Sind manche Juden im 3. Reich verschont geblieben?

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12 Antworten

@accountowner und Patrick Lassan

Ich will mal eine Brücke über unsere Statements bauen. Dabei habt ihr den Vorteil, dass eure Meinung dokumentiert ist..
Meine ist eine Behauptung: Ein Beamter muss die Gesetze kennen, er muss sie aber nicht immer anwenden. Das gilt heute und auch damals.

Viele Ariernachweise wurden frisiert. In einem Durchgangsland wie Deutschland war es selten möglich, arisch-deutsche Vorfahren bis ins dritte Glied zu haben oder noch länger zu haben, auch meine Familie nicht. Dann wurden eben die behördlichen Ariernachweise so gestaltet, dass jeder zufrieden war.

Sogar sehr viele 100%ige Nazis in den Amtsstuben machten das, denn die meisten hatten einen „Juden“, dem sie nichts antun wollten.
So haben viele überlebt, weil sie „nach der Reichsgerichtsbarkeit keine Juden waren“ . So hatte ich formuliert.

Ich kam auf diese Behauptung, weil meine Mutter eine Schulfreundin hatte mit einem schrecklich diskriminierenden Namen. Als die Namen vergeben wurden, haben viele Behörden den Juden absichtlich solche Namen gegeben. Ich war neugierig und habe dann den Hintergrund erfahren.

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Kommentar von Accountowner08
31.03.2016, 12:39

Schön, dass du zugibst, dass du von der Materie nicht allzu viel Ahnung hast. Aber wenn du 1941 geboren bist, dann hättest du zumindest aufgrund deiner Allgemeinbildung wissen müssen, dass Taufe oder Austritt aus der jüdischen Gemeinde nicht vor Deportation durch die Deutschen von 1933 bis 1945 geschützt hat (siehe dazu den sehr bekannten Fall von Edith Stein) und dass "Mischlinge 1. Grades" ("Halbjuden") und "Mischlinge 2. Grades" ("Vierteljuden") in Deutschland von 1933 bis 1945 diskriminiert wurden. Insofern kann ich nicht ganz nachvollziehen, wie du zu der Behauptung kamst, dass ihnen "nichts passierte".

Übrigens haben die Nazis die Anzahl getaufter und assimilierter Juden und die ihrer Nachkommen sehr stark überschätzt (du vielleicht auch), oder in ihrer Propaganda (wahrscheinlich bewusst) sehr übertrieben .

Du hast Recht, die Umsetzung dieser "Gesetze" war sehr disparat, und hing von verschiedenen Faktoren ab. So beschreibt Valentin Senger z.B. in seinem Buch "Kaiserhofstrasse 12" wie seine Familie sich als nicht-jüdische ausgegeben hat und so den Krieg in Frankfurt überleben konnte. Er beschreibt aber auch, wie stressig das war, wie gross die Angst war, entdeckt zu werden, und wie diese Kindheit nachhaltige Spuren hinterlassen hat.

Deine Einschätzung, dass "sehr viele 100% Nazis" sich nicht an die Vorschriften der Nazis hielten scheint mir zu optimistisch. Ausserdem sollte dazu noch gesagt werden, dass auch sehr viele Menschen (die vielleicht gar nicht unbedingt "100%e Nazis" waren) andere Menschen denunziert und so in den sicheren Tod geschickt haben (siehe z.B. Anne Frank). Die Chancen, als Jude versteckt im 3. Reich zu überleben waren sehr schlecht, aber sie waren nicht null.

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Nur sehr wenige, die sich versteckt halten konnten und dazu auch Hilfe hatten. 

Wenn Du auch "Schindlers Liste" meinst (die es ja wirklich gegeben hat), gab es einige wenige weitere Beispiele von couragierten Deutschen. Mir fällt ad hoc Max Schmeling ein, der sich geweigert hat, sich von seinem jüdischen Boxtrainer loszusagen. Was allerdings aus dem Mann geworden ist und ob er das zwölfjährige Reich überlebt hat, weiß ich leider nicht.

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Kommentar von abibremer
14.04.2017, 17:25

Der Schauspieler Heinz Rühmann schaffte es, seine erste Ehefrau (Jüdin) an einen schwedischen Mann zu "verkaufen" wenn das nicht gelungen wäre, hätte er nach dem Willen Herrn Goebbels nicht weiter als Filmschauspieler arbeiten dürfen.

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Es gibt u. a. einige bekannte deutsche Juden, die den Holocaust in Verstecken überlegt haben und darüber in ihren Autobiographien berichtet haben, so z.B. die deutsch-israelische Journalistin und Autorin Inge Deutschkron ("Ich trug den gelben Stern") oder der deutsche Film-/Theaterschauspieler Michael Degen (" Nicht alle waren Mörder - eine Kindheit in Berlin" - auch verfilmt) - zwei unter 1423 Juden in Berlin, die dem tödlichen Automatismus entronnen sind.

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Viele Juden haben sich Ende des 19. Jahrhunderts zur Bismarckschen Reichsgründung von ihrem Glauben distanziert, sind ausgetreten.

Ein Beispiel von noch früher ist der Komponist Mendelssohn-Bartoldy, der genau aus diesem Grunde das "Bartoldy" an seinen Namen angehängt hat.

Diesen "Juden" hat man nichts getan, sie waren allerdings auch keine "Juden" mehr im Sinne der Reichsgesetzgebung.


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Kommentar von 2big2fail
28.03.2016, 14:04

Also konnten Juden deutsche werden, aber was ist mit ihren Nachnamen, mussten sie den wechseln? Was von Vorteil gewesen sein musste, als es losging und die Familien in die KZ's verschleppt wurden, kann ich mir eventuell vorstellen..

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Kommentar von PatrickLassan
28.03.2016, 14:42

Diesen "Juden" hat man nichts getan, sie waren allerdings auch keine "Juden" mehr im Sinne der Reichsgesetzgebung.

Da man im 3. Reich Juden als 'Rasse' und nicht als Angehörige einer bestimmten Religionsgemeinschaft ansah, trifft das nicht zu.

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Kommentar von Dahika
19.03.2017, 13:38

Das ist falsch. Konvertierte Juden blieben in den Augen der Nazis Juden, denn den Nazis ging es nicht um die Religion, sondern um die jüdische "Rasse". Das bekannteste Beispiel ist die kath. Nonne Edith Stein.

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Ja da Hitlers Chauffeur  Jude war

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Ja auch von Hitler persönlich beschützt wie zb. Seinen Kinderarzt seinen Kameramann seinen chaför (oder so ähnlich ) und seine jüdischen Soldaten ( Dazu empfehle ich das Buch Hitlers jüdische Soldaten. Das ist übrigens von einem Juden geschrieben worden.)

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Kommentar von RichardSharpe
21.09.2016, 09:30

Das Wort lautet Chauffeur oder auf Deutsch Fahrer. Welcher Fahrer Hitlers war gleich noch mal Jude?

Dazu empfehle ich das Buch Hitlers jüdische Soldaten.

Zitat aus einer Besprechung dieses Buchs:

Bryan Riggs Buch über jüdische Soldaten ist eine Mogelpackung

http://www.zeit.de/2003/46/P-Rigg-neu

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Alle die, die rechtzeitig emigieren konnten. Alle, die es geschafft hatten, sich unter Lebensgefahr zu verstecken.

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Wenn manche jüdische Bürger für Hitler von hohem Nutzen waren, hat er sie nicht abführen bzw. töten lassen. Hat uns mal unser Geschichtslehrer damals erklärt. Es gab einige Juden die aber auch versteckt werden konnten, bis zum Kriegsende.

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Kommentar von 2big2fail
28.03.2016, 13:58

Was hatten die für einen Nutzen, bzw. welche Funktionen hatten sie?

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Kommentar von Accountowner08
28.03.2016, 15:01

Ich glaube nicht, dass das so stimmt. Tatsache ist, dass manche Gefangene z.B. in Ausschwitz hoch qualifizierte Arbeiten machten, siehe dazu Primo Levi, "Wenn das ein Mensch ist".

Aber einfach so wurde niemand verschont. 

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Wiki sagt dazu:

"Von in „Mischehen“ oder versteckt im Reich lebenden Juden entkamen 10.000 bis 15.000 dem Holocaust." (auf eine jüdische Bevölkerung von ca. 500'000 vor der Nazi-Zeit, das sind also ca. 2%).

 https://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust

Diese Zahlen beziehen sich auf Deutschland.

Für ganz Europa findest du unter "casualties World War 2" auf wikipaedia (leider kann man hier keinen 2. Link einstellen) eine Aufstellung nach Ländern, die besagt, wie viele Juden es im jeweiligen Land vor der Eroberung durch die Nazis gab, und wie viel Prozent der jüdischen Bevölkerung von den Deutschen ermordet wurden.

Bei den Überlebenden wird aber nicht unterschieden zwischen Menschen, die rechtzeitig geflohen sind (was bei vielen deutschen und österreichischen Juden der Fall war), Menschen, die sich verstecken konnten und Menschen, die die Konzentrationslager überlebt haben.

Verstecken konnten sich vor allem Babies und kleine Kinder, die von nichtjüdischen Familien adoptiert oder tw. auch in Klöstern versteckt wurden.

In den eroberten Gebieten konnte man ev. auch bei den Partisanen, d.h. bei Leuten, die sowiewo versteckt (im Wald) lebten, Unterschlupf finden.

Wenn du mehr über einzelne Fälle lesen willst, kann ich dir folgende Bücher bzw. Filme empfehlen:

Cioma Schönhaus: der Passfälscher

Hitlerjunge Salomon

Ralf Giordano: Die Bertinis

Charlotte Knobloch: Biographie

Valentin Senger: Kaiserhofstrasse 12

Joseph Joffo: ein Sack murmeln (un sac de billes)

Martin Gray: au nom de tous les miens

Auf wiedersehen, Kinder

Das Tagebuch der Anne Frank

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Kommentar von Accountowner08
28.03.2016, 15:18

Der Clown und die Zirkusreiterin (Ingeborg Prior)

Alex Faitelsohn: Im jüdischen Widerstand 

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Einige (wenige) konnten in Verstecken überleben. Soweit ich weiß, war der spätere Erfinder der Fernsehshow DALLI DALLI  Hans Rosenthal jahrelang in einer Gartenlaube versteckt.

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Einige Juden kaempfen im 2. Weltkrieg bei der Wehrmacht, sogar ein paar bei der Waffen-SS - ich habe einen Dokumentar darauf gesehen

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Soweit ich weiß, wurden alle Juden, die entdeckt wurden, umgesiedelt oder in KZ´s gebracht. Ein Fallbeispiel wäre zum Beispiel die Familie um Anne Frank.

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Kommentar von Furzer
28.03.2016, 14:04

Einige Juden konnten versteckt werden oder vorher ins Exil flüchten. Also nach USA.

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