Frage von anonymos987654, 33

Sind katholische Seelsorgeeinheiten offiziell verpflichtet, jeden Monat eine Stunde Beichtgelegenheit anzubieten?

Mir wurde von Bekannten berichtet, die in vielen Gemeinden herumgekommen sind, dass dort oft eine bestimmte Beichtzeit ausgeschrieben war. Sie haben sich dann zu dem entsprechenden Termin in der Kirche eingefunden, es ist aber kein Priester erschienen.

Als sie diesem Missstand auf den Grund gingen, bekamen sie zur Antwort, dass die Beichtzeiten nur deswegen dort stünden, weil es eine Mindestverpflichtung pro Seelsorgeeinheit dafür gäbe. Mangels Nachfrage der Gläubigen würden die Priester es damit in der Regel aber nicht so genau nehmen.

Ist es wirklich so, dass es diese Verpflichtung gibt, bestimmte Beichtzeiten anzugeben? Und gibt es dann keine Möglichkeit, zu den entsprechenden Zeiten auch gewiss einen Priester anzutreffen? Und was würdet Ihr tun, wenn nicht mal der Bischof, dem das mitgeteilt wurde, einschreitet?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Eselspur, 13

Im Kirchenrecht heißt es, dass Seelsorger verpflichtet sind, Beichtgelegenheit anzubieten:

Can. 986 — § 1. Jeder, dem von Amts wegen die Seelsorge aufgetragen ist, ist zur Vorsorge dafür verpflichtet, daß die Beichten der ihm anvertrauten Gläubigen gehört werden, die in vernünftiger Weise darum bitten; des weiteren, daß ihnen an festgesetzten Tagen und Stunden, die ihnen genehm sind, Gelegenheit geboten wird, zu einer persönlichen Beichte zu kommen.

http://www.codex-iuris-canonici.de/indexdt.htm

Dass in diesem Bereich massiv getrickst wird, glaube ich nicht. Dass einzelne Priester resigniert haben, weil so wenig bei ihnen gebeichtet wird, mag sein, Wenn es dir - oder deiner Bekannten - aber nicht darum geht, irgendjemand anzuschwärzen. sondern zu beichten bin ich sicher, dass du bzw. die Bekannte gute Möglichkeiten dazu findet. Sprecht einfach einen Priester - wie es im Kirchenrecht heißt - "in vernünftiger Weise" darauf an!

Kommentar von anonymos987654 ,

Danke für deine Antwort.

In der eigenen Pfarrei kann man natürlich den Priester "in vernünftiger Weise" darauf ansprechen.

Das Problem ergibt sich jedoch, wenn man darauf angewiesen ist, sich die Hl. Messen und Beichtgelegenheiten in verschiedenen Pfarreien zusammensuchen zu müssen - da werktags meist nicht jeden Tag eine Messe gefeiert wird, aber sonntags auch nur noch einmal pro Monat in der eigenen Gemeinde eine Messe zu finden ist. Dann hat man längere Wege, um wo anders hinzukommen, und wenn man dann mehrfach enttäuscht wurde, verzichtet man ganz darauf. Und der Priester klagt darüber, "dass ja keiner mehr käme" - was aber an s e i n e r Unzuverlässigkeit liegt.

Der zweite Punkt ist, dass meine Bekannten daran Anstoß nahmen, dass die Anonymität der Beichte nicht mehr gewahrt ist, wenn man erst persönlich anfragen muss, meistens noch über den Küster oder über das Pfarrbüro, ob eine Beichte beim zuständigen Priester möglich ist. Telefonisch sind viele Priester nicht mehr direkt erreichbar, sondern nur die Pfarrsekretärin, und das Pfarrbüro hat dann vielleicht zwei Stunden pro Tag - oder gar nicht jeden Tag - Sprechstunde. Und wieder heißt es, "die Gläubigen hätten ja zu wenig Interesse" - dabei ist der Priester einfach nicht präsent genug.

Der dritte Missstand, der beklagt wurde, war, wenn man mit einer anderen Person, die man für den Glauben interessieren will, zur Messe gehen oder ihr eine Beichtmöglichkeit zeigen will, und dann ist keine Zuverlässigkeit gegeben, wer macht sich denn dann schon im Vorfeld, ehe er (wieder) voll praktizierend ist, die Mühe, es noch ein weiteres Mal zu probieren, wo er wieder nicht die Gewissheit hat, dass er nicht vergeblich kommt?

Wenn ich hier die Erfahrungen meiner Bekannten wiedergebe, geht es mir in keiner Weise darum, jemanden "anzuschwärzen". Ich fühle mich, wenn ich so was höre, einfach ziemlich ohnmächtig dem ausgeliefert, weil man ja als Gläubige anscheinend nichts machen kann, sondern dann einfach Pech hat - oder man geht zu einer traditionellen Priesterbruderschaft wie zum Beispiel St. Pius (wenn man denn das Glück hat, in erreichbarer Entfernung von denen zu wohnen), denn dort fallen niemals Beichten oder Messen aus, weil die Priester ihren "Job" ernster nehmen.

Antwort
von RobertWeemeyer, 22

Von einer Vorschrift, die eine Mindesthäufigkeit von Beichtgelegenheiten festlegt, ist mir nichts bekannt. Ich habe aber auch noch nie gehört, dass es ein grassierendes Problem sein soll, dass bei einer angesagten Beichtgelegenheit kein Priester zugegen ist. Sofern das in einer Kirche nicht ein seltener Aussetzer ist, sondern ein Dauerproblem, würde ich schon erwarten, dass die kirchliche Autorität eingreift. 

Antwort
von omikron, 13

Sie sind rechtlich nicht ausdrücklich verpflichtet, jeden Monat eine Stunde Beichtgelegenheit anzubieten. Freilich kann es sein, dass es sich um eine Art Selbstverpflichtung der Seelsorgeeinheit (was ist das?) handelt.

Die Beichte gehört natürlich zu den genuinen Aufgaben des Priesters, mehr als wegen Pfarreiverwaltung vor dem PC zu sitzen. Darum sollte der Priester das Angebot, das er macht, auch ernst nehmen und sich zur angegebenen Zeit vor Ort einfinden, selbst wenn erfahrungsgemäß nur wenige kommen. Denn es herrscht bekanntlich Freude im Himmel über einen einzigen, der umkehrt.

Kommentar von anonymos987654 ,

"Seelsorgeeinheit (was ist das?)"

Damit wird ein Verbund von mehreren Pfarreien bezeichnet, die alle gemeinsam von den selben Priestern und weiteren Mitarbeitern betreut werden.

Die Seelsorgeeinheiten wurden eingerichtet wegen des aktuellen Priestermangels in den Gemeinden, und hat zur Folge, dass sonntags reihum die Messe jeweils in einer anderen Kirche gefeiert wird (in der eigenen dann vielleicht einmal im Monat),

und dass werktags auch nur einmal pro Woche in der eigenen Gemeinde eine Messe ist.

Von den Gläubigen wird eine permanente Mobilität verlangt, dass man sich jeden Tag wo anders eine Messe sucht.

Antwort
von oelbart, 12

Wenn sie das aufgrund mangelnder Nachfrage "nicht so genau nehmen" kannst Du ja mal die Pfarrer selbst ansprechen. Ist - finde ich - immer netter, als gleich an den (irdischen) Chef zu eskalieren.

Kommentar von anonymos987654 ,

Mit den Pfarrern selber wurde bereits gesprochen. Sie haben jedoch durch ihre Haltung deutlich bekundet, dass ihnen das alles nicht so wichtig ist.

Antwort
von Ichthys1009, 7

"Und was würdet Ihr tun, wenn nicht mal der Bischof, dem das mitgeteilt wurde, einschreitet?"

Wenn der zuständige Bischof seine Pflichten versäumt, kannst du dich an den Apostolischen Nuntius wenden.

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