Frage von Deamonia, 138

Sind die Bauern selbst an der Milchkriese schuld?

Ich höre immer, das die Milchpreise so stark gesunken sind, weil seit Abschaffung der Milchquote viel mehr Milch produziert wird.

Das ist doch ganz normale Marktwirtschaft, wenn es ein Überangebot gibt, fällt der Preis, warum also sorgen die Bauern selbst für dieses Überangebot, und somit für diese lächerlichen Milchpreise?

Antwort
von tryanswer, 57

Das was wir jetzt am Milchmarkt erleben, ist nichts anderes als ein Transformationsprozeß in Folge einer Jahrzehnte langer, verfehlter Milchmarktpolitik.

Das Hauptproblem liegt darin, daß die Milchbauern durch Zahlungsverbindlichkeiten an die Milchproduktion gebunden sind. Daher sind sie auch nicht so einfach in der Lage die Produktion einzustellen. Sie müssen sich dabei an die Kreditlaufzeiten halten.

Kommentar von Deamonia ,

Kreditlaufzeiten? Kannst du das genauer erklären? 

Hat das auch etwas mit der Gestiegenen Produktion zu tun, oder war das die alleinige Entscheidung der Bauern?

Kommentar von tryanswer ,

Unter der Milchquote war der Absatz der Milch garantiert. Entsprechend haben die Landwirte in ihre Milchviehhaltung investiert. Nun muß man wissen, das die Laufzeit für einen Stallbaukredit 20 - 30 Jahre beträgt. Noch im Rahmen der Agenda 2000 versprach die Politik einen sanften Übergang in den freien Markt. Erst 2003 zeichnete sich ab, daß die zukünftigen Zahlungen von der Produktion entkoppelt werden sollten. Wobei auch noch zu diesem Zeitpunkt von einem langsamen Übergang für die Milchwirtschaft gesprochen wurde. Diese Zusagen wurden jedoch nicht erfüllt, so daß die Milchviehhalter nun in ihren Kreditverpflichtungen gefangen sind. Davon sind heute also auch Betriebe betroffen, die Mitte der 80iger ihren Stall errichtet haben.

Kommentar von Deamonia ,

Danke, ich hatte das halt etwas anders gelernt, und zwar nicht so, das der Absatz garantiert ist, sondern das wer mehr Produziert, dann Strafe zahlen müsse. 

Was ich aber immer noch nicht begreife ist, wie man einfach viel mehr produzieren kann, als benötigt wird, und sich dann über niedrige Preise wundert. 

Außerdem ist soweit ich gelesen habe, die Milchproduktion seit Abschaffung der Quote um 5% gestiegen, DAS kann man dann aber nicht mehr mit den alten Verträgen erklären oder? 

Ich möchte hier echt kein Bauern Bashing betreiben, sondern mich mal ernsthaft und vernünftig über das Thema informieren. Das Problem bei allen offiziellen Seiten zu dem Thema ist, das diese IMMER total Einseitig sind. 

Kommentar von tryanswer ,

Das der Milchpreis bei steigendem Angebot sinkt ist keine Überraschung und war zu erwarten, allein das Ausmaß bzw. die wirtschaftliche Entwicklung waren so nicht absehbar.

Das die produzierte Milchmenge mit dem Wegfall der Quote zunächst steigen würde war ebenfalls abzusehen. Der Grund sind die Investitionen, welche die zukunftsfähigen Betriebe nach Bekanntwerden des Wegfalls der Quote getätigt haben. Um den Skaleneffekt ausnutzen zu können, haben diese Betriebe ihre Produktionsmenge über das Niveau ihrer ehemaligen Quote erhöht um auch zukünftig konkurrenzfähig bleiben zu können. An diesem Punkt trifft dann die Produktionsmenge der "Altbestände" auf die Produktionsmenge der "Neuinvestoren", damit steigt die Gesamtmilchmenge schneller, als die Marktbereinigung greifen kann.

Antwort
von scheggomat, 23

Das ist eine insgesamt blöde Konstellation geworden. 

Zuerst war es für die Bauern super: Mehr Milch produzieren, mehr Geld verdienen. Viele Molkereien haben ja auch das passende Signal ausgesendet, in Form von Erweiterungen, Neubau von Trockentürmen oder ganzen Trockenwerken. Hätte ich auch gemacht. Eine Tonne Milchpulver in Futtermittelqualität(!) brachte über 2400 Euro! 

Dann sind allerdings zwei große, wichtige Türen zugegangen. 

Einmal nach Russland, danach nach China und überhaupt Asien. Die Absätze sind weeeiiiit hinter den Erwartungen zurück geblieben. 

Die gekniffenen sind jetzt die Bauern, die auf diese Aussagen der Molkereien gebaut und ihre Betriebe erweitert haben. 

Die Politik wird beschimpft und die eigentlichen (unfreiwilligen) Übeltäter, die Molkereien, sind fein raus.

Antwort
von soissesPDF, 20

http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-05/milchgipfel-soforthilfe-bauern-subvention-...

Weil sie nunmal glaubten, dass Russen und Chinesen ausgerechnet auf Deutsche Bauen und deren Milch warten würden.
"Am deutsche Wesen soll die Welt genesen".

Dumm gelaufen, nun müssten die Deutschen mehr Milch saufen, was schlicht nicht geschehen ist.
Besonders klug handelt die Politik nicht, das wiederum nichts neues ist.

Antwort
von TheAllisons, 84

Daran sind nicht die Bauern schuld, sondern deren Standesvertreter (Landwirtschaftsministerium), weil die auf Marktsituationen zu langsam reagieren. Sie fördern Dinge, die schon wieder auf dem sinkenden Ast sind. Die müssten effektiver arbeiten

Kommentar von Deamonia ,

Das erkläre mal bitte genauer, das Landwirtschaftsministerium hat den Bauern ja nicht gesagt "Wir haben zu viel Milch, Produziert bitte noch viel mehr Milch"

Wenn ein Händler zur EM 40 Millionen Deutschlandflaggen kauft, und diese nicht los wird, ist dann auch der Staat schuld?

Antwort
von Wuestenamazone, 49

Na die Kühe sind da. Jetzt wird beschlossen weniger Milch zu produzieren. Ja und jetzt wohin mit den Kühen? Schlachten? Wohl kaum

Kommentar von Deamonia ,

und wo kommen die Kühe her? Die wurden nach Abschaffung der Quote ja wohl angeschafft oder? DA lag meiner Meinung nach der Fehler: Es gab schon zu Zeiten der Milchquote zu viel Milch, wie dumm ist es dann bitte nach Abschaffung der Quote NOCH MEHR zu produzieren? 

Antwort
von ErsterSchnee, 84

Weil man Kühe nicht mal eben so entsorgen kann, wenn man beschließt, kurzfristig weniger Milch zu produzieren.

Kommentar von Deamonia ,

Sie haben aber angefangen MEHR zu produzieren, warum überhaupt? Es gab schon zu zeiten der Milchquote ein Überangebot, da ist es doch mehr als Unwirtschaftlich dieses Überangebot bewusst noch zu vergrößern oder?

Kommentar von ErsterSchnee ,

Wenn aber ein paar Große anfangen, NOCH mehr zu produzieren, müssen die Kleinen mitziehen, wenn sie überhaupt noch was verdienen wollen.

Kommentar von Deamonia ,

Wieso? Es ist doch billiger, nur 500 Kühe die keinen Gewinn einbringen zu versorgen als 1.000 o.O 

Kommentar von ErsterSchnee ,

Und wovon zahlt der Bauer das Kuhfutter und sein eigenes Essen?

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