Frage von Isabel2001, 84

Sind Fälle bekannt wo Personen durch zu viel Wissen verrückt wurden oder sonstige Schäden davon trugen?

Wäre wirklich toll wenn ihr mir helfen könntet weil ich auch schon gegoogelt hatte aber nichts richtiges gefunden hatte. Also mit der Frage ist zum Beispiel gemeint, ob es bekannte Fälle gibt, wo z.B. eine Person so viel wusste, dass sie damit nicht klar gekommen ist (hoffe ihr wisst was ich meine) Wenn ihr keinen Fälle kennt wäre es auch toll wenn ihr schreiben könntet ob ihr euch vorstellen könntet, dass es sowas gibt. Danke

Antwort
von Dxmklvw, 25

Im Sinne der Fragestellung sind mir solche Fälle nicht bekannt.

Doch durch eigenes Überlegen läßt sich manches mitsamt den Folgen gedanklich nachvollziehen.

Beispiel: Wenn in einem mittelaterlichen Dorf alle Bewohner an Hexen glaubten, dann fühlten sie sich trotz des Wissens um die Verfolgungsprobleme untereinander wohl. Wenn aber einer der Leute plötzlich klar erkannt hat, daß es keine Hexen gibt, dann ist sicher davon auszugehen, daß er sich von diesem Tag an als einziger Vernünftiger unter einer Schar von Schwachsinnigen gefühlt hat.

Das jemand durch zu viel Wissen verrückt wird, glaube ich nicht. Jedoch halte ich es für wahrscheinlich, daß sehr viele Menschen dadurch verrückt werden, daß sie irgend einen Schwachsinn für fundiertes Wissen halten.

Doch ebenso kann man vielleicht davon ausgehen, daß dieses Verrücktsein in seinen Anfängen auch schon vorher vorlag, eben mit dem Symptom, das Schwachsinniges für Wahrheit gehalten wurde.

Antwort
von seniorix, 6

Ich bin anderer Meinung!

Auch wenn ich momentan hier fast der einzige bin, möchte ich diese Frage mit Ja beantworten:

vgl. http://www.duden.de/rechtschreibung/wissen

a) Wenn man unter Wissen (nicht gleichzusetzen mit Bildung) versteht, dass man Informationen von außen aufnimmt und diese ungefiltert und ohne Zeitlimit in allen Einzelheiten behält, ist dieses Wissen schädlich und es kann zum einem "sensory overload" kommen. Ein Video Beispiel hier: http://www.interactingwithautism.com/section/understanding/sensory/1

Betroffene große Schwierigkeiten mit der Wahrnehmung und der
Verarbeitung von Umwelt- und Sinnesreizen. Sehr schnell können Sie in
die Situation einer Überladung mit Sinneseindrücken kommen. http://www.autismus.de/was-ist-autismus.html

Was ist Autismus? http://www.autismus.de/fileadmin/WAS_IST_AUTISMUS/Autismus_BV_Flyer_2014.pdf

b) Wenn ich in eine Dilemma-Situation gerade und beide Möglichkeiten mir sinnlos und menschenunwürdig erscheinen und ich trotzdem zum Handeln gezwungen bin bzw. ich durch Tun oder nicht Tun damit die Situation erzeuge, kann das Wissen darüber, mich für das Eine entschieden zu haben, mich körperlich und seelisch stark belasten.

c) Auch das Wissen über eine Situation und deren Folgen kann einen starken belasten und krank machen, deshalb sind ja "Notlügen" oft moralisch erlaubt. Mir geht dazu "Nachts schlafen die Ratten doch" von
Wolfgang Borchert durch den Kopf:
Die Kurzgeschichte spielt in einer Stadt, die während des Krieges durch einen Bombenangriff zerstört worden ist. Ein neunjähriger Junge bewacht die Stelle, an der sein toter Bruder unter den Trümmern liegt, um ihn vor Ratten zu beschützen. Einem zufällig vorbeikommenden Mann gelingt es, das Vertrauen des Jungen zu gewinnen. Mit der Behauptung, Ratten schliefen nachts, bringt er den übermüdeten Jungen von seiner Wache ab und gibt ihm ein Stück verlorener Hoffnung zurück. aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Nachts_schlafen_die_Ratten_doch

Dadurch das der kleine Junge kein Wissen über das Verhalten der Ratten hat, kann er "gerettet" werden. Zu viel Wissen hätte ihn schädigen können.

d) Wenn man das Wissen hat und somit zu viele Möglichkeiten hat, um sich zu entscheiden, kann dies dazu führen sich nicht zu entscheiden. Wer dies ständig macht, wird auch sich und anderen Schaden zufügen.

Und, konnte ich dir weiterhelfen?

Gruß seniorix

Antwort
von Grautvornix16, 27

Hallo,- Leider gibt es keine standardisierten Laborwerte für "Zuviel Wissen".

Insofern fehlt der Maßstab. Beispiele dafür, dass man mit dem IQ eines Brotes ebenso verrückt werden kann wie mit dem IQ eines Schachweltmeisters gibt es schon.

Das Ganze scheint also doch eher von den Umgebungsbedingungen in Kombination mit individuellen Vorraussetzungen eines Menschen als (sozial-) psychologische Frage zu bestehen als eine Frage des Wissens (der kognitiven Leistungsfähigkeit)  an sich zu sein.

Also: Viel-Wissen in einer Umgebung von Doofen kann ebenso krank machen wie Doof-Sein in einer Umgebung von Viel-Wissern. Letztlich geht es immer um fehlende Fairness und Awareness im Umgang der Menschen miteinander.

Gruß

Kommentar von Grautvornix16 ,

PS: Zudem lassen sich bestimmt zahlreiche Beispiele finden, in denen kognitiv leistungsfähige Menschen oder eben auch "Wissende" oder "Könnende" mit ihrem (kreativen) Denken ihrer "beschränkten" Umgebung soweit voraus waren, sodass diese "Normal-Umgebung" in ihrer "Normal-Beschränktheit", also in ihrer "Normal-Kapazität" diese für "verrückt" erklärt haben. - Die Mehrheit entscheidet oder das jeweilige Establishment entscheidet eben wer was ist. So gesehen "wird aus deiner Frage auch ein Schuh".

Kommentar von veritas55 ,

Meinem Kompli muss ich noch hinzufügen, dass mir fast jede deiner Antworten auch noch ein Schmunzeln entlockt ;) !

Kommentar von Grautvornix16 ,

Das ist echt mal ein Kompliment. - Kein Anarcho ohne Humor :-))

Antwort
von Ottavio, 3

seniorix hat Vieles gesagt, war richtig und gut ist.

Ich möchte aber noch auf etwas eingehen, was in vielen anderen Beiträgen angesprochen wird, nämlich den häufig beobachtbaren Zusammenhang zwischen intellektueller Hochleistungsfähigkeit und psychischer Störung.

Dazu solltest Do mal den Wikipedia-Eintrag googlen zum Stichwort "bipolare Störung". Als Name fällt mir dazu gerade Vincent van Gogh ein, dort stehen aber noch mehr.Aus meiner Sicht stellt sich in Kürze der Zusammenhang etwa so dar: Ein intellektuell oder künsterlich hoch leistungsfähiger Mensch leidet unter einer bipolaren Störung, in der längere hypomanische Phasen abwechseln mit (selteneren oder kürzeren) depressiven Phasen.In den hypomanischen (oder auch manischen) Phasen fühlt der Mensch sich pudelwohl und alles andere als krank, ist zu höchsten intellektuellen oder künstlerischen Leistungen fähig, neigt allerdings zu spontanen Entscheidungen, deren Tragweite er sich nicht bewusst macht, und kann insofern als "verrückt" bezeichnet werden. Die Kehrseite der Medaille sind dann die depressiven Phasen, in denen der Mensch ärztliche Hilfe braucht. Beide Seiten gehören zusammen und sind die verschiedenen Erscheinungsformen derselben Krankheit, die daher bipolar heißt. Alles weitere bei wikipedia.

Antwort
von Suboptimierer, 38

Na klar, kannst du in jedem x-beliebigen Gangsterfilm sehen, wie Leute zu Schaden kommen, die zuviel wissen.

Es ist auch möglich, dass man an den Auswirkungen seiner Handlungen, wenn sie einem mitgeteilt werden zerbricht. Selbstvorwürfe zernagen einen.

Oder wenn jemand eine schwere Krankheit diagnostiziert bekommt, kann dieses Wissen ihn seelisch kaputt machen.

Oder wenn jemand erfährt, dass sein Partner fremd geht.

Antwort
von Andrastor, 20

Nein, sowas gibt es nicht.

Es kann höchstens sein das Wissen das man sich aneignet eigenen, individuellen Vorstellungen extrem widerspricht, sodass dies eine psychische Abwehrreaktion hervorrufen kann.

Antwort
von McDuffee, 27

Albert Einstein, Nostradamus, Alfred Nobel,... gerüchteweise gilt auch Newton zu dem Kreis kluger Köpfe die gegen Ende ihren Verstand zumindest teilweise verloren haben.

Hochintelligente Menschen, also welch mit einem IQ von 130 oder höher erkennen meiner Meinung nach die Richtung in die sich die Menschheit bewegt.

Wir "Normalos" erkennen das nicht und der Hochintelligente merkt, das er allein nichts ändern kann WEIL wir es nicht begreifen würden und manche flippen deshalb manchmal aus!

Kommentar von Hamburger02 ,

So ist es.

Kommentar von o0bellaAnna0o ,

Was du beschreibst nennt sich “Weltschmerz“ und ist schon im Vorschulalter eine bekannte Entwicklungsphase, die auch im Teenageralter und im Erwachsenenleben immer wieder kehrt. Das allein macht nicht verrückt und hat auch nichts mit Intelligenz zu  tun.

Kommentar von McDuffee ,

...sagte Australopithecus afarensis und ging in seine Höhle!

Kommentar von Hamburger02 ,

Das glaube ich nicht so ganz. Weltschmerz ist ein Gefühl, während das, was MacDuffe wohl meint, ist eine reine Verstandesleistung.

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