Frage von Exsultatio, 244

Sind Antifaschisten (Antifa) gegen Kapitalismus?

Sind Antifaschisten, bzw. die Antifa-Mitglieder gegen den Kapitalismus? Wenn ja, wieso? Welchen Sinn hat es, dagegen zu sein? Was soll es ihrer Meinung nach sonst für eine Gesellschaftsordnung geben? Es gibt ja sonst keinerlei Alternativen (gäbe es gute, wären sie ja schon längst durchgesetzt worden?)? Faschismus wollen sie ja nicht und vom Kommunismus weiß man, dass er nicht funktioniert. Da bleibt doch nichts mehr übrig? :s Habe gehört, oft sind sie für Anarchie. Doch welchen Sinn hat das? Wollen sie wirklich in einer Gesellschaft ohne Ordnung leben, wo jeder tun und lassen kann, was er will, ohne im Schutz von Gesetzen zu stehen? Dann gibt es ja gar keine Gesellschaft mehr?! ._. Hoffe auf gute Antworten, die meinen Haufen an Fragen iwie beantworten können... Vllt gibt es ja hier manche Antifaschisten, die Antwort geben können. :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von 161xx, 117

Nur manche Antifaschisten sind gegen den Kapitalismus. Im Grunde sind es aber so gut wie alle, da der Kapitalismus auch für die Ungerechtigkeit bezüglich des Einkommens usw sorgt, sowie für die Diskrepanz zwischen Bourgeoisie und Proletariat.
Als Alternative sind viele halt Kommunisten oder Sozialisten. Es gibt aber auch verschiedene Formen des Kommunismus (Beispiel: Anarchokommunismus), wie auch verschiedene Formen des Anarchismus (Beispiel: Anarchosyndikalismus). Und ja, es gibt sowohl Anarchisten als auch Kommunisten in der antifaschistischen Szene. Allerdings gilt der Kommunismus als Alternative zum Kapitalismus. Und deine Annahme bzw Aussage, dass der Kommunismus nicht funktionieren kann, würde ich so nicht unterschreiben.

Als Voraussetzung bzw Vorstufe des Kommunismus gilt der Sozialismus. Der Sozialismus ist das, was heutzutage so gut wie jeder als Kommunismus bezeichnet (DDR, Sowjetunion, etc). Der Sozialismus kann auch durchaus funktionieren, wenn man ihn eben nicht so ausnutzt wie zB Stalin es getan hat (meiner Meinung nach). Danach folgt der Kommunismus, wo der Staat abgeschafft wird und die Gesellschaft das ganze allein regelt, mit dem Wissen was sie vorher erlangt haben. Ich würd dir empfehlen, wenn dich das interessiert, mit dem Marxismus auseinander zu setzen. :)

Ich bin übrigens Anarchist, aber Anarchismus bedeutet NICHT so etwas wie "Gesetzeslosigkeit", "Chaos", und "jeder kann machen was er will". Das einzige was der Anarchismus ist, ist "Herrschaftslosigkeit". Das bedeutet es gibt keinen Herrscher/kein Wesen, welches über anderen steht. Somit keinen Staat, keinen Gott, und auch ansonsten besitzt NIEMAND mehr Macht als jemand anderes. Die Macht ist vollkommen gleich auf die Gesellschaft (die es sehr wohl gibt) verteilt. Regeln kann es in einer Anarchie trotzdem geben, allerdings werden diese kollektiv von der Gesellschaft festgelegt und jeder hält sich dran. Vorraussetzung ist natürlich auch ausreichend Bildung und Aufklärung. Wer sich nicht an die Regeln hält, ist in dem Moment mächtiger als jemand anderes, und somit ist es keine Anarchie mehr. Ich bin der Meinung, Anarchismus funktioniert außerdem nur global.. und wenn dir jemand kommt mit "Anarchie kann nicht funktionieren, schau dir Somalia an" - In Somalia gibt es keine Anarchie. ;)

So und das war die Antwort eines Antifaschisten, so wie du es wolltest. Ich hoffe ich konnte dir helfen.

Kommentar von 161xx ,

Antifaschismus ist aber im Grunde eine ganz andere Sache als Antikapitalismus. Wie gesagt, sind viele Antifaschisten auch Antikapitalisten, aber das muss nicht der Fall sein.

Antwort
von OhneRelevanz, 76

In der Regel sind Antifaschisten sehr linke Menschen und entsprechend gegen Kapitalismus. Dass sind sie bzw. sind wir, weil der Kapitalismus Menschen wie Umwelt ausbeutet und zerstört und es eben nicht sein kann, dass der Mensch unter der Wirtschaft steht. (Kein Bock das großartig auszuführen; Stichworte: Dumping-Löhne, Trinkwasserprivatisierung, Massentierhaltung, Kinderarbeit, usw. usw. Der Kapitalismus ist auf Wachstum angewiesen, aber ewiges Wachstum ist auf einem begrenzten Planeten eben nicht möglich.)

Alternativen gibt es jede Menge. Nicht mal unbedingt der Kommunismus oder Anarchismus, genauso wäre (als Etappenziel) eine Einschränkung des Kapitalismus im Rahmen der (richtigen(!)) sozialen Marktwirtschaft erstrebsam. 

Ich bin kein Anarchist, aber soweit ich weiß lehnt der Anarchist nicht jede Ordnung ab, sondern eben nur die Hierarchie. Es gibt zwar keinen Staat, aber das bedeutet eben nicht, dass man quasi ungestraft tun und lassen kann, was man will. Anarchie bedeutet eben im weitesten Sinne, dass sich jeder selbst verwaltet.

Antwort
von alashatt, 123

Wenn "man" wüsste, dass der Kommunismus nicht funktioniert, dann würde es wohl kaum noch Kommunisten geben. Tatsächlich ist die Behauptung gar nicht so unangefochten und unumstritten, wie "man" vielleicht glauben möchte oder es gerne hätte. Und wenn Anarchisten der Meinung wären, dass Anarchie das Fehlen von Ordnung sei und Gesetze schützen würden, wären sie gar nicht erst Anarchisten. Das dürfte insofern nachvollziehbar sein, als Anarchisten sich für soziales Miteinander engagieren. Hier wäre es angebracht auf den Unterschied zwischen Anarchie und Anomie aufmerksam zu machen.

Antifaschisten, also die, die sich mit der Bewegung identifizieren (wie jemand schon schrieb, gibt es keine Mitglieder) opponieren in der Regel gegen das, was sie als Kapitalismus auffassen. Dadurch sind sie nicht zwangsläufig richtige Antikapitalisten, wenn man einmal bedenkt, dass auch die Partei "Die Linke" unter dem Deckmantel des "Demokratischen Sozialismus" nur einen Kapitalismus mit sozialen Schwerpunkten anstreben will. Es würde mich nicht wundern, wenn sich unter den Antifaschisten, ob nun viele oder nicht, darin wiedererkennen. Der Rest würde sich wohl in den Anarchismus oder Kommunismus einordnen.

Antwort
von MrHilfestellung, 76

Antifaschisten müssen nicht immer gegen den Kapitalismus sein. Selbst CDU-Wähler demonstrieren gegen Nazis. 

Menschen, die sich der Antifa zugehörig fühlen (eine Antifa-Mitgliedschaft gibt es nicht, da die Antifa keine einzelne Organisation ist) sind meistens schon Antikapitalisten, aber auch da gibt es verschiedene Meinungen. Die einen sind Autonome und für den Anarchismus, die anderen für den Kommunismus.

Ich bin jetzt kein Anarchist, aber der Anarchismus ist keine Gesellschaft ohne Regeln und Gesetze, sondern eine Gesellschaft ohne Herrschende. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Anarchismus\_in\_Spanien#Anarchistische\_Pr.C3.A4s... Hier kannst du dich informieren, wie so etwas aussehen soll und auch kann, auch wenn es natürlich extrem schwierig ist Anarchismus weltweit umzusetzen.

Antwort
von Micromanson, 76

Zunächst sind sie mal gegen Rechte... Und wie in jeder anderen Gruppierung gibt es unterschiedliche Meinungen, man kann nicht einheitlich sagen wofür sie sind. Kapitalisten dürften bei der Antifa aber sehr selten zu finden sein ^^

Die meisten werden wohl für den demokratischen Sozialismus sein (wie SPD und Linke).

Und nur weil noch nichts anderes durchgesetzt wurde, heißt es nicht, dass gar nichts besseres da wäre.

Ich meine es kommt auf den Blickwinkel an. Wirtschaftsbosse sind logischerweise schon für den Kapitalismus, weil sie sich Geld im Großen Stil in die eigene Tasche befördern, ohne selbst was richtiges dafür zutun (jedenfalls nichts was solche Summen rechtfertigt).

Ich finde es makaber ein System der Ausbeutung, Armut, Arbeitslosigkeit als DAS System zu bezeichnen.

Die kleinen Leute haben vom Kapitalismus rein gar nichts, außer dass man sie neuerdings mit 8,50€ rücksichtslos abspeisen.

Es gibt einen passenden Spruch :

"Bevor ein Arzt operieren kann, muss eine Putzfrau erstmal den OP steril halten"

Also wieso sollte eine Putzfrau, die für eine Operation genauso wichtig ist wie ein Arzt, so wenig verdienen dass sie ihre Kinder kaum ernähren kann, während der Arzt 3 Autos fährt und eine Villa hat?

Kommentar von Georg63 ,

Super Beitrag, nur das die SPD spätestens seit Schröder eine reine Kapitalistenpartei ist.

Kommentar von Micromanson ,

Ja, ich hab Parteien berücksichtigt, die auf dem Papier immer noch sozial sind :-D

Antwort
von Georg63, 88

Anarchie taugt nichts, das hast du schon richtig erklärt.

Kapitalismus wird wieder zu Faschismus werden und zwar spätestens dann, wenn wichtige Ressourcen wie Öl aufgebraucht sind und der Wohlstand auch in den reichen Ländern nicht mehr zu halten ist.

Eine gerechte zielgerichtete Weltordnung wird aber von den Machthabern aller Art verhindert, da diese dann wesentliche Teile ihrer Macht aufgeben müssten.

Echten Kommunismus hat es auf der Welt noch nirgends gegeben. Vor dieser Idee haben die eben genannten Machthaber furchtbare Angst und tun daher seit über 100 Jahren alles um dieses Ideal als schlimmes Teufelswerk zu diffamieren.

Die Regimes, die sich als "kommunistisch" bezeichneten haben dabei viel geholfen.

Kommentar von Exsultatio ,

Inwiefern besteht die Sorge, dass Kapitalismus zu Faschismus wird?

Liegt der Ursprung von Faschismus nicht im Nationalismus, also in den Köpfen der Leute? Was haben Ressourcen damit zu tun? Leute können doch gar nicht ohne Zuspruch des Volkes die Macht übernehmen?

Kommentar von Georg63 ,

Unser westliches System beruht auf Wachstum durch übermäßigen Ressourcenverbrauch in globalem Maßstab. Wenn dieses Wachstum auch nur um 1 -2 Prozent sinkt, haben wir heftige Krisenerscheinungen mit zunehmnder Arbeitslosigkeit etc.

Dieser Wachstumswahn wird in spätestens  50 Jahren hart gebremst, wenn die bequem förderbaren Ölreserven der Welt zu Ende gehen. Es kann sogar wesentlich früher passieren, wenn Staaten wie China, Indien und Brasilien einen angemessenen Anteil an den globalen Ressourcen einfordern - und wenn man diesen Anteil an der Bevölkerungsgröße festmacht, bleibt für uns nicht mal die Hälfte des heutigen Bedarfs.

Ohne dieses Wachstum ist unser Wohlstand einfach vorbei - natürlich nur für die 60-80 Prozent Normalbürger - nicht für die 10-20 Prozent Oberschicht, denen 80% allen Vermögens gehören.

Dann ist es vorbei mit sozialem Frieden und der Demokratie. Dann kann die Oberschicht ihre Position nur noch durch blanke Unterdrückung erhalten.

Leute können doch gar nicht ohne Zuspruch des Volkes die Macht übernehmen?

Denk mal nach, wer wirklich die Macht hat. Die meisten Politiker sind nicht frei in ihren Entscheidungen, da sie von ihren Geldgebern (Lobbyisten) abhängig sind, bzw. ihnen gegenüber loyal sind.

Kommentar von Exsultatio ,

D.h., es gibt Leute, die sich nicht nur von Ideologien, etc. bedroht fühlen, sondern generell davon, dass es Menschen gibt, die über ihnen stehen, die mehr Macht haben als sie. Diese Leute zweifeln an der Standhaftigkeit und Beständigkeit der Demokratie.

Habe ich das bis dahin richtig verstanden? :)

Diese sind dann für den Kommunismus oder den "Anarchismus".

Also sind Antikapitalisten auch gegen unsere Demokratie...? :S

Kommentar von Georg63 ,

Ich glaube nicht, dass du das Problem richtig verstanden hast.

Die meisten Menschen wollen eine Art Führung, der sie vertrauen können - das betrifft den Staat genauso wie die Wirtschaft.

Die Existenz von Hierarchien halte ich in einer komplexen Gesellschaft für unenbehrlich - vor allem aus organisatorischen Gründen.

Zum zweiten: Kommunismus und Demokratie gehören zusammen - da gibt es keinen Widerspruch. Eine Ditatur kann nie wirklich kommunistisch sein. Sie kann versuchen, den Weg dorthin zu schaffen, aber das ist extrem gefährlich, da Macht korrumpiert, wie die Geschichte immer wieder gezeigt hat und zeigt.

Kommentar von 161xx ,

Inwiefern taugt der Anarchismus nichts? Es ist schwer ihn umzusetzen, aber ich halte es durchaus für möglich. Vermutlich hast du eine falsche Auffassung davon, was der Anarchismus eigentlich ist.

Kommentar von Georg63 ,

Ich gebe zu, dass ich mich mit Anarchismus noch nicht tiefgreifend befasst habe. Allerdings bin ich sicher, dass es ohne Hierarchien nicht geht.

Antwort
von Kanatar, 40

Erstmal gibt es nicht die Antifa. Das sind als unabhängige Gruppen und die einzelnen Personen haben sehr unterschiedliche Ideen. Ein Antifaschist ist nicht automatisch gegen den Kapitalismus. Aber viele sind es. Es gibt die die für eine soziale Marktwirtschaft sind, Sozialisten, Kommunisten usw.

Der Kommunismus ist übrigens nie wirklich praktiziert worden.
Anarchisten sind für eine Ordnung ohne Herrschaft. Alle sollen sich mehr oder weniger in kleinen Gruppen selbst organisieren.

Antwort
von SacredChao, 61

Hi,

grundsätzlich haben Kapitalismus-Kritik und Antifaschismus nichts miteinander zu tun.

Die Antifa versucht - wie der Name schon andeutet - vor allem Faschismus, und damit auch Nationalismus, Neonazismus und Rassismus zu bekämpfen.

Tatsächlich gibt es in der Linken Szene natürlich zahlreiche Kapitalismus-Kritiker, entsprechend ist die Schnittmenge recht groß. Aber wie gesagt, mit Antifa hat das erstmal nichts zu tun.

Gründe zur Kritik am Kapitalismus gibt es einige. Zuviel für diese kurze Antwort - aber merke dir eins: Nur weil die Alternativen noch schlimmer klingen, heißt es nicht, dass der Status quo perfekt ist ;)

Viele Grüße,

SacredChao

Antwort
von voayager, 45

Den Kommunismus hat es bis dato noch nie auf der Welt gegeben, wie kann man dann sagen, er sei gescheitert?

Der Antifaschismus ist ein Sammelbecken unterschiedlichster Couleur, reicht von Sozialismus bis zum Anarchismus. Daher ist er nicht einheitlich.

Antwort
von Reptain, 42

Nein. Antifaschismus bedeutet ja in erster Linie, gegen den Faschismus zu sein - und das sind ausnahmslos alle demokratischen Parteien. Auch ich würde mich als Antifaschist bezeichnen - stehe aber voll und ganz hinter der sozialen Marktwirtschaft. 

Antwort
von Hegemon, 35

Es gibt sicher auch einige Antifas, die die Ursachen und Wurzeln des Faschismus kennen. Davon kann man aber wohl nicht bei allen ausgehen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft\_zum\_Studium\_des\_Faschismus

„Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen“ (Max Horkheimer)


Antwort
von barfussjim, 62

Ich bin gegen Nazis, Rassismus, Autokraten, Frauenhasser und Homophobie und sehe mich als Antifaschisten.

Zugleich befürworte ich offene Grenzen, Massenzuwanderung und freie Marktwirtschaft = "Kapitalismus".

Das Eine schließt das Andere nicht aus - gerade marktwirtschaftlich organisierte Gesellschaften sind multikulturell und tolerant. In New York City, London und Frankfurt, Zentren des Kapitalismus, fühle ich mich wohl, sie sind das Vorbild für die Welt.

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