Frage von Solnnis, 56

Sind ursprüngliche Jäger und Sammler Gesellschaften auch so auf Konkurrenz ausgerichtet wie unsere Gesellschaft?

Antwort
von Machtnix53, 18

Wenn sie so auf Konkurrenz ausgerichtet wären wie unsere Gesellschaft, hätten sie kaum überlebt. Sie sind in kleinen Gruppen herumgestreift, deren Größe vom Nahrungsangebot bestimmt wurde. Um zu überleben brauchten sie Mitgefühl und absolutes Vertrauen untereinander.

Jeder Ansatz von feindseligen Gefühlen zwischen zwei Gruppenmitgliedern hätte die gesamte Gruppe gefährdet. Deshalb wurde alles getan, um keinen Neid oder ähnliche Gefühle entstehen zulassen. Jagdbeute und Sammelgut wurden geteilt, Besitz gab es eh nur, was man dringend brauchte und ohne große Mühen mit sich führen konnte.

Entscheidungen wurden gemeinsam getroffen, wenn jemand mehr Einfluss als andere hatte, dann lag das an besonderen Fähigkeiten und Erfahrungen, nicht an Macht oder Stärke.

Den Luxus von Konkurrenz und Machtsystemen konnten sich erst reichere sesshafte Gesellschaften leisten.

Antwort
von Ansegisel, 29

Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten, da man natürlich keine Überlieferungen hat, welche sozialen Ordnungen in der Steinzeit herrschten.

Generell ist aber nicht davon auszugehen, dass die Menschen damals komplett andere Strukturen hatten. Es gabwahrscheinlich immer eine gewisse Form der Hierarchie und wo Hierarchien sind, sind natürlich auch Bestrebungen, innerhalb dieser aufzusteigen.

Man kann vielleicht davon ausgehen, dass innerhalb einer Gruppe oder Sippe der Zusammenhalt sehr ausgeprägt war, weil man zusammenhalten musste, um das Überleben der Gruppe und damit das eigene zu sichern.

Wenn verschiedene Gruppen aufeinanderstießen, dann muss aber ebenso davon ausgehen, dass es wenig friedlich zuging. Der Neandertaler ist z.B. wahrscheinlich nicht einfach so ausgestorben, sondern wurde vom Homo sapiens sapiens verdrängt.

Antwort
von StevenArmstrong, 20

Hallo,

die heutigen Jäger- Sammler Gesellschaften, z.B. der Stamm der Yanomami im brasilianischen Regenwald, sind, aus "westlicher" Sicht, wie in der Steinzeit.

Zur weitläufigen Meinung, in der Steinzeit hätte alles nur auf Konkurrenz beruht, und die nur die Männer hätten das Sagen gehabt, gab es eine Studie, von der ich in "GEO" gelesen habe:

In der Steinzeit war die menschliche Gesellschaft "kommunistisch". Alle haben die ihnen aufgetragenen Aufgaben erfüllt und sich um die jungen, alten, kranken gekümmert.

Frauen und Männer waren gleichberechtigt, Frauen durften auf die Jagd gehen, Männer konnten auch in der höhle bleiben, um den Nachwuchs zu versorge.

Um auf deine Frage zurück zu kommen: Die heute noch lebenden Jäger und Sammler Gesellschaften sind kommunistsich organisiert, wie es einst die gesamte menschliche Gesellschaft war.

MfG

Steven Armstrong

Antwort
von sarahj, 34

Ich vermute eher weniger.

Es gab ja nicht viel Besitz (was sie tragen konnten), und in der Gruppe waren sie stärker, konnten also besser und größere Tiere jagen. Was eigentlich eher für Kooperation spricht, denn für Konkurrenz.

Viele Naturvölker waren auch (bevor sie mit der "zivilisierten Welt" in Berührung kamen) friedfertiger  - zumindest untereinander, innerhalb der Gruppe/Sippe.

Andererseits: wenn man Gruppen von Primaten oder auch Wolfsrudel anschaut, gibt es da schon auch Konkurrenz - vornehmlich um Nahrung und Weibchen...

Und ich bin mir nicht sicher, ob die "gefühlte Konkurrenz" in unserer heutigen Gesellschaft nicht doch weit humaner und letztendlich lebenswerter ist, als der nackte Überlebenskampf früher.

Ohne Gewähr: bin kein Fachmann.

Kommentar von Ottavio ,

Ich gebe Dir Recht, möchte aber an die Primaten noch etwas anknüpfen. Bei den Wölfen sieht es ja ganz anders aus, weil es da die Wölfinnen sind, die untereinander konkurrieren, welche sich fortpflanzen darf.

Es gibt bei den Primaten ja ganz unterschiedliche Herdenmodelle, selbst bei unseren beiden nächsten Verwandten, den Bonobos und den Schimpansen. Während die ersteren den Sex als soziales Bindemittel einsetzen, gibt es bei letzteren durchaus Konkurrenz, denn es gibt Rangfolgen bei beiden Geschlechtern. Dann und soweit diese feststehen, braucht nicht mehr konkurriert zu werden, auch nicht immer um die Frauen, denn es gibt in der Horde ja viel mehr Frauen als Männer und wenig feste Paarbindung; spätestens nach dem zweiten Kind wechseln die Frauen den Partner. Das Problem ist die Konkurrenz zwischen den Generationen der Männer. In der Natur werden die Jungmänner von den älteren aus der Horde vertrieben und bilden eigene Jungmännerhorden, die dann irgendwann zurückkommen (wohl eher nicht in die Horde, aus der sie stammen) und die Alten aus der Horde vertreiben und die Weeiberhorde "übernehmen".

Das ist dann nicht nur Konkurrenz, das ist Krieg. Ich behaupte nicht, dass es bei Menschen jemals genau so war, sed aliquid semper häret.

Expertenantwort
von Agronom, Community-Experte für Biologie, 30

Was meinst du mit Konkurrenz genau?

Das Konkurrieren einzelner Individuen innerhalb einer Gesellschaft oder die Kunkurrenz zwischen verschiedenen Gesellschaften.

Auch in diesen Gesellschaften wird es eine Hierarchie gegeben haben, sodass einzelne Individuen Vorteile gegenüber adneren hatten, das führt sicher auch zu Kunkurrenzverhalten untereinandern.

Ebenso wird es zu Konflikten gekommen sein, wenn bei solche Gesellschaften Überlappungen in ihren Territorien vorkamen.

Konkurrenzverhalten ist ja schon rein biologisch von Nutzen, wenn es um begrenzte Ressourcenverfügbarkeit geht.



Antwort
von voayager, 13

Als noch genug Nahrung für alle bestand als auch besteht, erübrigt sich eine Konkurrenz.

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