Frage von katsching621, 102

Sind Mobbingopfer die sich wehren so gesehen Schuld und können angezeigt werden?

Antwort
von Dommie1306, 33

Kommt auf die Vortat und das "sich Wehren" an.

Beispiel: Wenn das Mobbingopfer von allem im Kreis geschubst wird und es mit körperlicher Gewalt aus dem Kreis ausbricht, handelt es sich um eine Notwehr Handlung und ist somit nicht rechtswidrig.

Allgemein:

Das Mobbingopfer ist Geschädigter einer Straftat, Körperverletzung, Nötigung, Beleidigung, was auch immer.

§ 32 StGB
Notwehr

(1) Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.

(2) Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen
gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen
abzuwenden.

Wichtig ist hierbei, dass die Notwehr eine Verteidigung ist, die erforderlich ist, einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff abzuwehren.

Und genau hier wirds heikel. Wird das Mobbingopfer z.B. beleidigt in dem es sagen wir mal immer als "dick" beschimpft wird, ist körperliche Gewalt, wie z.B. dem anderen eine aufs Maul geben (so menschlich nachvollziehbar es sein mag) keine Notwehr! Das würde den Tatbestand der Körperverletzung ohne Rechtfertigungsgrund erfüllen.

Zu beachten ist immer die Verhältnismäßigkeit.

Greift mich einer mit einem Messer an, darf ich ihn auch erschießen.

Schlägt mich der gleiche Täter aber stattdessen nur mit der flachen Hand ins Gesicht, werde ich "das Erschießen" vor Gericht niemals rechtfertigen können.

Die Verteidigungshandlung muss also im Verhältnis zum Angriff irgendwo "nachvollziehbar" sein...

Bei der Beleidigung gibt es somit kaum eine mögliche Notwehr.

Die Beleidigung stellt ein Ehrdelikt dar (was sehr niedrig angesiedelt ist von der Strafzumessung). Was gäbe es hier für vernünftige Reaktionen? Zurückbeleidigen? Ist keine Abwehr des rechtswidrigen Angriffs => Keine Notwehr! Schlagen? Ist nicht verhältnismäßig => Keine Notwehr.

Einfach Weggehen? Klingt sinnig und da es keine Straftat ist, brauchen wir uns nicht darüber zu unterhalten, ob es eine Notwehrhandlung ist.

Also: Ein Mobbingopfer kann durchaus beim Wehren eine Straftat begehen. Ob diese rechtswidrig ist, muss im Einzelfall geklärt werden.

Kommentar von AalFred2 ,

Weil du es ja nicht wiederholen willst also hier.

Da zitierst du schon den korrekten Paragraphen, erzählst danach aber nur falsches. Du erzählst die ganze Zeit von Verhältnismässigkeit. Diese findet sich aber, wie du ja lesen kannst, im § 32 StGB gar nicht. Sie ist auch nicht gefordert. Wenn Erschiessen das mildestmögliche Mittel ist, den rechtswidrigen Angriff zu stoppen, ist das grundsätzlich gesetzeskonform, egal woraus der Angriff besteht.

Kommentar von Dommie1306 ,

Richtig. Das mildestmögliche Mittel. Was mit Verhältnismäßigkeit gleichzusetzen ist. Und ja, du hast recht, das steht nicht im §32 StGB. Da steht aber auch nichts von mildestmögliche Mittel.

Natürlich kann Erschießen eine denkbare Möglichkeit der Notwehr sein. Aber nochmal: Es kommt auch auf den Angriff an.

Lehrbuchbeispiel:

Der lahme Greis sitzt im Garten. Kinder klettern auf seinen Kirschbaum und stehlen Kirschen. Der Greis ist lahm, das heißt er kann sich jetzt nicht wehren, außer mit dem Gewehr, welches neben ihm liegt. In dem Fall muss er aber den Verlust der Kirschen zulassen, da der Gebrauch der Schusswaffe hier eben nicht verhältnismäßig wäre.

Aber gut, du hast in soweit Recht, als dass es keine Abwägung der betroffenen Rechtsgüter gibt. Dennoch gibt es das vom BGH zitierte

Missbrauchs des Notwehrrechts wegen geringen Gewichts des angegriffenen Rechtsguts.

Das ist im Endeffekt eine Verhältnismäßigkeitsprüfung, nur hat das Kind hier einen anderen Namen. (Und das muss ich jetzt schon noch loswerden: wenn du schon jemanden unterstellst, falsch zu antworten, dann solltest du dich im Vorfeld nicht nur über das Gesetz/Paragraph, sondern auch über die Urteile dazu informieren... nur mal als Anregung.)

Kommentar von AalFred2 ,

Das ist und bleibt falsch. Deine wiederholte Behauptung ändert doch daran nichts. Auch sprechen wir hier eben nicht über dein Lehrbuchbeispiel. Selbstverständlich darf ich mich gegen die Straftat der Beleidigung mit körperlicher Gewalt wehren, so diese denn das mildestmögliche Mittel ist. Aber du hast mit Sicherheit eine milderes, oder?

Kommentar von Dommie1306 ,

Ok, man muss einfach auch mal zugeben können, wenn man falsch liegt und das tu ich in diesem Fall.

Hab extra nochmal meine Unterlagen rausgesucht und da steht von mir handschriftlich notiert neben §32 StGB (wörtlich) "Beachte Missbrauch des Notwehrrechts durch völlig maßloses Verhalten, aber keine Verhältnismäßigkeitsprüfung! Siehe Kirschen und Greis!"

Tja, ich glaub, da hab ich damals nicht richtig aufgepasst.

Und ja, es steht ca. 5 Zeilen weiter unten, dass ich mich gegen Beleidigung auch körperlich wehren darf, solange damit ein gegenwärtiger Angriff unterbunden wird...

Ist ja gut, ist ja gut, ich war dumm. Können wir die letzten 3 Posts von mir einfach ignorieren? Danke:)


Aber jetzt hab ich eine Frage, das find ich zumindest auf die schnelle nicht: Wäre nicht eine Nötigung ein milderes Mittel? "Sei ruhig, oder ich hau dich?" Könnte man quasi auch als Androhung der Notwehr sehen...


Nochmal um es deutlich zu machen: Ich hatte Unrecht, du hattest Recht, danke dass du konsequent geblieben bist, sonst würde hier eine falsche Aussage stehen.

Kommentar von AalFred2 ,

Alles gut. Das mit der Nötigung könnte sogar sein. Ich find's cool, wenn man einen Irrtum auch mal zugeben kann. Danke.

Kommentar von Dommie1306 ,

Naja, schlimm ist nicht der Fehler, sondern nicht zuzugeben einen Fehler gemacht zu haben.

Außerdem benutze ich die Plattform unter anderem, um mich rechtlich auf den neusten Stand zu halten, bzw. um mich fortzubilden. Daher bin ich froh, dass du mich verbessert hast... und natürlich frustriert, so unglaublich falsch gelegen zu haben;)

Einigen wir uns drauf, dass ich zumindest damit Recht hatte, dass Nötigung evtl. die bessere Variante wäre?=)

Kommentar von AalFred2 ,

Können wir tun.;-)

Antwort
von Xendom, 52

In bestimmten Situationen können sie angezeigt werden, was auch berechtigt ist, in anderen Situationen wiederum nicht. Wenn das Mobbingopfer z.B beleidigt wird und den Täter daraufhin schlägt, könnte der Täter das Mobbingopfer anzeigen, was in diesem Falle auch berechtigt wäre. Allerdings kann das Mobbingopfer den Täter aufgrund von Beleidigung genauso anzeigen.Würde der Täter allerdings das Opfer körperlich angreifen, dürfte es sich sich natürlich wehren und den Täter z.B mittels eines Boxes zu Boden boxen. In diesem Falle könnte das Opfer den Täter anzeigen und dem Opfer selbst würde nichts passieren, da es sich lediglich um Selbstverteidigung gehandelt hat. Allerdings darf sich das Opfer nur wehren, solange es notwendig ist. Wenn der Täter z.B auf dem Boden liegt und sichtlich nicht mehr Angreifen kann oder allgemein nicht mehr angreift, darf das Opfer nicht weiter drauf boxen oder von sich aus angreifen, da das ganze dann nicht mehr zur Selbstverteidigung gehört.

Kommentar von AalFred2 ,

Warum genau gibt es bei einer Beleidigung keine Notwehr?

Kommentar von Dommie1306 ,

Keine Lust nochmal alles zu schreiben, kannst du bei mir nachlesen;)

Kommentar von AalFred2 ,

Auch da ist es falsch.

Kommentar von Dommie1306 ,

Nope. Urteil vom BGH sieht mich im Recht. Denen glaub ich mal

Kommentar von AalFred2 ,

Welches Urteil?

Kommentar von Dommie1306 ,

Hatte das hier im Kopf

http://www.rechtsportal.de/Rechtsprechung/Rechtsprechung/1976/OLG-Hamm/Die-Ausue...

Die Ausübung der Notwehr ist mißbräuchlich und
dementsprechend die Berufung auf das Notwehrrecht rechtsmißbräuchlich,
wenn das durch die Abwehrhandlung betroffene Rechtsgut in einem
unerträglichen Mißverhältnis zum angegriffenen Rechtsgut steht (hier:
Schußwaffengebrauch gegenüber einem Einbrecher).

OLG Hamm (9 U 193/76)

Datum:

14.12.1976

Fundstelle: OLGZ 1978, 71; VersR 1977, 934

Auszug:

Der BGH, DRsp I (112) 81 c = MDR 1976, 35 = NJW 1976, 41 , auf den
sich das OLG u.a. beruft, spricht von einem »Mißbrauch des Notwehrrechts
durch völlig maßloses Verhalten«; vgl. dazu auch OLG Karlsruhe, VersR 1979, [...]

Aber ich bin bereits überzeugt, "Verhältnismäßigkeit" ist hier falsch...

Antwort
von Christi88, 69

Das kommt wohl ganz darauf an, was einem Mobbingopfer angetan wird, und wie es sich wehrt, denke ich mal.

Kommentar von katsching621 ,

wenn es nur beschimpft wird oder doof angemacht

Kommentar von Christi88 ,

Dann sollte diese Person sich am besten auch nur verbal, oder anders, bestenfalls nicht Körperlich wehren. Ausser eben, es muss unbedingt sein. Sonst findet man sich schnell in der Täterrolle wieder.

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