Frage von TheTrueSherlock, 79

Sind freiwillige DNA-Tests bei Verbrechen sinnlos, wenn sich der eigentlicheTäter eh nicht dazu bereit erklärt?

Gestern im Fernsehen kam dazu etwas, dass an einer Uni wegen der Vergewaltigung eines Mädchens freiwillige DNA-Tests genommen wurden.

Ich frage mich, was das überhaupt bringen soll? Der Täter wird sich doch dazu eh nicht bereit erklären und sich selbst freiwillig belasten, oder?

Und laut Wikipedia: "Testverweigerer darf die Staatsanwaltschaft nicht allein wegen der Verweigerung der Teilnahme als Verdächtige und damit als Beschuldigte einstufen. Andernfalls würde sowohl gegen die Unschuldsvermutung als auch gegen das Rechtsstaatsprinzip verstoßen."

Also nimmt ein Täter nicht daran teil und wird auch nicht dementsprechend gleich als verdächtig eingestuft - was bringen solche freiwilligen DNA-Tests also?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Dxmklvw, 20

Freiwillige DNA-Tests sind eine Möglichkeit, durch Ausschluß auf den Täter zu kommen, wobei in sehr vielen Fällen aber am Ende auch nur der große Unbekannte übrig bleibt.

Die Nachteile solcher Tests überwiegen meiner Ansicht nach. Es handelt sich im Prinzip um eine breitflächige Datensammelei ohne Verdachtsmomente gegen den jeweils Einzelnen. Was späterhin mit diesen Daten geschieht oder nicht, kann man glauben, aber nicht wissen.

Zusätzlich sind DNA-Spuren extrem leicht von überall her nach überall hin zu befördern. Bei Fingerabdrücken geht das zwar auch, ist aber deutlich schwieriger machbar. Das reine Bestehen solcher Möglichkeiten führt mit großer Wahrscheinlichkeit dazu, daß Kriminelle diese Möglichkeit auch nutzen, um falsche Spuren zu legen. Dazu gesellt sich dann noch häufig die Fachidiotie von Staatsanwälten und Polizisten oder auch krankhafter Ehrgeiz, was zu Falschbewertungen führen kann.

Letztlich wird durch derartige "freiwillige" Tests (nicht nur bei der DNA) einschleichend auch das Prinzip der Beweislast umgekehrt. Nicht mehr der Behauptende muß die Schuld des Verdächtigen beweisen, sondern derjenige, der zufällig und oft auch zu Unrecht in Verdacht gerät, wird genötigt, seine Unschuld zu beweisen.

Auch Menschen, die solche denkbaren Nachteile berücksichtigen und deswegen "freiwillige" DNA-Tests verweigern, geraten so völlig sinnfremd automatisch in den Kreis der zunächst Verdächtigten.

Dennoch liegt das Hauptprobem nicht in einem Detail (z. B. DNA-Test), sondern in der Summe der Details, die gemeinsam eine sich ungünstig auswirkende Struktur bilden.

Um sich die Problematik bewußt zu machen, reicht es aus, sich wenige weitere Details gründlich durch den Kopf gehen zu lassen.

Wie wird sich wohl ein vor Gericht gestellter tatsächlich Unschuldiger verhalten, dem völlig klar ist, daß er zu 10 Jahren Freiheitsentzug verurteilt wird, wenn er weiterhin auf seine Unschuld beharrt, der aber mit einer Freiheitsstrafe von nur 5 Jahren oder weniger rechnen kann, wenn er ein falsches Geständnis im Sinne staatsanwaltschaftlicher Spekulationen ablegt und Reue simuliert?

Oder wie glücksspielartig sind Urteilsfindungen in solchen Fällen, wo die Schuld eines Menschen lediglich die ist, daß er für einen kurzen Augenblick nicht aufmerksam genug war und alles weitere Geschehen auf purem Zufall beruht, z. B. jemand hat etwas zu spät erkannt, daß eine Ampel rot ist, und in der Zufallsfolge kam es dazu, daß ein anderer verletzt wurde?

Fazit: Die gegebenen Möglichkeiten sind sehr gut. Der tatsächliche Umgang mit diesen Möglichkeiten ist aber grottenschlecht, und Dummheit, Arroganz, Geltungssucht usw. machen auch dann jedwedes Gute im Ganzen fragwürdig, wenn es sich nur um wenige Einzelfälle handelt, die sich aber dort ballen, wo sie gar nicht vorhanden sein sollten.

Antwort
von Kamihe, 31

Die Staatsanwaltschaft darf ihn nicht als Verdächtigen betrachten, die ,welche das Verbrechen untersuchen, werden sich aber auf den Verweigerer konzentrieren und versuchen, auf legalem Wege, an eine DNA- Probe von ihm zu gelangen.

Antwort
von SlightlyAnnoyed, 34

Zum einen lässt sich so der Täterkreis stark eindämmen, zum anderen waren Täter immer wieder so blöd, an Tests freiwillig teil zu nehmen und wurden so überführt.

Antwort
von bartman76, 38

Nein, da sich uU auch Verwandte nachweisen lassen. Gehe ich zB als Täter nicht hin, aber mein Vater gibt es eine reelle Chance, dass sie dann auf mich kommen.

Kommentar von TheTrueSherlock ,

Okay :)

Antwort
von Still, 14

Die "Verweigerer" werden dann mit einer richterlichen Anordnung zum DNA-test vorgeladen. Dem Richter gegenüber muß die Staatsanwaltschaft dann natürlich ein paar Argumente haben. Ferner kann sie zunächst die Personen vorladen, um deren Alibis abzufragen.

Antwort
von max230, 48

Ja aber man weiß dann schonnmal wer es sicher nicht war. .... Und außerdem haben di die proben abgegeben umsicher nicht verdächtigt zu werden

Kommentar von TheTrueSherlock ,

Aber das wäre doch unlogisch, weil dann sieht man es ja beim Auswerten erst recht dass derjenige verdächtig ist.

Kommentar von max230 ,

? der des war wird. ja wohl nicht freiwillig spenden?

Kommentar von TheTrueSherlock ,

Ja, meinte ich ja auch.
Habe deine Aussage falsch gelesen, tut mir leid :)

Antwort
von schloh80, 38

Bislang haben die Täter aber nunmal immer daran teilgenommen, wurden aufgrund eines postiven Tests befragt und haben auch sofort (idR erleichtert) gestanden.

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