Frage von Svitbert, 223

Sind intelligente Menschen weniger anfällig für bestimmte Abhängigkeiten?

Guten Morgen lieber Nutzer und Nutzerinnen,

die Frage ob intelligente Menschen weniger anfällig für bestimmte Abhängigkeiten (Glücksspiel, Drogen [Alkohol, Heroin, Cannabis etc.] usw.) ist mir momentan ein Rätsel.

Als ich neulich das Thema "Sucht und Intelligenz" angesprochen habe, waren die Meinungen sehr differenziert. Aus meinem Freundeskreis waren zwei Freunde anwesend, deshalb gab es nur drei verschiedene Meinungen.

Jetzt haben wir alle wie gesagt verschiedene Meinungen zum Thema. Ich habe "nur" meine Mittlere Reife (1.3) und bin Gesundheits- und Krankenpfleger Kumpel A hat Abitur (2.1) und studiert Lebensmittelchemie Kumpel B hat Abitur (2.8) und macht eine Ausbildung zum Zimmerer

Wenn wir Intelligenz nach Schuldbildung hernehmen würden, dann wäre ich wohl anfälliger für bestimmte Abhängigkeiten. Person A) konsumiert aber regelmäßig Cannabis Person B) konsumiert an Wochenenden Alkohol wenn etwas ansteht (so wie ich)

Meine Meinung: Eine Mischung aus der Intelligenz und dem sozialen Umfeld des Individuums, wobei eventuell Menschen mti einem niedrigereren Bildungsstand anfälliger sein "könnten". Allerdings glaube ich, dass "intelligentere Menschen" auch neugieriger sind und es beispielsweise auch besser verheimlichen können.

Die selbe Meinung hatte Kumpel B

Meine Meinung kommt daher, dass viele Künstler öfters zu bestimmten Substanzen tendieren und diese auch regelmäßig einnahmen und somit eine solche Persönlichkeitsstruktur aufweisen.

Kumpel A äußerte sich nur kurz, "solange man es regulieren kann und sich nicht davon einnehmen lässt, ist alles in Ordnung. Ich rauche selbst Cannabis, habe Abitur und studiere. Intelligent ist man, wenn man die Sucht rechtzeitig erkennt und aufhört"

Ich finde seine Meinung richtig und haben ihn nicht kritisiert. Die einzige Frage die ich mir selbst gestellt habe war: "Wenn man doch intelligent ist, dann lässt man es doch gar nicht zu, dass es so weit kommt und hört schon vorher auf" Aber jetzt denke ich mir, dass ich ja auch ab und an Alkohol trinke - wäre es nicht schlauer im Vorfeld, sagen wir mal jetzt, den Konsum verstummen zu lassen? Wäre das nicht "Intelligent"?

Wo und ab wann ist man denn überhaupst abhängig und wie ist euere Meinung zu diesem Thema? Ist ein Student der regelmäßig am Wochenede trinkt abhängig, oder ist dies nur eine Phase die im Berufsleben verschwimmt?

Ich bin vom Thema abgekommen, wahrscheinlich mehrmals. Ich mache mir selbst über die Definition noch Gedanken (deshalb der vorletzte Absatz)

Antwort
von Tasha, 101

Also erst mal: An der Schul- und auch Berufsbildung lässt sich Intelligenz nicht unbedingt ablesen. Bei Interesse lies mal das Buch "Leben als hochbegabter Erwachsener" von Andrea Brackmann. Dort finden sich viele Berichte sehr spät erkannter Hochbegabter mit geringer formaler Bildung.

Suchtgefährdung mag mit höherer Bildung geringer sein - man weiß dann, welche Gefahren lauern oder was ein Suchtmittel mit dem Körper macht; dafür wärest Du mit einer medizinischen Ausbildung noch am besten qualifiziert - aber entscheidende Faktoren sind meines Erachtens eher andere:

1. Die Neigung, überhaupt etwas einzunehmen. Diese Neigung hat viel mit der eigenen Biografie zu tun. War z.B. ein Verwandter Suchtkrank, ist man eher vorsichtig und möchte möglichst wenig einnehmen. Oder man hat aus anderen Gründen Angst, Substanzen einzunehmen, also schon Angst vor Abhängigkeit. Oder man hat positive Erfahrungen gemacht mit Beruhigungs- oder Aufputschmitteln, meinetwegen auch Cola/ Kaffee und Baldrian und ist daher geneigt, etwas anderes auszuprobieren.

Oder man hat einfach das Gefühl, dass die Probleme so groß sind, dass man jetzt eine Tablette etc. braucht.

Wer im Leben die Erfahrung gemacht hat, dass man etwas einnimmt (isst/ trinkt) und es einem besser geht, wird eher auch zu verbotenen Substanzen greifen als andere, die mit "Mitteln" negative Erfahrungen gemacht haben.

2. Der Umgang mit Stress. Es gibt Menschen, die nicht wissen, was sie tun können, wenn sie überfordert sind und die schnell überfordert sind. Die nehmen eher etwas ein, um die Situation zu überstehen. Andere Menschen haben eine positive Lebenseinstellung, suchen aktiv nach Lösungen, versetzen sich aktiv in eine ruhige/ fröhliche Stimmung - das kann man in gewissem Rahmen ja lernen - und brauchen so gar nicht erst Substanzen. Wenn es denen schlecht geht, gehen sie mit Freunden aus, machen Sport, betreiben ein Hobby, spielen oder hören Musik, gehen in die Natur usw. Die entspannen sich also aktiv. Sie bekämpfen ggf. auch Ängste aktiv.

Da sie alternative Lösungen für ihre Probleme (Stress, Angst, Überforderung) haben, kommen sie meist gar nicht auf die Idee, "etwas zu nehmen".

Grundsätzlich gibt es Menschen, die eine irrationale oder rationale Angst vor "Substanzen" haben und nicht mal Aspirin nehmen und andere, die "etwas einnehmen" als universelle Schell- Lösung für alles sehen. Und alle Abstufungen dazwischen.

3. Bildung: Bildung spielt bei Punkt 1 und 2 erst mal keine Rolle.

Bildung kann dazu führen, dass man sehr viel einnimmt - oft waren jedenfalls früher und teilweise noch heute gerade Menschen süchtig, die viel mit Medikamenten zu tun hatten, entweder bewusst, weil es sich anbot oder weil sie eingelullt waren durch ihr Fachwissen (und nicht an Nebenwirkungen dachten).

Bildung kann auch dazu führen, dass man die Einnahme von Substanzen verhindert, weil man die Mechanismen der Wirkung, Sucht und Nebenwirkung kennt. Das wären rationelle Gründe.

Bildung kann auch dazu führen, dass man weiß, wie sich Stress auswirkt und was man aktiv dagegen tun kann s. Punkt 2, und so Alternativen zur Substanzeinnahme kennt.

Nicht zu unterschätzen ist aber auch Angst: Angst vor Sucht, Angst vor Nebenwirkungen, bei illegalen Drogen Angst vor der Polizei/ Strafe/ Stigmatisierung etc. Auch dies kann sehr "schlichte Gemüte"/ ungebildete Menschen oder gerade hochgebildete/ hochintelligente Menschen treffen, die sich detailliert vorstellen können, was alles passieren könnte, und daher Abstand von so etwas nehmen.

Wichtig ist aber mMn Punkt 2:

Alternativen kennen, wissen, wie man sich richtig entspannt, im eigenen Leben zufrieden sein bzw. wissen, wie man das eigene Leben - unabhängig von äußeren Umständen - so gestaltet, dass man es genießen und sich nötige Entspannung holen kann. Das schafft man ggf. eher, wenn man "etwas" intelligenter ist, aber nicht zwingend. Viel mehr kommt es auf eine positive Lebenseinstellung an und den Glauben daran, dass man aktiv sein Leben im Rahmen der eigenen Möglichkeiten - Finanzen, Gesundheit, andere Möglichkeiten - verbessern bzw. "ausschöpfen" kann. Tut man das, hat man keinen Grund, Drogen zu nehmen.

Wichtiger als Intelligenz ist ggf. auch eher kritisches Denken. Das könnte man unabhängig von der Intelligenz erwerben. Z.B. kann ein hochintelligenter Mensch von Kindesbeinen an Substanzeinnahme als Lösung für alles von den Eltern abgeschaut haben und so später nur schwer von dieser Idee und der Gewohnheit loskommen (oder genau das Gegenteil: Ängste eingeimpft bekommen haben, dass Substanzen schlimme Nebenwirkungen haben).

Die größte Suchtgefahr besteht mMn immer noch bei Menschen, die die Gelegenheit haben: Substanzen im Haus (von Oma, Opa, Bruder, Tochter), Arbeit "an der Quelle", Kontakt zu Dealern, Apotheker, die einem regelmäßig etwas Unnötiges verkaufen oder Ärzten, die es verschreiben (war früher oft der Fall: Mein Opa fuhr mit einer ganzen Tüte Medikamente in Urlaub, die er alle "brauchte"). Die geringste Suchtgefahr haben Menschen, die Alternativen kennen, sowohl alternative Einstellungen, Aktivitäten als auch Substanzen (z.B. Stressabbau durch gesundes Essen statt Aufputschmittel/ Beruhigungsmittel, Konzentration durch Übung/ Sport/ Wasser etc. statt entsprechenden Medikamenten oder Kaffee etc.).

Antwort
von Diimiitrii, 84

Sehr kontroverse Frage mit sehr verschiedenen Antwortmöglichkeiten und jede davon wird belastet von Vorurteilen und Wertungen sein.

Intelligenz ist nicht Schulbildung. Erfolg ist nicht Intelligenz. Im Leben zurecht kommen hat auch nichts mit Intelligenz zu tun.

Schule hat mit Fleiß, auswendig lernen, Arbeit, Konzentration und Nervosität, bzw einem guten Nervenkostüm in Prüfungssituationen zu tun.

Erfolg ist eher Cleverness, soziale Kompetenzen, Manipulationsfähigkeit und Selbstvertrauen.

Im Leben zurecht zu kommen hat mit der Einstellung und einer Mischung aus allem bereits genannten und allem woran du denken kannst zu tun.

Sucht nimmt keine Rücksicht auf deinen Bildungsstand, deine Intelligenz, deine Cleverness oder sonstiges. Sucht trifft dich dort wo deine Schwächen liegen. Wenn du Probleme in deinem sozialen Umfeld hast, dann trinkst du eventuell aus Frust und irgendwann ist es zu spät umzukehren, bzw ist der Weg zurück hart.

Ich würde sogar eher die Gegenthese vertreten wollen und behaupten, dass intelligente Menschen eher zu einer Suchtproblematik neigen als weniger Intelligente. Da diese sich Gedanken machen, sie sehen Probleme bei denen andere wegschauen bzw die andere gar nicht erkennen. Sie zweifeln und verzweifeln, weil sie nicht Verstanden werden oder weil sie die Möglichkeit zu scheitern in ihre Situationseinschätzung mit einbeziehen, statt mit blindem Optimismus zu handeln.

Intelligente neigen zu Skepsis und Pessimismus. Nicht selten resultieren daraus depressive Tendenzen und andere psychische Probleme, wie zB Sucht.

Auf Drogen- oder Alkoholkonsum wegen des Suchtpotentials zu verzichten hat nichts mit Intelligenz zu tun. Drogen und Alkohol sind keine Frage der Intelligenz, sondern Rauschmittel. Sie sind Mittel zur Befriedigung, Beruhigung oder Ablenkung.

"Spaß" zu haben, obgleich der Gefahren (Ich will weder das eine noch das andere schönreden oder verurteilen) hat nichts damit zu tun wie schlau man ist. Das ist eher eine Lebenseinstellung bzw Freizeitaktivität. Ob man diese unter Kontrolle hat oder nicht hat man leider nicht immer vollkommen in den eigenen Händen und kleine Fehler reichen aus um große Probleme zu verursachen. Da schützt auch keine Intelligenz vor.

Kommentar von Svitbert ,

Danke für Ihre Antwort Dimitri :)

Kommentar von Hyaene ,

Perfekte Antwort!

Auch was die "Bildung" betrifft! Das hatte ich sogar ganz vergessen gehabt, obwohl mein ehemaliger Bester und ich, eigentlich ein Paradebeispiel dafür sind, dass Intelligenz nicht zwangsläufig etwas mit Bildung zu tun hat. ^^ 

Ich bin jetzt mal ehrlich (ich schäme mich dafür extrem)... Mein Schulabschluss ist die Hauptschule. Im Anschluss musste ich eine Ausbildung für geistig Behinderte absolvieren. Beides hatte seine "Gründe", neben Faulheit und auch den familiären Hintergründen... Genauso erging es meinem ehemaligen besten Freund (gleiche Klasse), der psychologisch bestätigt, hochintelligent !war!... Er rutschte in den Drogensumpf... Und ich bin mir sicher, dass das nie passiert wäre, hätte man ihm eine "intelligenzgerechte" Bildung ermöglicht! So kam er eben leider mit den Falschen in Kontakt... Schade, einfach nur schade... :-( Seine Eltern waren arm und ich bin ein Adoptivkind... Ja, richtig gelesen. Denn seitdem das die "Lehrer" wussten, begann für mich die Hölle in dieser Schule! 

Ein weiteres Beispiel. Ein Bekannter von mir. "Rotzeblöd", aber ein Student. ^^ Logische Zusammenhänge, Allgemeinbildung usw. waren ihm fremd. Er war also auch nicht nur ein sogenannter "Fachidiot". Ich konnte nicht anders, als ihn zu fragen, wie er es schafft zu studieren. Doof, wie er ist, sagte er ganz ungeniert: "Mein Vater ist ein Freund vom Professor." ... O ____ O Fast das gleiche Spiel. Meine Nachbarin. Bei ihr hatte der Vater gut gezahlt... 

So lernte ich, dass Bildung auch leider oft mit Status und Geld zu tun hat... Viele, wirklich intelligente Menschen, können sich keine gute Bildung leisten. Nicht nur schlecht für diese Person selbst, sondern auch, weil dann solche Menschen in der jeweiligen Position fehlen...  

Ich will nicht arrogant wirken, aber da ich eine geistig behinderte Freundin hatte, weiß ich (zumindest ungefähr), wie geistig behinderte Menschen sind. Natürlich gibt es auch dafür verschiedene Arten und Stufen. Das ist mir schon klar. ^^ 

Ich bin eigentlich auch recht gestraft, wie ich finde. ;-P Ich bin dumm, aber immer noch intelligent genug, um es selbst zu merken. Sprich, ich passe nirgendwo "rein". :-\ 

Ich suche jetzt aber keine Selbstbestätigung oder Mitleid (mich kennt hier eh keiner ;-)), sondern ich wollte anderen Usern, die sich ebenfalls für dieses Thema interessieren, mit diesen Beispielen zeigen, dass das, was du geschrieben hast, einfach Fakt ist. ^^

Mich faszinieren intelligente Menschen zu sehr! Leider kenne ich nur die Sorte, die es zwar von sich selbst behauptet, aber es im Endeffekt auch nur Blödsinn regnet. ^^ Bei dir habe ich allerdings das Gefühl, dass du wirklich überdurchschnittlich intelligent bist. Wie ist das für dich? Gehst du daran kaputt? Sind deine Eltern auch intelligent? Wurdest du immer gefördert? Ich stelle es mir einfach nur horror vor, klug zu sein! :-\ Da bleibe ich lieber blöd! ^^ Hoffe, nimmst es mir jetzt nicht irgendwie übel und Sorry für die ganzen, zum Teil auch privaten Fragen. ;-)  Aber mich interessiert es einfach mal zu sehr, wie intelligente Menschen denken und leben.

Buch zu Ende. xD

Kommentar von Diimiitrii ,

Die persönlichen Fragen will ich nicht öffentlich im Detail beantworten und die Antworten wären auch zu komplex um sie einem Wildfremden offen zu legen, aber du kannst grob davon ausgehen, dass alle deine Annahmen nicht grundfalsch sind.

Wie das für mich ist? - Anstrengend und nicht immer einfach.

Geh ich daran kaputt? - Ich hoffe nicht, aber was nicht ist das kann noch werden.

Sind meine Eltern intelligent? - Nicht im selben Maß wie ich, aber auf ihre Art beide sehr.

Wurdest du immer gefördert? - Nie deswegen. Ganz normales Gymnasium, durchschnittlicher Schüler.

Manchmal wünsche ich mir auch etwas dümmer zu sein. Früher eskalierte das nicht selten in einem Vollrausch. Heute zum Glück nichtmehr.

Kommentar von Hyaene ,

Vielen Dank für deine Antwort! =) 

Du hast schon Recht. Man sollte nicht alles private ausplaudern. Wie sagt man mir immer wieder? "Du trägst das Herz auf der Zunge." leider kann das eben auch ziemlich nach hinten losgehen und es wird gern gegen einen verwendet. Etwas, das ich neben meiner cholerischen Art, endlich mal lernen sollte, es einzustellen... X)

Wenn ich deinen letzten Satz richtig verstanden habe... Glückwunsch zu dieser Leistung! :-) 

Antwort
von Eisfuchs0, 75

"Jetzt haben wir alle wie gesagt verschiedene Meinungen zum Thema. Ich
habe "nur" meine Mittlere Reife (1.3) und bin Gesundheits- und
Krankenpfleger Kumpel A hat Abitur (2.1) und studiert Lebensmittelchemie
Kumpel B hat Abitur (2.8) und macht eine Ausbildung zum Zimmerer"

An dieser Aufzählung kann man nicht sehen, wer wie intelligent ist. Oder wer die intelligenteste Person von euch dreien ist. Bildung/Ausbildung und Intelligenz sind zwei unterschiedliche Kategorien.

"die Frage ob intelligente Menschen weniger anfällig für bestimmte
Abhängigkeiten (Glücksspiel, Drogen [Alkohol, Heroin, Cannabis etc.]
usw.) ist mir momentan ein Rätsel."

Meiner Meinung nach sind sehr intelligente Menschen nicht weniger anfällig für Abhängigkeiten. Möglicherweise sind sie durchschnittlich sogar anfälliger für Abhängigkeiten. Hohe Intelligenz ist häufiger mit nachteiligen Eigenschaften verbunden wie psychische Instabilität, allgemeine Motivationslosigkeit verursacht durch Unterforderung und Langeweile, mangelnde emotionale Fähigkeiten, Probleme im Umgang mit anderen Menschen (Arroganz, Unsicherheit, Unfähigkeit sich in den anderen hereinzuversetzen etc.) usw. Diese Eigenschaften erhöhen das Suchtrisiko.

Ich denke aber das sich ein höheres Bildungsniveau, ein gutes Einkommen und gute soziale Beziehungen zu anderen Menschen sich positiv auf das Suchtrisiko auswirken.

Kommentar von Diimiitrii ,

Hohe Intelligenz ist häufiger mit nachteiligen Eigenschaften verbunden wie psychische Instabilität, ..., mangelnde emotionale Fähigkeiten, Probleme im Umgang mit anderen Menschen (Arroganz, Unsicherheit, Unfähigkeit sich in den anderen hereinzuversetzen etc.) usw. Diese Eigenschaften erhöhen das Suchtrisiko.


Ich will nicht bestreiten, dass Intelligenz damit in Verbindung zu bringen ist, aber ich möchte dazu sagen, dass man Ursache und Wirkung hier nicht unbedingt eindeutig bestimmen sollte.

Soll heißen, psychische Instabilität ist eventuell nicht unbedingt auf die Intelligenz an sich zurückzuführen sondern auf die Erfahrungen die missverstandene Intelligente mit rücksichtslosen "Normalen" gemacht haben.

Mangelnde emotionale Fähigkeiten gibt es in Einzelfällen bestimmt wirklich, aber ich glaube auch hier wird es eher eine selbst gewählte emotionale Distanzierung nach außen sein, um sich von der angesprochen Tätergruppe zu schützen. Ich denke, dass Intelligente sehr emotional sein können, wenn sie die richtigen Menschen zum teilen gefunden haben.

Probleme im Umgang mit anderen will ich nicht bestreiten. Arroganz bestimmt. Unsicherheit aufgrund von Zweifeln und realistischen Situationseinschätzungen bestimmt auch. 

Unfähigkeit sich in andere hereinzuversetzen glaube ich nicht unbedingt. Das ist jetzt sehr subjektiv und sehr persönlich, aber meiner Erfahrung nach ist das etwas das Intelligente mit am besten können. Voraussagen, wie andere Personen handeln werden und aus welcher Motivation. Probleme entstehen dann aber oft, wenn Andere merken, dass sie berechenbar sind bzw sich ausgeliefert fühlen oder Angst bekommen, weil sie nicht mehr mithalten können.

Kommentar von Eisfuchs0 ,

"Soll heißen, psychische Instabilität ist eventuell nicht unbedingt auf
die Intelligenz an sich zurückzuführen sondern auf die Erfahrungen die missverstandene Intelligente mit rücksichtslosen "Normalen" gemacht haben."

Das ist sicher ein wesentlicher Faktor. Intelligente Kinder die eher gute Erfahrungen in ihrer Kindheit gemacht haben (unterstützendes Elternhaus, fördernde Schule, gute soziale Beziehungen usw.) haben dieses Problem wohl weniger oft. Ebenso intelligente Erwachsene die in guten sozialen Verhältnissen leben.

Es gibt allerdings Studien, die einen Zusammenhang zwischen Intelligenz und psychischer Instabilität als Hypothese haben.

Inwieweit das so stimmt, kann ich mangels Fachwissen nicht abschliessend beurteilen. Evolutionsbiologisch würde das meiner Meinung nach schon Sinn machen.

Der Link führt leider nicht zur Studie sondern nur zu einem populärwissenschaftlichen Artikel über die Studie:

http://healthnewsnet.de/forschung/schizophrenie-die-schattenseite-der-evolution-...

"Mangelnde emotionale Fähigkeiten gibt es in Einzelfällen bestimmt
wirklich, aber ich glaube auch hier wird es eher eine selbst gewählte
emotionale Distanzierung nach außen sein, um sich von der angesprochen Tätergruppe zu schützen."

Sehe ich auch so. Allerdings führt die "selbst gewählte
emotionale Distanzierung"  häufig zu negativen Effekten, da sie von andern Menschen oft negativ aufgefasst wird. Damit auch leicht zu einem problematischen sozialen Beziehungsumfeld.

"Unfähigkeit sich in andere hereinzuversetzen glaube ich nicht unbedingt.
Das ist jetzt sehr subjektiv und sehr persönlich, aber meiner Erfahrung nach ist das etwas das Intelligente mit am besten können. Voraussagen, wie andere Personen handeln werden und aus welcher Motivation."

Das trifft meiner Meinung nach auf hochfunktionelle intelligente Menschen zu. Besonders auf die, die in ihrer Kindheit mit Unterstützung der Umgebung ihre Begabung als positiv empfunden haben.

"Probleme entstehen dann aber oft, wenn Andere merken, dass sie
berechenbar sind bzw sich ausgeliefert fühlen oder Angst bekommen, weil sie nicht mehr mithalten können."

Deswegen tarnen viele intelligente Personen ihre Fähigkeiten. Sie stellen sich weniger intelligent dar als sie sind, um negative Reaktionen zu vermeiden.

Kommentar von Diimiitrii ,

Endlich mal jemand der angemessen antworten kann, wenn ich seiner Antwort nicht zu 100% zustimme, bzw was zu ergänzen habe. Danke dir schon mal dafür.

Der Artikel in dem Link befasst sich mit einer anderen Art von Intelligenz als die mit der wir uns befassen. 

Er besagt, dass das menschliche Hirn bzw die Komplexität von eben jenem Schizophrenie erst ermöglicht. Also wird kein Unterschied zwischen intelligenten und weniger intelligenten Menschen gemacht, sondern nur ein Unterschied zwischen Spezies Mensch im Gegensatz zu anderen Spezies.

Die Frage hier bezieht sich auf besondere Intelligenz innerhalb unserer Spezies.

Nichtsdestotrotz sehr interessanter Artikel.

Kommentar von Eisfuchs0 ,

"Der Artikel in dem Link befasst sich mit einer anderen Art von Intelligenz als die mit der wir uns befassen. "

Stimmt.

"Die Frage hier bezieht sich auf besondere Intelligenz innerhalb unserer Spezies."

Stimmt auch.

Meine zugegebenermassen sehr dünn mit Belegen unterfütterte Vermutung ist:

Wenn sich die Studie als valide herausstellt, also die höhere Komplexität des menschlichen Gehirns der Grund ist, warum Menschen z:B. Schizophrenie bekommen können und hochentwickelte Säugetiere nicht, könnte das möglicherweise auch für die Betrachtung der Anfälligkeit von menschlichen Gehirnen im Vergleich zu anderen menschlichen Gehirnen eine Bedeutung haben.

Also ein  im Vergleich leicht komplexeres menschliches Gehirn/Bewusstsein könnte etwas anfälliger sein als ein normal komplexes menschliches Gehirn/Bewusstsein.

Um das zu verifizieren bräuchte man dann weitere Studien.

Antwort
von Ille1811, 41

Sucht kommt von sieck. Siekt ist ein altes Wort für krank. Krankheiten sind unter allen Menschen gleichmäßig verteilt, nehmen keine Rücksicht auf Intelligenz.

Was verschieden ist, das sind die Suchtmittel, die ein Mensch benutzt. Früher sagte man: "Intelligenz säuft, Dummheit frisst!"

Das hat sich nach meinem Empfinden heute etwas geändert.

Was ich als Suchtmittel benutze, also womit ich mich dicht mache, um der Realität zu entfliehen, ist unwichtig. Jedes Suchtmittel ist letztendlich tödlich!

Das gilt auch für hoch angesehene Süchte, wie die Arbeitssucht. Wie oft macht da das Herz aus angeblich "heiterem Himmel" nicht mehr mit.

Was ist mit den Angehörigen von Süchtigen, die alles verSUCHTen, dem Süchtigen zu helfen und dann vor dem Süchtigen schwer krank werden oder sogar sterben? Die werden ja von Außenstehenden regelrecht gemobbt, weil sie es nicht schaffen, dem Süchtigen  die Sucht (Krankheit) abzugewöhnen?

Absolut unabhängig kann kein Mensch leben, aber ich kann mich von Dingen abhängig machen, die mich unabhängiger machen.

Antwort
von Hyaene, 46

Hallo. :-)


Ich finde, das ist eigentlich ein recht ambivalentes Thema. Zumindest für mich.

Ich denke nicht, dass intelligente Menschen Drogen (auch legale) konsumieren, nur um cool zu sein. Denn dafür müssten sie eigentlich zu klug sein. 

Was ich mir aber dennoch vorstellen kann, dass man als intelligenter Mensch - gerade bei hochintelligenten Menschen - schneller zu Depressionen neigen kann. Sei es mal, weil man einfach für die "Idioten dieser Welt" zu anspruchsvoll und auch zu schwierig sein könnte. Sprich, niemand versteht einem. Jetzt nicht mit den Problemchen der Teenys verwechseln. ;-D 

Man denkt weiter, über den Tellerrand hinaus, philosophiert, man hinterfragt alles, sucht den Sinn in der Moral uvm. Viele Menschen wollen oder können das nicht verstehen... Man kann nicht diskutieren. Man wird beschimpft, weil dem anderen die Argumente ausgehen. Man kann sich einfach nicht mit dem Durchschnitt aussprechen oder gar anfreunden, weil diese einfach nicht "mitkommen". Sprich, intellektuelle Gespräche findet man eher selten. Denn mal ehrlich... Ich glaube schon, dass es mehr dumme, als kluge Menschen gibt... Schon allein, wenn man sich mal die Vermehrungsrate anschaut (Job- und Zeitbedingt). ;-D Das frisst einen schon auf. Dann muss man sich schon überlegen, ob man mit dem Strom schwimmt und einfach nur lernt, die Klappe zuhalten, weil man sonst droht zu vereinsamen...  

Und irgendwann greift man dann zur Droge, weil man seine Umwelt einfach nicht mehr ertragen kann.

So denke ich es mir zumindest. ^^


Ebenfalls, sollte man noch wissen, dass es verschiedene Arten der Intelligenz gibt. 

Ab wann man abhängig ist oder man es endlich wahrhaben kann/will, hängt, denke ich, vom Menschen ab. Psychisch, wie physisch.


LG

Kommentar von Svitbert ,

Vielen Dank für Ihre Antwort Hyaene

Kommentar von Hyaene ,

Danke auch dir für deine Freundlichkeit. =)

Oh Gott, klang das geschleimt! War aber wirklich ehrlich gemeint. So ein Verhalten ist hier irgendwie ziemlich selten. ;-)

Was ich trotzdem noch hinzufügen möchte:

Mir tut jeder hochintelligente Mensch Leid... 

Hätte ich die Wahl, ob ich "strohdoof" oder als "Genie" wiedergeboren werde, dann entscheide ich mich für "strohdoof". Denn als "dummer Mensch" hat man weitaus weniger Sorgen, als ein "Genie". 

Sorry, das musst ich noch los werden. ^^

Antwort
von cuboter, 56

Hallo

Ich glaube, dass man Suchtverhalten nicht mit Intelligenz bestimmen kann. Mein Vater ist starker Alkoholiker, raucher und konsumierer gewesen, ich bin überdurchschnittlich intelligent (Aber sehr,sehr faul...) und bin recht anfällig für Suchtverhalten. Ich denke also, es liegt an den Genen oder an der Einstellung des Menschen.

Antwort
von 2Moriarty9, 56

also ich kann jetzt nur von mir ausgehen...ich konnte nie eine abhängigkeit entwickeln...aber ob das durch meine überdurchschnittliche intelligenz kommt...weiß ich nicht...

Antwort
von Commandokeks123, 50

Eig nich denn eine sucht ist nicht intelligenz gesteuert sondern kommt eig von bestimmten teilen im gehirn die jeder besitzt... das belonungszentrum z.b

Antwort
von missott, 60

Die Anfälligkeit ist weder von Intelligenz noch von Elternhaus bestimmt. Nur von der eigenen Willensstärke.

Kommentar von missott ,

vom natürlich

Antwort
von Svitbert, 39

Also kann eine gewisse Intelligenz keinen Schutz vor einer Abhängigkeit bieten?

Antwort
von lupoklick, 21

Ganz im GEGENTEIL !!!!

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