Frage von DerRenovater, 104

Sind Depressionen/Stress/Burnout Erscheinungen der Neuzeit?

Antwort
von HeinrikH, 50

Man kann nicht wirklich nachvollziehen, wie es damit früher war, weil es einfach keine Aufmerksamkeit bekommen hat.

Ich denke aber, dass es Erscheinungen unseres modernen extrem luxuriösen Lebens sind, durch das die Menschen einfach keine Belastung mehr gewohnt sind. Früher musste man funktionieren um zu überleben und hatte keine Zeit sich wegen eines Burnouts behandeln zu lassen. Und die Leute haben es geschafft zu arbeiten und zu überleben.

Wenn ich mir anhöre wie meine Großeltern erzogen wurden und durch den Krieg, den sie als Kinder erlebt haben, geprägt wurden, kann ich mir gut vorstellen warum sie im Leben keine Probleme wie Burnouts oder Depressionen hatten. Weil sie vom Kinheitsalter daran gewöhnt waren hart zu arbeiten und nicht wie die Kinder heutzutage in Watte gepackt wurden.

Antwort
von DerRumpelrudi, 22

Das Erschöpfungs-Syndrom ist schon seit vielen hundert Jahren bekannt. Damals hieß es nur anders, z.B. Hypochondrie, Melancholie. Molière erwähnt 1673 in seinem Buch "Der eingebildete Kranke" jemanden, der an einem Erschöpfungszustand erkrankte, ohne dass eine körperliche Krankheit erkennbar ist. Erstmalig wurde das Wort 1960 bei einem Roman von Graham Greene "A Burn-out Case" öffentlich. Auffällig betroffen waren Berufe, die mit sehr großer Anstrengung und Anforderungen verbunden sind, aber ungerechtfertigt ein geringes "Ansehen" erfahren. Deutlich wird das, als zur unseeligen NS-Zeit diese feingeistigen Menschen als minderwertige Psychopathen eingestuft wurden, die so gar nicht in die Dumm-und-Stark-Idiologie passten. Diese Auffassung hat sich bis heute bei manchen Menschen festgebrannt, wie gelegentlich von Flachbrettbohrern in ihren Postings bei GF zu erkennen ist oder im realen Leben durch "reiß dich zusammen, stell dich nicht so an". Dabei ist genau das die Ursache.

Erst durch den Begriff "Burnout" trauen sich immer mehr Menschen, sich als Betroffene zu outen. Aus US-Wissenschaftsstudien in den 1980-Jahren wurde erkannt, dass sich anonym 45 % der Arbeiter und Angestellten in einer totalen, stressbedingten psychischen und physischen Erschöpfung befanden.

Heute ist bekannt, dass nachts in einer Fußgängerzone die Beleuchtung abgeschaltet werden kann, wenn jeder Burnouter eine Lampe auf dem Kopf hätte.

Die Symptome sind also nicht neu, jedoch wird erst in der Neuzeit diesem Phänomen mehr Beachtung geschenkt, weil viele Persönlichkeiten sich dazu bekennen (z.B. Ralf Rangnick) oder sogar dadurch gestorben sind (z.B. Robert Enke).

Antwort
von hupsipu, 24

Nein... Schwermut, Melancholie und Selbstmord gab es schon immer, schau Dir die Kunst an, da ist das Thema überall vertreten (V. Woolf, Rilke, C.D.Friedrich,...). Das war schon in der griechischen Antike so, die alten Philosophen haben sich viel damit beschäftigt.

Antwort
von xRobsnx, 53

Es ist schon So, das wir eine Leistungsgesellschaft haben, was wohl dazu führt. Ich denke daher ja! Aber es gab's sicherlich früher auch Schon.

Antwort
von mxxnlxght, 36

Es gab schon immer Menschen, die psychisch krank waren.
Aber klar, bei der heutigen Gesellschaft rutscht man viel leichter in "das Loch". Durch die Medien wird durchgegeben, dass man schön (dünn) und Erfolgreich (geld) sein muss, um glücklich zu sein. Und das ist nicht immer für jeden möglich...

Im letzten Jahrtausend War sowieso alles anders. Entweder hatte man Geld, oder keins. Ich denke, dass arme Menschen schon auch irgendwie psychisch krank waren. Es sitzt sowieso kaum jemand auf der Straße ohne einem Grund.. aber das ist ein anderes Thema.

Kommentar von xRobsnx ,

Das ist wirklich eine schöne Antwort, ich würde das genauso unterscheiben :)

Antwort
von Schokolinda, 28

wenn es dich wirklich interessiert, kannst du dich hier durch 190 seiten einer dissertation zum thema lesen: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2006/2711/pdf/JurkCharlotte-2006-02-13.p...

Antwort
von Peppi26, 59

Ja das sind sie! Aber das liegt daran das die Leute mehr stress haben!

Antwort
von Ellen9, 43

Früher hieß das vermutlich anders, und Belastendes wurde weniger nach außen getragen. Heutzutage gibt es wahrscheinlich keine Schamgrenze mehr. 

Kommentar von xRobsnx ,

Das würde ich so auch nicht behaupten, sehr viele Menschen schämen sich dafür! Natürlich sieht man es hier viel, da es anonym ist usw, aber sonst ist es immernoch ein sehr verschwiegenes Thema.

Kommentar von Ellen9 ,

Das behaupte ich nicht, das weiß ich aus Erfahrungen. Daraus entwickeln sich ja logischerweise die unterschiedlichen Meinungen. 

Antwort
von Soeber, 22

Nein das ist Schwachsinnig Depressionen gibt es schon länger. Nur hat es den anderen früher nicht wirklich interessiert und es gab auch nicht wirklich Mittel dagegen bzw auch keine Hilfe wie jetzt (Therapien, Antidepressiva).

Gruß

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