Frage von Rosenblad, 117

Sind Religionen nur der institutionelle Versuch einer Sinnfrage für dieses Leben?

Ohne eine "Erlösung", ohne eine Eschatologie, ohne die Prospektion auf ein "ewiges Leben" kommt fast keine Religion aus - wo bleibt der Sinn für dieses Leben oder haben wir uns in diesem Dasein selbst verloren in dem was wir erhoffen, wünschen und uns erfüllen wollen? Bedienen Religionen nur die Aufsummierung von Referaten der Angst vor diesem Leben in seinen Unwägbarkeiten und Bedrohungsszenarien?

Antwort
von Hamburger02, 52

Meine subjektive Einschätzung:

Der Mensch hat in seiner Wahrnehmung sehr starke Kompensationsmechanismen, um mit unvollständigen Informationen fertig zu werden. Was an Informationen fehlt, wird sinnvoll unbewusst aus Erfahrung ergänzt.
Der Vorteil liegt darin, trotz fehlender Informationen eine Abbildung der Realität im Geist enstehen zu lassen und so auf die Umwelt adäquat reagieren zu können.
Der Nachteil dieser Mechanismen liegt darin, dass sie zu Sinnestäuschungen führen können. Zauberkünstler nutzen genau dies aus, um Illusionen zu erzeugen.

Glauben an Übersinnliches mit allem drum und dran sehe ich als Fehlleistung der Ergänzungsmechanismen, als Sinnestäuschung sozusagen. Den früheren Menschen fehlten Informationen über diverse unerklärliche Naturphänomene und diese Lücken wurden durch spirituelle/esoterische Überzeugungen geschlossen, aber das nur scheinbar.

Als die ersten Oberpriester (Druiden etc.) aufkamen, begann die Institutionalisierung des Glaubens und aus Glauben wurde durch Gleichschaltung der Denkmuster Religion. Dieser Vorgang lässt sich sehr gut mit Hilfe der Theorie Dissipativer Strukturen erklären.
Als "Religion" dann etabliert war, wurde von den Mächtigen sehr schnell erkannt, dass sich damit das untergebene Volk wunderbar kontrollieren und steuern lässt. Und so, wie Gelegenheit Diebe macht, wird die Möglichkeit zur Kontrolle der dummen Schäfchen durch die Religion auch regelmäßig bis heute genutzt.

Antwort
von Dhalwim, 44

Religionen sind eigentlich mehr oder weniger früher für solche Zwecke gedacht gewesen. Auch hat sich der Mensch damit früher unerklärliche Dinge erklärt. Dass sie jedoch einen Sinn im Leben begründen kann Ich mir auch gut vorstellen, jedoch darf man nicht sagen, dass jemand deswegen ein guter oder schlechter Mensch unbedingt wird.

Auch ist die Ambiguität leider unterträglich (Rolf Dobelli's "Warum wir nicht gerne in's blaue hinaussegeln"),

Deshalb ja...

LG Dhalwim

Kommentar von Rosenblad ,

Im Kontext zu Religion finde ich das Wort "Ambivalenz" brauchbarer.

Kommentar von Dhalwim ,

Wieso?

Kommentar von Rosenblad ,

Weil nicht der "Eingang" (Vorstellung, Definition) von Religion ambiguitär sich darstellt sondern der "Ausgang" (das Handeln, die "Übersetzung" in das reale Leben) eher ambivalent sich gestaltet.

Kommentar von Dhalwim ,

Hmm... well ok.

Antwort
von dschungelboss, 49

Im Grunde ja.. Ich denke es ist weniger ein geplanter Versuch, als dass z.B. aufs Christentum bezogen, ein Mann, Jesus, Antworten auf diese Fragen hatte, und die Position eines Lehrers einnimmt. Diesem fangen an, eine menge Menschen zu folgen, und seine Jünger versuchten eben das zu kollektivieren. Woraus dann letzten Endes das Institut Kirche entstanden ist. 

Ich denke in jeder Religion gab es den Ursprung in einem Lehrer, der seine Schüler belehrt, welche diese Lehren so weiter trugen, dass daraus eben eine Religion entstanden ist. 

Buddha, Jesus, Lao'tse, Zarathustra, usw. usw. 

Ich denke bei Naturreligionen ist es da sehr ähnlich, wobei das ganze dann halt mit mehr und festerer Mythologie umspannt wurde. 

Antwort
von DerBuddha, 30

am anfang einer religion stand der glaube an übernatürlichem, an dingen, die man sich nicht erklären konnte und die man dann in bestimmte, für sich erklärbare kategorien steckte........... alles was man sich also nicht erklären konnte, hatte mit irgendwelchen geistern/mischwesen/hexen/magiern/zauberern usw. zu tun und mit der entwicklung der menschen selbst gab man dann diesen ganzen erfundenen wesen namen, und aus kleinen geistwesen wurden mit der zeit immer größere und komplexere wesen, die dann als halbgott/gott/göttin usw. betitelt wurden........... so wie diese ganzen erfundenen wesen weiter entwickelt wurden, entwickelten sich auch die  weltbilder dann weiter und aus kleinen naturvolks-gruppen-glauben wurden größere und größere die man dann als "weltanschauung" in den jeweiligen lebensgebieten der "gläubigen" menschen betrachtete und die dann als religion gelten...............:)

religionen hatten also nie die bedeutung und den zweck, den sie heute haben, denn im grunde genommen waren sie nur ein auffangbecken für unerklärliches............. und erst mit der weiteren geistigen entwicklung wurden dann die heutigen, vor allem die monotheistische religion zu dem was sie heute sind.....und das eingeführte belohnungs- und bestrafungssystem hat nur einen zweck: menschen zum glauben zu bringen und dann an diesen glauben zu binden............. die behauptungen, religionen oder sogar ein gott hat durch ihre gebote erst ein überleben gesichert, sind genauso märchen, wie die hölle oder das paradies, denn die ganzen gebote und regeln gab es schon lange vor den eigentlichen religionen, denn regeln und gebote waren notwendig, um ein überleben in der natur zu ermöglichen und ein überleben war meistens nur in gruppen möglich und gruppen bedeutet immer "regeln", selbst zu zeiten der steinzeitmenschen oder noch früher gab es immer einen oberhäuptling, der die regeln bestimmte und zu diesen zeiten war an einen gott, wie er heute gesehen wird, überhaupt nicht zu denken...................:)

Kommentar von Rosenblad ,

Wenn ich etwas ironisch antworten darf: Am Anfang war das Wort und dann kam die "Sprachlosigkeit" - Glaube musste, als Vertrauensakt, erst noch entwickelt werden und erwies sich in der Auseinandersetzung mit einer bedrohlichen Umwelt als durchaus brauchbar - sonst gäbe es diese psychischen Zustandsfigur mitnichten.

Antwort
von Junertz, 53

Es geht vor allem auch darum eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten zu finden, etwas was einen erfüllt und befriedigt. Das Leben nach dem Tod erklären zu wollen ist dabei natürlich auch hilfreich, wenn es einem die Ängste nimmt.

Kommentar von Rosenblad ,

Eine soziale Kompensierung und Inklusierung ist über jede erdenkliche Kollektivbildung möglich, dazu braucht es keiner Religionskollektive.

Antwort
von Mignon3, 51

Religionen wurden erfunden, um zum einen Naturereignisse zu erklären und zum anderen, um das Zusammenleben der Menschen in irgendeiner Form zu regulieren, damit keine Anarchie (salopp ausgedrückt = Mord und Totschlag) entsteht. Aus diesen "Regulierungen" haben sich im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende unsere Gesetze entwickelt. Ursprünglich steckten also hehre Absichten hinter dem, was wir als "Religionen" bezeichnen.

Späterhin pervertierten einzelne Menschen und/oder Institutionen diese Religionen aus egoistischen Gründen, wie beispielsweise Macht und/oder Geldgier. Resultate dieser Perversionen sind Religionskriege, Unterdrückung und Ausbeutung von Menschen, Angstschürerei usw, um nur einige zu nennen.

Kommentar von Rosenblad ,

Religionen standen nicht am "Anfang" - am "Anfang" (im Schatten des Entwicklungsprozesses des "Bewusstseins") stand die "Sprachlosigkeit" vor dem was dem Menschen langsam "dämmerte".

Kommentar von Mignon3 ,

Genau das schrieb ich. Es gibt keine Lösung ohne die Erkenntnis eines vorherigen Problems.

Antwort
von 1988Ritter, 51

Nein....das kann nicht sein.

Wenn man selbst die einsamsten Gegenden der Welt besucht, so stellt man fest, es hat sich bei allen Menschen unabhängig der Sprache, Kultur oder Ethnie eine Religion gleich welcher Art entwickelt.

Daraus kann man eher schließen, dass der Mensch dazu neigt das Übernatürliche für sich anzunehmen.

Es scheint auch nicht eine "Sinnfrage" zu sein, sondern eher ein Empfinden über das weltliche Dasein hinaus.

Kommentar von Rosenblad ,

Alles ist ein Sinnfrage - die Supernaturalisationsfiguren in den unüberschaubaren Religionsausformungen sind (wie viele andere "Themen" nur "Variationen von Mustern zum gleichen Thema" wie es sinngemäß der kanadische Mathematiker und Biologe Brian Goodwin einmal formulierte.

Antwort
von Lookser, 56

Das könnte man meinen

Antwort
von Haldor, 17

Die Antwort (auf die gestellte Hauptfrage) lautet: ja! Da die wissenschaftliche Logik keine Aussagen über ein Leben nach dem Tode machen kann (seit Kant steht fest, unsere Ratio kann nur begründete Aussagen über unser irdisches Dasein machen), flüchten sich die Menschen in die Religionen, da ihr metaphysisches Bedürfnis groß ist. Jedoch machen nicht alle Religionen Aussagen über ein Jenseits (z.B. nicht Konfuzius, Laotse und auch das Judentum nicht - Ausnahme ein, zwei Propheten; der Buddhismus sagt einfach nur: Wiedergeburt oder Nirwana). Aber alle äußern sich über einen Sinn des irdischen Daseins).


Antwort
von fricktorel, 23

Ja (Ps.14,1; 2.Kor.4,4; Offb.12,9).

Unser ewige Schöpfer jedoch bietet uns die "Kindschaft" an in Seinem Reich (Joh.1,12; Röm.8,16).

Kommentar von Rosenblad ,

Danke für die Antwort - vielleicht könnten Sie mir diese "Kindschaft" näher erläutern und was es mit diesem "Reich"  auf sich hat.

Antwort
von gottesanbeterin, 6

Religionen sind ja ursprünglich gar nicht institutionell.

Sobald sie aber zu Institutionen werden, werden sie auch instrumentalisiert und verlieren dabei unter Anderem auch ihren ursprünglicher Zweck.

Antwort
von fricktorel, 4

"Religionen" sind der bisher erfolgreiche Trick des "Gottes dieser Welt" (Offb.12,9), die Menschheit sich selbst vernichten zu lassen (Offb.9,18; 13,4-15; 17,1-6).

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