Frage von Ellyson, 173

Sind Schwule schwul geboren?

Antwort
von NoHumanBeing, 48

Ziemlich klar ist, dass die sexuelle Orientierung nicht über die chromosomale DNA vererbt wird, weil die Verteilung von Homosexualität in der Bevölkerung eindeutig nicht den Mendel'schen Regeln folgt. Auch ist es dem Homangenomprojekt in jahrzehntelanger Arbeit bis heute noch nicht gelungen, ein "Schwulengen" zu isolieren.

Die gängigste Hypothese ist derzeit, dass Homosexualität zwar erblich ist, aber über so genannte Epimarker vererbt wird, bei denen es sich um Anlagerungen von Ionen (insbesondere Phosphat) an den eigentlichen DNA-Strang handelt und für die abweichende Vererbungsregeln gelten. Das Merkmal wäre dann zwar genetisch bedingt, aber nicht in der Basenpaarsequenz selbst kodiert, sondern an diese lediglich "angelagert". Diese Hypothese ist allerdings bislang nicht wirklich stichhaltig untermauert. Sollte sie sich als wahr erweisen, wäre Homosexualität in der Tat angeboren.

Ziemlich klar dürfte sein, dass, was immer Homosexualität "auslöst", sie im Grunde nicht beeinflusst werden kann. Ein Homosexueller hat nicht die Wahl, homosexuell zu sein oder nicht. Versuche, Homosexualität zu "therapieren", können schlimmstenfalls bis zum Suizid des Probanden führen. Die Geschichte hat das gezeigt, siehe beispielsweise den Fall Alan Turing, der in einer Zeit, in der Homosexualität noch strafbar war, chemisch kastriert wurde und sich daraufhin das Leben nahm. Sicher einer der extremeren Fälle, aber auch einer der prominenteren.

Kommentar von Darkmalvet ,

Es könnte sich auch genausogut um komplexe Zusammenhänge zwischen den verschiedensten Genen handeln, die dafür Sorgen, dass eine gewisse nicht so einfach bestimmbare Disposition also Neigung zu einer jeweiligen Orientierung vererbt wird.

Allgemein geht man bei psychischen Merkmalen von einem Vererbungsgrad bis zu maximal 90% aus, der Rest sind Umwelteinflüsse.

Antwort
von jerkfun, 81

Darüber streitet sich die Wissenschaft.Wenn man davon ausgeht,das das Bewusstsein,bewusstes Erleben erst in der Kindheit anfängt,sexuelles Interesse meist in der Pubertät,es aber Kinder gibt,die berichten,ich war anders und wusste das auch,dann kann man es nicht (sicher) in Abrede stellen.In der Praxis ist es ein Erfahrungswert ,den man ab der Pubertät macht.Also eher nein.Beste Grüße

Kommentar von Darkmalvet ,

Das Bewusstsein existiert schon im Babyalter sogar schon vor der Geburt nur ist noch nicht sehr weit entwickelt und speichert kaum etwas ab an das man sich später erinnern könnte.

Kommentar von jerkfun ,

Danke,da hast Du völlig Recht.Und in diesem Sinne habe ich es gemeint,mich aber nicht vernünftig ausgedrückt.

Antwort
von landregen, 55

Das Wesentliche läuft schon lange VOR der Geburt ab.

-> https://www.dasgehirn.info/handeln/liebe-und-triebe/gemeinsamkeiten-ziehen-sich-...

Antwort
von maxZ96Z, 34

sehr schwere über die man sich nicht einig ist. 
Persönlich glaube ich dass Homosexualiät nicht erblich ist, da sie unter natürlichen umständen unweigerlich dazu führt dass sich die Gen träger nicht fortpflanzen können - das gen würde also genau wie tödliche gendefekte sehr schnell austerben.
Einiges spricht dafür dass Sexualität geprägt wird. Das gesellschaftliche Bild was attraktiv ist und was nicht ändert sich rasant und extrem. 
Es würde wohl keiner einen frühen homo sapiens attraktiv finden selbst wenn sein phäno typ vor tausenden jahren für besonders gutes genetisches material gestanden hätte. 
Die kriterien nach denen man heute partner sucht sind deutlich andere:
Gutes aussehen zeugt von wohlstand (wer reich ist kann sich im urlaub bräunen, coole klamotten leisten, usw), ein selbstsicheres Auftreten oder hohe Intilligenz können auf gute Job aussichten hindeuten aber auch viele andere Kriterien ergeben auf den ersten Blick keine sinn - all diese kriterien könne deutlich besser geschlechter übergreifend anzufinden sein als beispielsweise behaarte brust oder gebärfreudiges becken.
Dazu kommen noch ganz viele andere gesellschaftliche faktoren 

Kommentar von NoHumanBeing ,

Persönlich glaube ich dass Homosexualiät nicht erblich ist, da sie unter natürlichen umständen unweigerlich dazu führt dass sich die Gen träger nicht fortpflanzen können - das gen würde also genau wie tödliche gendefekte sehr schnell austerben.

Nein. Es gibt ziemlich starke Hinweise darauf, dass die Existenz von Homosexualität für eine Spezies als ganzes von Vorteil ist.

Die meisten Bienen sind unfruchtbar und trotzdem "ändert" die Evolution das nicht. Für die einzelne Biene mag das zwar "schlecht" sein, für das Volk als ganzes ist es aber offensichtlich von Vorteil.

Kommentar von maxZ96Z ,

bienen gehen kein monogames verhältnis ein, die ungeschlechtlichen bienen sind wahrscheinlich eher asexuell. Bei denen läuft die fortpflanzung ganz anders. Menschen binden sich aber fest an einen partner und zeugen nur mit genau einem anderen individum ein nachkommen. In diesem System führt gleichgeschlechtliche Vorliebe dazu dass der träger eines "homosexualität gens" dieses gen nicht weiter geben könnte - Die bloße übertragung würde scheitern, selbst wenn es einen gruppenvorteil gäbe.

Einzige ausnahme könnten homosexuelle mit schwach ausgeprägter Sexualtität sein oder in einer Gesellschaft in der sexualität eine geringe rolle spielt, die sich unabhängig ihrer vorlieben mit dem anderen Geschlecht fortpflanzen. [im mittelalter wo eh niemand offen über sex gesprochen hat, und kinder bekommen zur finanziellen absicherung gedient hat wird niemand den luxus gehabt haben festzustellen was er mag und was nicht]
Diese möglichkeit halte ich aber für sehr viel kleiner als die praktische problematik beim gentransfer.

Dazu kommt dass sexualität sehr komplex ist, bzw zu komplex für genitische ursache ist. Hier ein beispiel:
Eine Gruppe von Menschen lebt als Jäger, die erfolgreichsten Männchen sind also groß stark und bewegen sich gern. Die Weibchen finden diese Merkmale attraktiv, weil sie für hohe überlenschancen stehen.
Jetzt ändert sich die Umwelt, es wird unglaublich kalt und die meisten Jäger finden wenig essen, und erfrieren auf grund ihrer körpermasse. Die Männchen die jetzt am längsten leben sind kleine, mit fettpolstern, die eher sammeln und wenig energie verbrauchen.
Wären sexuelle vorlieben genetisch, würden die weibchen jetzt die fortpflanzung mit den kälte-typen verweigern weil sie keine jäger phänotyp haben. 

Eine geprägte sexualität wäre dagegen ein vorteil: heranwachsende sehen welche Männchen in ihrer Gruppe erfolgreich sind und wählen so aus was tatsächlich überlebnsfähig ist, egal welchen typ die eigenen eltern vielleicht bevorzugt hätten. Dazu können noch viele andere faktoren kommen, zum Beispiel das Aussehen der Eltern (siehe Freud) oder ganz grobe genetische tendenzen, um ganz simpel zu bleiben dass man sich tatsächlich mit artgenossen und nicht mit tieren fortpflanzen möchte.
Mein punkt ist also dass die gesellschaftlichen vorlieben die genetischen deutlich überwiegen können. Wären die genetischen eher in zeiten von Not und nacktem überleben wichtig sind, kommen die gesellschaftlichen eher dann zum tragen wenn zivilisation und Wohlstand herrscht, und die natürliche selektion ausgehebelt ist.
Wenn also viel wohlstand herrscht wird ein mensch bei der partner suche nicht auf bloßen evolutionären vorteil gucken, sondern anderen faktoren wie sie in der natur eher selten sind: character, "Liebe", beruflicher erfolg, intilligenz, gutes aussehen. Diese eigenschaften lassen sich genauso gut bei männer wie bei frauen finden, und weil keine not herrscht ist der "kinderwunsch" auch zu vernachlässigen. Dazu kommen andere prägungen denen man weil man im luxus lebt größere bedeutung schenken kann als man es sonst würde. Eine starke prägung auf den einen elternteil zum beispiel oder eine identifikation mit dem gesselschaftlichen Rollen die für Mann und frau bestimmt worden sind.

Abschließend ist es wichtig zu sagen dass Prägung, wenn sie abgeschlossen ist endgültig ist und viel zu komplex als dass man sie als mensch gezielt beeinflussen könnte:

Konservative Katholiken oder andere schwulenfeinde sind also absolut zu verurteilen wenn sie umerziehung oder andere maßnahmen vorschlagen um schwule zu ändern.
Das ist genauso wie man einem kind dass gut malt nicht die künstlerische ader austreiben kann ohne zu grausamen gehirnwäsche zu greifen

Tl,dr; Unwahrscheinlich dass es genetisch ist, aber dass gibt schwulenfeinden kein recht zu denken dass man sich für homosexualität entscheiden kann

Kommentar von NoHumanBeing ,

Auch wenn ich Deine Grundhaltung als positiv empfinde, muss ich Dir inhaltlich leider ein wenig widersprechen.

bienen gehen kein monogames verhältnis ein

Menschen "natürlicherweise" auch nicht. :-)

Menschen binden sich aber fest an einen partner

Aber nur aus gesellschaftlicher Konvention. Die Spezies Homo sapiens gehört zu den Menschenaffen und Menschenaffen leben gemeinhin nicht monogam. Die Gründe sind eher in der menschlichen Kultur zu suchen, als in der menschlichen Natur. Eine monogame Lebensweise gilt auch vor allem in den westlichen Industrienationen als "erstrebenswert".

und zeugen nur mit genau einem anderen individum ein nachkommen.

Allenfalls, weil sie in der heutigen Zeit für deren Unterhalt aufkommen müssen. Die Evolution "greift nicht" innerhalb von ein paartausend Jahren. Die Zeiträume, die sie benötigt, sind viel länger. Frühe Menschen mussten nicht für den Unterhalt ihrer Nachkommen aufkommen und die Männer haben mit Sicherheit Kinder mit mehreren Frauen gezeugt. Der menschliche Sexualtrieb ist darauf ausgelegt, die Gene möglichst weit zu "streuen" und sich mit möglichst vielen Partnern zu paaren. Das merkst Du selbst heute noch.

In diesem System führt gleichgeschlechtliche Vorliebe dazu dass der träger eines "homosexualität gens" dieses gen nicht weiter geben könnte - Die bloße übertragung würde scheitern, selbst wenn es einen gruppenvorteil gäbe.

Nicht, wenn Homosexualität nicht gemäß den Mendel'schen Regeln vererbt wird. Wenn es auf einem "Epimarker" sitzt, was momentan die geläufige Theorie ist, wird es das nicht. Ein solches Merkmal ist sehr schwer durch Evolution zu eliminieren.

Kommentar von maxZ96Z ,

Mit der Monogamie hast du natürlich recht, dass habe ich sehr umständlich, zum Teil falsch geschrieben. Worum es mir ging war dass die Fortpflanzung selbst nur zwischen genau zwei partnern stattfinden kann, also nicht ein weibchen von mehreren männern gleichzeitig befruchtet werden kann wie es bei bienen der fall ist. Dass die Partner trotzdem wechseln können und selten nur ein Kind gezeugt wird ist mir klar!
Die Gene streuen these wird so weit ich weiß immer wieder diskutiert weil einiges darauf hindeutet dass sich menschen nur innerhalb einer kleinen gruppe vermehrt haben, ein bisschen wie bei einer reh herde.. darüber weiß ich aber zu wenig bescheid um zu diskutieren.
Auch über die Epimarker muss ich mich mal ein bisschen nachlesen, ist auf jeden fall interessant.
Ich kann mir gut vorstellen dass es insgesamt eine kombinationen aus vielen verschiedenen faktoren ist. Die Genetik könnte die Grundlage legen, das soziale und kulturelle Umfeld weiter prägen.

Warum es mir schwer fällt von einer rein genetischen ursache aus zugehen ist dass als die gesellschaft offener geworden ist so viele andere sexuelle orientierungen "aufgetaucht" sind, die davor noch nicht dokomentiert waren, zB. objektophile (?). Diese Leute werden messbar ausschließlich von bestimmten objekten erregt, sind aber so wenig vertreten dass eine genetische festlegung sehr unwahrscheinlich ist.

Ich werd auf jeden fall mal weiter über das thema lesen, danke für die anregungen!

Antwort
von Marco1978, 33

Ich war schon immer schwul.

Vielleicht bin ich es erst mit vier geworden, so von heute auf morgen. Keine Ahnung. An die Zeit vorher kann ich mich nicht erinnern...

Spielt das eine Rolle? Ich habe es mir nicht ausgesucht, ich kann es nicht ändern und ich bin so, wie ich eben bin.

Warum es Linkshänder gibt weiß auch niemand. Spielt auch keine Rolle. Wir sind alle Menschen, oder?

Antwort
von herakles3000, 45

Nein die sexuelle Orientierung kommt erst in der  Pubertät und das kann aus Erfahrung so kommen oder aus einer Neigung selbst eine  Bewuste Entscheidung kann das sein wen man sich mal  umsieht wie einige Frauen sich aufführen kann man selbst das verstehen.Es ist keinen Erziehungssache in einer normalen famielien  kann es doch zb einen Schwulen oder  Lesbische geben.Oder auch in einer schwulen Familie heist  das nicht das dort ein Kind schwul werden wird.Erst wen man sich  in der Pubertät auslebt wird man es wissen da gibt es aber auch experiement die man nicht unbedingt so ernst nehmen mus nur weil man etwas anderes ausprobiert hat dana ch kennt man seine eigene neigungen oder vorlieben es gibt ja nicht nur schwul oder hetero sondern auch bi.

Antwort
von Shiftclick, 43

100 Prozent geklärt ist das noch nicht, aber am wahrscheinlichsten ist es, dass es angeboren ist.

Antwort
von indiskret, 7

Darüber streiten sich die Geister noch. Meine Meinung dazu: Schwul bzw. Homosexuell zu sein ist eine Veranlagung. Diese Veranlagung  wird nicht vererbt, aber trotzdem wird man mit ihr geboren. Mann kann sich also nicht dafür oder dagegen entscheiden. 

Homosexuelle Männer haben Hirne, die denen von Frauen ähneln – und umgekehrt. Forscher schließen daraus, dass die sexuelle Orientierung biologisch angelegt und nicht erlernt ist.

Nachzulesen hier: http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/gehirn/news/hirnforschung-von-geburt-an-...

Kommentar von NoHumanBeing ,

Homosexuelle Männer haben Hirne, die denen von Frauen ähneln – und umgekehrt. Forscher schließen daraus, dass die sexuelle Orientierung biologisch angelegt und nicht erlernt ist.

Das heißt man kann mit einem MRT-Scan des Kopfes herausfinden, ob jemand homosexuell ist?

Das wäre interessant. Die meisten Menschen erkennen sehr früh, "was sie sind". Ich hingegen bin inzwischen 28 und mir immer noch nicht sicher. Dass es morphologische Unterschiede gibt, die eine sichere Feststellung erlauben, wäre mir neu. Das würde ja heißen, ich könnte mich in die Röhre legen und dann schaut ein Neurologe da drauf und sagt mir (mit der "üblichen Sicherheit" von 99.986472 % oder wie auch immer ;-) ), welche sexuelle Orientierung ich habe?

Das wäre in der Tat interessant. ;-)

Aber ich glaube es nicht. ;-)

Trotzdem danke für den Beitrag und auch für den Link.

Antwort
von HeikeElchlep1, 61

Ja, die sind so geboren, das gibt es bei Menschen, aber auch im Tierreich.

Antwort
von Lexus1206, 86

Das ist schon drin im Kind. Das wird man nicht erst mit 20 oder so.

Antwort
von KathrynJaneway, 59

Ich bin zwar nicht schwul, aber ich denke dass man schon schwul/lesbisch/hetero geboren wird. LG,

Antwort
von sylvie82, 77

ja, das ist nicht anerzogen

Antwort
von Jersinia, 55

Sicher.

Denkst Du sie haben sich damit angesteckt?

Oder es sich abgeguckt?

Antwort
von Giwalato, 48

Hallo Ellyson!

Die gleiche Frage kannst Du bei Linkshändern stellen. 

Schwule und Lesben wird es immer geben, aber als Minderheit. 

Das ist kein Grund, sie zu diskriminieren.

Sie können, genauso wie Heterosexuelle, einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten.

Sexuelle Selbstbestimmung gehört zu den Grundrechten eines jeden Menschen.

Giwalato 

Kommentar von NoHumanBeing ,

Das ist zwar richtig, war aber nicht die Frage.

Kommentar von Giwalato ,

Ich hätte die Frage auch ganz banal mit ja beantworten können, aber das war mir zu blöd.

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