Frage von Thelostboy342, 182

Sind Autopsien nicht ein extremer Widerspruch gegen die Würde des Menschen?

Hey. Mich beschäftigt die Frage, ob die Würde des Menschen und der Respekt vor dem Körper eines verstorbenen Individuums, nicht durch eine Autopsie vollkommen mit Füßen getreten wird?

Ich meine, die Person lebte vor kurzem noch und nun liegt sie tot auf dem Tisch, nackt. Der Oberkörper wird aufgeschritten, Fett- und Muskelgewese durchtrennt, die Organe untersucht, teilweise herausgeschritten... Das Gesicht wie eine Maske abgezogen bzw die Kopfhaut abgezogen, der Schädel aufgesägt, das Gehirn der Person herausgenommen, die Augenhöhlen etc im aufgebrochenen Schädel untersucht.

Ich meine, ist das nicht, auch wenn es hilft die Ursache des Todes zu finden, absolut grausam? Ist das nicht eine gruselige Vorstellung, was mit dem eigenen Körper nach dem Tod passieren kann?

Würde gerne eure Meinungen hören.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von reverse95, 91

Hi,

ich finde: Wenn mithilfe von Autopsien herausgefunden werden kann, warum ein Mensch gestorben ist und wer evtl. dafür verantwortlich ist, dann kommt das der Würde eines Menschen nur zugute.

Klar - der Gedanke daran, wie ein Körper auseinandergenommen wird, ist nicht schön. Aber noch schlimmer finde ich die Vorstellung, dass ein Mord ungeklärt bleibt und der Täter immernoch frei da draußen rumläuft.


Antwort
von Undsonstso, 24

Jain.

Hinsichtlich der Bestimmung der Todesursache (um  die Unnatürlichkeit einer solchen zu klären) ist die Autopsie wichtig,

allerdings verstehe ich deine Überlegungen durchaus und sehe es ähnlich wie du.....

Was meine i-wann mal tote Person betrifft, tot ist tot, ich würde  verzichten auf ein eventuelles Aufschnippeln und ich würde es ev. sogar  verhindern vorab per Verfügung.

Kommentar von Johannes49 ,

Geht nicht.

Antwort
von Enzylexikon, 56

Zu deinen Aussagen möchte ich mich äußern.

Ich meine, ist das nicht, auch wenn es hilft die Ursache des Todes zu finden, absolut grausam?

Grausamkeiten kann man meiner Meinung nach nur gegen Lebewesen begehen. Ein Leichnam ist aber kein Lebewesen mehr.

Es wäre grausam, wenn ein weiterer Mensch sterben müsste, weil keine Autopsie stattfand, eine Straftat unentdeckt bliebe und ein Straftäter weiter morden könnte.

Ich meine, die Person lebte vor kurzem noch

Ja, es gab eine Person mit einem Bewusstsein, die lebte.

Nachdem der Kreislauf vollständig ausgefallen ist und die Gehirntätigkeit endgültig aussetzte, gibt es dieses Bewusstsein mit dieser Persönlichkeit nicht mehr.

Dieser Mensch existiert als Individuum nicht mehr.

Ist das nicht eine gruselige Vorstellung, was mit dem eigenen Körper nach dem Tod passieren kann?

Ich finde das keineswegs gruselig.

In der Erde werden Insekten und Mikroorganismen den Leichnam durch Fressen und biologische Prozesse langsam zersetzen und skelettieren.

In einem Krematorium wird der Leichnam eingeäschert und die nach der Verbrennung übrig gebliebene Asche in einer Urne beigesetzt.

In der Pathologie wird im Rahmen einer Autopsie der Leichnam geöffnet und untersucht, um die Todesursache zu ermitteln.

  • Das erste ist der natürliche Lauf der Dinge
  • Das zweite Eine Form der Bestattung
  • Das dritte eine Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen.

Da ist aus meiner Sicht nichts grausames oder gruseliges.

Antwort
von ilknau, 32

Hallo, Thelostboy.

Find ich gar nicht, denn es dient der Aufklärung von Straftaten oder der Wissenschaft und endlich wird die Leich schön bestattet.

Grins, meine Tante stellte ihren Körper der Wissenschaft zur Verfügung und ersparte den Angehörigen so ganz bewusst die doch immensen Bestattungskosten.

Was im Mittelalter mit den Leichen der Hingerichteten geschah war dagegen absolut würdelos: man hing sie oft den Aasfressern zum Verzehr hin und liess sie als abschreckendes Beispiel dienen, indem ihnen ein christliches Begräbnis verweigert wurde, lG.

Antwort
von Schwoaze, 82

Solltest Du jemals auf so einem Tisch landen, wird es Dir sowas von egal sein!

Ich finde es schon wichtig, nicht leicht erklärbare Todesfälle aufzuklären. Und wenn dazu eine Autopsie gehört, dann ist es eben so! Würde hin oder her, wenn es dazu beiträgt, Krankheiten zu erforschen, Heilungschancen zu verbessern, Morde aufzuklären, bin ich sofort dafür.

Schließlich und endlich muss man jede Chance nutzen, neues Wissen zu erwerben.

Antwort
von Dxmklvw, 32

Meine Ansicht:

Die Menschenwürde in diesem Bereich wird tatsächlich nicht durch die Autopsie selbst verletzt, sondern durch das bloße Existieren von Straftätern, die auch fremdes Leben nicht achten und daneben auch durch die Neugier der Wissenschaft und die Gewissensabstumpfung geldorientierter Interessengruppen.

Man kann nicht gut das eine vom anderen getrennt betrachten, weil alles (und dazu auch noch viele andere Bereiche) ein ineinander verzahntes Ganzes ist.

Antwort
von SlowPhil, 54

Es verstößt sehr viel mehr gegen die Würde des Menschen, eine Tafel Schokolade zu kaufen, bei der man sich eigentlich ziemlich sicher sein, dass die Menschen - meist Kinder - die den Kakao dafür ernten, für ihre Arbeit nicht einmal mal bezahlt, sondern nur weniger geschlagen werden.

Autopsien sind jedenfalls auf gar keinen Fall dazu angetan, die Würde eines verschiedenen Menschen zu verletzen. Das Gegenteil ist der Fall. Statt den Verstorbenen einfach zu verscharren, sucht man anhand seines Körpers herauszufinden, was wirklich mit ihm geschehen ist. Man gibt sozusagen noch dem Verstorbenen ein letztes Mal das Wort. Das sein Körper dabei nicht unversehrt bleibt, ist zwar klar, aber das ist Nebensache - wenn wir anderer Meinung sind, müssen wir dazu übergehen unsere Toten ein zu balsamieren, wie es die alten Ägypter getan haben.

Antwort
von Anni478, 42

Jeder Mensch möchte doch gern einen Nutzen ziehen aus den neuesten medizinischen Erkenntnissen, z.B. dann, wenn er selbst erkrankt  und sich Behandlungen unterziehen muss aber genau diese Behandlungen sind nur möglich durch umfangreiche Forschungen am Körper des Menschen.

Auch viele Mordfälle würden vermutlich nicht als solche erkannt und aufgeklärt werden, wenn die Todesursache nicht eindeutig auf diese Art und Weise geklärt werden würde.

Autopsien finden unter Wahrung der Menschenwürde statt und sind nicht mit manchen Horrorfilmszenarien gleichzusetzen, die uns das TV vorgaukelt.

"Grausam" ist somit in Bezug auf Autopsien kein passender Begriff. Grausam ist m. E. eher der Egoismus der Menschen in Bezug auf Organspenden. Zu wenige Menschen sind Organspender, obwohl sie damit anderen  das Leben retten bzw. erhalten könnten im Fall ihres eigenen unabwendbaren Todes. Allerdings würden sie selbst im Falle einer schwerwiegenden Erkrankung, die eine Organtransplantation nötig macht, liebend gern das Organ eines anderen Menschen in Empfang nehmen.

Antwort
von InaThe, 40

Ich persönlich hätte auch nichts dagegen, meine Leiche der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen. Es ist doch nur noch eine für mich wertlose Hülle zu diesem Zeitpunkt. In der Erde zu vermodern finde ich wesentlich gruseliger (deswegen darfs für mich abschließend das Öfchen sein). 

Kommentar von lewei90 ,

Ich sehe das ähnlich. Mir ist die Vorstellung unter der Erde zu verrotten und von Insekten und Würmern und so weiter zerfressen zu werden wesentlich unangenehmer, als der Gedanke an eine mögliche Autopsie. Ich (und sicher auch meine Familie) würde ja wollen, dass man weiß, was passiert ist. Wenn es Mord war, ist es wichtig, das zu wissen, um ggf den Mörder zu fassen. Wenn es eine Krankheit war, ist das auch wichtig. möglicherweise war sie ja ansteckend und bisher unentdeckt oder es war eine Erbkrankheit, die vielleicht noch andere Mitglieder der Familie betrifft. Wenn man darum weiß, kann man mit den Erkenntnissen möglicherweise noch etwas anfangen.

Ich habe mich bewusst für einen Organspenderausweis entschieden, weil ich eben nicht einfach nur nutzlos vergammeln will. Nach meinem Tod möchte ich lieber verbrannt als beerdigt werden. All diese Dinge habe ich im Vorhinein selbst entschieden und meine Angehörigen mitgeteilt, weil ich nicht möchte, dass sie irgendwann eine Entscheidung treffen müssen. 

Antwort
von Peppi26, 63

Es ist vollkommen ok wenn damit mein Mörder gefunden wird! Ausserdem finde ich persönlich wichtig damit die Medizin immer mehr voran kommt! Ich bin ja tot und merke es ja nicht mehr! Wenn ich jemanden im Studium zum Fortschritt helfen kann warum nicht???

Antwort
von Grobbeldopp, 29

Ich finde es umgekehrt seltsam, dass man von einer Leiche spricht als wäre es eine Person. Gut wenn man das will, soll man, aber es muss nicht sein. Da ist keiner mehr drin, das ist nicht "Hans-Peter", das ist nur ein Stück Dreck was früher mal Hans-Peter war und vorsichtig behandelt wird weil es so ähnlich aussieht wie der Verstorbene. Es ist nicht der Verstorbene.

Kommentar von holodeck ,

das ist nur ein Stück Dreck was früher mal Hans-Peter war

Also wirklich, was für eine bizarre Haltung.

Die Leiche deiner Mutter ist noch immer der Körper, an dessen Brust du einst gehangen hast und dessen Hand deine ersten Schritte führte und deine ersten Tränen wegwischte. Ihr Schoß ist der, in den du krabbeln konntest, wenn du müde wurdest oder Trost brauchtest.   

Noch nicht einmal als Erde wird man ihn als "Dreck" bezeichnen können.

Antwort
von amdros, 50

Du siehst das sicher nur mit einem Auge aus dem Blickwinkel, ohne das anderen mit einzubeziehen!

Ein Beispiel, was sich erst vor einigen Tagen zugetragen hat und eine Autopsie nach sich zieht.

Mein Cousin und seine Frau bringen nach einem Ausflug ihre Fahrräder in den Keller, mein Cousin fällt im Keller um und ist tot!

Außer, daß die Kriminalpolizei sofort hinzugezogen wurde, wurde auch eine Autopsie veranlaßt, um einen evtl. Mord auszuschließen!

Wie sonst wollte man feststellen können, ob der Tod ein natürlicher war oder aber ob Hand angelegt wurde?

So wird es sicher noch in mehreren Todesfällen zu klären sein, wo ein natürlicher Tod nicht mit dem bloßen Auge festzustellen ist!?

Antwort
von pingu72, 47

Nein. Die Toten stört es nicht, durch Autopsien wurde viel über den Körper gelernt, es werden Todesursachen geklärt und Mörder gefasst. Das alles ist wichtiger als Würde.

Kommentar von Thelostboy342 ,

Soll man die Totenruhe stören?

Kommentar von pingu72 ,

Das wird sie sowieso. Bei einer Aufbahrung wird zB der Mund zugenäht. Dann wird man entweder verbrannt oder unter der Erde von Tieren angenagt und man zerfällt irgendwann. Vom Körper bleibt nie viel übrig...

Ich will sogar zerpflückt werden da ich Organspenderin bin. Wenn ich dadurch Leben retten kann pfeiff ich auf meine Würde.

Antwort
von Sillexyx, 52

Die Vorstellung ist schon grausam, es wird aber nur gemacht bei Mord, unklare Todesursachen und wenn es die Angehörigen wollen.

Antwort
von Dickerchen123, 45

Hei deiner Theorie folgend dürften dann auch keine OPs mehr vorgenommen werden, in denen Organe transplantiert werden, Köpfe aufgesägt werden, um an Tumore zu gelangen. Beine und Arme abgeschnitten werden um Leben zu retten. Kaiserschnitte um Babys und Mamas zu retten. Die Würde des Menschen liegt nicht im Körper, das ist Masse, dann eben tote Masse. LG

Expertenantwort
von Pangaea, Community-Experte für Gesundheit, 35

Die Autopsie wird nicht gemacht, um die Würde des Toten zu stören.

Sie wird gemacht, um die Todesursache sicher zu bestimmen - entweder weil es um ein Verbrechen geht oder weil man im Krankenhaus wissen will, was genau zum Tod geführt hat. Das kann später für andere Patienten hilfreich sein, und dem Verstorbenen macht es nichts mehr aus.

Mein Pathologie-Professor sagte immer, er würde ohne zu zögern auch einen Verwandten obduzieren.

Antwort
von Epicmetalfan, 43

meine meinung: mir ist es absolut wurst, was man mit mir nach meinem tot macht.

es wird ja nicht grundlos rumgeschnippelt, sondern eben um die todesursache zu finden und so einen mörder zu fassen oder eine krankheit zu erforschen oder was auch immer. es hilft damit den anderen menschen, warum also nicht.

Antwort
von Andrastor, 38

Da die Person bereits tot ist, ist ihr Körper nicht mehr als eine verwesende Leiche. Der Tote bekommt in keinster Weise mit was mit dem Körper nach dem Tod geschieht und daher ist eine Autopise auch in keinster Weise entwürdigend oder grausam.

Antwort
von ShadowHow, 45

Wieso soll es besser sein, eine Leiche in einem Holzkasten unter der Erde zu verscharren? Außerdem geht es um die Aufklärung einer Straftat, da haben die Gefühle eines Toten eine untergeordnete Bedeutung.

Antwort
von kompetent, 9

Bei nicht geklärter bzw. unklarer Todesursache muss zwingend eine Autopsie durchgeführt werden. Wie will man sonst feststellen, woran die Person gestorben ist oder ob sie nicht sogar ermordet wurde? Das ist ethisch durchaus vertretbar und verletzt nicht die Würde des Menschen.

Antwort
von JoachimWalter, 13

Einer Autopsie meiner Frau haben meine Kinder und ich zugestimmt, da es nicht klar war ob nicht doch noch ein exotischer Keim sein Unwesen trieb. Dies war auch im Interesse des Schutzes vom Personal des Krankenhauses.

Antwort
von DerOnkelJ, 33

Was macht denn den Menschen als solches aus?

Ein Körper ohne das was wir Seele nennen ist doch nichts...

Antwort
von skydram, 15

Ich find es nicht gut bei einem normalen aber unerwarteten todesfall☺️ Als meine Oma vom einen auf den anderen Tag starb und die Todesursache ungeklärt war, sollte es auch unter die Lupe genommen werden. da mein Papa aber im Rettungsteam arbeitete konnte er mit der Polizei reden und die haben alle gesagt okay es muss nicht sein.
Ich finde dadurch wird Oma nicht wieder lebendig, und sie hatte wohl einen Herzinfarkt oder wer weiss, was wir wissen ist sie ist in Frieden gegangen, wenn auch mit 62.
Oma soll in Frieden ruhen, und wir wollten nicht das man an ihr rumschneidet, damit es dann heisst:„ Herzstillstand!"
R.i.p Grusi😭❤️

Antwort
von Evileul, 38

Wenn es um die Todesursache geht, ist sowas doch vollkommen in ordnung, gerade bei Verbrechen.

Antwort
von meinerede, 15

Dann guck´mal die Sendung "Autopsie"! Wird nach der Würde des Menschen gefragt, wenn er brutal ermordet  und dann in ´Müll geworfen wird? Wie viele Leichen, die irgendwo in der Pampa liegen und nie gefunden werden?

Wer im Leben keine Würde erfuhr, der braucht sie tot erst recht nicht mehr!!!

Antwort
von TheRedBird, 42

Nein. Denke ich nicht. Mich interessiert es überhaupt nicht, was mit mir nach meinem Tod passiert. Es soll nur nicht meine Angehörigen belasten.

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