Frage von LilyMoon, 163

Sind einige der römischen Götter nach den Planeten benannt oder die Planeten nach den Göttern?

Sind einige der römischen Götter nach den Planeten benannt oder die Planeten nach den Göttern?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Albrecht, 52

Die Planeten sind nach antiken Gottheiten benannt.

In der Antike waren fünf Planeten bekannt: Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn

Sie konnten mit bloßem Auge, ohne technische Hilfsmittel wie Fernrohre, am Himmel beobachtet werden.

Die Römer haben ihre Namen dieser Planeten (Mercurius, Venus, Mars, Iuppiter, Saturnus) von einer Übertragung der griechischen Planetennamen, indem sie für die griechischen Gottheiten ihre jeweils entsprechenden eigenen Gottheiten einsetzen. Die Namen dieser römischen Gottheiten gab es schon vorher.

Wenn in der Antike eine Siebenzahl von Planeten vorkommt, sind Sonne und Mond hinzugezählt.

Uranus, Neptun und Pluto (dem der Status als Planet entzogen worden ist, in einer Herabstufung als Zwergplanet) wurden erst in der Neuzeit entdeckt und nach Göttern der griechisch-römischen Mythologie benannt. Uranus ist der latinisierte Name des griechischen Gottes Uranos/Ouranos (Οὐρανός), eine Personifikation des Himmels und Götterherrscher in mythischer Urzeit, Neptun heißt nach dem römischen Gott des Meeres Neptunus, Pluto nach dem römischen Gott der Unterwelt Pluto. Uranos/Ouranos ist Vater des griechischen Gottes Kronos (Κρόνος), mit dem der römische Gott Saturnus gleichgesetzt wurde, Kronos Vater des griechischen Gottes Zeus (Ζεύς), dessen römische Entsprechung Jupiter (Iuppiter) ist. So ergibt sich von Kronos/Saturn her eine Abfolge Großvater, Vater, Sohn, wobei in der griechischen Mythologie dies auch eine Abfolge der Götterherrscher ist, mit gewaltsamer Ablösung in der Herrschaft. Zum Planeten Neptun mit seiner blauen Farbe schien der über Gewässer herrschende Gott Neptunus passend. Der Name Pluto fügt sich zu den anderen Namen gut ein und ist für einen Himmelskörper ganz weit weg, am Rand des Sonnensystens, schwer sichtbar, kalt und unwirtlich geeignet.

Die Erde wurde in der Antike nicht für einen Planeten gehalten. Der lateinische Name Terra bezieht sich auf das lateinische Worr terra („Erde“, „Erdkörper“, „Erdboden“, „Land“) und eine Anrufungsform Terra Mater („Mutter Erde“) für die römische Göttin Tellus, der Entsprechung der griechsichen Göttin Gaia (Γαῖα), Personifikation der Erde.

Die Himmelskörper Sonne und Mond wurden in religiöser Vorstellung als göttlich betrachtet, die Gottheiten Helios (Ἥλιος) und Selene (Σελήνη), hatten allerdings kein stark ausgeprägtes Profil als personalisierte Gottheiten. Sonne und Mond waren bei den antiken Griechen mythologische und kosmologische Götter und kosmische Mächte, keine bzw. nur in geringem Ausmaß Kultgötter. Die römischen Entsprechungen sind Sol (Sonne) und Luna (Mond).

Es sind keine römischen Götter nach Planeten benannt, schon weil griechische Namen übertragen wurden. Aber auch die fünf griechischen Gottheiten hatten schon lange ihren Namen, bevor Planeten so genannt wurden.

Der Planet Venus war bei den antiken Griechen früh als Morgenstern und Abendstern (deren Indentität zuerst nicht erkannt war) bekannt. Allmählich wurden weitere vier Planeten bekannt, im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. ist dies zuerst faßbar.

Bei der Benennung hat es orientalische Einflüsse gegeben. Zu einigen Gottheiten des Alten Orients gab es die Deutung, als Gestirne in Erscheinung zu treten. Wichtig war für die Himmelkunde (bei der es damals zwischen Astronomie und Astrologie keine scharfe Abtrennung gab) die antike Kulturlandschaft Mesopotamien. Die dort lebenden Babylonier haben mit ihren Benennungen und ihrem Planetensystem bedeutend auf die griechischen Planetennamen und die griechische Astronomie und Astrologie eingewirkt (inwieweit auch das Ägypten eine Rolle spielte, ist nicht sehr deutlich). Die Griechen haben den babylonischen Gottheiten ähnliche Gottheiten eingesetzt.

Wenn nur die geläufigen griechischen und römischen Bezeichungen genommen werden, nicht daneben hinzutretende weitere Verbindungen der Planeten mit Gottheiten in späterer Zeit, ergibt sich (babylonisch - griechisch – römisch - deutsch):

Nabû - Hermes (Ἑρμῆς) - Mercurius - Merkur

Ištar - Aphrodite (Ἀφροδίτη) - Venus - Venus

Nergal - Ares (Ἄρης) - Mars - Mars

Marduk - Zeus (Ζεύς) - Iuppiter - Jupiter

Ninurta - Kronos (Κρόνος) - Saturnus - Saturn

Nabû ist ein Gott der Schreibkunst und Weisheit. Hermes ist unter anderem ein Gott der Erfindung und des Wissens und ist schon früh (vgl. Herodot 2, 67, 2 als einen Beleg aus dem 5. Jahrhundert v. Chr.) mit Thot (ägyptisch Ḏḥwtj [Djehuti]) gleichgesetzt worden, Gott der Weisheit, des Wissens/der Wissenschaft und der Schreibkunst. Nabû galt seit mittelbabylonischer Zeit als Sohn des Gottes Marduk, Hermes ist Sohn des Gottes Zeus. Der Planet Merkur hat eine kleine Umlaufbahn um die Sonne, dem Anblick nach bewegt er sich verhältnismäßig schnell am Himmel fort und vielleicht hat diese Beweglichkeit die Benennung mit angeregt.

Ištar wurde im südlichen Mesopotamien mit Inanna der sumerischen Stadtgöttin von Uruk gleichgesetzt. Ištar war eine sehr wichtige babylonische Göttin, die Inbegriff der Weiblichkeit ist und unter anderem Liebe und Schönheit als Bereiche hat. Daher bot sich Aphrodite als Gegenstück an. Der Planet Venus strahlt besonders hell und ist schön anzusehen.

Nergal ist unter anderem Kriegsgott. Daher ist Ares als Gegenstück naheliegend. Außerdem ist er dann nahe bei Aphrodite, mit der er in der Mythologie ein Verhältnis hat. Der Planet Mars hat eine rote Farbe und Krieg führt zu Blutvergießen, womit eine Verbindung zu einem Kriegsgott gezogen werden kann.

Marduk ist Stadt- und Hauptgott Babylons. Anfangs war er nur ein Lokalgott, als Babylon Haupstadt eines Reiches wurde, stieg er zum obersten Gott Babyloniens auf. Er wurde mit dem sumerischen Hauptgott Enlil, der in der Stadt Nippur verehrt wurde, gleichgesetzt. Zeus ist oberster Gott in der griechischen Religion und Mythologie.

Ninurta (früher als Ninib gelesen) ist ursprünglich ein Gott der Fruchtbarkeit, dann auch ein die Grenzen schützender Kämpfer und ein Donnergott. Kronos hat eine Sichel, die als Symbol der Ernte geduetet werden kann. Ihm zu Ehren wurde das Kronia-Fest gefeiert. Beim römischen Gott Saturnus ist ist Beziehung zu Ackerbau/Landwirtschaft deutlicher.

einige Informationen enthalten:

Alberto Jori, Planeten. I. Astronmie. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 9: Or - Poi. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2000, Spalte 1064 - 1073

Wolfgang Hübner, Planeten. II Astrologie und Mythologie. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 9: Or - Poi. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2000, Spalte 1073 – 1079

Spalte 1073: „Seitdem die Babylonier die Luminare (Sonne und Mond) und die fünf P. gleichgesetzt hatten, galt dies trotz Versuchen, die P. wissenschaftlich nach ihrer Farbwirkung zu benennen […] auch in der griech.-röm. Ant. weiter […]. Daher vereinigte sich die bereits dem griech. → Polytheimus innewohende Tendenz zur Strukturbildung mit dem astrologischen Systemzwang. Das in seiner Reihenfolge seit Archimedes [1] gut belegte […] und nie in Frage gestellte P.-System ant. Astrologie weist eine vollendete Symmetrie auf […]. Zwischen der unbewegt gedachten Erde und der äußeren Fixsternsphäre (→ Sternbilder, → Fixsterne) kreisen sieben Himmelskörper, wobei die Sonne in der Mitte die P. in zwei Dreiergruppen teilt. Eine äußere Triade wird durch drei Generationen (Großvater, Vater und Sohn) verkörpert, die innere Triade der sich schneller drehenden P. durch die beiden weiblichen P. Venus und Luna (Mond) und den androgyn bzw. geschlechtslos gedeuteten Merkur. Die beiden Triaden erfüllen jeweils ein mesótēs-Schema (μεσότης: »Mitte zw. Extremen beiderseits«): Nahe der Sonne haben Mars und Venus (die als Ares und Aphrodite schon im antiken Griechenland und später auch in Rom gemeinsam verehrt wurden […] und deren Symbole noch heute die beiden Geschlechter bezeichnen) an übermäßiger Hitze und Trockenheit Anteil, fern der Sonne Saturn und Luna an übermäßiger Kälte und feuchte. In der Mitte haben der »joviale« Jupiter und sein wendiger Sohn Merkur jeweils ein ausgeglichenes temperament.“

P. = Planeten

griech.-röm. Ant. = griechisch-römischen Antike

zw. = zwischen

Kommentar von paulklaus ,

Ein monumentales --->   DH !!!

pk

Antwort
von Ansegisel, 41

Das ist nicht leicht zu beantworten, da natürlich die Menschen schon immer die Planeten beobachtet haben und bestimmte Eigenschaften mit ihnen verbanden.

Diese Himmelsbeobachtungen sind natürlich älter als die aktuellen Bezeichnungen der Planeten und sie werden in früheren Zeiten auch anders geheißen haben.

So gehen die Worte Jupiter und Zeus auf eine ältere Wurzel für "hell" zurück. Dies ist aber auch eine "natürliche" Eigenschaft eines Planeten, wenn man ihn von der Erde aus beobachtet, so dass man davon ausgehen könnte, dass hier die Naturbeschreibung die Grundlage für den Götternamen wurde.

Mars ist mit bloßem Auge als rötlicher Planet zu erkennen, was eine Gleichsetzung mit einem Kriegsgott nahelegt. Venus strahlt auffällig hell und könnte deshalb schon früh mit Schönheit assoziiert worden sein.

Ich denke, dass zumindest, was die Planeten betrifft, die von der Erde auch im Altertum sichtbar waren, immer eine gewisse parallele Entwicklung zwischen Götternamen und Planetennamen stattgefunden hat.

Kommentar von LilyMoon ,

Ok danke das lern ich jetzt auswendig und sag es, wenn mich jemand fragt genau so bei meinem Referat ;D

Kommentar von Ansegisel ,

*räusper* 'ne Garantie auf hunderprotzentige Richtigkeit kann ich dir aber nicht geben. Aber viel Erfolg. Vielleicht schreibst du nachher hier rein, ob du es gebrauchen konntest und wie es angekommen ist :)

Kommentar von Albrecht ,

Die Mutmaßung einer immer stattfindenden gewissen parallelen Entwicklung zwischen Götternamen und Planetennamen ist nicht richtig. Die griechischen und römischen Planetennamen sind erst für eine Zeit belegt, als es die griechischen und römischen Gottheiten in Religion und Mythos/Sage schon lange Zeit gab. Die indogermanische Wortwurzel bei Zeus und Iuppiter mit der Bedeutung „hell", „leuchten" bezieht sich offensichtlich auf einen Himmelsgott, dem Tageshelle, Wetterleuchten, Blitze und ähnliche Phänomene zugeschrieben werden.

Völlig übersehen ist, daß zuerst babylonische Planetennamen, die Namen von Gottheiten waren, vorhanden waren und dann von Griechen Namen irgendwie ähnlich erscheinender Gottheiten eingesetzt wurden und später die Römer diesen griechischen Gottheiten entsprechende Gottheiten einsetzten.

Antwort
von Andrastor, 32

Die Planeten sind nach den Göttern benannt.

Antwort
von SuMe3016, 42

Die Planeten nach den Göttern.

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