Frage von MikeNat, 130

Sind Inkassoforderungen in voller Höhe zu begleichen?

Meine Partnerin hat Anfang Jan. 2016 bei einer Schufa-Selbstauskunft festgestellt, dass es wohl eine offene Rechnung, 250€, von Mobilcom-Debitel gab, welche an den BID abgegeben wurde. Seit 11.2007 gibt es wohl einen Titel. Mit den Mahngebühren und Zinsen beträgt die Forderung nun über 450€. Bei der telef. Nachfrage beim BID wurde mitgeteilt, dass wohl damals zwei Mahnungen verschickt wurden. Der damalige Partner meldete sich beim BID und gab an, den Betrag zu überweisen, dies geschah aber nicht. Daraufhin wurde ein Titel erwirkt. Meine Partnerin hat jedoch selbst nie eine Mahnung erhalten. Zu erwähnen ist noch, dass ihr Ex nachweislich ihre Post bis zur Trennung 2013 unterschlagen hat. Ein Gerichtsvollzieher erschien auch nicht. Sie will keine Schulden und ist zahlungswillig. Besteht die Möglichkeit des Vergleichs, so dass nicht der komplette Betrag zu zahlen ist?

Antwort
von mepeisen, 87

Zu erwähnen ist noch, dass ihr Ex nachweislich ihre Post bis zur Trennung 2013 unterschlagen hat

Nachweisbar in welcher Form? Gab es ein Strafverfahren, in dem er ggf. verurteilt wurde? Gab es andere Gerichtsverfahren, in denen er das zugab?

Wenn man so einen Nachweis hat, könnte ein Einspruch verbunden mit Antrag auf Wiedereinsetzung klappen. Es zählt eine 14tägige Frist, ab dem Tag, wo die Zustellmängel geheilt wurden, man also erstmals den Titel zu Gesicht bekommt.

Beispiele, wo die Wiedereinsetzung nicht funktioniert: Man bleibt weiterhin bei den Eltern als Student gemeldet und lässt auch sämtliche Post ans Elternhaus gehen. Dort treiben Mutter/Vater Unfug mit der Post, bearbeiten sie nicht richtig.

Es muss von dir also wirklich nachgewiesen werden, dass der Ex böswillig gehandelt hat und auch nicht die Erlaubnis/ den Auftrag hatte, die an dich gerichtete Post zu bearbeiten. Wenn du der Meinung bist, dass du so einen Beweis hast, würde ich empfehlen, einen Anwalt vor Ort hinzu zu ziehen. Für einen Laien ist die korrekte Wortwahl da etwas schwierig. Ein Anwalt sollte das aber relativ problemlos hinbekommen.

Antwort
von marcussummer, 86

Die Möglichkeit besteht immer, ein Anspruch aber nicht. Einfach beim Inkassobüro fragen, häufig lassen die sich auf Vergleiche ein, wenn überhaupt mal Zahlungen kommen.

Bei den Inkassogebühren muss man aber etwas vorsichtig sein, die werden von den Inkassobüros häufig etwas sehr großzügig ins Forderungskonto eingestellt. Und deshalb sind sie diesbezüglich auch meistens relativ großzügig bei Verhandlungen...

Kommentar von Georg63 ,

Verhandlungsbasis ist die titulierte Summe und die Zinsen der letzten 3 Jahre. Zusätzliche Inkassogebühren sind irrelevant.

Verhandlungspartner ist der Inhaber des Titels.

Antwort
von franneck1989, 68

Die Möglichkeit besteht immer, allerdings kann das nur der Gläubiger entscheiden.

Ansonsten würde ich erstmal den Titel anfordern, falls noch nicht geschehen.

Antwort
von webya, 61

Der Mahnbescheid kam ja per Einschreiben, auch der Gerichtsvollzieher hat es schriftlich gemacht. Da steht dann genau, wem die Schreiben übergeben wurden. Ihr könnt es also nachweisen, wenn sie die Post nicht bekommen hat. 

Kommentar von MikeNat ,

Vielen Dank euch allen für die echt schnellen und hilfreichen Antworten. Wir haben alles angefordert und müssen jetzt schauen, was wer überhaupt gemacht hat. Danke!

Antwort
von Akecheta, 71

Titel ist Titel, da kommst sie nicht raus und das 30 Jahre lang. Einen Vergleich kannst du nur mit dem Forderungsinhaber außergerichtlich im gegenseitigem Einvernehmen schließen. Das würde ich aber schriftlich fixieren und nach Zahlung die Herausgabe des Original-Titels fordern.

Der Ex hat die Post unterschlagen? Die Übergabe eines Titels muss man gegenzeichen, ähnlich wie beim Einschreiben und Rückschein bzw. ein Gerichtsvollzieher händigt ihn selber aus, aber nur an denjenigen, den es auch betrifft.

Kommentar von franneck1989 ,

Die Übergabe eines Titels muss man gegenzeichen

Nicht zwangsläufig. Gemäß §§178ff. ZPO gibt es auch noch andere Möglichkeiten der Zustellung

Trotzdem kann es in dem Fall natürlich nicht schaden mal Einsicht in die Zustellurkunde zu nehmen

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