Ich gehe in eine Uni im Osten und komme selber aus dem Westen. Mir ist aufgefallen, dass ich sehr viele 20 oder 21 jährige kennenlerne, die schon verheiratet sind (meist mit ihrer ersten Freundin) und auch teilweise schon ein Kind haben oder es gerade im "Anbau" ist. Sind die Leute aus den östlichen Bundesländern in solchen Sachen geselliger? Im Westen kannte ich keinen aus meinem Freundeskreis der in diesem Alter ein Kind hatte oder gar schon eine "feste" Frau.

Vor 40, 50 Jahren war es auch im Westen nicht ungewöhnlich wenn ein frischverheiratetes Paar mit Kinderwagen nicht älter als 20, 21 war.
In der DDR war Voraussetzung für eine Wohnung, bzw. für einen günstigen Platz auf der Warteliste auf eine Wohnung, eine Familie. Ohne Kind und ohne Ehepartner war man oft verdammt, ewig auf dem Schoß der Eltern sitzen zu bleiben. Also war es allgemein anerkannt früh eine Ehe einzugehen.
Einem Freund von mir ist es Ende der Achtziger gelungen mit einer "ausgeliehenen" Verlobten, die ein Kissen unter dem Pulli trug, bei der Kommunalen Wohnungsverwaltung eine Wohnung zugewiesen zu bekommen. Man muss sich nur zu helfen wissen.
Auch was die Ausbildung (im Betrieb und auch an der Uni) angeht, ging es in der DDR zügiger voran. In der Ex-DDR habe ich eine ganze Reihe Leute unter 30 kennengelernt, die schon eine Doktortitel hatten.
Noch ein Aspekt der Geselligkeit war das meist fehlende Telefon. Wen man nicht anrufen kann, den muss man eben gleich unangemeldet besuchen. Eine Sitte, die im Westen manchmal Befremden hervorruft.
Es hat sich bis heute noch nicht alles angeglichen, die Eltern sind eben doch Vorbilder und haben insbesondere die Gestaltung der Partnerschaft vorgelebt.
Als eingewanderter Wessi schätze ich übrigens auch, dass man in der Ex-DDR nicht diesen naserümpfenden Dünkel findet wie im Westen. Die "Stände" waren in der DDR wirklich abgeschafft.
in der früheren ddr wurden kinder nicht so prüde erzogen wie in westdeutschland.
aufklärung war dort weit fortgeschrittener und viel offener.
die kinder waren von klein auf mit den eltern zum beispiel am fkk unterwegs und kannten das gar nicht anders. ein nackter mensch war da nichts heimliches oder verpöntes.
man war auch nicht so materiell orientiert wie im westen, da war familie mit mann und kind noch was wert.
diese kindheitserziehung geben die ostdeutschen auch heute noch an ihre kinder weiter.
aber nicht nur in " solchen " sachen , sind sie geselliger, sie sind auch sonst recht gesellig und sehr nette leute.
ich arbeiter selber mit einigen leuten zusammen und kann sogar behaupten, sie sind fleißiger und arbeitswilliger.
früher Nachwuchs kann auch an zu wenige Aufklärung liegen! ;-)
@mismid: schwangerschaft durch mangel an aufklärung trifft dann aber eher die 15-jährigen in ost wie west :o)
ich denke schon, dass sie harmoniebedürftiger sind und eher bereit eine familie zu gründen. obwohl es da vielleicht auch etwas weitsicht fehlt, was das heutzutage an finanzieller aufwendung bedeuten kann.
die staatliche hilfe ist ja leider beschämend.
Ich bin jetzt 41...Habe mich durch Literatur und mit Eltern schon mit 13 aufgeklärt.Es gab sehr gute Bücher.Auch war es nicht ungewöhnlich,möchte sagen,sogar relativ normal das die Mädels mit 15 schon die Pille nahmen.War auch besser so,denn da lagen wir schon in der Kiste...

Es gibt sicher traditionelle Unterschiede, die von Dir beschriebenen sind mir auch schon aufgefallen.
Kurz nach der Wende war hier auch der Trend vorhanden,später zu heiraten und Kinder zu bekommen weil man plötzlich viel mehr erleben und eher Karriere machen konnte.Jetzt aber kehrt sich das wieder um.Denn viele haben erkannt Enkel zu erleben ist mehr wert als der Porsche... Ich finde es auch schrecklich wenn ich relativ alte Eltern ( was mir meißtens nur in den alten Bundesländern aufgefallen ist ) mit kleinen Kindern sehe.Wenn man 55 ist und ein Teenager hat ist es viel schwieriger für dessen Sorgen verständnis aufzubringen... Das mit der Geselligkeit stimmt aber. Ich habe vor einem Jahr schon mal die Frage gestellt woher die Nutzer von GF kommen und wußte die Antwort schon vorher zu fast 100 %. Wir reden hier viel mehr miteinander.Man kennt sich,hilft sich und hat meißtens einen sehr großen Freundeskreis. Ehe ich den Rechner anmache und hier eine Frage stelle,habe ich schon lange einen Freund oder Nachbar gefragt...ist viel schöner und persönlicher.