Frage von bachforelle49, 132

Sind unsere Schüler klüger als frühere Abiturschuljahrgänge?

Die meisten Schüler machen Abitur, die Durchfallquote sinkt im Verhältnis zu früher, was zur Folge hat, dass wir immer mehr Studienanwärter haben. Ist nun das Abitur leichter geworden, die Anforderungen und Hemmschwellen niedriger oder sind die Schüler einfach schlauer geworden und früher reif als in früheren Zeiten?

Expertenantwort
von rotesand, Community-Experte für Kleidung, Auto, Mode, Schule, 58

Hallo!

Klüger sind die Schüler nicht ---------> ich würde eher sagen, dass das Niveau an Schulen sank bzw. verlagert wurden. Das beginnt ja schon damit, dass das Schüler-Lehrer-Verhältnis früher oft sehr hierarchisch & manchmal beinahe militärisch ausfiel während es heute meistens eher locker & beinahe "partnerschaftlich" ist..! Auch sind die Lehrmittel heute oft "zielorientierter" & persönlicher, die Mädchen & Jungen werden ihrem Potenzial entsprechend mehr gefördert als noch zu meiner Zeit (RS-Abschluss 2007).

Das Wegfallen einer fixen, nur mit Prüfungen auszuhebelnden "Grundschulempfehlung" bringt viele Eltern auch dazu, ihre Kiddies auf Teufel komm' raus halt aufs Gymnasium zu shcicken.. dass mehr junge Leute Abi machen bzw. es mehr Leute bestehen als vor 20-30 Jahren bedeutet mMn ja nicht, dass der Schnitt auch automatisch besser ausfällt als damals^^

Mich verblüfft, dass viele Jugendliche "von heute" ohne die Technik quasi aufgeschmissen sind.. ich will nicht sagen dass "wir" (bin geb. 1990) "besser" waren oder so.. aber wir haben eher improvisieren können & waren noch etwas selbstständiger, uns wurde zuhause auch noch nicht so viel abgenommen. Im Haushalt zu helfen usw. war bei uns in der Klasse eig. Standart. 

Antwort
von feirefiz, 46

Das Wissen hat sich verändert. Während bei den Jahrgängen um 1950 noch ein breiter Konsens herrschte, was Bildung ist und auch Hauptschulabgänger ein solides Grundwissen mitbringen mussten (meine Mutter kann heute noch aus dem Faust zitieren), ist das Weltwissen der letzten Jahrzehnte so angewachsen, dass der Konsens zerbrach - es gibt so viele Gebiete, auf denen man gut sein sollte, eben auch ganz neue wie IT oder ähnliche.

Eigentlich ist das Abi dafür da, dass es die Abgänger übergangslos zum Studium befähigt. Darum werden hier auch viele Dinge behandelt, die nicht zwingend alltagstauglich sind. Ursprünglich sollte der Abiturient eben fähig sein, sich differenziert mit theoretischen Problemen auseinanderzusetzen, das Ziel war da selten die Lehre z.B. als Industriekaufmann - da hat schon immer ein solider Realschulabschluss gereicht.

Heute wünschen sich die Eltern für ihre Kinder ein Abitur und viele Schüler trauen sich nach der 9. oder 10. Klasse nicht an die Arbeitswelt ran. Es ist auch viel aufwändiger, sich zu überlegen, was man machen will und dann Bewerbungen zu schreiben, Gespräche zu führen und den ganzen Tag arbeiten zu gehen. Es gibt auch eine Menge Leute, die noch ganz ziellos nach dem HS oder Reaabschluss sind. Und es gibt die, die wirklich das Abi machen wollen.

Alle landen in einer Klasse. Und dann fangen die Probleme an - wo kommt die Motivation her, sich mit dem steigenden Niveau auseinanderzusetzen? Oder reichen die kognitiven Fähigkeiten einfach nicht aus? Oder jemand entdeckt, dass er bisher unterfordert war und nun beginnt, zu schwimmen wie ein Fisch. Es gibt diese Varianten und noch viele mehr.

Viele dieser Schüler erreichen das Abi - aber nicht alle. Manche entdecken zu spät, dass das Abi eben nicht diese Prüfung am Ende ist, sondern zwei Jahre Kursstufe. So bleiben einige auf der Strecke, manche bekommen Lust auf etwas Richtiges und beginnen eine Ausbildung und viele kommen mit dem Abitur da raus.

Und dann kommt es darauf an, wie - ein Abi von 3,8 ist nichts, worauf man stolz sein kann und wird die Chancen auf dem Arbeitsmarkt eher einschränken. Und wenn diese Leute dann aus mangelnder Perspektivlosigkeit heraus ein Studium beginnen ---

Selbst das kann noch klappen, wenn es sich um eine einseitig begabte Person handelt, z.B. Sprachen Top, der Rest flop.

Wenn aber die Grundfähigkeiten in Mathe und Deutsch fehlen, wird es verdammt eng und so schmeißen fast 30% das Studium. Es gibt für den Abbruch natürlich noch mehr Gründe - das falsche Fach, finanzielle Probleme usw.

Fakt ist aber, dass nur ein Teil der heutigen Abiturienten studienfähig ist oder sein will - oft genug hört man von Schülern "das brauche ich nicht, ich mach eh ne Lehre" - äh ja. Und was machst du dann hier?

Kommentar von feirefiz ,

Habe noch was vergessen - den einfachen Beruf gibt es heute nicht mehr. Mir fällt kein beruf ein, in dem man keine Fachkenntnisse haben muss, Verantwortung tragen können muss oder ohne Problemlösekompetenz auskommt.

Selbst als Fabrikarbeiter braucht man heute IT-Kenntnisse und übernimmt die Verantwortung für die Montage im eigenen Bereich - wir haben nur noch so knappes Personal, dass es eben oft keine Aufsicht mehr gibt. Das fordert jeden Mitarbeiter.

Insofern mache ich mir Gedanken darüber, ob der Realschulabschluss allein noch ausreicht - reife- und altersmäßig.

Um das Abitur wieder zum Studienzugangskriterium zu machen, bräuchten wir eine Schule, die die jungen Leute, die noch keine Ausbildung haben aber auch nicht studieren wollen weiterbringt. Bisher wird die Lücke von den beruflichen Schulen gefüllt, oft ist hier aber schon eine Festlegung auf gewerblich oder kaufmännisch nötig.

Aber würde so eine Schule angenommen werden? Überall heisst es ja, das Abi würde jeder Depp schaffen...

Antwort
von DODOsBACK, 38

Man kann die verschiedenen Jahrgänge nicht miteinander vergleichen.

Deutschland versucht, sich internationalen Trends anzupassen, nach denen immer mehr Menschen studieren. Dabei wurde nur vergessen, dass die klassische Berufsausbildung in Deutschland mit 3 weiteren Schuljahren verbunden ist und "Ausgelernte" dadurch deutlich mehr als den ursprünglichen Schulabschluss in der Tasche haben.

Es wäre also sehr viel sinnvoller gewesen, diesen Bildungsweg stärker anzuerkennen und den Zugang zur Uni/ FH auch über diesen Weg zu ermöglichen, als möglichst viele Schüler durchs Abitur zu bringen.

Ursprünglich war das Abitur als theorielastiger Abschluss v.a. für Wissenschaftler, Anwälte, Ärzte usw. gedacht - heute wird es selbst in klassischen Handwerksberufen schon fast vorausgesetzt, weil durch die hohe Abiturientenquote andere Abschlüsse entwertet wurden...

Kein Mensch macht sich Gedanken darüber, dass ein KfZ-Mechatroniker heute mit 19 Abi macht und frühestens mit 22 ausgelernt hat, während der klassische Schrauber noch vor 20, 30 Jahren mit 15 von der Schule ging, mit 18 "fertig" war - und auch Autos reparieren konnte!!!

Für "klüger WIE" wäre Gymnasiasten übrigens noch im letzten Jahrtausend dringend der Besuch einer anderen Schule nahegelegt worden...

Expertenantwort
von Joshua18, Community-Experte für Abitur, Gymnasium, Schule, 19

Das Gymnasium hat gegenüber früher seine Monopolstellung weitgehend verloren.

Bis Anfang der Siebzigerjahre gab es noch keine Gesamtschulen, Berufsgymnasien oder das Abitur über Berufsoberschulen. Die normale gymnasiale Oberstufe war für Realschüler fest verschlossen. Es gab lediglich ganz wenige Aufbaugymnasien für Realschüler, teilweise sogar nur ein einziges in einer Grossstadt.

Viele Realschulen fuhren damals fast Gymnasialniveau, waren aber meiner Meinung nach zur damaligen Zeit regelrechte Abiturverhinderungsanstalten. Viele Realschüler besuchten dann notgedrungen nach einer Ausbildung Ingenieurschulen und Höhere Fachschulen aus denen später die Fachhochschulen entstanden (incl. der Einführung der Fachhochschulreife).

Ich will nicht sagen, dass das Abitur heute leichter ist. Es wurde aber vor allem quantitativ erheblich ausgeweitet und das Notenlevel (für gleiche Leistung) ist heute wohl um einiges besser.

Das führt natürlich zu Engpässen an den Unis, da die Studienplätze nicht in gleichem Umfang erweitert wurden. Viele Abiturienten weichen daher auf (Fach-)Hochschulen aus und private FHs schiessen wie Pilze aus dem Boden.

Kommentar von bachforelle49 ,

also Schule bis man mindestens 19 ist.. die Arbeitgeber freuen sich natürlich über reifere und gebildete Jahrgänge, aber die Jüngeren bleiben auf der Strecke - Mittlere Reife tuts nachwievor für eine Vielzahl der Berufe auch.. Aber wenn keine Lobby mehr dafür da ist..

Kommentar von Joshua18 ,

Stimme Dir absolut zu ! Ich wäre für eine Abiturientquote von ca. 20 %, aber fairer Wettbewerb (Durchlässigkeit) für jeden Schüler.

Zur Zeit nähern wir uns aber einer Quote von 50 %. Was nutzt das Abitur, wenn die Leute damit auf irgendwelche Studiengänge ausweichen, die sie eigentlich nicht wollten oder in endlosen Wartesemester vor sich hingammeln.

Viele (ca. 1/3), schmeissen dann ohnehin das Studium wieder hin !

Antwort
von Katharsis036, 69

Es wurde angepasst. Die Durchfallquote hat sich verringert, weil abgefragt wird, was gelehrt wurde.

Antwort
von autmsen, 43

Gegenfrage:

Was glaubst Du warum seit vielen Jahren für Erstsemester je nach Studiengang Grundrechnen bzw. Grundkurs Deutsch verpflichtend sind?

Ich hoffe damit ist Deine Frage ausreichend beantwortet. Wenn nicht empfehle ich das Archiv des dradio. Kampus & Karriere wäre eine Sendereihe die zum Thema informiert neben vielen weiteren Sendungen die jeweils auf tagesaktuelle Themen eingehen. Du findest dort mehr als einen Beitrag in welchem Dekane der jeweiligen Universitäten darlegen warum es diese verpflichtenden Kurse gibt. So bist Du dann nicht auf meine unmaßgebliche Meinung angewiesen. Du kannst Dich mit den zugrunde liegenden Fakten vertraut machen. 

Kommentar von bachforelle49 ,

.. wenn ich von Deutschkursen lese, muß ich gleich an Flüchtlinge und Zugewanderte denken.. Sorry.. Krieg ich echt die Krise, wenn ich drandenke.. Die Arbeitgeber schimpfen auf unsere Kinder, weil sie anderes aus früheren Zeiten gewohnt sind, und die Schulen müssen letztendlich die Dummheiten unserer Führung verantworten, die nicht überblick(en) kann, daß wir mehr Lehrer brauchen, wenn mehr Schüler unsere Schule besuchen, von den anderen Kosten mal ganz abgesehen. Und die Dummen sind unsere Zukunftsträger, die die Rente für unsere Alten erarbeiten sollen. Möglichst mit prekären Jobs, damit die Führungsetagen noch mehr (ein)scheffeln können! 

Naja, gibt ja jetzt den neuen Armutsbericht und Katalog (in) der BRD!!

Kommentar von autmsen ,

Wassertier :)

Wenn ich recht erinnere kursiert seit Juli im arabischsprachigen Raum ein Video von Merkel in welchem sie die arabischsprachige Jugend auffordert nach Deutschland zu kommen da unsere Wirtschaft sie dringend braucht. Ihre Worte werden sowohl mündlich als auch schriftlich ins Arabische übertragen. (Upworthy veröffentlichte das Video auf Facebook um die Weihnachtszeit.)

Nicht nur Europa erwartete mit Spannung von der Neujahrsansprache Merkels dass sie diese ihre Einladung, ausgesprochen im Namen des Deutschen Volkes, zurücknehmen würde. Das tat sie nicht. 

Mittlerweile wissen wir dass maximal jede zweite aus genanntem Gebiet eingereiste Person bei uns ein Bleiberecht erhält. Die Menschen werden also in unsere Nachbarstaaten abgeschoben. Unsere europäischen Nachbarn aber sehen mittlerweile längst nicht mehr alle ein für diese genannte Einladung Merkels zahlen zu sollen. Deshalb haben bis jetzt 19 europäische Staaten entsprechend ihre Grenzen dicht gemacht. 

Juckt es die von uns Gewählte und von uns Bezahlte? Kennt die überhaupt den Eid den sie mal geleistet hat und den jeder Mensch im Grundgesetz nachlesen kann?

Wenn Du denn auf fb bei upworthy rein schaust schaue auch mal bei pinkstinks vorbei. 

Kommentar von bachforelle49 ,

es ist nicht einzusehen, daß unsere Kinder jetzt und zukünftig die Zeche zahlen sollen und müssen für unüberlegte Handlungen von Politikern, die unbedingt ihren Eintrag ins Geschichtsbuch haben wollen. Die Intregration von Kultur und Sprache braucht wenigstens 2 Generationen, wenn überhaupt machbar, wie man an den Gastarbeitern und Familien in den 60er Jahren gesehen hat. Es gibt genug Erfahrungswerte ... Erfahrungen haben aber nichts mit unseligen Vergleichen zu tun! Wie sollen die Pänz das stemmen?

Antwort
von DerWaise, 53

Die heutigen Schüler sind aufkeinen fall schlauer denen fehlen Diziplin und außerdem sind sie Stinkfaul 

Kommentar von bachforelle49 ,

na, immerhin schaffen ja die meisten das Abitur.. Aber leider kann ich mir nicht verkneifen zu fragen: " Von wem haben sie denn das wohl..?" Denn von nichts kommt nichts! Das hat sich schon vor zich Tausenden von Jahren der Sokrates für die Jugend stark gemacht..

Kommentar von CamelWolf ,

Sorry, "Der Waise" aber Deine Verallgemeinerung ist völliger Quatsch.....

Antwort
von Noidea333, 26

Ich bin der Meinung, dass die Gruppen, sich untereinander mehr distanzieren.

Ich meine, für die einen (Großteil wahrscheinlich) wird es einfacher, weil man dank der Technologie (Internet) viel mehr Möglichkeiten hat, zu lernen (und Hausaufgaben und andere Informationen zu "kopieren" *heul*).

Für die anderen wird es schwieriger, weil es zu viele Ablenkungsmöglichkeiten gibt und man nicht die richtigen Informationen von den falschen unterscheiden kann.

Heutzutage sind die Schüler früher auf sich alleine gestellt und müssen zusehen, wie sie ihre Hausaufgaben machen (lassen) können.

Antwort
von PrivateUser, 26

Nein. Intelligenz ist nicht gleichzusetzen mit dem Schulabschluss.

Antwort
von Nebelsturm, 32

"Klüger als"

Kommentar von bachforelle49 ,

.. bei Komparativsätzen (klüger..):  "ALS" steht doch oben oder was meinst du?

Unterschied: Beispiel: " genauso klug "WIE" früher.."

Kommentar von Nebelsturm ,

Du hast absolut recht, jedoch wurde der Beitrag seit (dank?) meinem Kommentar berichtigt :)

Antwort
von Mignon2, 49

Ich denke, das Niveau ist drastisch gesunken.

Kommentar von bachforelle49 ,

Mathematik und Sprachen können nicht " leichter " werden..wenn Niveau, dann sitzen unsere Lehrer auch mit im Boot, denn die bekommen doch ihre Vorgaben vom Schulministerium?

Kommentar von Mignon2 ,

Ja, natürlich. Das Schulsystem ist marode. Früher galt unser Abitur im internationalen Vergleich etwas. Das ist heute leider nicht mehr so. Quellen für diese Behauptung kann ich leider nicht angeben. :-)

Viele Unternehmen beklagen sich über das niedrige Bildungsniveau der Abiturienen bei Bewerbungen. Lies nur mal die Fragen von angehenden Abiturienten, die hier gestellt werden.

Kommentar von autmsen ,

dann sitzen unsere Lehrer auch mit im Boot, denn die bekommen doch ihre Vorgaben vom Schulministerium?

Damit machst Du den Bock zum Gärtner denn Du stellst selbst dar dass die Lehrkräfte die ausführenden Organe sind, die Verantwortlichen von uns allen gewählt werden. 

Ich kenne einige Geschichten von engagierten Lehrkräften die mit Entlassung bedroht wurden weil sie es gewagt hatten ihren Klassen lebenswichtige Kenntnisse zu vermitteln die dann auch noch - man stelle sich nur vor!!!! - fachbezogen und arbeitslebenvorbereitend waren. 

Auf der anderen Seite wird den Lehrkörpern immer mehr an Zuständigkeit aufgedrückt. So gibt es immer mehr Schulen deren Lehrkörper sich deshalb für Schulspeisung einsetzen weil ihre SchülerInnen montags mit leerem Magen erscheinen da sie am Wochenende zuhause nicht mal eine Scheibe Brot zu essen bekamen. - Quelle: dradio

Kommentar von bachforelle49 ,

wie kann man denn Lehrern mit Entlassung drohen, wenn die ihren Job tun? Hab die zwar nicht gewählt als ausführende Organe, aber sie haben nun mal auch pädagogische und erzieherische Aufgaben, hoffe ich... wahrzunehmen

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