Sind Gruppen effizienter im Lösen von Problemen als Einzelpersonen?

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6 Antworten

Die allgemeine Lehrmeinung ist, dass es so sei. Die alltägliche Erfahrung zeigt, dass es häufig nicht so ist. Wie kommt das?

Es gibt natürlich Probleme, die heutzutage nur noch im Team zu lösen sind. Keine Einzelperson ist heute in der Lage, allein ein Auto zu konzipieren und zu bauen. Darum sollen Schüler_innen und Student_inn_en lernen, im Team zu arbeiten. Dazu bekommen sie dann Aufgaben, die die Begabteren unter ihnen sehr wohl alleine lösen können, und zwar schneller, als wenn sie es im Team tun. Die Folge ist oft, dass die anderen im Team ihm oder ihr die Lösung der Aufgabe praktisch allein überlassen. Wegen der dann überflüssigen Teamsitzungen ist das natürlich völlig ineffektiv für die Lösung der Aufgabe. Effektiv ist es dann aber hinsichtlich des Lernerfolgs der weniger Begabten. Mein Matheprofessor sagte immer: Abschreiben lernt auch. Er hatte recht.

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Habe eine Vorlesung an der TU München besucht "Methoden der Produktentwicklung" und in den ersten Veranstaltungen wurde diese Frage ebenfalls adressiert. Und zwar

Wie verhält sich die Teamleistung in Abhängigkeit der Teamgröße und über die Dauer der Zusammenarbeit ? zwei rein qualitative Diagramme wurden gezeigt.

Über die Fähigkeit der Gruppe eine Aufgabe zu lösen wurde jedoch nix gesagt.

Man könnte vermuten das, je höher die Teamleistung desto höher die Wahrscheinlichkeit eine gestellte Aufgabe zu lösen, frei nach den zwei Volkweisheiten

" Zwei Köpfe sind besser als einer"  und dagegen

" ZU viele Köche verderben den Brei"

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Nicht zwingend.

In Arbeitsgruppen können verschiedene Mitglieder ihre verschiedenen Expertisen, Erfahrungen und Stärken einbringen und sich so insgesamt ergänzen. So können komplexe Probleme oder Aufgaben in Teilgebiete aufgegliedert und den Leuten zugeteilt werden, die sich am besten dafür eignen. Wenn das ganze noch straff koordiniert wird, ist hier eine Gruppe effektiver als Einzelpersonen.

Wenn aber eine Einzelperson das Know How hat, eine Aufgabe zu lösen, wird diese oft effizienter sein, denn Arbeitsgruppen haben auch Nachteile:

  • Besprechungen kosten Zeit, ebenso die Koordination der Arbeit bzw. das Festhalten und Verteilen von Informationen und Ergebnissen.
  • Wenn keine straffe Führung stattfindet, werden teilweise Aufgaben doppelt erledigt, andere Teilgebiete vernachlässigt.
  • Psychologische, gruppendynamischen Prozesse können stark kontraproduktiv wirken, beispielsweise Konkurrenzkampf, Profilierungsstreben einzelner, Drückebergerei, Inkompetenz durchsetzungsfähigerer Personen,  Mobbing, fehlendes Verantwortungsgefühl eines Teils der Gruppe für das Ergebnis bzw. mangelde Zuteilung von Verantwortlichkeiten, unklare Hierarchien und dadurch Machtkämpfe, etc. etc.
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NATÜRLICH bieten Gruppen ein VIEL größeres "Lösungspotential" weil ja immer die Möglichkeit besteht, dass man einen echten Experten zum Thema in der Gruppe hat. Beispiel: Ich habe mich schon immer (auch als Kind) gefragt, wie zum Teufel die Heizungsbauer der wilhelminischen Zeit, neunzig Grad Winkel mit SCHRAUBmuffen in die Ecken größererer Räume bauen konnten. Tatsächlich hatte ich das Vergnügen in meinem "betreuten Wohnen" einen uralten Herrn kennenzulernen, der mir genau beschreiben konnte, wie das damals gemacht wurde.

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Gute Antworten bisher.

Ich denke, auch unsere jüngste Geschichte liefert dazu die besten Ergebnisse. Je vernetzter wir sind, je freier Informationen verfügbar sind, desto schneller schreiten wir voran. Nie hat sich die Technoloie so schnell entwickelt wie in unseren Tagen.

Die Leute in einer Gruppe haben in der Regel unterschiedliche Wissensstände. Und jeder hat vielleicht das ein oder andere Wissen, das den anderen gänzlich fehlt. So hat die Gruppe insgesamt ein breiteres Wissen und mehr mögliche Ansätze, die Problemlösung anzugehen.

Wenn alle Gruppenmitglieder exakt das gleiche Wissen hätten, wäre der Effekt wohl dahin. Und wenn alle Gruppenmitglieder strunzendoof sind, macht die Gruppe sie auch nicht schlauer. (Vgl.: Rechtsradikale Gruppen^^)

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Hm...

Grundsätzlich ja, sofern die beteiligten Personen "teamfähig" sind und nicht darauf bedacht sind, sich als Einzelperson zu profilieren.

Was aber - abhängig vom kulturellen Einfluss und dem Schulsystem - oft der Fall ist.

In deutschen Schulen müssen  bewertete "Leistungen" grundsätzlich "individualisierbar" sein.

Und in unseren Castingshows wird der Begriff "Kooperation" grundsätzlich so präsentiert, dass zwei Menschen MITEINANDER antreten und kooperieren, damit am Ende einer von beiden "weiterkommt" (was dann definitiv nicht davon abhängt, ob das TEAM gut ist, sondern wer besser bzw. weniger schlecht ist.)

Das ist eine völlige Perversion des Prinzips der Teamarbeit, weil es den Begriff "Kooperation" mit dem (genau das Gegenteil meinenden) Begriff "Konkurrenz" vertauscht und so völlig aushöhlt. 

Teams, deren Mitglieder so gepolt sind, taugen selbstverständlich nichts im Hinblick auf Kreativität und Produktivität. Es sei denn, es geht um kreative Strategien, die anderen Kolleginnen möglichst schnell und effektiv auszuschalten. Z.B. durch Einsatz von Mobbing, Gift oder Schusswaffen.

In Ländern in denen Casting-Shows weniger populär sind, versteht man unter "Kooperation" aber oft sogar das, was mit dem Wort eigentlich gemeint ist. Und jo: Dort zeigt sich, dass Teams fast immer mehr drauf haben, als das fitteste Team-Mitglied alleine, weil auch das von den anderen konstruktive Anregungen erhält.

Sofern man "Gemeinschaft" und "Gemeinheit" noch auseinanderhalten kann.

Liebe Grüße,

Tanja

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