Frage von Rosenblad, 126

Sind die ursprünglichen zehn Gebote (2. Mose 20:2-17, 5. Mose 5:6-21, Mark 10:19) in den Geboten Jesu gleichsam neu bestimmt (Joh. 14:21, 1. Tim. 1:5) worden?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von chrisbyrd, 47

Ich denke, dass das Gesetz für Christen nicht mehr gilt (diese Formulierung verwendet William MacDonald in seinem Bibelkommentar) und außer Kraft gesetzt ist, weil:

Das Alte Testament wurde nicht den Christen aus den Nationen, sondern dem Volk Israel von Mose gegeben und verordnet. Keines der alttestamentlichen Gesetze ist für uns heute bestimmt. Als Jesus am Kreuz starb, setzte er dem Gesetz des Alten Testaments ein Ende (Römer 10,4; Galater 3,23-25; Epheser 2,15).

Das Gesetz ist eine Einheit. Wer ein Gebot übertritt, ist aller Gebote schuldig geworden (Jakobus 2,10). Wir haben uns also am Freitag des gesamten Gesetzes inklusive der 10 Gebote schuldig gemacht, weil wir nicht den Sabbat gehalten haben.

Das Gesetz ist also ein Gesamtpaket, das man nicht unterteilen kann. Wenn Christen meinen, die 10 Gebote halten zu müssen, liegen sie damit völlig falsch (auch wenn die Kirchen das behaupten). Die 10 Gebote haben mit Christsein gar nichts zu tun, Paulus bezeichnet den Dienst am Gesetz (Paulus führt sogar die 10 Gebote auf) sogar als Dienst des Todes (2Kor 3,7) und als Dienst der Verdammnis (2Kor 3,9).

Nach Epheser 2,15 hat Jesus das Gesetz hinweggetan (Schlachter 2000), beseitigt (Elberfelder) bzw. außer Kraft gesetzt (Neue Genfer Übersetzung).

In Galater 3,19 steht: "Was soll nun das Gesetz? Es wurde der Übertretungen wegen hinzugefügt - bis der Nachkomme käme, dem die Verheißung galt -, angeordnet durch Engel in der Hand eines Mittlers."

In Hebr 7,18.19 findet sich: "Denn aufgehoben wird zwar das vorhergehende Gebot seiner Schwachheit und Nutzlosigkeit wegen - denn das Gesetz hat nichts zur Vollendung gebracht -, eingeführt aber eine bessere Hoffnung, durch die wir uns Gott nahen."

Dazu kommt, dass das levitische Priestertum an das mosaische Gesetz gebunden war. Solange das Gesetz in Kraft war, könnte es nur levitische Priester geben. Doch mit dem Messias kam ein Priester, der kein Levit war, sondern aus dem Stamm Juda. Jesus kann nur deshalb ein Priester nach der neu eingeführten Ordnung Melchisedeks sein, weil das mosaische Gesetz außer Kraft gesetzt worden ist. Somit ist das mosaische Gesetz aufgehoben worden, und zwar zugunsten eines neuen Gesetztes, das die Grundlage für das Priestertum nach der Ordnung Melchisedeks bildet (so schreibt Fruchtenbaum).

Fruchtenbaum schreibt weiter, dass mit dem Kreuz Christi kein einziges dieser Gebote mehr Gültigkeit hat. Das Gesetz kann dazu benutzt werden, auf den Messias hinzuweisen (Gal 3,23-25). Das Gesetz des Mose wurden vollkommen aufgehoben und nun sind die Gläubigen unter einem neuen Gesetz, das Gesetz des Christus (Messias; Gal 6,2; Röm 8,2). Das mosaische Gesetz ist heute null und nichtig. Wir sind heute unter dem Gesetz des Messias.

Das sieht man beispielsweise daran, dass Gott im Gesetz des Mose ausdrücklich das Essen von Schweinefleisch verbot und dass nach dem Gesetz des Messias (den Regeln im Neuen Testament, wenn man so möchte) Schweiniefleischgenuss erlaubt ist. Die Beschneidung wäre auch ein Beispiel dafür oder der Sabbat.

Dass wir bis auf das Sabbat-Gebot alle andern 9 der 10 Gebote auch einhalten sollen als Christen, hängt nur damit zusammen, dass sie im Neuen Testament für Christen aufgestellt werden und nicht, weil Mose sie dem Volk Israel übergeben hat. Diesen Unterschied finden ich schon wichtig, um dieses Thema zu verstehen, da in der heutigen Zeit innerhalb der Christenheit viel Verwirrung um diese Frage herrscht.

Kommentar von Rosenblad ,

Die bestätigt meine Überlegungen - siehe auch: Gal.4:4,5, Röm. 6:14 - darf ich sie fragen, welcher Religionsgemeinschaft Sie angehören?

Kommentar von chrisbyrd ,

Ich bin Christ und besuche eine Freikirche. Bei uns gibt es allerdings keine Mitgliederlisten oder ähnliches. Das wichtigste Prinzip ist, alles anhand der Bibel zu überprüfen, wie es die Beröer taten (Apostelgeschichte 17,11).

Kommentar von Rosenblad ,

Danke für die Antwort - wie aber kommen Sie jetzt auf das Wort "Mitgliederlisten"? Allerdings sei mir bezüglich Ihres Ansatzes alles anhand der Bibel zu prüfen doch ein Einwand erlaubt - wäre die Bibel so klar und deutlich, gäbe es weder die unüberschaubare Anzahl christlicher Konfessionen, Bewegungen und Religionen mit eigenen Auslegungsinhalten noch spezifische Dogmenstreitigkeiten wie allein um die Frage der Dreieinigkeit.

Kommentar von chrisbyrd ,

Auf die "Mitgliederlisten" kam ich, da viele Kirchen und Gemeinden solche verwenden. In der Bibel liest man nicht viel davon, außer vielleicht, dass Paulus Timotheus rät, unterstützungswürdige Witwen in Listen einzutragen.

Es stimmt, dass es viele Konfessionen und Auslegungen zu bestimmten Bibelstellen gibt. Deshalb darf man auch nicht hochmütig werden und meinen, dass nur die eigene Ansicht richtig ist. Wie Paulus schreibt, ist unsere Erkenntnis Stückwerk, bis Jesus wiederkommt. Deshalb gelangen Christen immer wieder zu unterschiedlichen Auslegungen.

Ein anderer Grund kann aber sein, dass menschliche Meinungen, Traditionen und Rituale über die Bibel gestellt werden. Um dies zu vermeiden, gefällt mir das Vorgehen der Beröer so gut, die alles anhand der Bibel überprüften und nicht aufgrund ihrer eigenen (vielleicht vorgefertigten) Meinung.

Kommentar von chrisbyrd ,

Vielen Dank für den "Stern", liebe Grüße und Gottes Segen!

Antwort
von eleteroj, 37

Jesus war definitiv kein Religionsstifter oder Kirchengründer. Er war, sofern wir überhaupt etwas wissen können über ihn, jüdischer Rabbi und Torah-Gelehrter mit grosser Autorität.

Von sich sagt er auch, er hebe die Torah nicht auf, sondern er erfülle sie (mit Sinn). Die jüdische Religionspraxis seiner Zeit war rein kasuistisch ausgerichtet, also eine Unzahl von Regeln, Vorschriften und Gesetzen war zu beachten, wollte man als "Gerechter" gelten in den Augen Gottes. Jesus hat stets den Blick von aussen nach innen gelenkt, und stets verwiesen auf den den Gesetzen zugrundeliegenden SINN, auf das Prinzip des religiös und ethisch Gebotenen. So konnte er zb das Sabbatgebot vom Wortlaut zurückführen auf den geist, den Sinn, ohne den Wortlaut in der Torah "aufzuheben", sprich zu annullieren.

Die 10 Gebote hat er ähnlich zusammengefasst im Prinzip der Gottes- und Menschenliebe. Und es dem Gläubigen, seinem Gewissen und seiner Urteilskraft anheimgestellt, im Alltag jeweils das Gute zu tun und das Böse zu lassen.

Deshalb spricht Paulus von der "Befreiung von der Knechtschaft des Gesetzes", und Luther von der "Freiheit eines Christenmenschen".

Kommentar von Rosenblad ,

Gal.4:4,5, Röm. 6:14.

Die erste Gemeinde als religiöse Kollektivierungseinheit dürfte sich zu Pfingsten 30 oer 31 u.Z. - kurz nach der Kreuzigung ihres Gründers konstituiert haben. Jeschua ist zumindest als Gründer einer jüdisch-eschatologischen Bewegung anzusprechen, der anknüpfend an das Buch Jesaja das Reich Gottes verkündete und sich immer mehr in dieser Narration als Nachfolger Davids externalisierte. Nach seinem Tod musste die Eschatologie in eine Parusie und Soteriologie transformiert werden.

Antwort
von pinkyitalycsb, 41

Die 10 Gebote wurden durch Jesus Christus bestätigt und sind in den beiden großen Geboten der Liebe enthalten.

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken“ und „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Matthäus 22:37+39).

Genau darum geht es auch in den 10 Geboten!

Hier gebe ich nochmals eine verkürzte Fassung der Gebote, wie sie in der Bibel stehen, in Exodus (oder 2.Mose) 20:1-17 !

Die Liebe zu Gott:

1. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

2. Du sollst dir kein Bildnis machen. (Dieses Gebot wird leider oft übersprungen, kann aber in der Bibel nachgelesen werden!)

3. Du sollst den Namen des Herrn deines Gottes nicht missbrauchen.

4. Du sollst den Feiertag heiligen.

Die Liebe zu deinem Nächsten:

5. Du sollst Vater und Mutter ehren.

6. Du sollst nicht töten.

7. Du sollst nicht ehebrechen.

8. Du sollst nicht stehlen.

9. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden.

10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.

Jesus hat Liebe und Barmherzigkeit gepredigt und vorgelebt, uns weitere Gebote der Liebe gegeben und auch erklärt, dass Sünde bereits in Gedanken beginnen kann, wie z.B.in  Matthäus 5:28:

„Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.“

Die Gebote sind also keinesfalls aufgehoben sondern eher noch erweitert worden.


Antwort
von 1988Ritter, 44

Nein. Die zehn Gebote sind nicht neu bestimmt. Die zehn Gebote wurden um die Bergpredigt  erweitert.

Antwort
von MyName33, 47

Das erste Gebot
Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Das zweite Gebot
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen.

Das dritte Gebot
Du sollst den Feiertag heiligen.

Das vierte Gebot
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.

Das fünfte Gebot
Du sollst nicht töten.

Das sechste Gebot
Du sollst nicht ehebrechen.

Das siebte Gebot
Du sollst nicht stehlen.

Das achte Gebot
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Das neunte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.

Das zehnte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.

Tatsächlich lassen sich die 10 Gebote in zwei Teile aufteilen, und zwar nicht etwa in 1 bis 5 und 6 bis 10, wie sie in unzähligen bildlichen Darstellungen angeordnet wurden, sondern in 1 bis 3 und 4 bis 10. Die Gebote 1 bis 3 betreffen das Verhalten des Menschen gegenüber Gott, die Gebote 4 bis 10 das Verhalten gegenüber den Mitmenschen. Dieser Aufteilung entspricht im Neuen Testament bei Jesus genau das „Doppelgebot der Liebe“: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Das ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächstenlieben wie dich selbst“ (Mt. 22,37ff). Quelle: http://www.theologische-miniaturen.de/themen/die-zwei-tafeln/

Die Gebote sind also viel mehr zusammenfassend als ersetzend. Noch etwas: Im Alten Testament hielt man die Gebote, UM errettet zu werden und in den Himmel zu kommen. Nach Jesu Kreuzigung will man die Gebote halten, WEIL der Herr Jesus Christus einen errettet hat und man in den Himmel kommt.

Kommentar von Garfield0001 ,

... er hat sie also gezipt :-)

Kommentar von Rosenblad ,

Wo liegt hier der reale Unterschied in der Antizipation - sehen wir vom semnatischen Aspekt einmal ab.

Antwort
von Franz1957, 51

Wieso neu bestimmt?


Kommentar von Rosenblad ,

siehe: 1. Tim 1:5

Kommentar von Franz1957 ,

In 1. Tim 1:5 sehe ich keinen Hinweis darauf, daß Jesus die Gebote irgendwie verändert oder auf neue Weise interpretiert hätte. Im Gegenteil: Laut Vers 6 sind diejenigen, die das Gesetz anders als im Sinne von Vers 5 auffassen, abgeirrt. Das heißt, daß sie es sind, die den ursprünglichen und richtigen Weg verlassen haben, und nicht Jesus und seine Nachfolger.

Freilich kann dies manchem, der es hörte, neu gewesen sein, wenn er bislang falsch unterrichtet wurde. Siehe Verse 7 bis 8 und siehe Jeremia 8:8.

Eine seit dem Zweiten Jahrhundert virulente und verhängnisvolle Quelle falscher Schriftauslegung ist die Substitutionstheologie.

Kommentar von Rosenblad ,

Hinter meiner Frage lag in keinster Weise eine Konnotation auf eine Ausgrenzung jüdischer Religion.

Kommentar von Rosenblad ,

"Das Endziel des Gebotes aber ist: Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben, wovon etliche abgeirrt sind und sich zu eitlem Geschwätz gewandt haben;
 die Gesetzlehrer sein wollen und nicht verstehen, weder was sie sagen, noch was sie fest behaupten.
" (1.Tim.1:5-7) Nun meine Überlegung war die, das anders als Jesus in z.B. Mark 10:19 an dieser Stelle der intonierte Bezug auf das mosaische Gesetz fehlt und Paulus in diesem Brief an Timotheus den eigentlichen Kontext auf eine christliche Neufassung im Gehäuse der "Liebe" legt (i.S. Matth. 22:36-39). Einige Interpretatoren wollen im Vers 7 des o.g. Timotheusbriefes sogar eine Abkehr vom mosaischen Gesetz sehen (siehe: http://www.bibelstudium.de/articles/3514/Der-erste-Timotheusbrief-Ein-Ueberblick...)

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