Frage von tibunn, 110

Sind freier Wille und Determinismus vereinbar?

Bitte mit Begründung antworten.

Antwort
von Hyperdinosaurus, 41

Wenn man die vorausgehenden Annahmen des Determinismus ausnahmslos folgt, ist die einzig zulässige Deutung, dass der freie Wille eine Suggestion oder Illusion unseres Bewusstsein ist, eigenständig Entscheidungen im alltäglichen Leben treffen zu können .
Dem Determinismus zufolge könnte man unter Berücksichtigung aller Determinanten selbst die kleinen alltäglichen Entscheidungen exakt voraussagen. Der Mensch hat keine eigene Entscheidungsmacht, sondern seine Entscheidungen sind das einzig mögliche Ergebnis seiner Vorprägungen.
,,Der Mensch kann nicht anders handeln, als er letztlich handelt."

Die Weichen für sein Handeln sind schon vorher gestellt, sodass schon feststeht, für was er sich entschließt.

Geht man allerdings von der Konzeption des freien Willen aus, könnte man zu keinem Zeitpunkt eine sichere Vorhersage einer Entscheidung treffen, da das Individuum ein gewisses Maß an unabhängiger Entscheidungsmacht in sich trägt, die nicht anhand der Vorbedingungen kalkulierbar ist.

Fazit:

Also halten wir fest: Frei Wille und Determinismus sind inkongruent.

Antwort
von Gwennydoline, 40

Zitat:

"De·ter·mi·nịs·mus

Substantiv

[

der

]

philos.

    die Anschauung, dass alle Ereignisse im Voraus festgelegt sind und es keinen freien Willen gibt."

    Also nein^^
Antwort
von Hamburger02, 28

Das mechanistische Weltbild Descartes begründete den physikalischen Determinismus, der durch Newton dann sehr bekannt wurde. Innerhalb dieser deterministischen bzw. reduktionistischen Physik, auf der auch der philosophische Determinismus beruht, ist es nicht möglich, einen freien Willen unterzubringen.

Das Problem: der Determinismus als allgemeingültiges Prinzip wurde widerlegt und von der Physik 1986 offiziell zu Grabe getragen. Schuld daran hat die Theorie Dissipativer Strukturen von Ilya Prigogine, für die er 1977 den Nobelpreis erhielt. Prigogine hat sozusagen die Physik des Lebendigen entwickelt und innerhalb dieser Physik braucht man keinen Substanzdualismus mehr, weil das Entstehen von Neuem mittels Emergenz erklärt werden kann. Prigogine ist auch ausführlich auf das Problem Gehirn eingegangen und nach seiner Theorie sind Bewusstsein, Geist und Seele Emergenzen der Hinrtätigkeit. Die zugehörige Forschung steht erst am Anfang, sie ist erst etwa 10 Jahre alt. Die Theorie Dissipativer Strukturen (alias Physik des Lebendigen, Emerhenztheorie, Chaostheorie, Nichtlinera Physik, Nichtlineare Dynamik) wird in der Hirn- und Kognitionsforschung inzwischen breit adaptiert und hat schon zu ersten Erfolgen geführt.

Tatsächlich haben Hirnstrommessungen und Auswertungen von Hirnströmen im Licht obiger Theorie ergeben, dass das Gehirn im bewussten Zustand in einem Zustand permanenter Instabilität (Chaos) arbeitet. Es gibt praktisch keine Vorhersagbarkeit insofern, dass man aus einem bekannten Zustand auf den Zustand in ein paar Sekunden schließen kann. Determinismus ist ein Grenzfall in der Nähe des thermodynamischen Gleichgewichtes, während das Gehirn soweit weg vom thermodynamischen Gleichgewicht arbeitet, wie es nur geht.

Kurz: Determinismus und freier Wille widersprechen sich. Macht aber nichts, weil das Gehirn in der Nähe des deterministischen Chaos arbeitet und weit weg vom thermodynamischen Gleichgewicht, wo ausschließlich Determinismus möglich ist.

Aus Sicht des 2. Hauptsatzes der Thermodynamik: ein deterministisches System befindet sich im Zustand der Ordnung, bei der das Prinzip der minimalen Entropieproduktion gilt. Das Gehirn arbeitet dagegen im Zustand maximaler Entropieproduktion.

Mehr zu Gehirn, Determinismus etc. im Lichte der Theorie Dissipativer Strukturen ist hier nachzulesen:

https://kops.uni-konstanz.de/bitstream/handle/123456789/10796/Elbert_Das_chaotis...

Expertenantwort
von DepravedGirl, Community-Experte für Mathe, 65

Kommt auf den Grad des Determinismus drauf an, bei 100 %-igem Determinismus lautet die Antwort Nein.

Gibt es Freiheiten innerhalb des Determinismus, also wenn nicht alles determiniert ist, dann ja, bis zu einem gewissen Grad.

Dann hängt es von dem subjektivem Empfinden ab, wie frei man sich selbst fühlt.

Unser Lebensalltag zeigt uns, dass wird nicht in einer 100 % determinierten Welt leben, weil wir frei entscheiden können ob wir Pizza oder Ravioli zum Mittag essen ;-))

Kommentar von zalto ,

Da sorgt schon die Werbeindustrie dafür, dass die Entscheidung zwischen Pizza und Ravioli keine völlig freie ist... ;-)

Kommentar von DepravedGirl ,

Wenn man sich beeinflussen lässt ...

Kommentar von earnest ,

Also bei mir ist das schon eine freie Entscheidung. Aber ich mag keine Ravioli. Jedenfalls keine aus der Dose.

Kommentar von DepravedGirl ,

;-))

Antwort
von Roderic, 18

Nein.

Wenn es einen 100%igen Determinismus geben könnte, wäre er mit dem Konzept des freien Willens unvereinbar.

Des Problems Lösung: Einen 100%igen Determinismus gibt es nicht und kann es nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen auch nicht geben.

Quantenmechanik: Heisenbergsche Unschärferelation
Chaostheorie: Das Prinzip der minimalen Veränderung der Ausgangsvariablen
Das Shannonsche Informationstheorem

Antwort
von BurkeUndCo, 37

Nein, denn wennn alles, was in der Zukunft sein wird, bereits deterministisch festgelegt ist, dann bleibt kein Spielraum für einen freien Willen.

Antwort
von earnest, 19

Nein. 

Die Begründung ergibt sich aus der Definition der einander ausschließenden Begriffe. Entweder - oder. Das ist wie mit Schwangerschaft und Nicht-Schwangerschaft. Ein "Teil-Determinismus" ist kein Determinismus mehr.

Gruß, earnest

Kommentar von ADAsperger ,

Daumen empor. 

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