Sind die Menschen heute nicht mehr belastbar?

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33 Antworten

Ich glaube da spielen 4 Faktoren eine Rolle:

1. Arbeitsleben:

Die Anforderungen sind gestiegen. Vor allem muss jetzt alles schneller gehen. Der Kunde will alles sofort haben. Sofort, jetzt und alles richtig!

Mal ein persönliches Gespräch mit den Kollegen? Nein, das geht gar nicht. Verständnis dafür, dass ein enges Familienmitglied krank geworden ist? Privates soll man zu Hause lassen. Anerkennung für das Geleistete? Da ist doch noch deutlich Luft nach oben.

Das ist teilweise schon an den Schulen schon. Das widerum führt zu Mobbing und anderen psychischen Problemen.

Zudem ist bei der Arbeit mehr als früher der Kopf gefragt. Alles ist technischer geworden.Dafür muss man mehr denken. Und das belastet.

2. Privatleben

Wenn man dann mal frei hat, muss man jede freie Minute "sinnvoll" nutzen. Da rennt man zu seinem Sportkurs, dann zu dem Bier mit den Freunden und dann muss man Arbeiten zu Hause erledigen. Theater, Kino, Ausflüge, Reisen, usw... So viele Dinge, die man machen will....

Nur eines geht gar nicht: Zu Hause auf der Couch die Füße hochlegen und mal für 5 Minuten dumm aus der Wäsche gucken.

Dabei wäre das gar nicht mal so schlecht, um mal runter zu kommen.

3. Die Gesellschaft

Die Gesellschaft (in jeglicher Form) stellt Anforderungen an einen. Die einen wollen, dass du heiratest, Kinder kriegst und ein Haus baust (z.B. Familie, Bekannte, Nachbarn). Die anderen wollen eine fleißige Arbeitsbiene, die ständig Überstunden macht (i.d.R. Arbeitsumfeld).

Die einen sagen, dass das gar nicht geht, wenn man in einem gewissen Alter mal nen Samstag Abend zu Hause verbringt.

Mal abgesehen davon, dass du etwas haben musst:

Mein Haus, mein Auto, mein Smartphone, mein Pool usw.... Wie? Du hast nicht studiert? Dein Kind bekommt keine Frühförderung?

Materielle Dinge sind immer wichtiger geworden. Man muss immer mehr haben und besitzen. Dazu kommen andere gesellschaftliche Anschauungen, was man machen muss.

4. Die Akzeptanz

Psychische Krankheiten werden immer mehr und mehr akzeptiert. Was früher als normal galt ist heute als Krankheit diagnostiziert worden.

Leute, die an einer solchen Krankheit leiden, werden längst nicht mehr als Psychos angesehen, die gleich mit einem Messer auf einen losgehen.

Es ist besser geworden, aber es ist immer noch nicht perfekt. Teilweise werden psychisch Kranke immer noch mit dem Satz der/die will nur Aufmerksamkeit haben abgestempelt.

Aber ich sehe eine Entwicklung zum Positiven.

Zu den Punkten 1-3 habe ich nur folgendes anzumerken? Muss ich? Ich muss gar nichts!

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Kommentar von TrudiMeier
21.11.2016, 20:54

Muss ich? Ich muss gar nichts!

Und ich hab schon befürchtet, ich sei die einzige, die so denkt.

Ich habe keine Karriere gemacht, ich bin kein Großverdiener, nur eine kleine Sekretärin. Anerkennung für geleistete Arbeit- nein gibts nicht. Dann gibts auch keine Überstunden. Ich kann auch NEIN sagen. Und das kann ich tun, weil ich genau weiß, dass ich, auch ohne Karriere gemacht zu haben, unentbehrlich bin.

Und ich lege gern am Samstag die Füße auf meinem Sofa hoch und guck dumm aus der Wäsche. Weil ich mich genau dann, genau so wohl fühle und es nicht für nötig befinde, irgendwelchen "Vorgaben" hinterher zu laufen.

Was muss ich denn haben? Ein dickes Auto? Mein "Kleiner" fährt auch von A nach B und auch noch weiter.

Dafür bin ich psychisch gesund - zumindest bilde ich mir das ein. :-))

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Ich denke, dass sich heute mehr Menschen in Psychotherapie befinden, als früher, hat viele Ursachen.

Zum einen sind psychische Beschwerden heute eben "anerkannt". Die Hemmschwelle, sich therapieren zu lassen, ist viel niedriger und die Hürden, die man nehmen muss, ebenfalls, weil man im Laufe der Zeit gelernt hat, dass auch psychische Beschwerden zu ernsthaften Schäden beim Menschen führen können.

Desweiteren leben wir heute tatsächlich in schwierigeren Zeiten. Die Anforderungen von Wirtschaft und Wissenschaft an die Arbeitnehmer, insbesondere hinsichtlich ihrer Qualifikation, hat sich drastisch erhöht. Aus diesem Grund dauert die Ausbildung bei vielen Menschen inzwischen bis sie 30 sind oder gar noch länger, gerade im akademischen Bereich.

Neben der längeren Ausbildungsdauer haben sich auch die Anforderungen in den meisten Bereichen drastisch verschärft. An meiner Universität beispielsweise wurde ermittelt, dass Studierende, welche ein Masterstudium in Regelstudienzeit abschließen wollten, 60 Stunden pro Woche nur für das Studium aufwenden müssten. Das ist 50 % mehr Zeit, als bei einer Vollzeitbeschäftigung. Und dann muss das Studium natürlich noch irgendwie finanziert werden. Nicht jeder Student hat BaFöG-Anspruch und selbst wenn er ihn hat, reicht das in vielen Städten nicht zum leben. Und dann sieht man sich vor einem riesigen, aufgeschütteten Berg und denkt sich: "Wie zur Hölle soll ich das alles bewältigen?"

Früher wurde so etwas viel stärker gefördert. Zudem war die soziale Absicherung besser (Stichwort: Hartz-Gesetze, Riester-Rente, etc.). Es gab einfach mehr "Netze", in die man fallen konnte.

Die langen Ausbildungszeiten haben zudem einen weiteren wesentlichen Nachteil. Ein Mensch ist mit 18 Jahren volljährig, aber (zumindest sofern er studiert) erst mit ca. 30 Jahren wirklich finanziell unabhängig. Abhängigkeitssituationen sind Gift für die Psyche, weil man sich ausgeliefert fühlt. Zum anderen, das mag jetzt vielleicht irgendwie doof klingen, aber Menschen sind mit 13/14 Jahren biologisch betrachtet geschlechtsreif, aber wirklich Zeit und insbesondere auch Geld für die Partnersuche haben sie erst, wenn sie mit ihrer Ausbildung fertig sind und das kann ja wie wir wissen heutzutage dauern. Nun fragst Du Dich eventuell, wieso Geld? Nunja, seinen Partner findet man nicht, indem man zu Hause sitzt und Däumchen dreht, also muss man durch die Diskotheken, Bars, etc. wandern und die meisten Abende sind erfolglos. Man muss also relativ viel investieren. Auch dann, wenn man jemanden gefunden hat, wird man denjenigen oder diejenige einladen, ihm oder ihr Geschenke machen, etc. pp. Ein Kollege von mir hat einmal gesagt: "Für Sex bezahlt man immer Geld, so oder so." - Du verstehst, was damit gemeint ist. Heute sind die Menschen aber laaange Zeit in einer "finanziell prekären Lage", wie man so schön sagt, d. h. es besteht für eine sehr lange Zeit ein Interessenskonflikt. Nach dem Prinzip: "Eigentlich möchte ich jeden Abend ausgehen, um endlich mal jemanden kennenzulernen, aber ich weiß, dass ich durch mein Studium keine Zeit und kein Geld dafür habe."

Dass Menschen heutztuage "weniger belastbar" sind, glaube ich hingegen nicht. Die Leben ist meines Erachtens heute wirklich sehr viel schwieriger. Viele Menschen, auch Jugendliche und Kinder schon, haben heutzutage sehr viel mehr Freiheiten, als früher, was natürlich einerseits begrüßenswert ist, ihnen andererseits aber auch sehr viel mehr Verantwortung auferlegt. Auf der anderen Seite leben die meisten aber eben auch fast ein halbes Leben lang in finanzieller Unsicherheit.

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Kommentar von NoHumanBeing
21.11.2016, 17:08

Die Anforderungen [..] hat sich drastisch erhöht.

Die Anforderungen [..] haben sich drastisch erhöht.

Die Leben [..]

Das Leben [..]

Wer weitere Fehler findet, darf sie behalten. ;-)

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Guten Morgen Trudi!  :-)

Sind die Menschen heute nicht mehr belastbar?

Ich denke schon! Sie sind belastbar.

Ein Mensch aus früheren Zeiten, wenn ich mir das so vorstelle, der würde nach ein paar Luftzügen wohl umkippen, weil er so schlechte Luft gar nicht gewöhnt wäre....  ;-)

Und weiter würde er wohl all den Stress und all die seelischen Belastungen auch nicht packen, wie ich zumindest meine.

Klar hat niemand hurra geschrien, aber ich kann mich nicht erinnern,
dass man deswegen psychisch so angeschlagen war, dass man deswegen wochen- oder gar monatelang nicht arbeiten konnte.

Vielleicht hat man es aber auch einfach nur stärker unterdrückt, weil es weniger erlaubt und möglich war. Heuzutage spricht man offener über seelische Probleme, als früher noch. Und das ist gut so!

Aber mir stellt sich echt die Frage, ob die Menschen denn so instabil geworden sind und vor allem warum.

Ich glaube gar nicht, dass sie instabil geworden sind, sondern feinfühliger sich selbst gegenüber, auch bewusster all den Missständen gegenüber, die sie in ihrem Leben bemerken und weiter mutiger, sich dagegen zu stemmen, auch wenn es über Krankheit geht. Immerhin.

Was für einen Sinn macht es denn schon, belastbar zu bleiben, wenn wir ja doch nicht das machen, was uns am Herzen liegt, was uns selbst Sinn gibt?

Wir alle unterliegen starken Manipulationen, denen wir nun lange gefolgt sind.
Meist aus Angst.
Alle Regierenden und Mächtigen wollten das Volk schon immer an einer gewissen Stelle haben, an der es möglichst klein und ruhig bleibt. Ich finde, dass haben Drahtzieher gut hingebracht. Selbständiges Denken ist eher unerwünscht, Aufstände sind zu vermeiden. Das Volk soll beschäftigt und ruhig bleiben, damit andere ihren Nutzen daraus ziehen können.
Vielleicht erwachen einige und es fällt ihnen auf.
Dazu gehört wohl, dass man Nein sagt, dass man "Ich kann und will nicht mehr" sagt, und das tun sie, indem sie schnell ihre Überforderung mit etwas spüren und kundgeben, um Lösungen dafür zu finden, um dem ganzen Unsinn ein Ende zu bereiten.

Ich finde es total gut, wenn Menschen zu einer Überforderung und zu starken Belastung nein sagen, damit sie sich über diesen Weg bewusst machen können, um was es ihnen eigentlich wirklich in ihrem Leben geht. Das ist natürlich ein längerer Lernprozess und wir treffen hier und anderenorts Menschen in den verschiedensten Entwicklungsstadien davon.

Reizüberflutung, Überforderungen aller Art wurden hier schon wunderbar angesprochen. Unser Leben ist wohl zu komplex und unübersichtlich geworden.

Viele Menschen wollen viel und am besten alles auf einmal. Aber wozu? Keiner will etwas von Verlust und Verzicht wissen. Aber wozu?
Um sich am Ende des Tages sinnlos und überfordert zu fühlen?

Viele Menschen machen gar nicht das, was ihnen am Herzen liegt, sondern etwas, einfach nur des Geldes wegen (dein Nachbar). Du sagst selbst, dieser sei bemitleideswert. Da stimme ich dir zu, weil er ja sein Leben nicht lebt, sondern zu viel für andere da ist.
Ich glaube, viele Seelen leiden darunter, weil sie zu vieles aufgrund von Ängsten machen, und weniger, weil es ihnen wirklich wichtig ist, weil sie Sinn darin erkennen.

Ja was meinst du, wie belastbar wir alle sind, wenn uns etwas Freude macht, Sinn gibt? Dann geht aber was!  ;-)

Ich denke, vielen ist der Sinn im Leben abhanden gekommen. Und das macht krank und wenig belastbar, weil es ja so für sie keinen Sinn macht. Da spielen unsere Seelen nicht mit, werden krank, und das ist wohl auch gut so, weil es vielen die Möglichkeit dazu gibt, sich zu besinnen und mutig, sinnvollere Wege zu gehen.

Und selbst wenn etwas Freude macht, aber (vermeintlich?) keinen Sinn, ist das der Sinn! ;-)

Und sowas beginnt heute nicht erst mit dem Eintritt ins Arbeitsleben, sondern bereits in der Schule. 

Für das menschliche Leben und dem Körper und unsere Seelen macht die heutige Art von Schule eben keinen wirklichen Sinn mehr. Also ich kann das gut verstehen, dass Menschen, bei nicht artgerechter "Haltung" krank werden. Dem Leben und uns selbst geht es eben nicht um das Übermaß, sondern vielmehr um die goldene Mitte, aber die dürften wir in vielerlei Hinsicht überschritten haben.

Es gibt zu oft ein Zuviel vom Selben.

Andererseits sehe ich den Motor Angst: viele rödeln in ihrem Hamsterrad, um mit zur Gesellschaft zu gehören, um akzeptiert zu werden, um mal eigenständig werden zu können, weil sie es so gelernt und vorgelebt bekommen, um ausreichend Geld zu haben......

..... und warum das alles?
Weil sie glauben, dass es nur so ginge?
Weil sie keinen Ausweg dafür kennen?
Weil die Aufklärung zu gering ist?
Weil dies oftmals von vielen Seiten so gefördert wird?
Weil Menschen zu selten und zu wenig hinterfragen?
Weil zu vielen Mut und Vertrauen in sich selbst und eigene Wege fehlt?

Die Ablehnung dessen, die ich in der Artikulation von Problemen und Überforderung erkennen will, finde ich nützlich. So wird sich sicherlich der eine oder andere aus diesem Teufelskreis lösen können, um doch noch dem eigenen Leben Sinn und Herz zu geben.

Weniger wäre meiner Ansicht nach einfach doch mehr.

Für mich ist es weniger eine mangelnde Belastbarkeit, eine Instabilität, sondern vielmehr eine notwendige Wende, eine gesunde Reaktion, die am Ende zu mehr Sinnhaftigkeit, Genuss, Liebe, Freude, Menschlichkeit und Wärme führen könnte.

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Kommentar von TrudiMeier
22.11.2016, 11:35

Danke!  Man macht sich selbst mit dem ewigen Streben nach "mehr" kaputt. Viele streben nach Geld, Anerkennung und Statussymbolen. Nicht nur Erwachsene die im Arbeitsleben stehen, auch Jugendliche und Kinder. Es muss der neueste BMW sein - auch wenns ein gebrauchter Golf genauso seine Dienste verrichtet. Die, die er verrichten soll - nämlich von A nach B fahren. Es muss das neueste Iphone sein - auch wenn man mit einem preiswerten genauso telefonieren und schreiben kann. Es müssen Markenklamotten sein, obwohl eine 0815 Marke durchaus die gleiche Qualität hat und genauso gut aussieht. Es fehlt nur das Label. Und warum?  Das machen wir eigentlich ja nicht für uns - sondern für andere. Eigentlich ists nur Show - "seht her, was ich mir leisten kann, was ich erreicht habe"  Aber muss man das wirklich haben? Braucht man wirklich das dicke teure Auto - oder braucht man die bewundernden Blicke von anderen? Man ackert sich dumm und dämlich - für Nichts! Und kann man nur ein zufriedenes glückliches Leben führen, wenn man reichlich Kohle verdient, ein eigenes Haus hat usw. ?

Ich persönlich glaube nicht, dass die Menschen heute weniger belastbar sind. Sie lasten sich aber selbst mehr auf, als sie tragen können.  Ich beziehe mich dabei aber auf den "Normalfall", nicht auf Menschen die aufgrund von Mißbrauch etc. schon psychich angeschlagen sind.

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Ganz pauschal gesagt vermute ich den Grund in unzureichender sozialer Bindung und ungenügendem sozialen Netz. Der Mensch ist ein Rudeltier - geht es ihm gut passt das - sobald aber kleinste Probleme auftauchen ist da keiner mehr der ihm den Rücken stärkt und er wird dementsprechend langsam aber ständig schwächer.
Nicht diejenigen, die die beste Arbeit haben stehen letztendlich am stabilsten da - sondern diejenigen mit Familie (welche auch immer), deren Probleme sich in Grenzen halten.

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Ich denke, es hängt mit den elektronischen Medien zusammen, die unsere kognitiven Kapazitäten sehr stark binden. Diese Kapazitäten stehen dann nicht mehr für Entspannung, bewusstes Leben oder für andere Menschen zur Verfügung. Dadurch verkümmert die Seele des Menschen - um es mal pathetisch auszudrücken.

Sobald ein Problem auftritt, kann man nicht auf Reserven zurückgreifen, weil man z.B. nicht erholt ist oder auch keinen Halt im Freundes- und Familienkreis finden kann. 

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Wie das geht? Nun das ist eig. einfach.

Nimm 13 Jahre Schule, entferne 1 Jahr, lass aber den Stoff der 13 Jahre drin und erhöhe so künstlich den Leistungsdruck.

Inzwischen hat man das ja zumindest wieder weitestgehend rückgängig gemacht, so wie mir bekannt.

Recht unnatürlich Arbeitszeiten für Schüler wären da auch noch drin. Ich habe eig. nie erlebt, dass ich morgens um 8 in der Schule auch nur annähernd aufpassen konnte.

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/schlafmuetzen-studie-spaeteres-aufstehen-macht-schueler-fitter-a-704819.html

Selbst meine Arbeit begann nicht um 8 Uhr. Und zu der konnte ich dank Auto hinfahren.

Zeitunterschied: Aufstehen als Schüler um 6 Uhr, als arbeitende Person eher so gegen 7 Uhr. Für mich war letzteres deutlich angenehmer.

Während meiner Ausbildung hatte ich zudem immer blöckeweise Fächer (1,5 Stunden ein Fach usw). Folglich konnte ich mich länger auf eine Sache konzentieren, als dass ich permanent meine Arbeit unterbrechen und durch teils andere Denkprozesse austauschen musste (45 Minuten Mathe, 45 Minuten Religion, 45 Minuten Deutsch waren während meiner Schulzeit z.B. richtig "toll").

Auch hat mein schulischer Unterricht in der Ausbildung meist erst um 9-10 Uhr angefangen.

Und tatsächlich war das alles deutlich angenehmer für mich (wer hätts gedacht *hust*).

Zum Thema Arbeiten: Während meiner Ausbildung wollte man eig. immer mein Bestes...meine Zeit. Überstunden aufbauen? Ja klar aber bitte nicht abbauen. Urlaub? Nehehehe. Ein Todesfall? Joa so einen Tag kann man ja mal Urlaub gestatten.

Das ganze kannste noch mit hohem Druck vermischen.

Ich könnte das jetzt so fortführen. Keine Ahnung ob ich da ein Sonderfall bin, aber ich glaube nicht.

Achja und bevor ich es vergesse: Man soll ja nicht nur im Arbeitsleben erfolgreich sein, sondern es auch allen anderen im Umfeld recht machen.

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ich würde nicht sagen, dass sie weniger belastbar sind. es gibt nur andere probleme als früher.

ich glaube dass das hauptproblem ganz schlicht und einfach das internet ist. all diese schönen menschen überall die alles besser können und die einen unter druck setzen. all das, mit dem man nicht mithalten kann. dieser star-hype! ich weiß zwar nicht wie alt du bist aber du hattest mit sicherheit nicht mit dieser art von druck zu kämpfen in deiner jugend, zumindest nicht in diesem ausmaß.

sieh sie dir doch an, diese 13 jährigen mädchen die wie 20 aussehen und sich auch so verhalten.
ich glaub die bilder sprechen für sich und ich muss nicht dazusagen was dadurch alles ausgelöst wird...

der mensch baut sich eine welt mit der er selbst nicht mehr mithalten
kann. alles wird schneller und mehr und da kommt die evolution einfach
nicht nach
burnout sagt dir sicher etwas... das haben "ältere" leute, also kann man das nicht so einfach auf die "jüngeren" reduzieren... davon mal abgesehen ^^

(ich war mir nicht sicher ob ich "sie" oder "wir" schreiben sollte da ich mich selbst als ein übergangsmodell sehe)

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Kommentar von TrudiMeier
21.11.2016, 19:59

Sicherlich hast du recht, dass insbesondere die Jugend mit anderen Problemen zu kämpfen hat, als früher. Ich wurde in meiner Jugend (zum Glück) nicht mit "Germanys next Top-Model" konfrontiert, in dem ein Idealbild dargestellt wurde, dem sich jeder verpflichtet fühlt nachzueifern.  Ja, die jungen Mädels eifern einem angeblichen Idealbild nach und rutschen zum Teil in die Magersucht. Aber gerade die sind es, die glauben, keine psychische Störung zu haben. Andere wiederum stellen sich hin und behaupten Depressionen zu haben, die ausschließlich auf Selbstdiagnose beruhen.  Aber was ist mit denen, die tatsächlich psychisch angeknackst sind, aufgrund persönlicher oder beruflicher Tiefschläge?   Ich hab manchmal das Gefühl, es gibt nur schwarz oder weiß - dazwischen nichts. So ist z. B. Liebeskummer entweder ein Weltuntergang oder nicht erwähnenswert. Früher wars ein Weltuntergang auf Zeit.

Burn out ist auch ein schönes Beispiel. Klar, es wird immer mehr verlangt, der Druck ist groß. Aber man selbst gibt dem doch auch nach, ist selbst mit dem Mittelmaß nicht zufrieden. Und man glaubt mithalten zu müssen. Immer besser sein als andere, erfolgreicher, reicher, schöner usw.  Der Druck kommt von oben, ja, aber man macht ihn sich doch auch selbst. Ich habe einen Verwandten, Betriebsleiter eines großen Konzerns. Der arbeitet sich zu Tode und ein Burn out würde mich da nicht wundern. Er verdient ein Schweinegeld - aber hat eigentlich nicht mal Zeit, es auszugeben. In diese Situation hat man sich aber selbst begeben, weil man nicht zufrieden damit wäre, nur ein kleiner Angestellter oder eine kleine Sekretärin zu sein.

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Kommentar von Rosenblad
22.11.2016, 18:59

Der Mensch lässt sich eine Welt konstruieren in der er glaubt Halt, Sicherheit und v.a. Identität zu finden - Religionen sind dafür eine exemplarische Folie. "Wir" sind das, was wir glauben sein zu müssen und "wir" sind so gern konform mit dem was uns "angeboten" wird (Mainstream als Blaupause für Ziele, Werte und Verhalten - letzteres v.a. Kaufverhalten).

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Die Reizüberflutung sorgt für einen permanenten Stresspegel, der heute über dem früheren liegt. Bis zur Erschöpfung bleibt also eine geringere Differenz. Der Mensch an sich ist also immer noch in der Lage die gleiche Belastung zu verarbeiten, mit dem Unterschied, dass die konstante (physische) Belastung heute definitiv höher ist. Der variable Teil zum Maximum wird durch die Konstante minimiert.

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Wenn ich meine ehrliche Meinung dazu sagen kann. ich bin genau am Anfang und noch in der Ausbildung, deshalb sehe ich das von der Sicht von unten sage ich mal.

ich bin der Meinung jeder Mensch ist auf seine eigene Art belastbar, aber jetzt kommt das große Problem. Arbeitest du NICHT in einem Familienunternehmen fängt der erste Stress an. es wird viel zu viel verlangt weil wir in der heutigen Zeit Marionetten(Wirtschaftsunternehmen halt) keiner Interessiert sich als Cheff wie es einem geht wenn Zuviel verlangt wird.

Schule bleibt außen vor musst Glück haben mit dem Lehrer und das man richtige Freunde hat sonst wird das nichts.

Ich denke das einzigste was uns glücklich macht ist Geld ganz hart und kurz gesagt, weil der Mensch will automatisch das haben was andere haben. ihr sagt nein?  dann Folgende Situation und meine Frage:

Ihr sitz im Corsa an einer roten Ampel neben euch kommt ein Lamborghini an euch vorbei gefahren, wollt ihr es haben oder nicht?

Dankeschön.

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Kommentar von TrudiMeier
03.12.2016, 22:34

Bei Rot über die Ampel fahren ist verboten - auch mit ´m Lamborghini. Und haben will ich den auch nicht, da ist mir einfach der Anschaffungswiderstand zu groß, er verbraucht viel zu viel Sprit, er fährt auch nur von A nach B und in einer 30er Zone darf ich sowohl mit dem Corsa als auch mit dem Lamborghini nur 30 fahren. Aber wer denn eine Schwanzverlängerung/Brustvergrößerung nötig hat.....

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Neben den bereits in den Beiträgen genannten Aspekten (Anstieg der Anforderungen, schon früh in der Schule Leistungsdruck etc.) gibt es auch sozialpsychologische Faktoren, die eine Rolle spielen.
Hierzu seien nur mal zwei Aspekte genannt:
- Wir alle werden in einer permanenten Angst gehalten, ob wir (in dieser vom Kapitalismus weitgehend vereinnahmten Welt) "wettbewerbsfähig" genug sind (was von der Psyche als "überlebensfähig" verstanden wird)
- Für Menschen ist immer auch der soziale Vergleich von Bedeutung. - Psychische Krankheiten sind heutzutage mehr anerkannt und mehr Menschen bekennen sich dazu. Dadurch erhöht sich auch die Zahl derer, die sich 'outen'. Und noch ein Beispiel: hier auf GuteFrage sind tonnenweise Anfragen von verunsicherten Schülern mit diversen Symptomen. Da herrscht große Irritation und Angst, "was mit einem los ist" - eben auch, weil man sich an den anderen orientiert. Und da wird dann - aber woher soll man's auch wissen? - Pubertät mit Schizophrenie verwechselt, um es mal salopp zu sagen.

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Kommentar von TrudiMeier
21.11.2016, 11:58

hier auf GuteFrage sind tonnenweise Anfragen von verunsicherten Schülern mit diversen Symptomen.

Stimmt, das ist auffällig. Da habe ich manchmal den Eindruck, dass es sich dabei um eine Art Modeerscheinung handelt. Der Großteil beruht auf Selbstdiagnose. Manchmal liest es sich, als sei man nicht "up to date", wenn man nicht mit einer psychischen Störung aufwarten kann. Damit meine ich die, die nicht einmal im entferntesten in Erwägung ziehen, einen Arzt aufzusuchen. Das bedeutet aber nicht, dass nicht auch junge Leute unter psychischen Störungen leiden können.

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Kommentar von theFIST
21.11.2016, 15:32

die überwiegende Mehrheit der 10 Forderungen des kommunistischen Manifests (9 in Österreich, wird in Deutschland ähnlich sein) sind in Kraft, und das meist schon Jahrzehnte

Probleme weiterhin dem Kapitalismus zuzuschieben ist unehrlich

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Das Leben ist Veränderung. Wir leben heute in einer anderen Welt als die Menschen vor 20 bis 30 Jahren - und zwar in vielerlei Hinsicht. Ob Mobiltelefon/Smartphone, Computer, Internet usw. oder Privatisierung von staatlichen Aufgaben und dergleichen mehr.
Was sich ebenfalls verändert hat: Wir werden heute im Durchschnitt später Eltern und haben weniger Kinder, oft sind Mütter oder Väter alleine verantwortlich, arbeiten aber in Vollzeit.
Während auf der einen Seite uns der Fortschritt viele Erleichterungen gebracht hat, sind die Ansprüche auf der anderen Seite gestiegen. Auch und gerade an jeden von uns. Es gibt nicht  mehr nur einen Telefonanbieter, Paketdienst oder Energieanbieter. Wollen wir mithalten, müssen wir uns uns ständig auf dem laufenden halten.
Speziell die Kinder anbetreffend: Viele wachsen heute sehr behütet (Helikoptereltern) auf und ensprechend niedrig ist ihre Frustrationsgrenze. Einerseits können sie sehr viel, andererseits sind die Eltern immer irgendwie da. Solche Kinder haben es schwer, sich gut zu entwickeln und mit Frustrationen jedweder Art gut klar zu kommen.

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JA die meschen sind einfach weniger belastbar es gibt auch einfach zu viele probleme in der welt ich meine wenn man hört das sich schon 12 jährige besaufen weil sie einfach nicht weiter wissen und nicht um ''cool'' zu sein :/

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Ich denke nicht, dass die Jugendlichen oder jungen Erwachsenen heute instabiler oder nicht stärker belastbar sind. Heute hat die Gesellschaft eine ganz andere Anforderung als vielleicht vor 30 Jahren mit ganz anderen Bedingungen. Man muss heute gewissermaßen viel mehr können und leisten, um "etwas zu werden" - zumindest wird das einem vielfach suggeriert. Man konkurriert auch nicht mehr mit dem Schüler oder dem Unternehmen von nebenan, sondern alles weit über unsere Grenzen hinaus für ein Höher, Schneller und Weiter. Da kann ich persönlich schon verstehen, wenn einige sich psychisch dem Wettbewerb, der gewissermaßen herrscht, nicht immer gewachsen fühlen und Resignation verspüren. Es ist heute nicht schlechter als damals, aber auch nicht besser - einfach nur anders.

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Vielleicht gehst du deine Frage mal andersherum an: Warum ist der Stress in heutigen Zeiten so angewachsen, dass immer mehr Menschen psychisch angeschlagen sind?

Das Alter spielt dabei keine Rolle.

Fakt ist, dass es auch früher schon solche Menschen und Fälle gab. Nur gab es da noch nicht das Wissen rund um die Psyche und damit auch nicht die Menge an Psychologen und Therapeuten. Wenn man weiß, dass viele Menschen mit seelischen Probleme bis zu zwei Jahre auf Hilfe warten müssen, ist auch klar, dass es immer noch zu wenig Hilfe gibt.

Die Welt ist nicht mehr die von vor 40 Jahren. Der Druck ist definitiv gestiegen, Gerade in der Arbeitswelt wird mit Angst und Leistungsdruck gearbeitet. Und in der Schule ist es auch nicht anders. Gelernt werden musste schon immer. Aber auch da wird heutzutage immer mehr gedacht, nur mit Abitur ist man wer.

Falsch! Man muss nicht zwingend studieren, um als anerkanntes Mitglied der Gesellschaft zu gelten.

Und was das Familiäre angeht, sind durch die heutigen Zustände auch leider viele Familien außer Rand und Band. Entweder keine Arbeit oder zu viel Arbeit. Entweder Überbehütung, dass Kinder kaum atmen können oder zu wenig Liebe und Aufmerksamkeit, dass Kinder das Gefühl haben, fehl am Platze zu sein. Viele Kinder sind Trennungskinder und werden hin-und hergeschoben.

Es herrschen hierzulande nicht die malerischen Zustände, die man oft nach außenhin suggerieren will. Und das legt sich auch zunehmend auf die Psyche.

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Kommentar von TrudiMeier
21.11.2016, 07:22

Ist der Stress wirklich so angewachsen? Oder macht man sich den Stress selbst, weil man selbst  glaubt , nur mit Abi ist man wer? Denkt man vielleicht nur in die falsche Richtung, weils einem irgendwie so vorgegeben wird?  Wo wären wir denn ohne die Real- und Hauptschüler, die so "niedere" Berufe ausüben, wie Kfz-Mechatroniker oder Friseurin?  Die brauchts doch schließlich schneidet sich kaum jemand die Haare selbst und mein Auto kann ich auch nicht selbst reparieren.

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Ich muss sagen, ich erkenne an mir selbst, dass ich extrem wenig belastbar bin, was meine Psyche angeht. Nicht nur dass ich nahe am Wasser gebaut bin (das ist aber schon immer so), sondern auch dass mich wirklich jede Kleinigkeit so verzweifeln lässt.

Ich bin noch Schülerin, 16 Jahre, und gerade in der gymnasialen Oberstufe. Das bedeutet, alles, was ich jetzt so in der Schule schreibe, hat Auswirkungen auf meine Zukunft, fast jede Note ist wichtig. Ich brauche ein gutes Abitur, um später auch mein Geld verdienen zu können. Und genau das ist immer im Hinterkopf. Egal, was ich gerade tue, dieser innerliche Stress und Druck ist für die nächsten zwei Jahre immer da.
Und nein, bei uns wird einem das Abitur auch nicht einfach hinterher geworfen.

Jede weitere Belastung ist dann einfach zu viel. Jetzt schon so eine Zukunftsangst zu haben und dann noch irgendwelche gegenwärtigen Belastungen hält man halt nicht gut aus. Das können dann nur irgendwelche zu lauten Stimmen sein, wenn ich meine Ruhe haben will oder schlafen will, Eltern, die streiten oder sonstige minimale Sachen.

Bei mir kommt dann noch dazu, dass ich unzufrieden mit der Welt bin, wie sie jetzt so ist und wenn ich mir bewusst werde, dass ich sie nicht ändern kann.

Es ist einfach eine andere Zeit. Vielleicht kommt es einem aber auch nur vor, dass wir nicht mehr so belastbar sind. Ich kenne die Menschen von früher nicht, ich weiß nicht, wie und was sie dachten.
Vielleicht haben die Menschen es damals auch einfach nicht so gezeigt.

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Ich glaube, dass die Menschen, je jünger sie sind, tatsächlich weniger belastbar sind. Man "will haben" und gerade in jungen Jahren tragen viele Eltern ihren Kindern den A.... hinterher. Sie bekommen und müssen dafür nicht wirklich etwas leisten.  Ich denke nicht, dass den Eltern das wirklich bewusst ist und was sie damit anrichten. Der Grundgedanke dahinter ist, dass sie es anders (besser?) machen wollen, als ihre Eltern. Damit ist der Grundstein gelegt. Sie wollen haben - aber so wenig wie möglich dafür leisten. Irgendwann ist dann aber die Zeit vorbei in der Eltern dafür einstehen. Ich sehe es in meinem Umfeld: Wie oft wird gesagt, dass sie später mal einen guten Job haben wollen, viel Geld verdienen wollen, aber ihre Leistungsbereitschaft hält sich bereits in der Schule in Grenzen. Es kommt aber der Punkt, an dem sie kapieren, dass es ohne Leistung nicht geht.  Und natürlich sind sie weniger belastbar, weil sie es nicht gelernt haben.

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Nur, weil heute mehr Menschen unter den psychischen Belastungen leiden, heißt es nicht um Umkehrschluss, dass es früher weniger dieser Menschen gab.

Sie durften entweder keine Schwäche zeigen oder es war vielen noch nicht bekannt, dass sie sehr wohl psychisch gelitten hatten.

Bedenke, dass viele die Altlast ihrer Eltern sowie Großeltern in sich tragen.
Besonders die Generation "Kriegskind" bzw. "Kriegsenkel". Gibt es auch ein Buch darüber.

Die Schule ist auch oft die Ursache für psychische Probleme:

  • Mobbing
  • Drohungen
  • Beleidigungen
  • Verhöhnung
  • Bloßstellung
  • Bestrafung
  • Missbrauch

und zwar sowohl von Seiten der Mitschüler als auch der Lehrer.
So manche Lehrer lassen ihre Macht an Schülern aus.

Insgesamt betrachtet finde ich, dass du herzlich wenig Ahnung von der Thematik hast.

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Kommentar von TrudiMeier
22.11.2016, 12:48

Es mag sein, dass ich herzlich wenig Ahnung habe, aber darf ich deshalb nicht hinterfragen?

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Es gibt sicher Eltern, die an ihre Kinder utopische Forderungen stellen. Meine Eltern waren da zum Glück anders. Da war ein "befriedigend" tatsächlich ein Grund, zufrieden zu sein. Und "ausreichend" bedeutete immerhin, dass die Leistung ausreichte. Über ein "gut" hat man sich wie blöde gefreut. Und "sehr gut" kam so selten vor, ich glaube, ich habe im gesamten Schulleben höchstens zweimal eine 1 bekommen. Und bei meiner Mutter hieß es noch "eine 1 kriegt nur, wer besser ist als der Lehrer".

Heute werden die Noten inflationär gehandelt und ein Einser-Abi gehört zum guten Ton...

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Kommentar von TrudiMeier
21.11.2016, 17:40

Einser-Abi - das schüttelt man aber nicht mal eben aus dem Ärmel. Es gibt Menschen, die sind keine Theoretiker, sondern halt eher praktisch veranlagt. Vom Kopf her würden sie wahrscheinlich das Abi problemlos schaffen (nicht unbedingt einskomma), aber es liegt ihnen einfach nicht. Mein Sohn gehört dazu. Die Kumpels aus dem Freundeskreis hatten es beim Abi auch nicht leicht, viele haben kurz vorher hingeschmissen. Viele haben "nur" den Realschulabschluss. Aber arbeiten will kaum einer - erstmal ´n Jahr chillen. Und dann? Lücke im Lebenslauf - nix gemacht - das freut jeden Arbeitgeber. Mein Sohn hat sich auch nur so durch die Realschule gewurschtelt. Ist halt eher praktisch veranlagt und hat den Mangel im Handwerk erkannt. Er lernt Kfz-Mechatroniker - hat seinen Arbeitsvertrag bereits in der Tasche und die Weiterbildung  ebenfalls. So gehts halt auch. Klar ist nicht immer alles Friede-Freude-Eierkuchen. Ists doch bei niemandem. Trotzdem ist er superzufrieden.  Er nimmt sich den Druck nicht an und abwertende Sprüche gehen ihm am A.... vorbei.  Nur Kfz-Mechnatroniker? Zitat: Dann, lieber Bänker - reparier dein Auto mal schön selbst.....! :-))

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Die Probleme sind heute völlig andere und mitunter viel komplexer und weitreichender, als man es sich als "Außenstehender" vorstellen kann.

Die Gesellschaft ist um Einiges härter und roher geworden. Heute muss, gerade von Kindern und Jugendlichen ständig Leistung gezeigt werden, ansosnten drohen Sie den Anschluss zu verlieren. Und man wird auch nicht müde, Ihnen das ständig vor Augen zu halten.

Gewalt an Schulen und im öffentlichen Leben haben stark zugenommen, sowohl physischer als auch psychischer Natur. 

So gibt es  Dynamiken, bei der schon soetwas Geringfügiges wie die "falsche" Kleiderwahl einen jungen Menschen für immer aus seiner sozialen Gruppe werfen und Ihm zum Zentrum andauernenden Mobbings machen kann. Oder die falsche Meinung zu einer Sache. Oder die falsche Familie und Herkunft.

Zudem darf man nicht vergessen, das die Psyche in einem physischen Körper beheimatet ist. Emotionale Instabilität und daraus resultierende Belastungsstörungen können sich durch Vererbung entwickeln und verstärken.

Bei hypersensiblen Menschen ist zb. die Amygdala statistisch gesehen vergrößert.  Das trifft auch auf einige andere psychische Besonderheiten zu.

Ursachen dafür können Suchterkrankungen, Traumata oder zb. Bipolarität eines Elternteiles sein.

2-3 Generationen zuvor waren Depressionen grad so häufig wie heute. Aber damals wurde damit anders umgegangen.

Viele Kinder haben am eigenen Leib erfahren müssen, wie es ist mit einem alkoholkranken Elternteil, sexuellem Missbrauch in der Familie oder etwas in der Art aufzuwachsen. Das waren die vorherrschenden Ventile vor 30-50 Jahren.

Kinder solcher Eltern gehen mitunter bereits deutlich stärker vorbelastet ins Leben als die Generation vor Ihnen. Ohne das Sie etwas dafür könnten oder daran etwas zu ändern im Stande wären.

Und das in einer Welt in der wie nie zu vor der ständige Zwang herrscht, sich zu beweisen. 

Ohne stänkern zu wollen, aber es klingt ziemlich vermessen über die psychische Stabilität einer anderen Person zu urteilen, nur weil diese vielleicht auf den ersten Blick weniger belastbar erscheint.

In den meisten Fällen hat man selbst nur einfach nicht annähernd soviel einstecken müssen das Gegenüber (und dabei spielt es überhaupt keine Rolle, wie viel man selbst glaubt weggesteckt zu haben).


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Kommentar von TrudiMeier
22.11.2016, 12:25

aber es klingt ziemlich vermessen über die psychische Stabilität einer anderen Person zu urteilen, nur weil diese vielleicht auf den ersten Blick weniger belastbar erscheint.

Ich maße mir ganz bestimmt nicht an, über die psychische Stabilität und Belastbarkeit anderer Personen zu urteilen! Ich bemühe mich eigentlich so neutral wie möglich zu schreiben. Und, auch ohne stänkern zu wollen, mir scheint, dass derartige Fragen von vornherein negativ belastet sind.  Aber offensichtlich ist die Menge psychischer Erkrankungen stark angestiegen, im Vergleich zu früher. Es stellen sich mir halt die Fragen: Sind die Menschen weniger belastbar als früher? Oder lasten sie sich selbst mehr auf, als sie tragen können? Hat man früher psychische Erkrankungen nicht als solche erkannt? Oder nicht als Krankheit eingestuft, sondern einfach bei psychischen Auffälligkeiten gesagt: "Stell dich nicht so an!" Oder einfach totgeschwiegen? Ich hinterfrage einfach - aber damit urteile ich nicht darüber. Es erscheint mir manchmal, dass ein Hinterfragen psychischer Störungen gleich als Nichtakzeptanz gewertet wird.

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Also ich persönlich kann viele Dinge auch mit dem gesellschaftlichen Druck erklären:

In unserer Gesellschaft hat Erfolg - vor allem beruflich - einen sehr hohen Stellenwert. Hast du was, bist du was: Früher - wirklich früher - war dein Vater Handwerker, du wurdest höchstwahrscheinlich auch Handwerker, aber es waren halt gängige Berufe, die auch vergleichsweise angesehen waren.

Versuch heute mal jemanden damit zu beeindrucken, dass du beim Call-Center arbeitest: Ich verunglimpfe das ja nicht, aber die Leute schauen inzwischen übermäßig stark auf solche Dinge. Unsere Bedürfnisse steigen, die Preise steigen, wir konsumieren mehr, wir wollen mehr: Wir brauchen mehr Geld. Alles eine schwierige Situation.

Dir wird als Kind von Anfang an eingetrichtert, dass du gut in der Schule sein musst, gute Noten schreiben musst und und und: Und dann kannst du noch so lange bei deinen Eltern wohnen, wenn sich dein ganzes Leben darum dreht, bist du sehr stark niedergeschlagen, wenn es mal nicht klappt.

Ich persönlich bin bei sowas auch niedergeschlagen, weil ich die Sachen sehr ernst nehme, wenn ich sie in Angriff genommen habe, aber gerade deshalb motivieren mich Tiefschläge auch ungemein.

Ich denke, es ist auch eine Frage der Erziehung: Kind A schreibt eine schlechte Note, kommt nach Hause und wird angemault, die Spielsachen werden ihm weggenommen und er wird bestraft: So entstehen solche Neurotiker wie du sie beschreibst.

Erklärt man einem Kind hingegen, dass er es das nächste Mal besser mache, er nicht aufgeben dürfe und es somit motiviert, dann hat das einen viel größeren positiven Effekt. 

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Kommentar von NoHumanBeing
22.11.2016, 02:33

Grundsätzlich eine gute (und richtige) Antwort, aber ...

die Preise steigen

Nunja, die Einkommen aber auch. Außerdem steigen die Preise nicht überall. Elektronik beispielsweise wird immer leistungsfähiger, aber größtenteils dennoch immer günstiger.

Vor knapp 20 Jahren beispielsweise haben normale "Towercomputer" noch über 2000 DM gekostet, Notebooks oft sogar zwischen 5000 und 10000 DM, sodass sich nur Unternehmen diese leisten konnten. Und im Vergleich zu unserer heutigen Hardware konnten sie natürlich "nichts". Bei Mobiltelefonen war es ähnlich, riesige Apparate, unerschwinglich teuer, von den Tarifen ganz zu schweigen. Heute bekommt man für unter 10 € Tarife mit LTE und Freiminuten und Frei-SMS.

Wirklich teurer werden vor allem die Mieten und die Energiekosten. Wobei erstere natürlich auch stark vom Standort abhängen. Alles in allem waren wir noch nie so wohlhabend, wie wir es heute sind.

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