Lebensmittel - aber die sollen angeblich nicht 'so gut' sein. Man kann viel Geld mit billigen Waren sparen - aber darf ich das überhaupt? Die sind doch nicht gut/gesund/stammen von Menschen, die ausgebeutet werden - die darf ich doch nicht kaufen.... Aber ich werde auch ausgebeutet, oder?
Es wird so vieles als Selbstverständlichkeit angesehen: Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, 13. Monatsgehalt, Nacht und Sonntagszuschläge - es gibt so viele Berufe, die soetwas gar nicht kennen(Gastronomie, Künstler, Krankenpfleger, Hausfrau, Selbstaändige aller Art) - fällt das einmal weg, ist es eine Ungerechtigkeit?
Bei allem, was der Mensch tut wird hinterfragt: Ist das gesund? Ist das gut für die Umwelt? Mache ich was falsch? Was denken die anderen, wenn ich das tue? Ist das 'political correct'? Nutze ich irgendjemanden (vielleicht sogar in der 3. Welt) mit meiner Handlung aus? Das spontane Bauchgefühl wird ignoriert, aus Angst, Fehler zu begehen...
Ist das dann ein Wunder, dass ein Grossteil der Menschen unzufrieden ist?
schurke am 12. Juli 2007 21:06 Super Antwort Rolf, Danke
Kabark am 13. Juli 2007 07:29 Sehr schön, Rolf.
Hugo Geier am 23. Dezember 2007 19:38 DH - sehr gut...

Leider ja!

Das merke ich fast täglich bei meinen Kundengesprächen.

Gibt ja auch immer mehr, über das man unzufrieden sein kann.
schurke am 12. Juli 2007 18:38 zum Beispiel?
firestorm1105 am 12. Juli 2007 18:43 Schon allein die Arbeitslosigkeit und die miserablen Zukunftsaussichten für Jugendliche. Dann noch die ständigen Erhöhungen der Spritpreise...
schurke am 12. Juli 2007 21:02 Auweia, die Spritpreise, also kannst du Dir ein Auto leisten --- dann geht es Dir gut.
Die miserabelen Zukunftsaussichten unserer Jugend sind Hausgemacht. Wer nicht fragt, bleibt Dumm, habe ich mal gelernt. Frage mal unsere Jugend, welche Fragen sie haben (nicht alle aber leider viele) und dann schau in die Elternhäuse--hausgemacht.
Die Sieftochter meiner Schwester (ihre Mutter weiß nicht wie Arbeit geschrieben wird) wurde gfragt, was sie macht, wenn es jetzt nicht klappt, mit einer Ausbildung: "Och, nicht so schlimm, dann werde ich entweder schwanger oder Hartz 4 Empfänger"--hausgemacht. Aber ihr wird es gut gehen, sie wird keinen Grund zum meckern haben, es wird für sie gesorgt.
Tut mir leid, ich könnte auf den Tisch _kotzen.
firestorm1105 am 12. Juli 2007 21:15 Es gibt immer solche, die einfach keinen Bock haben zu arbeiten.
Aber es gibt einfach auch so viele, die gerne arbeiten würden und trotzdem nicht die Möglichkeit erhalten. War selber 2 Jahre durchweg arbeitslos, habe 254 Bewerbungen geschrieben und habe, wenn ich überhaupt eine Antwort bekommen habe, nur Absagen gekriegt.
Hatte dann eine neue Ausbildung begonnen, weil ich mir dadurch eine neue Chance versprach. Und was ist jetzt? Erneut über 40 Bewerbungen schon wieder draußen , bereits 17 Absagen zurückbekommen. Zu DDR-Zeiten gab's das nicht. Da hatte man Arbeit, wenn man arbeiten wollte.
Zu dem Auto: BJ 1995, Gemeinschaftsauto von meinem Mann und mir, für ihn zeitweilig jobmäßig zwingend notwendig
schurke am 12. Juli 2007 22:00 Auf dem ganz platten Land ist es sicher schwer, das gebe ich zu. Aber ich kenne eine ganze Menge Menschen, auch ältere, die es gepackt haben, die nicht resigniert haben und nicht der DDR hinterher weinen.
Da kann ich dir nur zustimmen, du sprichst mir aus der Seele. Im Geschäft meiner Freundin z.B. arbeiten viele Schüler (ab 16 J.),haarsträubend was sie da manchmal erzählt, wie verwöhnt die Kids sind.Alles muß man ihnen 100 mal sagen, von alleine kommen die garnicht auf den Trichter einen Finger krumm zu machen. Da sind sogar Kandidaten bei, die schaffen es tatsächlich sich zum Arbeitsbeginn mittags um 3 zu verschlafen.Erzählen sogar, sie hätten es eigentlich garnicht nötig, arbeiten zu gehen, da sie ein großzügiges Taschengeld bekommen. Manche werden von den Eltern mit dem Auto hingebracht u.auch wieder abgeholt, obwohl sie nur 5 Min. mit dem Fahrrad fahren müssten. Es ist unfassbar! Ich kann gerade kleinere Betriebe verstehen, dass sie nicht mehr ausbilden möchten, bei dieser Einstellung. Ich hab mal nachgezählt:bei uns im Ort gibt es 18 Friseure!, davon bilden gerade mal 2 aus. Aber bei unserer verwöhnten Jugend kann ich das sehr gut verstehen.Und schaut man sich mal mit Verstand um, fällt auch mir in den vergangenen Jahren immer öfter auf, wie viele blutjunge Mädchen schwanger sind bzw. schon ein, manche sogar schon 2 Kinder haben. Einfach schlimm! Mir macht das richtig Angst.

Einzelne Beobachtungen können nicht einfach zu einem durchgängigen Verhalten verallgemeinert werden. Die Frage ist, wer worüber unzufrieden ist und jammert. Dieses Verhalten kann sowohl auf übertrieben hochgesteckten Erwartungen als auch auf schlechten Lebensbedingungen beruhen. Eine oft eher verschwommene Unzufriedenheit aufgrund ungünstiger gesellschaftlicher Verhältnisse nimmt wohl ingesamt eher zu, aber ist zur Zeit nicht deutlich stärker als vor 2 Jahren.

ja, schon...ich merke das auch an mir selbst... und manchmal ist es bloß, damit man überhaupt etwas zu meckern ahben kann...zum Beispiel sage ich, wenn ich wieder mal von meiner Freundin nasche: hm, das schmeckt irgendwie komisch...und frage sie danach, ob ich nochmal was haben kann! Ich glaube, keiner will zugeben, dass es ihm gut geht, denn dann wird man nicht so sehr beachtet (klar, wer sehr reich ist, kann schon protzen)...die "ärmeren" (in welcher Hinsicht auch immer: Probleme in der Familie, Arbeit, Krankheit...etc) genießen eben oft- fast immer- Pivilegien...
Wieselchen am 13. Juli 2007 12:40 vielleicht ist das ja auch ein alter Aberglaube - wenn man schon so viel Ärger hat, wie man herausposaunt, kommt nicht noch mehr hinzu? ;-)
Um mich herum höre ich auch ähnliches: Teuro, Benzinpreise, überall sonst werden auch eher Preise erhöht (Nachbarn erzählten gerade von einer Erhöhung der Kosten beim Jugendamt für Kindergärten). Dagegen höre ich halt wenig von Gehaltserhöhung oder daß etwas günstiger wird. Ist also kein Wunder.

Je besser es uns geht, desto unzufriedener werden wir. Das ist wie ein Naturgesetz.
Aber zur Zeit geht's uns ja nicht so gut, daß wir es nicht mehr aushalten könnten, - also:
Ich denke ja, man hört es täglich!



Die Unzufriedenheit hat nicht mehr zugenommen. Es wird nur 'dank' der Medien mehr darüber berichtet. Vor 30, 40 Jahren wurde genauso gemeckert, über die Preise, die Jugend, die Familie, die Politik.......vor 100 Jahren wars bestimmt genauso, und vor 200 und vor 1000.....
Nur ist die Menschheit durch Medien und mehr Freiheit in der Meinungsäußerung nun in der Lage, ihre Unzufriedenheit auch auszudrücken.

So wie wir von unserer Regierung verarscht werden...


Und zwar auf sehr hohem Niveau!
...muss es ja sein !
Wir leben heute in der Weichenstellung von vor ca. 15 bis 25 Jahren.
"Heute" ist mehr am bewussten, abgleitenden Hinken ohne Aussicht auf gewollte Besserung !
Was viele nicht wahr haben wollen. Aber ohne Willen für positive Veränderung doch dies so noch mitmachen !
"Noch" - bis in Ex-DDR Zustände ????
Wer sich auf die Politik und die Administration verlässt - der ist verlassen !
Denn,...
Wo Kreativität verdrängt wird - dort ist der Abstieg programmiert !
Wie kann unsere angeblich intelligente Führung, per Gesetz eine regional lauwarmen Regen bringende und global einzigartige vorteilhafte Technologie-Innovation verbieten ???
Etwa im turnover p.Y. wie Microsoft, Daimler und Deutsche Bank zusammen genommen ???
Von überblähter, sich selbst blockierender Betriebswirtschaft mit dauerhaft volkswirtschaftlich krank machender Gewinn-Maximierung ohne neuer Wertschöpfung kann keine Gesellschaft auf Dauer leben.
Auslutschen geht ohne Nachschub immer nur bis nichts mehr da ist ! Siehe: DDR ???
Erinnere... an die Worte von Alt-Bundespräsident Roman Herzog im Berliner Adlon Hotel von vor ein paar Jahren.
Was hat`s gebracht ? Am nächsten Tag war es unter dem gewölbten Teppich. Heute stolpern wir über den Teppich, bald kann man nicht mehr darüber schauen ???
Guten Rutsch !


also mir geth das rümgenörgel der leute auf die nerven, die immer jammern: uns geht es ja so schlecht, früher... bla bla... haben diese leute ein dach über dem kopf? geld für lebensmittel? kleidung? evtl eine arbeit? eine krankenversicherung? sauberes wasser. familie, freunde.... dann haben sie mehr als die meinsten auf dieser welt. ich rede hier von ottonormalverbrauchern, die einmal im jahr in den urlaub fahren und sich beschweren, dass es im urlaub zb kein deutsches essen gibt, nee, dieses gejammer finde ich ätzend.
Super-Antwort.!
Finde ich auch.