Frage von javacake, 92

Sind niedrige Zinsen momentan nicht optimal auf Grund der Wirtschaftslage?

Hey Leute ,
Ich lese immer wieder das niedrige Zinsen in der Eurozone schlecht sein,naja für Menschen die davor immer Zinsen für ihr angelegtes Geld bekamen ist das natürlich wiederum doof.Aber den Banken müsste es doch gut gehen nicht wahr ...
Also würde mich über eine Antwort freuen!
  

Antwort
von Interesierter, 57

Naja, niedrige Zinsen sind ein zweischneidiges Schwert.

Profiteure sind Unternehmen, Privathaushalte mit wenig Geld und der Staat.

Leidtragende sind Reiche und Menschen, die Sparverträge oder Riester-Verträge laufen haben.

Nachteilig sind niedrige Zinsen vor allem für die Menschen, die von Zinseinkünften leben oder über Zinseinkünfte ihre Rente finanzieren wollen. Unterm Strich sind das Leute, die Geld haben, denn wer keins hat, dem geht durch niedrige Zinsen auch keine Rendite verloren.

Der Steuerzahler profitiert sehr stark. Durch die niedrigen Zinsen muss der Staat weniger Zinsen zahlen. Somit wird der Staatshaushalt entlastet. Das kommt letztlich allen Steuerzahlern zugute.

Der kleine Häuslesbauer oder der Autokäufer freut sich über niedrige Zinsen und dadurch über niedrige Raten. Alternativ bleibt mehr für die Tilgung übrig und der Kredit ist schneller abgezahlt.

Den Banken tut das alles nicht gut. Bei einem Zinssatz von 8 % lassen sich für die Bank locker 1-2 % an Rendite rausschlagen. Daraus können dann Gehälter, sonstige Kosten und das Risiko eines Ausfalles abgedeckt werden.

Bei einem Zinssatz von 1 % wird das alles schwierig. Damit lassen sich die Kosten kaum noch abdecken, Risiken gleich dreimal nicht. Deswegen wird Geld zu diesen niedrigen Zinssätzen nur an Kreditnehmer mit hoher Bonität vergeben.

Antwort
von berkersheim, 42

Man muss unterscheiden, ob es niedrige Zins als Marktergebnis sind, weil wenig Geld nachgefragt wird und kaum investiert oder ob sie künstlich vom Staat bzw. der EZB herbeigeführt werden. Niedrige Zinsen als Marktergebnis reizen - falls es nicht noch andere Verwerfungen gibt - zu neuen Investitionen und helfen, die Wirtschaft langsam wieder anzukurbeln. Langsam - die von der EZB geäußerten Erwartungen auf schnelle Erholung und ihre Enttäuschung, dass nichts passiert ist, widerspricht den Theorien des Monetarismus. Da sind Zinsen und Geldpolitik ein langfristig wirkender Pfad.

Anders ist es, wenn der Staat via EZB gegen jede Marktregel massiv in die Geldmärkte eingreift. Damit werden die übermäßigen Schulden der Staaten verbilligt und bezahlt mit den Negativfolgen durch Abschmelzung von in Europa gehaltenen privaten Geldvermögen. Das macht den kleinen Sparern und dem Mittelstand zu schaffen. Das trifft alle Sicherungsmaßnahmen ob Autoversicherung, Krankenversicherung oder diverse Formen der Altersvorsorge. Sie alle werden künstlich an den Verlusten der Schrottländer beteiligt, d.h. vor allem bei der Vorsorge werden die Lasten auf die nächsten Generationen geschoben. Dieser Verschiebebahnhof ist ein Grund, warum die Menschen die Folgen dieser Politik aktuell nicht so richtig mitbekommen.

Betroffen sind alle, die sich in Europa oder Deutschland refinanzieren, die hier ihre Vermögen (dazu zählen ja auch Rentenansprüche) halten. Für diese wirkt der Niedrigzins wie eine zusätzliche Strafsteuer zur Finanzierung maroder Länder. Die wirklich Reichen und Großkonzerne haben sich doch da längst aus dem Staub gemacht. Die profitieren, weil die den maroden Staaten weiter Geld für ihre steigenden Schulden verleihen und die Zinsen einheimsen, die uns gekürzt werden. Deren Schuldpapiere kauft die EZB auf und verbilligt den Konzernen und Großbanken die Finanzierung, während sie dem Mittelstand verteuert werden. Da findet - und Griechenland war ja schon ein Musterbeispiel - eine massive Umverteilung von unten und aus der Mitte nach ganz oben statt. Sowas nennt man "sozialistische" Politik zur Pflege der Superreichen, damit die nicht eingehen. Sonst hätte man ja keine "bösen Buben", gegen die man im Wahlkampf aufrütteln kann - wobei man verschweigt, dass man sie selbst groß gemacht hat.

Antwort
von FrageSchlumpf, 13

Wichtig erst mal die Erkenntnis, dass sich auch Zinsen aus Angebot und Nachfrage ergeben.

Die Zentralbank und die Geschäftsbanken können zwar künstliches Angebot schaffen, das führt aber immer! zu Inflation. Da wir im Moment kaum Inflation haben, dürften die aktuellen Zinsen sehr nahe am "natürlichen" Zins liegen.

Der Grund hierfür ist neben einem immensen natürlichen Angebot ( Sparen an allen Ecken und Enden ) und eine austrocknenden Nachfrage ( z.B. durch die Schwarze Null ).

Für die Banken sind die niedrigen Zinsen eher schlecht.

"Marge" ( die Differenz zwischen Markt und Kundenzins ) ist viel schwerer durchzusetzen bei den "kleinen Zahlen".

Minuszinsen sind bei Krediten nicht so leicht ( das BGB steht dem manchmal im Weg ) , im Einlagenbereich völlig undenkbar noch. Hinzu kommt die Flucht ins Bargeld, die ja bei "Nullzinsen" nichts kostet, und für das Banksystem als solches nicht so gut ist ( für andere Branchen wie Einbrecher natürlich ein Paradies ).

Für die Banken wäre es eigentlich das Beste, wenn die Zinsen von alleine steigen würden, sei es durch wirtschaftliche Erholung ( besser ) oder durch eine Veränderung bei Sparen und Investitionen.

Antwort
von MicroSt4r4, 76

Hallo,

Größter Profiteur der langen Niedrigzinsphase ist in allen Euro-Staaten der Staat. Doch die riesige Zinsersparnis werde leider nicht genutzt, um überfällige Investitionen etwa in Straßen und Schulen zu tätigen und somit die Wirtschaft anzukurbeln.
Was die Banken angeht, je länger die Niedrigzinsphase dauert, umso stärker werden die Geschäftsmodelle von Banken in Frage gestellt, die stark einlagenlastig sind.
In Phasen niedriger Zinsen verlieren solche Banken erhebliche Teile ihrer Profitabilität. Je länger die Phase dauert, umso stärker schaukelt  sich das o.g Problem auf.

Ein Beispiel, wie die Problematik für eine Sparkasse oder Volksbank wirkt: Vor einigen Jahren noch zahlte Sie Kunden für ihre Einlagen vielleicht zwei Prozent Zinsen, in Form von Tagesgeld oder Sparbriefen. Das Geld, das sie einnahm, verlieh sie zum Beispiel als zehnjährige Baufinanzierung zu fünf Prozent. Unterm Strich blieb der Bank damit eine Zinsmarge von drei Prozent. Das war ihre Haupteinnahmequelle, mit der sie die Kosten bestritt, vor allem für Filialen und Personal. Was übrig blieb, war der Gewinn.

Gruß.

Antwort
von Hardy3, 62

Das Problem ist der Rattenschwanz, der dranhängt, nur ein  Beispiel für einfache Arbeitnehmer, die Altersversorgung: Lebens- und private Rentenversicherungrn (auch die betriebliche Altersversorgung) erzielen nicht mehr die Erträge, um die vorgesehenen Zahlungen zu erwirtschaften. 

Die Garantieverzinsung für Lebensversicherungen lag vor wenigen Jahren noch bei 4,75 % - jetzt sind es 1,25  %. Die Versicherungen müssen aber irgendwie noch die 4,75% für die alten Verträge erwirtschaften.

Für neue Verträge gibt es nur noch die niedrige Zusage. Wenn die Versicherer gut wirtschaften und die Zinsen wieder steigen, gibt es Überschussbeteiligungen,     sie zahlen mehr - aber du kannst damit nicht rechnen, d. H. Du musst von vornherein den Vertrag über eine höhere Summe abschließen und natürlich höhere Veiträge zahlen.

Antwort
von soissesPDF, 6

Wenn man die Gier der Banken einmal außeracht lässt, ja.
Die Gesamtverschuldung von Staat/Banken/Unternehmen und Verbrauchern liegt im Euroraum bei 448% zum BIP (Deutschland 220%).

Setzt man das gleiche Geld ein, wie zuvor bei höheren Zinsen, tilgt man seine Schulden schneller und die Bank verdient schlicht weniger, bei niedrigen Zinsen.
Das ist der eigentliche Grund warum die EZB die Zinsen niedrig hält.

Denn statt faule Kredite abzuschreiben, halten die Banken diese in ihren Bilanzen. Sie wurden aber genau wg. der faulen Kredite vom Staat gerettet.
Nun schwelt das Problem weiter, EUweit (siehe Italien 360 Milliarden € faule Kredite).
Das wundersame Ergebnis der deutschen Sparkassen erfahren wir erst im Herbst 2017.

Antwort
von bastidunkel, 56

Die niedrigen Zinsen sind günstig für Investoren. Also ist die Niedrigzinspolitik gut für das Wirtschaftswachstum.

Antwort
von Rumo1980, 68

Nicht ist zu 100% schlecht für alle. Wäre es so würde es nemand bei dem Zinssatz belassen oder? Und nein, den Banken geht es nicht gut.

Antwort
von kenibora, 48

Am allergünstigsten aber für den Staat, denn er bezahlt auf oder für seine steigenden Verschuldungen auch keine oder kaum Zinsen!

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