Frage von Lyriker87, 75

Sind Tarantinos Rachefantasien in Django Unchained und Inglorious Bastards verwerflich?

In beiden Filmen geht es um den Umgang mit historischen Ungerechtigkeiten, der Diskriminierung von Juden und Schwarzen. In beiden Filmen kommt es dann zu Rachefantasien, die lebhaft ausgefüllt werden. Ist dies verwerflich? Erzeugt Gewalt nicht Gegengewalt?

Zwar spielt Christoph Waltz einmal den Mitläufer, einmal den zögerlichen Rebell, dennoch besteht das Grundmotiv der Rache in beiden Werken fort.

Antwort
von andre123, 25

Meiner Ansicht nach einer der meist überschätzten Regisseure.

Er benutzt das Rachemotiv für eine vermeintlich  "gute Sache"   um  eine Gewaltorgie für ein sich sonst moralisch entrüstendes Publikum  salonfähig zu machen. Die Kritiken in den Medien fallen dann trotz dieser Gewaltexzesse  entsprechend positive aus , sofern es gegen Nazis oder Konföderierte usw geht. Das Ganze geht dann mit derart primitiven Klischees einher,  das das Betrachten dieser zudem noch dramaturgisch  sehr schlecht gedrehten  Machwerke zur Zumutung wird.

Antwort
von Jerne79, 25

Tarantino kann blutspritzende Gewalt auch ohne Rachemotiv. ;)

Insofern wäre fast die Frage, ob hier die Rache die Gewalt rechtfertigt oder ob sie nicht einfach Träger eines weiteren Massakers-Films ist.

Läßt man diese Gedanken mal außen vor: Juristisch und aus einer höheren Warte betrachtet, ist das alles natürlich verwerflich. Das ändert aber nichts am Bedürfnis der Menschen nach Rache als Form von Gerechtigkeit, die anders nicht erlangt werden kann. Glücklicherweise sind wir inzwischen so weit, dass nur noch ein geringer Teil dieses Bedürfnis auch auslebt.

Nicht anders ist es doch mit zahlreichen Motiven in Filmen. Sie zeigen uns etwas, das wir gerne hätten, wären, tun würden, wäre da nicht X, Y oder Z.


Antwort
von Michele47, 6

Rache gehört zu den ganz beliebten Motiven amerikanischer Filme. Die meisten Western beruhen zum Beispiel auch darauf.

Meines Erachtens ist Rache IMMER fehl am Platz. Wie schon Gandhi bemerkte "Wenn das Prinzip Auge um Auge tatsächlich durchgehalten würde, dann hätten wir laute Blinde in der Welt".

Rache ensteht aus der spontanen Ärgerreaktion auf Unrecht. In unserer zivilisierten Welt haben wir über Jahrunderte mühsam den Prozess erlernt, die Rache den Gerichten zu überlassen, damit sie nicht zu Gewaltorgien ausarten. Aus meiner Sicht ist auch die Darstellung der Rachegeschichten unmoralisch, weil sie in aller Regel nicht problematisieren, dass die private Rache keine langfristige Lösung ist. Auch die oft damit verbundene Verherrlichung der Waffen dient ausschließlich der amrikanischen Waffenlobby. Sie freut sich wahrscheinlich am meisten über solche Machwerke.

Antwort
von CamelWolf, 8

Ich kapiere diese Filme nicht. Für mich sind das nur sinnbefreite Gewaltorgien.

Antwort
von cub3bola, 36

Aus einem höherem moralischem Blickwinkel gesehen ja. Wir Menschen sind aber viel primitiver als wir uns geben. Viele Mörder werden als Helden gesehen, ob sie es sind ist oft ansichtsache.

Gewalt mag Gegengewalt erzeugen, aber wird dir sowieso Gewalt zugefügt ist das vermutlich nicht mehr so wichtig. Das Jesus-Prinzip mit halt auch die andere Wange hin, ist sicher sehr edel aber der Kampf gegen Ungerechtigkeit wird meist akzeptiert. In vielen Fällen sogar bewundert und die Helden ihrer Verbrechen quasi freigesprochen.

Schlechte Taten können auch Gutes bewirken. Der Mord eines Tyrannen mag Tausende befreien. Moralisch ist das sehr schwer zu beurteilen und es ist natürlich sicher sehr leicht andere zu verurteilen wenn man selbst nicht in deren Schuhen steckt.

Antwort
von ButlerJames, 36

Die eine Frage ist, ob es verwerflich so zu handeln, wie es die Figuren in den Filmen tun (Kill Bill ist ein weiterer Tarantino-Rache-Film). Ich würde sagen: Ja! 

Die andere Frage ist, ob es verwerflich ist, das in einem Film so zu erzählen, und das ist es natürlich nicht, so wie es, meiner Meinung nach, kaum Grenzen bei dem geben sollte, was ein Film oder Buch erzählen darf.

Antwort
von dantes, 38

Verwerflich? Muss ein Film moralisch korrekt sein? Nein, muss er nicht. Es ist natürlich nicht richtig, wenngleich interessant, da in beiden Fällen keine ordentliche Gerichtsbarkeit bestand. Aber ein Film hat keinen Anspruch auf eine moralische Vorbildfunktion. Er ist lediglich unterhaltsam. Beide.

Antwort
von Geraldianer, 17

Bei Tarantino sehe ich eher das Individuum, dass sich gegen gesellschaftlicher Gewalt in Form von Rassismus und Sklaverei erhebt. Die staatliche Gewalt erzeugt erst die Gewalt des Einzelnen.

Bei Kill Bill geht es aber tatsächlich nur um eine Rachephantasie.

Antwort
von voayager, 24

Gegengewalt ist zuweilen notwenig, als Selbstschutz, als auch um bestimmte Ziele zu erreichen

Antwort
von ilprincipe, 12

Spricht ein Mensch nicht die Sprache der Vernunft, kann man sich gegen ihn nur mit Gegengewalt wehren.

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